Pflege abgelehnt, da Patientin falsches Tracheostoma trägt

"Hier wird Pflege besprochen" mit Downloadbereich und Knowledgebase

Moderator: DMF-Team

Antworten
Poketina
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 5
Registriert: 20.10.09, 17:01
Wohnort: München

Pflege abgelehnt, da Patientin falsches Tracheostoma trägt

Beitrag von Poketina » 20.10.09, 17:23

Hallo zusammen,

ich bin im Moment stinksauer. Meine Mutter liegt nach einer schweren Hirnblutung seit 6 Wochen ohne Bewusstsein im KHS. Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht. Es wurde mit dem KHS vereinbart, dass wir die lebensverlängernden Massnahmen einstellen und sie als Palliativfall in ein Pflegeheim verlegt werden soll. Am Freitag hatten wir auch in einem Heim ein Gespräch und sie sollte morgen dort aufgenommen werden. Wir hatten die Dame von der Überleitungspflege auf das Tracheostoma aufmerksam gemacht. Sie sagte, dies wäre kein Problem. (Sie ist nicht beatmungspflichtig). Heute kommt der Anruf vom Heim, dass sie sie dort nun doch nicht aufnehmen können, da das Tracheostoma operativ und nicht mit der "Dehnmethode" gelegt wurde. Hallo!!!! Was soll das denn?

Kann mir mal einer erklären, wo da der Unterschied in der Versorgung sein soll?
1. ist die Wunde nach 5 Wochen verheilt.
2. sie atmet selbstständig
3. sie muss vielleicht 2 x tgl. abgesaugt werden
4. Lebenszeit ist eh begrenzt.

Eine vernünftige Auskunft haben wir nicht erhalten. Die Ärztin im KHS konnte das auch nicht wirklich verstehen.

Mir geht das tierisch auf den Keks. Wir haben schon Sorgen genug und dann noch so was. Mir kommt es so vor, als würden die sie nicht wollen, weil sie wohl nicht lange bleibt und sie vielleicht einen anderen Bewohner hätten, der noch nicht so krank ist.

Vielen Dank
Tina

Peter Estner
DMF-Moderator
Beiträge: 219
Registriert: 09.10.04, 14:45
Wohnort: 82418 Murnau

Beitrag von Peter Estner » 20.10.09, 19:34

Hallo Tina,
was genau die Pflegestation bewegt, eine Patientin abzulehnen mit einem chirurgischen Tracheostoma kann ich ebenfalls nicht ganz nachvollziehen. Denn eigentlich gibt es nur Vorteile: "Replatzierung der Kanüle nach akzidentiellen Verlust auch sofort nach Anlage des Stomas ohne Hilfsmittel und ohne spezielle Kenntnisse möglich, bei längerfristiger Notwendigkeit einer Tracheostomie Beschleunigung der Rehabilitation durch leichteren, evtl. selbstständigen Kanülenwechsel." (Literatur: Intensivmedizin; Hugo van Akten, S. 146, Thieme Verlag)
Im Klartext, wenn die Kanüle raus rutscht, dann bekommt sie jeder wieder hinein.
Ein Nachteil, den ich mir vorstellen kann, wäre das ein chir. angelegtes Tracheostoma auch wieder chir. verschlossen werden muss. Dazu wäre dann ein Krankenhausaufenthalt notwendig. - Meine Frage wäre nun doch für mein besseres Verständnis, warum Ihre Mutter im Moment noch eine Kanüle benötigt? Wenn in dem Krankenhaus der Verschluss des Tracheostomas möglich wäre, dann könnte Ihre Mutter auch nasal (durch die Nase) oder durch den Mund abgesaugt werden. - Oft gehen im Alltag wichtige Dinge unter und das ist ärgerlich. Andererseits lieber jetzt darauf aufmerksam geworden sein, als wenn Ihre Mutter dann wieder zurückverlegt werden muss. Denke jetzt haben Sie soviel schon aushalten müssen, ich bin sicher das schaffen Sie jetzt auch noch und dann sind Sie ja auch auf der sicheren Seite und Ihre Mutter hat nicht die vielen Transporte. Ich wünsche Ihnen viel Geduld und ein gutes Gelingen.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Estner

Poketina
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 5
Registriert: 20.10.09, 17:01
Wohnort: München

Beitrag von Poketina » 21.10.09, 11:16

Hallo Herr Estner,

danke für Ihre netten Worte.
Meine Mutter ist nach all den Wochen immer noch ohne Bewusstsein. Da sie aufgrund der Hirnblutung eine Schluckstörung hat und auch ziemlich verschleimt ist, sehen die Klinikärzte die Kanüle als notwendig an - eine Entfernung ist auch aus pflegetechnischen Gründen nicht geplant. Die Gefahr, dass die Kanüle rausrutscht ist auch nicht wirklich gegeben, da sie sich ja selbst nicht bewegt und beim Lagern kann man ja drauf achten.
Es sieht jetzt so aus, dass der Sozialdienst des KHS beauftragt wurde, einen Platz zu finden, wo das kein Problem darstellt.
Viele Grüße
Tina

PS: Komme gerade aus dem KHS. Mittlerweile wurde meine Mutter auf die Palliativstation verlegt. Das Thema Pflegeheim hat sich jetzt erst mal erledigt.
Nochmals Danke
Tina

Peter Estner
DMF-Moderator
Beiträge: 219
Registriert: 09.10.04, 14:45
Wohnort: 82418 Murnau

Beitrag von Peter Estner » 21.10.09, 19:48

Liebe Tina,
das halte ich jetzt auch für eine annehmbare Lösung, vielen Dank, dass Sie nochmals geantwortet haben. Denke das es auf der Palliativstation für Ihre Mutter am Besten ist, da ist sie in besseren Händen, die Pflegenden kennen sich gut mit Kanülen aus und Ihre Mutter wird auch ärztlich gut versorgt werden, damit sie keine Schmerzen hat. Alles Gute
LG
Peter Estner

Poketina
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 5
Registriert: 20.10.09, 17:01
Wohnort: München

Beitrag von Poketina » 31.10.09, 11:14

Hallo Herr Estner,

die Palliativstation war wirklich das Beste was passieren konnte. Meine Mutter wurde dort sehr liebevoll versorgt.
Am 27.10.2009 ist sie gestorben - ganz friedlich.

Die Schwestern haben sich dann auch um uns ganz nett gekümmert. Dort in der Abteilung erhält jeder ehemaliger Patient eine Seite im Album, die die Angehörigen selbst gestalten dürfen. Nach ca. 6 Wochen gibt es dann noch eine kleine Abschiedsfeier. - Das finde ich eine tolle Idee.

LG
Tina

Annette Koch
DMF-Moderator
Beiträge: 1081
Registriert: 29.09.04, 14:41
Wohnort: Hannover

Beitrag von Annette Koch » 02.11.09, 21:11

Liebe Poketina!

Ich habe ihren Beitrag hier verfolgt. Mein Kollege Hr. Estner hat sie ja bestens mit Ratschlägen versorgt. Ich möchte hier Beileidsbekundungen anbringen. Dem Tod entgegenzugehen und solch eine Pflege zu erhalten würde ich mir für viele andere mehr wünschen.

Wünsche Ihnen alles Gute!
Liebe Grüße

Annette Koch
---------------------
DMF-Moderatorin
Geriatrie/Gerontologie
Pflege

Poketina
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 5
Registriert: 20.10.09, 17:01
Wohnort: München

Beitrag von Poketina » 03.11.09, 11:00

Liebe Frau Koch,

danke für Ihren lieben Zuspruch.

LG
Tina

Antworten