Widerruf der Pflegestufe I

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Ortwin
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Widerruf der Pflegestufe I

Beitrag von Ortwin » 11.11.08, 11:50


Hallo, vielleicht kann mir jemand grundlegende Infos geben. Meine Mutter hat soeben ihren 95.Geburtstag erlebt. Im September ist sie in ihrer Wohnung gestürzt und blieb dort bewusstlos über 24 Std. liegen. Nach Krankenhausaufenthalt Eilantrag auf PflStufe I . Anschließend Kurzzeitpflege für 4 Wochen im DRK-Altenheim. Die BEK bewilligt mit Schreiben vom 17.09.08 die Kurzzeitpflege und übersendet einen Fragebogen m.d.B. um Mitteilung, was nach der Kurzzeitpflege gewünscht wird, damit der MDK die persönliche Untersuchung vornehmen kann. Wir wünschen in Anbetracht des Zustandes meiner Mutter die vollstationäre Pflege.
Dann hören wir erst einmal nichts. Mit Schreiben vom 16.10.08 teilt die BEK mit, dass Leistungen nach Pflegestufe I gewährt werden.
In dem Schreiben wird dann standardmäßig mitgeteilt: "Bei einem Wechsel von häuslicher in vollstationäre Pflege bleibt die festgestellte Pflegestufe gültig.Sie kann sich ändern, wenn sie eine Höherstufung beantragen oder wenneszu einer neuen Begutachtungkommt".
Wir sind damit davon ausgegangen, dass eine 1. Begutachtung stattgefunden hat, sonst hätte es dieses Bescheides nicht bedurft.
Am 5.11.08 ein neues Schreiben der BEK. Aufhebung der PflSt I, da der Hilfebedarf aus 3 Verrichtungskomplexen des tägl. Lebens keine 46 Minuten erreicht.
Dem MDK-Gutachten ist schon beim ersten Lesen mindestens 1 Fehler zu entnehmen.
Danach soll meine Mutter nicht inkontinent sein. Seit Monaten aber bezahlt die BEK entsprechende Vorlagen.
Besonders pikant: Nach Einzug ins Pflegeheim haben wir die Wohnung meiner Mutter gekündigt. Sie ist also nun auf den Aufenthalt im Pflegeheim angewiesen und es fehlen meiner Mutter nunmehr erhebliche fin. Mittel zur Bezahlung der Heimunterbringung.
Wie sind die Chancen eines Rechtsstreites gegen den MDK? Ist bekannt,ob ggf. Sozialhilfe auch gewährt wird, wenn keine Pflegestufe I vorliegt?

Schon mal Danke für eine Nachricht.

Ortwin

beryllus
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Beitrag von beryllus » 13.11.08, 21:09

An Deiner Stelle würde ich mal mit der Barmer Pflegekasse sprechen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ohne Antrag auf Pflege und die damit verbundene gesetzlich vorgeschriebenen Begutachtung durch den MDK(Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen) eine Pflegestufe zuerkannt wird. Und diese anschließend zu widerrufen. Und wann fand denn die Begutachtung statt? Steht im <gutachten, das ja offenbar vorliegt. Und was stand genau in dem Bescheid? In jedem Fall Widerspruch einlegen! Und ggf. den Rechtsweg beschreiten. Auf jeden Fall hört sich Deine Schilderung sehr suspekt an.

VLG

Beryllus

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 13.11.08, 23:10

Hallo!

So wie ich verstanden habe lebt ihre Mutter jetzt im Heim. Dort stellen die zuständigen Pflegefachkräfte eine Pflegeplanung auf , die alle Verrichtungen des täglichen Lebens umfasst. Aus dieser lässt sich dann die Pflegestufe durch den MDK ableiten. Im Heim kann ein Antrag auf Erstellung einer (höheren Pflegestufe) beim MDK beantragt werden. So ist der geregelte Verlauf. Meist wird der Antrag durch die PDL eingereicht. Der MDK prüft dann die erstellte Pflegeplanung mit den dazugehörigen Leistungen die im Heim erbracht werden. Auch ihre Mutter wird zu dieser Zeit begutachtet. Sprechen sie doch mal mit den dortigen Pflegekräften im Heim und unterrichten sie die PDL.

Für weitere Fragen bin ich gerne offen :wink:
Liebe Grüße

Annette Koch
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Ortwin
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Antwort

Beitrag von Ortwin » 14.11.08, 14:51

Hallo Beryllus, hallo Frau Koch,
erst einmal herzlichen Dank für die Antworten. Also, meine Mutter wurde vor dem Aufhebungsbescheid genau am Vormittag ihres 95. Geburtstages durch den MD begutachtet. Und das, lt. Angaben der PDL des Heimes ,unangemeldet. Das fand ich schon mal recht sonderbar ( andere würden sicher noch stärkere Ausdrücke dafür finden). Was mich so stutzig macht; meine Mutter bekam PflStufe I im Eilverfahren für die Kurzzeitpflege im Heim. Dann das Schreiben der BEK vom 17.09.08 mit dem die Kurzzeitpflege bis zu höchstens 1.470 € genehmigt wird und die Aufforderung zur Wahl der Anschlussleistung ( hier vollstationäre Pflege ), damit der MD die Begutachtung vornehmen kann, und dann mit Schreiben vom 16.10.08 die Gewährung der
Pflegestufe I. Da mußten wir doch zwangsläufig davon ausgehen, dass eine Begutachtung schon stattgefunden hatte. Was sollte sonst der Bescheid?
Und dann, wie schon erwähnt, der unangemeldete Besuch am Geburtstag mit den bekannten Folgen.
Ich denke,so kann man doch nicht mit den Leuten umgehen.
Ich bin ja am Geburtstag meiner Mutter mit der Gutachterin des MD zusammengetroffen. Sie hat sich mir gegenüber nicht als solche zu erkennen gegeben únd ich habe nicht bemerkt, was da abläuft. Meine Mutter hat nicht einmal realisiert, wen sie da eigentlich zu Besuch hatte und was die Person eigentlich wollte. War ja auch eine Schwester des Heims mit dabei.
Ich habe nun schon mit der PDL des Heimes sprechen können. Es ist auch nach deren Einschätzung so, dass meine Mutter sich erholt hat und nicht genügend Grundpflegeleistungen in Anspruch nimmt, um auf die notwendigen 46 Minuten täglich zu kommen. Was nicht heißt, dass sie allein in einer Wohnung leben könnte.
Ich sehe also momentan keine Möglichkeit die Entscheidung des MD anzufechten, wenn nicht einmal das Heim eine andere Auffassung hat.

Mein Problem ist und bleibt also die Bezahlung der ungedeckten Heimkosten.
Ist ihnen bekannt, ob es eine Gewährung von Sozialhilfe für ungedeckte Heimkosten gibt, wenn keine Pflegestufe zuerkannt wurde? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen. Entweder bin ich bedürftig oder nicht. Die Pflegestufe kann höchstens Auswirkung auf die Höhe der Sozialleistung haben, oder?

Wäre nett von ihnen zu hören. Danke erst einmal.

Ortwin

AnnettLoewe
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Beitrag von AnnettLoewe » 14.11.08, 15:14

Legen Sie Widerspruch gegen den Bescheid ein und lassen Sie sich von den Mitarbeitern im Heim ein "Pflegetagebuch" oder etwas in der Art schreiben, welches SIe dann im Widerspruchsverfahren mit einreichen können. Der Widerspruch hat aufschiebende Wirkung und die Kasse muss zunächst weiter zahlen.

Annette Koch
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Re: Antwort

Beitrag von Annette Koch » 14.11.08, 20:09

Hallo Ortwin!
Ortwin hat geschrieben:Aufhebungsbescheid genau am Vormittag ihres 95. Geburtstages durch den MD begutachtet. Und das, lt. Angaben der PDL des Heimes ,unangemeldet. Das fand ich schon mal recht sonderbar
Die Begutachtung hat wirklich unter merkwürdigen Bedingungen stattgefunden. So in dieser Art ist mir noch keine Einstufung untergekommen.

Der Termin für die Begutachtung wird vorher schriftlich bekanntgegen. Das Heim benachrichtigt dann die Angehörigen , um ihnen die Möglichkeit zu geben beim Termin dabei zu sein.
Ich bin ja am Geburtstag meiner Mutter mit der Gutachterin des MD zusammengetroffen. Sie hat sich mir gegenüber nicht als solche zu erkennen gegeben únd ich habe nicht bemerkt, was da abläuft. Meine Mutter hat nicht einmal realisiert, wen sie da eigentlich zu Besuch hatte und was die Person eigentlich wollte. War ja auch eine Schwester des Heims mit dabei.
Das entsetzt mich jetzt aber! Ich hab noch keinen Begutachter erlebt, der sich der zu begutachtenden Person nicht vorgestellt hätte, egal ob sie dement ist oder nicht. Ich nenn es einen Einschnitt in die Würde des alten Menschen. Sie sollten auf alle Fälle eine Beschwerde einreichen und dieses Vorgehen angeben. Ob sie nun die Pflegestufe bekommen werden kann ich ihnen nicht sagen. Sie sollten Bedenken wenn nach Einschätzung der PDL die Leistung die das Heim erbringt nicht für eine Pflegestufe ausreichen, besteht erst mal wenig Hoffnung, denn die Leistungen die täglich durch das Heim erbracht werden, müssen ja dokumentiert werden. Das zieht der medizinische Dienst zur Begutachtung mit heran. Wenn die Heimkosten insgesamt nicht mehr zu decken sind müssten ja Sozialleistungen erfolgen, aber erst werden die Angehörigen zur Rate gezogen. Ich kenne ihre Umstände hier nicht und kann das nicht beurteilen.
Liebe Grüße

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