Störende / Belastende faktoren in der Pflege

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Weiße Taube
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Störende / Belastende faktoren in der Pflege

Beitrag von Weiße Taube » 25.10.08, 21:20

Hallo zusammen, ich bin grade auf der suche nach störenden und belastenden Faktoren in der Pflege; im bezug auf die Pflege von schwerstkranken bzw. sterbenden Menschen allgemein.
Wäre sehr nett von euch wenn mir da jemand weiterhelfen könnte^^
Ich bedanke mich schon einmal im Voraus^^

Liebe Grüße

Peter Estner
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Beitrag von Peter Estner » 29.10.08, 21:14

Hallo Weiße Taube,
ungern lasse ich eine Frage unbeantwortet stehen, deshalb versuche ich aus meiner Sicht auf eine Antwort zu kommen, die bestimmt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit haben wird. Zunächst meine Bemerkung, schwerstkranke Menschen bzw. sterbende Menschen zu pflegen, muss nicht automatisch verbunden sein damit, dass es belastend oder störend ist. Da taucht für mich schon irgendwo eine Interpretation auf, eine Wertung. Vielleicht hat sich bis jetzt noch keiner an diese Frage getraut, weil es in der Fragestellung negativ anmutet.
Sterben gehört zum Leben und wenn ein Mensch nicht mehr weiterleben kann, dann ist es meine pflegerische Aufgabe, den Menschen in dieser Phase, bzw. in diesen Krankheits- oder Sterbephasen zu begleiten. Nicht als störend und auch nicht belastend, ist für mich, die Angehörigen mit zu nehmen in dieser Lebenssituation, auch sie müssen eine schwere Zeit hinter sich bringen. Viele Fragen tauchen für sie auf und wie es weitergehen soll, ohne den geliebten Menschen, der sich zum Sterben bereit macht, dies erfüllt Angehörige zum Teil mit Angst und Schrecken.
Diese Krisen, die hier die Menschen ereilt, macht das Arbeiten zu einer besonderen Situation und daraus entstehen oft Spannungen. Misstrauen, Angst, Ohnmacht. Hier sind oft keine Worte notwendig, sondern ein "Dabei" sein, "Aufmerksamkeit", "Achtsamkeit", die Menschen brauchen uns Pflegende in dieser Situation, sie haben zum Teil ihre Hoffnung noch nicht aufgegeben und haben sich mit der Situation auch noch nicht genug auseinander setzen können. Sie haben so etwas noch nie erlebt, sie haben kein Muster dafür, wie man so eine Krise bewältigt und brauchen deshalb jemanden, der Zeit hat, der Verständnis hat und der vielleicht nur Zuhören kann. Der Fragen nicht als lästig empfindet, nicht unsicher wirkt, jemanden der menschlich reagiert, auf das was hier geschieht. Oft genug habe ich auch so eine Betroffenheit, die mir früher als störend vorgekommen ist, die Betroffenheit, ist aber notwendig, um sich einlassen zu können, was an pflegerischen Aufgaben zu bewältigen sind. Hier sind es gerade die jungen Menschen, alle die Menschen, die doch noch nicht das biologische Alter haben, sterben zu müssen, nicht weiter leben zu können. Aber wir sind dafür ja auch nicht verantwortlich, was geschehen ist. Es ist mir dann immer wichtig, wo merkwürdig es klingt, darauf zu achten, dass Wohlbefinden, Schmerzfreiheit und Würde in meinem Aufgabenbereich liegen und dass ich mich darum kümmern muss. Pflege hat hier ihren eigenen Wirkungsbereich.
Ob dies Belastungen, Störungen sind, kommt immer auf einen selber drauf an, wer sich einlassen kann auf diese Aufgabe, der wird sie so nicht empfinden.
Viele Grüße
Peter Estner

Weiße Taube
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Beitrag von Weiße Taube » 02.11.08, 16:23

Hallo Herr Estner,

nunja da ein leichter interpretationsfehler, anscheinend, vorliegt würd ich das ganze gern etwas "erleichtern", die frage is eigendlich aus der Sicht des Bewohners / Patienten gemeint, also als schwerst Erkrankter/ sterbender, was für diesen Bewohner störend bzw. Belastend wäre, ich muss zugeben das ich mit meinen Erfahrungen was Sterbende angeht noch ziemlich am Anfang stehe, allerdings weiß ich, das man ruhig Emotionen zulassen soll, und einen bezug zu einem Bewohner aufbauen kann, daher bin ich auch ein vertreter der Bezugspflege :) auch wenn diese "mehr" Zeit in kauf nimmt, angeblich, wobei ich diese Erfahrung noch nicht gemacht habe.... und was ich denke is das es eigendlich bei jedem Patienten / Bewohner individuell ist was er mag und was nicht, was ihn belasstet und was nicht, nur soll ich quasie eine art "standart" herrausfinden, erarbeiten was sterbende / schwerstkranke belastet / stört, und genau da komm ich momentan nicht grade weiter, deswegen wende ich mich an euch :)
ich hoffe ich hab das jetzt soweit etwas aufgeklärt.... und bitte nochma um eure hilfe :)

Weiße Taube
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Beitrag von Weiße Taube » 02.11.08, 18:08

Ich formulier die Frage am besten noch einmal um, zum leichten verständniss.
Welche störenden oder belastenden Faktoren sollten im Pflegealltag in der nähe eines Sterbenden menschen ausgeschaltet werden?

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 02.11.08, 22:06

Hallo weiße Taube!

Ich muss gestehen ich habe ihre erste Frage auch aus der Sicht der Pflegenden verstanden :wink:

Wir können nicht alle Menschen bzw. Sterbenden in eine Schublade geben, denn jeder Mensch kann seine eigene Biographie aufweisen. Auch die Charaktere sind verschieden so stört den Einen was den Anderen wiederum aufmuntert. Also einen starren Standard können wir hier nicht erstellen.

Nach Kübler Ross wird die Sterbephase ja in 5 Phasen eingeteilt und jede Phase birgt einige belastende Momente.

Je nachdem in welcher Phase sich der sterbende Mensch befindet so lassen sich jedoch einige Regeln bzw. Faktoren aufstellen die den Mensch in den einzelnen Phasen belastet.
So führen Schwestern und Pfleger manche belastende Situationen selbst herbei , obwohl sie der Meinung sind sie helfen dem sterbenden Menschen damit.

In der 1. Phase steht das Nichtwahrhabenwollen des bevorstehenden Todes

Der Mensch glaubt nicht an den bevorstehenden Tod, obwohl schon oft eine Diagnose gestellt wurde. Er legt in dieser Zeit besonders viel Wert auf das Äußere wie gepflegtes Aussehen und Kleidung und versucht sich so einzureden das wäre alles nicht war. Schwestern und Pfleger machen oft den Fehler ihm zu helfen das alles zu verbergen und unter den Teppich zu kehren, das stürzt in jedoch in eine noch größere Krise. Also keine Beteuerung vonseiten den Pflegepersonals es wäre alles in Ordnung.

In der 2. Phase steht der Zorn

Bei dem Menschen kommt Zorn, Wut und Neid auf weil er meint warum gerade muss ich sterben und nicht die Anderen. Er greift das Pflegepersonal auf und das reagiert schon manchmal ungeduldig und missmutig was auch zu einer belastenden Situation führen kann. Vielmehr sollte das Pflegepersonal sich Zeit nehmen und den Menschen ermutiogen über seine Ängste zu sprechen, dann leg sich auch seine Aggression wieder.

In der 3. Phase wird verhandelt

Der Sterbende versteht langsam dass sein Tod unmittelbar bevorsteht, doch versucht er noch zu verhandeln und versucht mit Versprechungen das Ganze hinauszuzögern, wie z.b. wenn der Sohn aus Amerika kommt dann...., oder wenn der 1. Urenkel auf die Welt kommt dann.....
Das Pflegepersonal sollte real bleiben und dem Ganzen nicht nachkommen, denn wenn plötzlich eine Verschlechterung des Zustandes hinzukommt soll das Pflegepersonal schnell Abhilfe schaffen, was es aber ja nicht kann.

In der 4. Phase kommt die Depression

Der Sterbende trauert um all das was er verlieren wird, seine Kinder, Freunde und Bekannte. Vielleicht hat er diese schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen und wünscht sie noch einmal zu sehen um in Frieden "zu gehen", oder Sachen finanzieller Art sind noch nicht geregelt z.b. noch schnell ein Testament aufsetzen. Vielleicht gibt es ja noch ungeregelte Probleme mit den Angehörigen die noch belastend wirken. Nun ist das Pflegepersonal gefordert , um vielleicht noch einige Zusammenkünfte zu schaffen. Ungeregelte Dinge können das Sterben sehr qualvoll werden lassen.
Auch in dieser Phase hofft der Sterbende/Schwerkranke noch auf ein Wunder und meint dass die Krankheit noch zu heilen ist.

In der 5. Phase erfolgt das Annehmen des bevorstehenden Todes

Hier ist der Mensch am sensibelsten und erkennt sofort jede veränderte Regung des Pflegepersonals bzw. der Angehörigen. Viele Angehörige lassen ihren Emotionen freien Lauf in Anwesenheit des Sterbenden was zu einer großen Belastung des Sterbenden führt. Ihm ist in dieser Situation nicht geholfen. Auch streiten sich viele Angehörige in dieser Phase was hätte besser gemacht werden können, verlangen vom Pflegepersonal ebenfalls eine Zustimmung dass der Tod noch nicht bevorsteht, was wiederum den Schwerkranken verwirrt und wieder zweifeln lässt.
Laute Gespräche sollten in dieser Phase vermieden werden , auch wenn es den Anschein hat, dass der Mensch schläft, doch das Gehör ist in dieser Phase sehr empfindlich und nimmt jeden Laut auf. Vielmehr sollte ruhig und langsam gesprochen werden. Eigene Emotionen erstmal zurückstecken, dem Menschen die Hand halten und das Gefühl geben, dass alles in Ordnung ist, so wie es im Moment ist und ihn in Frieden "gehen lassen"

Ich hoffe, ich konnte ihnen einige Anregungen geben! Sollten noch Fragen auftauchen bin ich gerne bereit gerne wieder!
Liebe Grüße

Annette Koch
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