Normalität im Pflegeheim?

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Linja
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Normalität im Pflegeheim?

Beitrag von Linja » 09.05.08, 14:29

Hallo,

ich wende mich an Euch, da ich sehr gerne - soweit es über dieses Medium möglich ist - ein objektives Feedback zur Pflegesituation eines Angehörigen im Heim bekommen würde.
Es wird ein etwas längerer Beitrag, ich entschuldige mich schon jetzt dafür...

Zur Person:
Weiblich, Jahrgang 1922, Pfegestufe III , Alzheimer Demenz, Rollstuhfahrerin, verwirrt.

Da uns vor einigen Tagen sehr heftig und ausfallend seitens der Pflegedienstleitung
der Vorwurf gemacht wurde, sich unnötig zu beschweren, würde ich mich über eine Einschätzung der Situation freuen.
Ich zähle einmal ein paar der für uns nicht nachvollziehbaren Umstände auf:

Mundpflege: die Prothesen wurden 12 Tage am Stück nicht gereinigt (neue Zahnpasta und neue Reinigungstabs ungeöffnet), erst nach Aufforderung geschah dies.

Hygiene: Ist der Angehörige bspw. um 16.15 Uhr eingenässt und hat Stuhlgang unter sich gemacht, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder bis nach dem Abendbrot (ca. 19.00 Uhr) in diesem Zustand verbleiben oder gewaschen werden und direkt und später ohne Abendbrot ins Bett gelegt werden. So geschehen und erkärt durch das Pflegepersonal letzte Woche, leider kein Einzelfall.

Notsituationen:
Zwei lebensbedrohliche Gesundheitszustände wurden vom Pflegepersonal nicht erkannt.
Eine Hirnblutung mit komplettem Verlust der Sprache und der Beinmotorik wurde über acht Stunden vom Personal nicht bemerkt, jedoch von anderen dementen Bewohnern ("Mit der Frau X ist etwas komischens passiert, die kann nicht mehr sprechen und laufen").
Bei einem Sturz aus dem Bett an Sylvester wurde die Angehörige erst um sechs Uhr morgens auf dem Boden liegend gefunden. Der desolate Zustand wurde vom Pflegepersonal ingnoriert, als wir dazukamen wurde ein Bludruckmessen und Arztruf verweigert, dies haben wir dann übernommen. Diagnose: Herzinfarkt, aus den o.g. Gründen dann erst 18 Stunden nach dem Vorfall behandelt.

Flüssigkeitszufuhr:
Die Angehörige ist zwar stark dement, hat jedoch glücklicherweise ein deutliches Hunger - und Durstgefühl. Sie kann alleine aus einer Henkeltasse trinken, wegen zeitweiliger motorischer Schwierigkeiten sollte man jedoch einen Blick darauf haben und notfalls assistieren. Dieser Person werden tagsüber nur Becher ohne Henkel hingestellt, die sie oft umwirft. Daher werden die Becher ausserhalb ihrer Reichweite platziert, die Flüssigkeitsmenge jedoch in die Doku eingetragen. Kommt man nachmittags zu ihr, ist trotz Verwirrtheit meist das erste, was sie sagt: "Ich hab so Durst!", woraufhin sie mehrere (!) Tassen Tee trinkt. Der Bitte um Anreichen bei Trinken und Essen wird selten nachgekommen, da laut Pflegedienstleitung den Bewohnern ihre Eigenständigket erhalten bleiben soll.

Das hat zur Folge, dass bspw. nachmittags die Angehörige Kuchenn und heissen Kaffe hingestellt bekommt (in großen Henkeltassen, von denen bekannt ist, sie diesen nicht heben kann und darauf hingewiesen wurde, dass man bitte eine kleine Tasse hinstellt, wenn schon niemand anreicht), die Tasse umwirft und den Kuchen fallenlässt.
Als Konsequenz (so die Pflegedienstleitung) bekommt sie abends nur eine Scheibe Toastbrot mit Wurst, keine Beilage "weil sie nachmittags den Kuchen herunter geworfen hat".
Das Abendessen läuft meist so ab, dass das Essen verteilt wird und dann eine halbe Stunde niemand vom Personal in dem Essensraum ist, die Bewohner auf sich allein gestellt sind (das ist keine Spekulation, vielmehr ist täglich jemand aus der Familie bei der Angehörigen, weil wir auf Grund der beschriebenen Zustände kein ruhiges Gewissen haben, sie dort gänzlich der Pflege zu überlassen).

Tabletten:
Die Tabletten werden abends frei zugänglich auf den Tisch gestellt, es kommt vor, dass demente Bewohner die Tabletten mehrerer Personen nehmen. Dies sei kein Problem und kein Anlass, die Tabletten direkt und zu geben, so die Pflegedienstleitung.

Sicherheit:
es ist mehrfach vorgekommen, dass die Angehörige trotz richterlicher Anweisung nicht fachgerecht im Rollstuhl fixiert wurde bzw. der Rollstuhl ohne angezogene Bremsen in der Raum gestellt wurde - Folge waren mehrere Stürze.

Umgangston:
Dieser ist sehr ruppig, vom vielen Pflegern werden die Bewohner sehr laut und per Du angeredet.
Geschrienes Zitat einer Pflegerin aus einem Zimmer eines Pflegestufe III -Bewohners vor 14 Tagen: "Du Schwein, hast Du Dir schon wieder in die Hose gesch****!!!")

Dies sind nur einige Punkte.

Mag jemand hier aus dem Forum seine Meinung dazu schreiben?
Ist das normal und müssen wir uns damit abfinden?
Bitte nicht falsch verstehen - dass es im Heimalltag keinen "Rosa-Blümchen"-Zustand gibt, ist mir bewusst. Dass Pflege anstrengend und nervenaufreibend ist, ist uns auch klar. Wir haben die Angehörige jahrelang zu Hause gepflegt und wissen, dass dies körperlich und seelisch belastend ist.
Aber geht es überall so zu wie in dem oben beschriebenen Heim?

Über Meinungen würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße,
Linja

Linja
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Beitrag von Linja » 10.05.08, 21:47

Hallo!

72 Besuche und keine Meinungen? Vielleicht mag doch noch jemand etwas dazu schreiben, gerne auch per PN.

Viele Grüße,
Linja

Susanne.Reuter
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Beitrag von Susanne.Reuter » 11.05.08, 10:13

Hallo Linja,

ich würde das so nicht hinnehmen und das ist m. E. auch nicht normal.

Recht gebe ich dir in der Hinsicht, dass im Pflegeheim sicherlich "besondere" Bedingungen herrschen und man nicht - so wie du es schreibst - eine "Rosa-Blümchen" Behandlung erwarten kann. Man muss gewiss einige Abstriche machen.

Ich bin keine Fachkraft und habe auch (noch) keine pflegebedürften Angehörge - deshalb mit mit Pflege (noch) nichts zu tun. Und vielleicht darf ich mir deshalb auch gar kein Urteil erlauben, aber diese Situationen die du bescheibst würde ich als grobes Fehlverhalten bezeichnen. Sicher haben es die Pflegekräfte nicht leicht - dennoch habe ich für die beschriebenen Vorfälle überhaupt kein Verständnis. Auch wenn es bestimmt auch DInge gibt, die man manchmal einfach so hinnehmen muss (weil einem auch gar nichts anderes übrig bleibt.)

Da ich glaube, dass hier die Hauptverantwortung bei der Pflegedienstleitung (Heimleitung?) liegt, würde ich da auch Druck machen. Würde mit einem meiner Angehörigen so umgegangen: Ich würde alle möglichen Hebel in Bewegung setzen und mich auch an "offizieller" Stelle beschweren, wenn ein Gespräch nicht weiter bringt.

Susanne

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 11.05.08, 13:59

Hallo Linja!


So wie sie das hier beschreiben sind große Lücken in der Grundpflege vorhanden , die so auf keinen Fall akzeptabel sind. Auch behandlungspflegerisch muss man hier regelrecht den Kopf schütteln, da hier lt. ihrer Aussage ein lebensbedrohlicher Zustand nicht erkannt wurde. Auch der verbale Umgang der Pflegekräfte mit den Bewohnern gilt als menschenunwürdig.
Wer leitet denn die Station in diesem Falle? Gibt es hier keine verantwortliche Stationsleitung? Oder muss hier die PDL den Überblick behalten? Wieviel Leute werden denn in diesem Wohnbereich gepflegt? Vor allem wieviel Pflegefachkräfte sind hier eingeteilt?

Der Betreuer dieser alten Dame kann Einsicht in die Pflegeplanung erhalten. Dort werden auch die täglichen Verrichtungen aufgelistet die hier in diesem Falle zu bewerkstelligen sind. Außerdem hat jede Schicht die verrichteten Tätigkeiten abzuhaken. Sollten Tätigkeiten wie z.b. hier in diesem Falle "Prothese reinigen" an diesen Tagen abgehakt worden sein , und es kann nachgewiesen werden dass sie nicht stattgefunden haben, können lt. MDK Kosten wieder zurückgefordert werden. Sollte ein weiteres Gespräch nicht mehr fruchten , kann die Heimaufsicht oder der MDK eingeschaltet werden , die den einzelnen Anschuldigungen dann nachgehen werden.

Ich hoffe, ich konnte ihnen einen kleinen Anstoß geben und bin für weitere Fragen gerne offen. Auch wünsche ich der alten Dame von Herzen, dass sich dieser Zustand nach einem erneuten Gespräch normalisiert und sie die Pflege bekommt die ihr lt. Pflegestufe zusteht :wink:
Liebe Grüße

Annette Koch
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Linja
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Beitrag von Linja » 12.05.08, 08:24

Hallo!

Zunächst einmal vielen Dank für die Antworten und die PMs sowie die guten Wünsche.

Wir haben schon häufigt das Gespräch mit der PDL gesucht, die uns aber stets abgewiegelt hat. Vereinzelt war eine Verbesserung der Situation die Folge, diese verlief jedoch schon wenige Tage später im Sande. Es gab bereits Gesprächstermine mit der Heimleitung und einem Zusammenschluss mehrerer Angehöriger, jene blieben jedoch ohne Erfolg. Lediglich als Angehörieg eines weiteren Bewohners die Rechnung kürzten wegen der schlechten Versorgung und verschwundener Hilfsmittel, gab es schlagartig eine Reaktion - allerdings keineswegs bezüglich einer Verbesserung der Situation, vielmehr wurde ein Verantwortlicher des Trägers hinzugezogen, um allein wegen des ausstehenden Betrages zu diskutieren.

Wie kann ich mich konkret an den MDK wenden? Wo erfahhre ich, wer für meine Angehörige (oder das Heim?) verantwortlich ist?

Herzliche Grüße,
Linja

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 12.05.08, 14:16

Hallo Linja!

So wie es scheint gibt es wohl mehrere Angehörige die bereits versucht haben die Pflegesituation in diesem Heim zu verbessern.

Wenn Gespräche dieser Art nicht fruchten, sollte insgesamt der MDK und die Heimaufsicht eingeschaltet werden um die Gesamtsituation auf Dauer zu verbessern. Ich kann ihnen auch noch raten die gesamte Pflegesituation schriftlich zu schildern.

Ich habe ihnen hier hier mal eine MDK-Stelle verlinkt die sie auch in ihr Wohngebiet führen wird.

Außerdem hier
verschiedene Anlaufstellen für die Heimaufsicht!



Ich wünsche in diesem Falle viel Erfolg und verbleibe
Liebe Grüße

Annette Koch
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luise01
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Beitrag von luise01 » 13.06.08, 17:16

also dazu kann ich nur sagen:

1. heimleitung informieren oder
2. mdk informieren
3. altenheim wechseln

grüße lui 01

Linja
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Beitrag von Linja » 30.07.08, 18:11

Hier der weitere Verlauf:

Bei einem weiteren Gespräch mit der Heimleitung sagte die PDl, dass sie davon ausgehe, dass das Pflegepersonal seinen Frust an den Bewohnern auslässt.
Die Heimleitung organisierte Treffen mit einer Mediatorin und den beschwerdeführenden Angehörigen. Dieses Treffen sollte lediglich der Verbesserung der Kommunikation zwischen Pflegepersonal und Angehörigen dienen. Nachdem die Angehörigen der Mediatorin plausibel machten, dass die besagten Kommunikationsprobleme der untragbaren Situation geschuldet sind, war eben diese Situation das Thema der Treffen.
Ein zweistündiges Gespräch aller Beteiligten hatte als Verbesserung lediglich zur Folge, dass die Medikamente der dementen Bewohner diesen auch verabreicht und nicht mehr wie üblich unbeobachtet auf dem Tisch stehen und es eher Glücksache ist, ob der Bewohner seine Medikamente bekommt.
Danach bekam unsere Angehörige alle Medikamente gemörsert (auch die, die intakt geschluckt werden sollten) und trocken (!) mittels Löffel verabreicht...

Die Angehörigen informierten zwischenzeitlich die Heimaufsicht, den MDK sowie die Polizei (wg. unerklärlicher Verletzungen des Angehörigen), weiterhin den Verein "Handeln statt Misshandeln".

Zwei Bewohner, deren Angehörige zu der "Beschwerdegruppe" gehörten, verstarben seit meinem letzten Eintrag, ein vierter Bewohner wurde daraufhin umgehend aus dem Heim genommen, unsere Angehörige zieht endlich morgen um.

Herzliche Grüße,
Linja

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 02.08.08, 17:05

Hallo Linja!

Ich bin erleichtert zu hören, dass einige Angehörige nun federführend die entsprechenden Stellen informiert haben und eine baldige Überprüfung der Zustände dort erfolgt und entsprechende Folgemaßnahmen getroffen werden.

Ihrer Angehörigen wünsche ich ein schnelles Einleben im neuen Heim und vor allem eine qualifizierte und empathische Pflege!
Liebe Grüße

Annette Koch
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Linja
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Beitrag von Linja » 02.08.08, 19:52

Hallo Anette,

danke für die guten Wünsche!

Unsere Oma ist nun seit drei Tagen in der neuen Einrichtung - und wir sind völlig perplex!
Nie hätten wir gedacht, dass Pflege so professionnell und menschlich aussehen kann.
In dem Haus richt es nicht nach Urin, alles ist sauber, das Pflegepersonal freundlich, den ganzen Tag über ist jemand vom Personal bei den Bewohnern im Aufenthaltsraum, die Oma ist kompetent versorgt, bekommt das Essen angereicht, wird freundlich angesprochen - wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr hinaus.

Auch ich habe mich mit der Heimaufsicht in Verbindung gesetzt - dort sagte man mir, dass man nichts mehr tun könnte, wenn unser Angehöriger nicht mehr in der Einrichtung sei - aber wer kümmert sich um die verbliebenen Bewohner, die keine Angehörigen haben? Die Situation ist doch auch für diese Menschen nicht akzeptabel?

Nachdenkliche Grüße,
Linja

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 03.08.08, 10:06

Liebe Linja!
Linja hat geschrieben: Nie hätten wir gedacht, dass Pflege so professionnell und menschlich aussehen kann.
In dem Haus richt es nicht nach Urin, alles ist sauber, das Pflegepersonal freundlich, den ganzen Tag über ist jemand vom Personal bei den Bewohnern im Aufenthaltsraum, die Oma ist kompetent versorgt, bekommt das Essen angereicht, wird freundlich angesprochen - wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr hinaus.
Das freut sehr zu lesen, da geht einem ja richtig "das Herz auf !"
Linja hat geschrieben: Auch ich habe mich mit der Heimaufsicht in Verbindung gesetzt - dort sagte man mir, dass man nichts mehr tun könnte, wenn unser Angehöriger nicht mehr in der Einrichtung sei - aber wer kümmert sich um die verbliebenen Bewohner, die keine Angehörigen haben? Die Situation ist doch auch für diese Menschen nicht akzeptabel?
Ich nehme an, dass die Heimaufsicht damit ausdrücken wollte , ihnen fortan keine internen Auskünfte mehr zukommen zu lassen, da ihr Angehöriger sich nicht mehr in diesem Heim befindet, das aber nicht heißen sollte die Heimaufsicht kümmere sich nicht mehr um die katastrophalen Zustände dort. Für die Bewohner die keine Angehörigen mehr haben sollte von Amts wegen zumindest ein Betreuer bestellt sein der sich für die Belange dieser zu Pflegenden einsetzt!

Ich wünsche ihrer Angehörigen weiterhin die Qualität und Liebe in diesem Heim die ihr im Moment zu Teil wird! Gerne können sie hier weiter berichten, um für Angehörige einen Meilenstein zu setzen wie Pflege im Heim eigentlich sein sollte! :wink:
Liebe Grüße

Annette Koch
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Linja
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Beitrag von Linja » 08.10.08, 22:11

Hallo!

Inzwischen sind nun einige Wochen vergangen - gerne berichte ich über die weitere Entwicklung. Im ersten Pflegeheim hatten wir ja fristlos gekündigt, dort hat sich jedoch auf Grund unserer massiven Beschwerden und Meldungen bei MDK und Heimaufsicht der Träger eingeschaltet. Seitdem findet eine Umstrukturierung in dem Haus statt, sowohl das Personal als auch weitere Umstände (Sauberkeit, Betreuung, Personalschlüssel etc.) sind in Bewegung. Ich bin sehr froh, dass sich für die Menschen, die dort weiterhin wohnen, vieles verbessert.

In dem neuen Pflegeheim ist die Gesamtsituation deutlich besser, leider gab es einen schlimmen Zwischenfall: meine Großmutter erlitt einen Oberarmtrümmerbruch, der eine sofortige mehrstündige OP zur Folge hatte. Wie diese Fraktur entstanden ist, wissen wir nicht. Die Pflegedienstleitung mutmaßt, dass meine Großmutter trotz zusätzlicher Polsterung ihren (gelähmten) Arm durch das Bettgitter gesteckt und sich dabei die Fraktur zugezogen hat, Es ist mir schleierhaft, wie so etwas dabei passieren kann. Vielleicht mag jemand mir dazu seine Meinung mitteilen? Die Krankenkasse schickte uns ein Formular, wo u.a. gefragt wurde, ob von uns Strafanzeige erstattet wurde :?:
Ist das sinnvoll oder passieren solche Dinge einfach?
Manchmal überlege ich ernsthaft, ob es irgendwie schaffbar ist, die Oma in unsere Wohnung zu holen und dort zu versorgen... :(

Herzliche Grüße,
Linja

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 09.10.08, 19:31

Hallo Linja!

Freut mich, dass sie sich die Mühe gemacht haben um hier weiter zu berichten!

Linja hat geschrieben: Inzwischen sind nun einige Wochen vergangen - gerne berichte ich über die weitere Entwicklung. Im ersten Pflegeheim hatten wir ja fristlos gekündigt, dort hat sich jedoch auf Grund unserer massiven Beschwerden und Meldungen bei MDK und Heimaufsicht der Träger eingeschaltet. Seitdem findet eine Umstrukturierung in dem Haus statt, sowohl das Personal als auch weitere Umstände (Sauberkeit, Betreuung, Personalschlüssel etc.) sind in Bewegung. Ich bin sehr froh, dass sich für die Menschen, die dort weiterhin wohnen, vieles verbessert.
Das klingt ja klasse! Ich hoffe dieses Heim findet den Weg, das wäre ein Paradebeispiel für viele andere Pflegeheime!
Linja hat geschrieben: In dem neuen Pflegeheim ist die Gesamtsituation deutlich besser, leider gab es einen schlimmen Zwischenfall: meine Großmutter erlitt einen Oberarmtrümmerbruch, der eine sofortige mehrstündige OP zur Folge hatte. Wie diese Fraktur entstanden ist, wissen wir nicht. Die Pflegedienstleitung mutmaßt, dass meine Großmutter trotz zusätzlicher Polsterung ihren (gelähmten) Arm durch das Bettgitter gesteckt und sich dabei die Fraktur zugezogen hat, Es ist mir schleierhaft, wie so etwas dabei passieren kann.
Das Pflegepersonal hatte zumindest schon mal reagiert und eine mögliche Verletzungsgefahr bei ihrer Oma erkannt. Es kann schon möglich sein, dass der Oberarmbruch so passiert ist wie die PDL es darstellt. Leider ist es so, dass im Alter die Knochen poröser werden und leichter brechen können. Auch leichte Stürze können schon einen Oberschenkelhalsbruch nach sich ziehen.

So wie sie berichtet hatten scheint das Personal ja sehr einfühlsam zu sein. Beobachten sie die Situation einfach weiter und halten sie offenen Kontakt zum Pflegepersonal.

Ich hoffe meine Darstellung konnte ihnen ein wenig weiterhelfen :wink:


Ich wünsche auf diesem Wege ihrer Oma baldige Besserung!
Liebe Grüße

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stacy01
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Beitrag von stacy01 » 24.02.09, 15:15

Das hört sich ja wirklich schrecklich an. Ich bin auch gerade nach einem Pflegeheim für meine Mutter und ich muss zugeben das ist nicht gerade einfach.
Viele Pflegeheime scheinen auf den ersten Blick sehr freundlich und ansprechend aber wenn man sich dann ein bischen länger dort aufhält bekommt man schon einige unschöne Dinge mit.
Ich hoffe dass sich Ihre Situation bald bessert!

Lotta111

Beitrag von Lotta111 » 24.02.09, 16:25

Hallo,
ich lese diesen Thread erst jetzt, da ich mich erst vor einigen Tagen hier angemeldet habe.

Ich hoffe, der Großmutter geht es mittlerweile wieder besser und sie hat OP etc. gut überstanden ?!

Zu der Heimsitutaion (alt) kann ich nur den Kopfschütteln. Nein das ist absolut kein Zustand und wie gut das es noch engagierte Menschen wie Sie gibt die was tun und nicht weg sehen.

Ich hatte eine Oma (im Alter von 104 Jahren verstorben) die in einigen Heimen war und war selbst in einem tätig. Daher habe/hatte ich einige Einblicke.

Es freut mich das Sie jetzt ein Heim haben wo es besser läuft. Gerade für alte Leute finde ich eine "Förderung" (also nicht versauern lassen nur weil sie alt oder krank sind) sehr wichtig.
Das trotz allem mal Unfälle etc. passieren kann man leider nicht ausschließen und es bleibt nicht aus.
Wenn Sie sonst einen guten Eindruck haben und alles so läuft wie es soll würde ich den Schilderungen auch glauben.
Trotzdem und gerade wenn es um den Menschen geht: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser. Also immer die Augen auf behalten.

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