ambulante psychiatrische pflege

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Moderator: DMF-Team

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kaia
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ambulante psychiatrische pflege

Beitrag von kaia »

hallo,

bin mir nicht sicher, ob ich hier richtig bin oder ob das thema in die rubrik "psychiatrie" gehört.

ich habe fragen zur ambulante psychiatrische pflege.

wer führt die durch? pflegekräfte oder auch ärzte?
wann wird sie angeordnet. wenn ich netz suche, finde ich überwiegend infos für alte menschen. wie ist das bei jüngeren menschen, in welchen fällen kann sie sinnvoll sein und was für voraussetzungen müssen gegeben sein. und was genau kann sie abdecken?

gruß

kaia
beryllus
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Beitrag von beryllus »

Hallo,

die außerstationäre (ambulante) psychiatrische Fachpflege(APP) werden von Pflegefachkräftzen, meistens mit der Zusatzquali Fachpfleger/in für Psychiatrie, geleistet. Ärzte können die APP im Rahmen der Häuslichen Krankenpflege verordnen, wobei der Hausarzt bei der Verordnung eine durch den Gebietsarzt gesicherten Diagnose vorweisen muss. In der Regel erfolgt die Verordnung aber durch den Psychiater.

Grundlage ist der § 37 des SGB V.( Fünftes Sozialgesetzbuch) Seit dem 01.07.2005 ist die APP bundesweit eine KAssenleistung. Die Kautelen, unter denen sie verordnet werden kann, sind in den sog. Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen geregelt. Hier der Link:
http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/abs5/ ... trisch.pdf

Gruß

Beryllusjavascript:emoticon('8)')
Cool
kaia
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Beitrag von kaia »

hallo,

vielen dank für die info und den link!

lg kaia
beryllus
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Beitrag von beryllus »

Gern geschehen. Vielleicht noch eine Anmerkung:

Möglicherweise sind alternative Leistungen sinnvoller. Wie oben erwähnt, ist die APP erst seit dem 01.07.05 eine bundesweite Kassenleistung, die pflegerische "Infrastruktur" ist noch regional unterschiedlich ausgebaut . In NRW hättest Du Glück, hier gibt es die Leistung schon 20 Jahre und man findet schnell einen geeigneten Leistungsanbieter. Informationen über zugelassene (Pflege) Dienste erhälst Du bei Deiner Krankenkasse. Noch weitere Fragen?

Alles Gute

Beryllus
Joachim Wagener
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Beitrag von Joachim Wagener »

Hallo beryllus,

vielen Dank für die interessanten und nützlichen Antworten!

´Freuen uns auf weitere Beiträge; herzliche Grüße!
Joachim Wagener
kaia
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Beitrag von kaia »

hallo beryllus,

die infos haben mir schon sehr weitergeholfen.
eine frage hätte ich in der tat noch: was ist der unterschied zwischen der app und z.b. ambulanten betreuten wohnen?

und was wären denn alternative leistungen?
in meinem fall bin ich schon am überlegen, wie es weiter gehen soll. im moment sieht es wohl eher so aus, dass die app ausscheidet. eine weitere möglichkeit, die mir genannt wurde wäre ein übergangswohnheim, aber nachdem ich mir eins angeschaut habe, scheidet das auch aus. werde demnächst wohl in eine tagesklinik gehen und dann hoffen, dass weitere maßnahemn nicht mehr nötig sein werden, aber wer weiß... . dennoch würden mich weitere alternativen interessieren, falls es noch welche gibt.

lg kaia
beryllus
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Beitrag von beryllus »

Hallo Kaia,

leider kann ich Dir erst heute antworten, aber mein Job und meine Gesundheit lassen es nicht eher zu.

Zu Deiner ersten Frage:

Im Wesentlichen findet die APP im Rahmen der"Häuslichen Krankenpflege" statt.(vgl. § 37. SGB V) Folglich findet die Häusliche Krankenpflege im eigenen Haushalt bzw. dem der Familie statt. Weitere Vorraussetzung ist, dass der Patient nicht in der Lage ist, "geeignete Hilfen" eigenständig aufzusuchen. In diesen Fällen kommt die Pflegefachkraft 1-2 xtägl. für ca 1/2 Stunde ins Haus um die im ärztlichen Therapieplan angesetzten Behandlungsziele umzusetzen. ( z.B. Tagesstrukturierung)


In Einrichtungen des "Betreuten Wohnens" oder in psychiatrischen Wohngemeinschaften ist die Betreuung meistens umfangreicher. Hier stehen i.d.R. auch Sozialarbeiter etc. für meherere Stunden täglich, oder auch rund um die Uhr, je nach Art des Hauses, zur Verfügung. Eine enge Anbindung an Sozialpsychiatrische Zentren ist meist gegeben. Konkrete Angaben hierzu können Dir die jeweiligen Träger der Einrichtung geben, zu erfragen am Besten bei den Kommunen und den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege oder deren sozialpsychiatrischen Diensten.

Eine weitere Möglichkeit für Dich besteht in der Inanspruchnahme der Soziotherapie, wenn Deine Erkrankung es zulässt. Der Einfachheit habe ich hier den Link zu den Richtlinien Soziotherapie eingefügt, welche auch eine Kassenleistung darstellt, aber ähnlich der APP noch auf geringe fachliche Infrastruktur trifft.

http://www.vdak.de/download/soziotherap ... assung.pdf

In der medizinischen Versorgung kann für Dich auch das Aufsuchen einer psychiatrischen Institutsambulanz ( med. MAximalversorgung) oder eine Tagesklinik in Frage kommen.

Die Beurteilung, was für Dich geeignet ist, solltest Du aber mit Deinem behandelnden Arzt diskutieren. Ich kann Dir nur insoweit helfen das Angebot etwas aufzufächern, da mir ja auch kaum Infos über Deine Beschwerden vorliegen.

VLG und bis Denne:

Beryllus
8) 8) 8) 8) 8) 8) :wink:
kaia
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Beitrag von kaia »

hallo beryllus,

danke für deine erklärungen und den link. ich werde das schon mit meiner ärztin alles besprechen, wollte mich aber erst mal so über möglichkeiten informieren.

lg kaia
beryllus
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Beitrag von beryllus »

Hallo Kaia,

hat sich für Dich schon eine Lösung ergeben?

VLG

Beryllus
kaia
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Beitrag von kaia »

hallo beryllus,

danke der nachfrage.
im ambulanten betreuten wohnen bin ich bereits, aber ich komme trotzdem nicht so ganz zurecht und fühle mich damit sehr unwohl. deshalb hatte meine ärztin die app mal in den raum geworfen. aber erst mal bleibt es beim bewo, allerdings mit betreuerwechsel in den nächsten wochen.
desweiteren stehe ich auf der warteliste einer tagesklinik, wann es da losgehen kann, weiß ich noch nicht.
naja, und wenn es noch schlimmer werden sollte, habe ich die telefonnumer der für mich zuständigen psychiatrie, aber naja, auch nicht die optimale lösung :roll:

darf ich fragen, woher du dich damit so gut auskennst?

lg kaia
beryllus
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Beitrag von beryllus »

Hallo Kaia,

meine Kenntnisse sind beruflicher Natur. Grob gesagt habe ich u.a. eine Ausbildung zum Krankenpfleger in der Psychiatrie absolviert. Im Laufe der Jahre sammeln sich die Dinge dann, sowohl im praktischen Bereich (amb. und stationär) sowie im administrativen Sektor, welcher schlicht gesagt sich mit der Verwaltung des Pflegesektors beschäftigt.

Aus Deiner letzten Nachricht ergibt sich vielleicht doch der Hinweis, dass zumindest zur "Krisenintervention", also wenn es Dir sehr schlecht geht, die APP ein geeignetes Instrument sein kann, einen stationären Aufenthalt zu verhindern und Dich etwas aufzufangen. Wichtig wäre dann aber schon , dass man eine vertrauensvolle Beziehung zu der betreffenden Pflegeperson aufbauen kann. Dies dauert sicher auch mindestens zwei Monate, geschätzt halt. Deine Ärztin kann ja über den Zeitraum mal eine Verordnung ausstellen. Wenn Du die Pflegepersonen dann kennst kann im Krisenfall dann auch schnell gehandelt werden. Ich kann das nur unverbindlich kundtun, wie gesagt kenne ich Deine Beschwerden nicht.

Vielleicht schickst Du mir eine PN, ich denke weitere Details, die Dich betreffen, muss man hier nicht öffentlich erörtern. Ich bitte die anderen Leser daher um ihr Verständnis, stehe aber auch ihnen mit weiteren Infos gerne zur Verfügung.

Bis dahin alles Gute

Regards

Beryllus
beryllus
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Beitrag von beryllus »

Nochmals Hallo,

im Nachgang zu meunem letzten Statement noch ein allgemeiner Hinweis:

Du kannst auch Massnahmen zur Wiedereingliederung beim zuständigen Träger der Sozialhilfe beatragen. Es handelt sich zum größtenteil dabei um adjuvante oder/und auch ähnlichen Leistungen wie die der APP. Bei bedarf erkläre ich das denn genauer.

So long

Beryllus 8) :wink: :wink: :wink:
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