Die Windel und die Würde

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Sandra 239
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Die Windel und die Würde

Beitrag von Sandra 239 » 20.05.10, 08:15

Hallo,

die Windel für Erwachsene als akzeptables Mittel der Wahl in der LANGZEIT- Pflege zu sehen, um die Nachtruhe der Pflegenden für einige Stunden sicherer zu gestalten, scheint für viele ein großes Problem darzustellen........

Mir fällt dabei auf , dass die Würde des Pflegebedürftigen anscheinend mit einer Windel, die man ihm für längstens vier bis fünf Stunden zumuten würde, verloren geht, ................ :shock: .......während der Umstand, dass man ihn zur Kurzzeitpflege aus der gewohnten Umgebung rausreißt ,........................ was für meine demenzkranke Mutter, die sehr starke Orientierungsprobleme hat und sich auch daher viel zu sehr an mich klammern will, ganz sicher viel von ihrer Würde kosten würde, .........................allgemein als eine der akzeptablen Möglichkeiten gesehen wird, die mir empfohlen werden, die ich unbedingt mal durchziehen sollte, und zwar ist es dann offenbar ganz egal , wie der Pflegebedürftige sich dabei fühlt............, wo seine Würde bleibt........ :shock:
:roll:
Und wenn ich erlebe, wie aufgelöst meine Mutter und um wieviel schwieriger der ganze Umgang mit ihr ist , wenn der Tag nur mal durch Arztbesuche etc. ganz anders verläuft als gewohnt, dann frage ich mich , ..... wie wird es sein , wenn sie von der Kurzzeitpflege-Trip zurückkommt, wieviel Einsatz ist dann gefragt, sie wieder zu beruhigen .......... und ich befürchte eben, dass es dann wirklich soweit kommt, dass ich es nicht mehr schaffe und dann ........kommt sie ins Heim........ und wenn sie meine Mutter kennen würden, dann wüssten Sie, dass dann ganz sicher ihre Würde „ im Eimer“ ist .........

Das gleiche gilt , wenn fremde Pflegekräfte um sie herum sind , die sie nicht kennt, ich habe hinterher mehr Probleme , sie zu beruhigen, ihr zu versichern , dass ich nicht mehr weggehe, ...... und sie ruft nachher nur noch häufiger nach mir ..........

Wenn ich nur hier sage, dass die „ [b]Windel“ in meiner Situation bzw. der meiner Mutter das kleinste aller Übel wäre, dann bitte ich darum , mir das zu glauben [/b

]Meine Mutter spürt in der Regel alle anderthalb Stunden das Bedürfnis zu "müssen", eher öfter als weniger .........Zum einen durch die Diuretika, die sie nehmen muss, zum anderen in der Nacht wegen der Herzinsuffizienz.

Die Trinkgewohnheiten ? ........ ich habe versucht, was ich kann, das Flüssigkeitsbedürfnis bis vor 17 Uhr gestillt zu haben oder noch früher, aber .......was will ich denn machen, wenn sie auch am Abend Durst hat ? .......

Meine Mutter will ja im Grunde die Möglichkeit der Windel nutzen , wenn sie denn mal für Momente begreift, wie nötig ich mal Schlaf brauchen würde ........aber sie schafft es eben offenbar nicht ...... , sie zu nutzen ......

Auch die Weckperioden im zwei-drei Stunden-Rhythmus bringen in der Praxis keine Erleichterung, weil man ein Mensch und keine Maschine ist , weil man , wenn man aus dem Schlaf gerissen aufgestanden ist, jemanden versorgt hat, nicht gleich wieder einschlafen kann .............. :( :cry:

Aber wenn ich mir ihr vereinbare, dass ich zu bestimmten Zeiten komme und sie warten soll, dann läuft das so ab:
Wenn ich mich beispielsweise um 23-00 Uhr ins Bett lege. und um 1.00 Uhr aufstehe, dann schlafe ich doch nicht hinterher automatisch wieder ein, es ist dann so, dass ich, nachdem ich sie versorgt habe, lange wach liege, es nicht schaffe, einzuschlafen, .............bis kurz vor dem nächsten Wecktermin ..........und dann ...... schon wieder raus muss .......... :cry:

Und immer wieder aus dem ersten Schlaf geweckt zu werden, das macht so fertig, das kann hier gar nicht beschreiben ...........


:arrow: Und wenn man sich in die hilflose Lage meiner Mutter versetzt .., wer würde dann von den beiden Möglichkeiten,
a) in meinem Heim zu landen oder
b) daheim zu bleiben und von einer vertrauten Person versorgt zu werden, dafür aber für einige Stunden in der Nacht eine Windel benutzen zu müssen,....... NICHT die zweite wählen....??? ..


Meine Mutter ist ja auch offenbar mit dieser Lösung einverstanden , sie schafft es nur eben nicht, loszulassen..................offenbar ...... und ich dachte, dass irgendwer hier nen Tipp hat .........,. nicht mehr und nicht weniger ........
Dann gäbe es ja immer noch das Problem, dass sie das sicher mindestens jede zweite Nacht vergessen würde, wie es geht oder dass das so sein soll ......... und dann fragt, welche Windel ........was und wie ?

Das nur mal zur Erklärung

LG
Sandra

AnnettLoewe
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Beitrag von AnnettLoewe » 20.05.10, 09:59

Hallo Sandra,

Nein, die Windel ist aus meiner Sicht nicht per se entwürdigend. Ich kann mich gut an Debatten in Bezug auf Wachkomapatienten erinnern, denen die Krankenkasse nicht mal Windeln finanzieren wollte, weil die ja angeblich nicht am sozialen Leben teilnehmen (in der Nacht ja wohl schon gar nicht).

Wenn ein fremder Pflegedienst für Sie und Ihre Mutter nicht in Frage kommt, wird Ihnen wohl nichts weiter übrig bleiben, als ihr nachts eine Windel anzulegen...und zu warten, bis sie da hineinmacht. Einen Trick gibts da nicht.
Und auch das Trinken sollte man auf keinen Fall einschränken. Gerade Demenzpatienten trinken oft viel zu wenig, weil ihr Durstgefühl eingeschränkt ist....auf die redet man dann im Halbstundentakt ein, doch endlich was zu trinken. Es ist gut, wenn Ihre Mutter selber danach verlangt!
Immerhin akzeptiert Ihre Mutter auch eine Windel....mein Mann hat sie jedes Mal abmontiert oder wütend abgelehnt ...und ich bin dann nachts wach geworden, weil unser Bett nass war. So kann sich das auch gestalten. Manchmal hab ich zweimal in der Nacht das Bett frisch bezogen. Sie sehen, es geht alles auch noch ein bisschen schwieriger und Sie wissen nicht, was davon Ihnen noch bevorsteht.

Absprachen mit Menschen zu treffen, die an Gedächtnisstörungen leiden, ist ein ziemlich aussichtsloses Unternehmen. Man kann es immer wieder versuchen und hoffen, dass sich eine Art Gewohnheit einstellt...das ist aber schon alles. Ja, es kann sein, dass Sie Ihrer Mutter jeden Abend langwierig erklären müssen, wie das mit der Windel geht und dass das so sein soll...und sie wird dem möglicherweise jeden Abend mit dem selben Unverständnis gegenüberstehen.
DAS ist es, was an der Pflege von Demenzpatienten so zermürbend ist. Es ist eher die nervliche Belastung ...die körperliche (Heben, Tragen, Transfers, Waschen...) kann man halbwegs mit Hilfsmitteln ausgleichen.
Ich verstehe Ihre Befürchtungen hinsichtlich Kurzzeitpflege oder Tagesangeboten schon (Durcheinander, Aufregung etc...) ...was ich nicht verstehe ist, wieso Sie sich anscheinend (noch?) keine Gedanken darum machen, was werden soll, wenn Sie für die Pflege Ihrer Mutter komplett ausfallen, weil Ihre eigene Gesundheit das nicht mehr mitmacht.
Finden Sie nicht, dass Sie ein bisschen dafür sorgen sollten, noch möglichst lange für Ihre Mutter da sein zu können?

Sie sind ja nicht alleine mit Ihrem Problem. Vielleicht schauen Sie mal da:
www.alzheimerforum.de
Dort gibt es viele nützliche Tipps für pflegende Angehörige und "Entlastungsmöglichkeiten" bilden nicht umsonst eine eigene Rubrik. Man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man den zu Pflegenden stundenweise in andere Hände gibt, um selbst bei Kräften zu bleiben! Sie sind ja später wieder da und können - gut erholt - auch besser für Ihre Mutter sorgen. Dass sie sich dabei phasenweise schlecht fühlt, müssen Sie in Kauf nehmen. Die Alternative ist, dass Sie früher oder später zusammenbrechen und es anderen überlassen müssen zu entscheiden, wie es weiter geht.
Diesen Konflikt tragen alle pflegenden Angehörigen ständig mit sich aus.
Sie schützen sich und Ihre Mutter am besten, wenn Sie beginnen, darüber nachzudenken, was Sie FÜR SICH tun können und wie das zu bewerkstelligen ist. Lösen Sie sich von dem Gedanken, in jeder Sekunde für sie da sein zu können. Das kann NIEMAND leisten!

Wissen Sie, wann ICH endlich angefangen habe, nachzudenken?
Als ich meinem (damals gedächtnisgestörten, orientierungslosen) Mann am Ende eines langen Tages im Zuge der Xten Debatte um Körperpflege im weitesten Sinne ...eine schallende Ohrfeige verpasst habe. Seinen Blick in dem Moment werde ich niemals vergessen, das können Sie mir glauben. Das ist danach nie wieder vorgekommen. Aber ich hab mir Hilfe gesucht und damit begonnen, mir selbst Zeit für mich zu geben...um IHM weiter helfen zu können. Lassen Sie es nicht so weit kommen. Sie beide brauchen Hilfe von "außen"! Möglichst bald.

Herzliche Grüße,
Annett Löwe

Sandra 239
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Beitrag von Sandra 239 » 20.05.10, 11:18

Liebe Annette Löw,
danke für das Interesse und die Erklärungen.

Ich denke, jeder Fall liegt anders und ich glaube, jeder muss für sich entscheiden, wann der Punkt ist , an dem man aufgeben muss.
Glauben Sie mir, ich war schon oft so weit, dass ich entnervt dachte, es geht nicht mehr anders, ich muss sie abgeben .

Aber dann merke ich, ich bin in meinen Gefühlen zu ihr gefangen, wenn ich sie gegen ihren Willen in ein Heim abgeben würde, .......... es würde mich nicht wirklich entlasten , die Belastung würde nur ihre Form verändern , aber es wäre auch wieder eine sehr starke Belastung ... und momentan wiegt die Belastung Heim immer noch schwerer, als das ,was ich jetzt habe .......



LG
Sandra

AnnettLoewe
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Beitrag von AnnettLoewe » 20.05.10, 11:43

Liebe Sandra,

es geht gar nicht um "Aufgeben", "Abgeben" und "Heim" !!!

Sondern um einen Mittelweg, der Ihnen beiden gerecht wird.
Es gibt einiges an Möglichkeiten zwischen "ich muss alles alleine schaffen" und "ich muss sie weggeben".

Denken Sie einfach mal darüber nach, wer in Ihrer Umgebung Sie zu welchen Bedingungen entlasten könnte. Tagespflege geht auch an einzelnen Tagen in der Woche und es gibt Pflegedienste, die, wenn man das will, nur nachts kommen.
Manchmal ist das ein finanzielles Problem...dann nämlich, wenn Angehörige das volle Pflegegeld brauchen, um davon zu leben.
Dann wäre es eine Möglichkeit, sich ehrenamtliche Helfer zu suchen: Freunde und Verwandte? Kirchengemeinde? Gibt es eine kommunale Stelle, die ehrenamtliche Helfer vermittelt?
Wenn Sie tageweise Entlastung hätten..vielleicht können Sie dann was dazu verdienen, mit einer kleinen Arbeit, die Sie ablenkt und mit der Sie die Differenz zum Pflegegeld ausgleichen können?
Haben Sie den Mut, zunächst einmal gedanklich Möglichkeiten durchzuspielen!
Dabei kann ja nichts passieren!

Alles Gute!
Annett Löwe

Sandra 239
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Beitrag von Sandra 239 » 20.05.10, 18:38

Hallo AnnettLoewe,

als Gedankenspiel will ich es denn mal zulassen, :wink:

Aber wie ich schon schrieb, ist eine Verschlimmerung der Probleme mit meiner Mutter zu erwarten , wenn sie mit Fremden in der Wohnung allein sein wird , das zeigen die Erfahrungen, und das kann ich an der Grenze der Belastbarkeit nicht riskieren ....momentan
......... sie reagiert ja schon auf Bekannte , (die sie nicht mehr erkennt), völlig aufgelöst, .......... ruft dann ständig nach mir und vergewissert sich später unentwegt, dass ich noch da bin ........

Trotzdem vielen Dank für das Interesse, eine Lösung zu suchen

LG
Sandra

AnnettLoewe
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Beitrag von AnnettLoewe » 20.05.10, 19:35

..und ICH freue mich, dass Sie versuchen wollen, mit dem Gedanken an ein bisschen mehr Freiheit und eigene seelische und körperliche Gesundheit zu spielen! Sie werden sehen...das ist verlockend!

Übrigens...wird Ihre Mutter auf völlig Unbekannte möglicherweise auch nicht aufgeregter reagieren, als auf Bekannte, die sie nicht mehr erkennt....
Weil das zum Krankheitsbild gehört und weil die Erkenntnis, Bekannte nicht zu erkennen (in dem Moment) mindestens genauso beunruhigend für sie ist, als die Erkenntnis, auf die Hilfe fremder Leute angewiesen zu sein.
Davor können Sie sie nur schützen, wenn Sie sie vor JEDEM Sozialkontakt "bewahren" und selber immer da sind...Ist das realistisch? Und ..würdig? Für Sie beide?
Suchen Sie das Gespräch mit ähnlich betroffenen Menschen in diesem Alzheimerforum. Die kennen das und vielleicht gelingt es ja, irgendeinen für Sie gangbaren Weg zu finden.

Alles Gute!
Annett Löwe

Kalli
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Beitrag von Kalli » 20.05.10, 20:42

..und ICH freue mich, dass Sie versuchen wollen, mit dem Gedanken an ein bisschen mehr Freiheit und eigene seelische und körperliche Gesundheit zu spielen! Sie werden sehen...das ist verlockend!
Ich geh sogar noch weiter. Es ist nötig!!!
Aus eigener Erfahrung sage ich, es nützt Ihrer Mutter nichts, wenn Sie Ihre eigene Gesundheit gefährden. Bei uns war es so, das eine Person schwerstkrank im Krankenhaus landete, eine Person war mit ihren Kräften vollkommen am Ende und eine Person hat sich durch Flucht dem Drama entzogen. Schließlich blieb nichts anderes übrig, als die Oma mit Medikamenten einigermaßen ruhig zu stellen. Da hat sie dann auch den Pflegedienst und andere Betreuer akzeptiert und wir konnten uns wieder regenerieren. Ein schlechtes Gewissen bleibt freilich...Kalli

Sandra 239
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Beitrag von Sandra 239 » 21.05.10, 08:11

.... danke für all die Ermutigung, ...... :)
Ich merke schon, es tut gut zu erfahren, dass andere ähnliche Gefühle kennen, die man selbst hat.
Gedanken an Flucht sind mir auch schon gekommen ......untertauchen ..... irgendwo ... ,
Bei meiner Mutter kommt halt erschwerend hinzu, dass sich bei jeder Aufregung die Beschwerden der Herzinsuffizienz verschlimmert zeigen, Luftnot , Wassereinlagerungen, Müdigkeit, Schwäche ........, es ist nun mal sehr quälend, sie leiden zu sehen ........
.
Daher hat es sich wohl unbemerkt so entwickelt, dass ich man immer mehr auf das eingegangen ist was sie brauchte.

Mir hat eine sogenannte „Beraterin „ der AOK schon vorwurfsvoll gesagt, dass ich sie zu sehr verwöhnt habe , dass ich sozusagen nun selbst schuld bin, wenn sie mich ständig um sich haben will
Ich bewahre meine Mutter übrigens nicht vor jedem Sozialkontakt, sie freut sich schon auch über Besuch der ihr fremd gewordenen Bekannten ...... , allerdings nur, solange ich dabei bleibe .......etc. :cry:

Also nochmals vielen Dank für Euer Interesse .

Sandra

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 21.05.10, 11:25

Liebe Sandra 239,

mit Interesse habe ich ihre Gedanken und Gefühle, die sie versucht haben in Worte zu fassen verfolgt. Ich kann sie sehr gut verstehen, hin- und hergerissen zu sein zwischen Pflichterfüllung und Liebe ihrer Mutter gegenüber und eigenen Gedanken, Gefühlen und vor allem eigenen Wünschen. Fr. Loewe hat schon einen großen Teil hier dazu beigetragen...
Ich will ihnen nur noch eins mit auf den Weg geben, geben sie sich selbst nicht auf :wink: Ich habe viele Angehörige erlebt die lange Zeit mit ihrem schlechten Gewissen gekämpft haben, ihren Angehörigen von "Fremden" pflegen zu lassen, weil sie selbst am Ende ihrer Kräfte waren.
Ihre Gedanken einfach nur weg von allem, unterzutauchen, einfach nur mal für sich selbst da sein, sind einfach nur der Ausdruck dafür mal auszuspannen, für sich selbst da zu sein, sich selbst zu pflegen. Ich weiß sie lieben ihre Mutter über alles und würden auch alles für sie tun. Ihre Beraterin der KK hat es etwas hart ausgedrückt, trifft aber doch den Kern der Sache, heißt aber doch indirekt sie haben sich selbst vernachlässigt und bei jedem Krankheitsanzeichen etwas mehr von ihrem "eigenen selbst" aufgegeben. Aber Erkenntnis ist doch der erste Weg der Besserung.....und weniger ist doch manchmal mehr......? Ich denke hier haben sie eine Plattform gefunden wo sie jederzeit sich alles von der Seele schreiben können.......Ich wünsche ihnen weiterhin viel Kraft für ihre Mutter aber auch ganz viel Eigenpflege für sie selbst :wink:
Liebe Grüße

Annette Koch
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Sandra 239
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Beitrag von Sandra 239 » 21.05.10, 20:57

Liebe Annette Koch,

ich danke Ihnen. Nun habe ich über die Frage „Windel und Verlust der Würde“ auf einmal soviel Zuspruch für mich selbst geerntet , damit hab ich nun nicht gerechnet .. ........aber es tut gut, das muss ich zugeben . :wink:

Die Frage hier wurde ja im Grunde von mir gestellt, weil ich zumindest einen Teil meiner Nachtruhe wieder zurückhaben wollte. Das zeigt doch, dass ich schon auch mal an mich denken will. :wink:

Aber alles von der Seele schreiben ist so eine Sache, merke ich nicht zum ersten Mal, ......... zuerst tut es gut, alles mal niederzuschreiben ......, dann aber hab ich ein Problem damit, dass meine Gefühle nun im Internet verewigt sind :oops: und hätte am liebsten alle wieder gelöscht ...... :cry:

Nochmals lieben Dank

LG
Sandra

Annette Koch
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Beitrag von Annette Koch » 22.05.10, 07:48

Hallo Sandra 239,

wir sind alle nur Menschen und jeder bringt sein eigenes Päckchen an Problemen und Sorgen mit. Darunter gehören besonders auch pflegende Angehörige und es gibt sehr viele die ihre Sorgen nachvollziehen können. Was wäre das für eine Welt wenn keiner seine Gedanken und Gefühle preisgibt? Wäre sie nicht unendlich kalt und leer? Es kann jeden treffen sich mit so einer Situation auseinandersetzen zu müssen. Es ist deshalb nicht angezeigt sich für Gedanken zu schämen, die eigentlich nur anzeigen dass man seinen Elternteil über alles liebt, aber doch auch mal eine kleine Verschnaufpause braucht. Die "Windel" wie sie sie nennen lässt sich auch als "Einlage" bzw. Hilfsmittel darstellen ein Bedürfnis aufzufangen das unter Umständen Schaden anrichten könnte, besonders des Nachts wie z.B. durch hastiges Aufstehen zum Erledigen des Bedürfnisses kann es u. Umständen zu 'Stürzen kommen, zu Wundliegen durch Nässe, zu Entzündungen der Haut, zu Blasenentzündungen da ständig die Region durch Nässe unterkühlt wird, Einlagen können auch Sicherheit vermitteln nicht die Wäsche und sogar das ganze Bettzeug zu beschmutzen etc. Ja, die "Windel" hat auch so ihre "guten Seiten"
:wink:

Ich wünsche ihnen und ihrer Mutter schöne Pfingsten und alles Liebe
Liebe Grüße

Annette Koch
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Sandra 239
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Beitrag von Sandra 239 » 23.05.10, 16:37

Annette Koch hat geschrieben: Was wäre das für eine Welt wenn keiner seine Gedanken und Gefühle preisgibt? Wäre sie nicht unendlich kalt und leer?


........na, ja, der breiten Öffentlichkeit gibt man sie in der Regel nicht preis, die Gefühle :cry:
ist halt nicht mein Ding, offenbar. :oops:

Allerdings wäre es auch wieder schade, die vielen wertvollen Ratschläge zu löschen, und Ihr Beitrag zu der Windel als Hilfsmittel, um Bedürfnisse aufzufangen ist wieder mal sehr aussagekräftig.
.....ja, so sollte man sie ( die Windel) wirklich sehen, wenn man sie tragen muss ........ .., und nicht als Zeichen des Verlusts der Würde .....
.
Ich wünsche Ihnen und allen, die mir hier geschrieben haben, auch frohe Pfingsten und alles Gute,
und verabschiede mich

Sandra

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