TV - Sendung "Wetten das..." - Kabarett u. Ideotie

Konzept der Anregung und Förderung individueller Lernprozesse bei Patienten mit Störungen der Wahrnehmung, Bewegung und/oder Kommunikation

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Peter Estner
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TV - Sendung "Wetten das..." - Kabarett u. Ideotie

Beitrag von Peter Estner » 26.01.09, 09:49

Liebe Leserinnen und Leser,
Kabarett und Ideotie liegen ja oft nicht weit auseinander und darüber lachen wir ... die Frage ist, muss das sein. Sollten wir Menschen mit Behinderung nicht unterstützen, statt über sie zu lachen. Hier ein Brief an Herrn Mittermeier den wir gerne und mit Genehmigung des Verfasser Prof. Dr. A. Fröhlich als offenen Brief zur Diskussion stellen würden. :oops:
Viele Grüße
Peter Estner

Sehr geehrter Herr Mittermeier,

gerne sehe ich Sie in Kabarett-Sendungen des BR. Gestern bei Wetten-dass hatten Sie einen Auftritt, den ich nicht unkommentiert lassen kann.
Um Ignoranz und politische Unwissenheit deutlich zu machen, benutzen Sie mimische, gestische und sprachliche Elemente, die unverkennbar und unverwechselbar auf die Kommunikation von Menschen mit einer sog. geistigen Behinderung Bezug nahmen.
Sie zeigten eine einschlägige Mimik, sie veränderten Ihre Artikulation und den Gedanken- und Sprachduktus in einer Art, die Sie und wohl viele andere für
"typisch" halten. Sie imitierten einen Menschen mit einer neurologischen Artikulationsstörung, wie sie z. B bei Cerebralen Bewegungsstörungen vorkommt.
Dazu verwendeten Sie mehrfach den Begriff "Idiot", die alte medizinische Bezeichnung für Menschen mit geistiger Behinderung. Der Kontext Ihrer Darbietung liess keinen Zweifel daran, dass sie nicht den umgangssprachlichen "Idioten" meinten...
Diese Darbietung stellt eindeutig eine massive Diskriminierung behinderter Menschen dar!
Unser Grundgesetzt Art 3, 3 sowie die Un-Konvention Rechte behinderter Menschen machen deutlich, dass Ihre "Nutzung behinderungsbedingten Verhaltens für
Unterhaltungszwecke" eine grobe Missachtung der Menschenwürde darstellt.
Sie sind damit nicht alleine. Seit einiger Zeit bin ich verärgert über viele Ihrer Kollegen, die ähnlich verfahren und sich somit über behinderte Menschen
lustig machen, deren Kommunikationsbemühen der Lächerlichkeit preis geben.
Gestern sass Herr Pilawa neben Ihnen. Ich wundere mich, denn als Botschafter der Stiftung Leben-pur wollte er sich besonders für Menschen mit schweren Behinderungen
einsetzen...
Ich wundere mich, dass ein Herr Gottschalk, der gerne die Aktion-Mensch unterstützt, solche Darstellungen akzeptiert, dass das ZDF als Partner von Aktion-Mensch mit dafür sorgt, dass behinderungbedingtes Verhalten entstellend vorge-
führt und belacht werden kann. In diesem Jahr bin ich zu mehreren Fachvorträgen
"Kommunikation bei schwerer Behinderung" eingeladen. Ich könnte mir vorstellen, Ihre Darbietung jeweils als Einstieg zu nutzen und dann im Detail - wissenschaftlich -
zu kommentieren. So wäre der Spiess dann umgedreht.

Vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit, die Sache einmal ernsthaft zu diskutieren - denn ich schätze Ihre Kunst durchaus
mit den besten Grüssen

A. Fröhlich

Bettina
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Beitrag von Bettina » 22.06.09, 08:19

Hallo Peter,

ich hätte eine Frage, die mich schon länger bewegt:

Hat sich Michael Mittermeier zum Brief von Prof. Fröhlich geäußert? Hat er sich auf eine Diskussion eingelassen und wie waren denn die Reaktionen der Leute auf diesen Brief?

Leider gab es ja hier im Forum keine Diskussion zu diesem Thema.

Lieben Gruß aus dem verregneten Mittelfranken

Bettina
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Peter Estner
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Beitrag von Peter Estner » 24.06.09, 20:20

Liebe Bettina,
freue mich sehr, Dich im Forum wieder begrüßen zu dürfen. Es tut doch immer wieder gut, wenn Du Diskussionen anschiebst, ich dachte schon, wir müssen den Forumsplatz räumen... wenn sich keiner mehr meldet??? :oops:
Jetzt bin ich aber wieder motiviert.
Zum Brief von Prof. A. Fröhlich an Herrn Mittermeier weiß ich nur, dass es zu einem Briefwechsel gekommen war, wohl auch ein Einsehen, aber Einzelheiten kann ich Dir jetzt gar nicht genau mitteilen. Denke dass es wichtig ist, auch für die Zukunft auf solche Bemerkungen und Verunglimpfungen in der Öffentlichkeit über Menschen mit Behinderungen hinzuweisen. Dafür war ich Prof. Fröhlich sehr dankbar, denn schnell kommt man da in ein Fahrwasser hinein und irgendwann, ehe man sich versieht, lacht man mit und damit diese Menschen aus. Das darf nicht sein. Im nächsten Rundbrief und auf unserer Homepage werde ich den Vortrag von Prof. A. Fröhlich veröffentlichen, wo es um die UN-Konvention geht, was da drin steht und was es dazu zu überdenken gibt. Bis dahin müssen wir den Beitrag erst einmal unkommentiert hinnehmen und wie gesagt, sehr aufmerksam bleiben. :roll:
Viele Grüße
Peter

Peter Estner
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Beitrag von Peter Estner » 24.06.09, 20:25

Liebe Bettina,
jetzt habe ich schnell noch einmal nachgeschaut, es wurde der Beitrag doch über 2000 mal angeklickt, ich denke, dass es ja nicht unbedingt immer diskutiert werden muss, wenn es ja auch klar ist. Ausgehen davon darf ich, dass es zum Nachdenken angeregt hat, auch dafür sind Beiträge gut und wichtig. Danke für Dein Interesse noch einmal, hat mich sehr gefreut.
Viele Grüße
Peter

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