Gedanken einer Kollegin.

Konzept der Anregung und Förderung individueller Lernprozesse bei Patienten mit Störungen der Wahrnehmung, Bewegung und/oder Kommunikation

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Frank Lauxtermann
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Gedanken einer Kollegin.

Beitrag von Frank Lauxtermann » 31.07.06, 08:30

Liebe Kursleiter und Praxisbegleiter,

in meiner praktischen Arbeit wurde ich heute durch eine Stationsleitung einer chirurgischen Intensivstation mit einer Frage konfrontiert, die nur in der ersten Betrachtung eine klare Position zulässt. Darf ich in der Nacht Patienten waschen oder widerspricht es dem Konzept? Gründe und Argumente die eine klare Position für Ruhephasen beziehen vertreten wir wohl alle. Doch im Gespräch wies mich die Kollegin darauf hin, dass auf Grund von mangelnder Recourcen eine basale Pflege am Tag immer schwieriger wird. Diese Anspannung wird sich sicher auf den Menschen übertragen. In der Nacht sei es häufig viel ruhiger und was spricht dann dagegen einen Menschen basal mit mehr Zeit etwas an Stimulation anzubieten? Ist aus solch einer Position eine strikte Ablehnung des nächtlichen Waschens überhaupt vertretbar und inwieweit reagieren wir auf veränderte Bedingungen und lassen auch so etwas im Konzept individuell zu? Ich konnte für mich heute keine klare Antwort finden und würde mich über einen gedanklichen Austausch freuen. Dieses auch, weil KollegenInnen meiner Kurse der Stationsleitung nach ihrer Interpretation darüber was Basale Stimulation bedeutet eine klare Ablehnung des nächtlichen Waschens signalisierten.



Sonnige Grüße aus dem Norden.



Frank Lauxtermann

SusanneG
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Beitrag von SusanneG » 31.07.06, 09:47

Bin kein Kursleiter oder praxisbegleiter...

möchte aber als Kinderkrankenschwester und als Patientin dazu Stellung nehmen.
In meienr Zeit auf Station (Unfall- und Allgemienchirugie) habe ich auch Kinder nachst gewaschen.
Allerdngs nur die, die sowieso wach waren...
Oft hat die Pflege geholfen Schmerzen zu lindern..eswar mehr Zei für Zuwendung... und im morgendlichen Stationstreiben hatten die Kinder Ruhe.

Auch von den "großen Patienten" (10 Jahre und älter) kamen nur positive Rückmeldungen.

Als Patientin hab ich nach einigen größeren OPs die Erfahrung gemacht, dass das Waschen nachts um 3...wenn ich sowieso wach war...Schmerzen hatte... mir sehr angenehm war...
Angenehmer als morgens zwischen 6 und 7 im Eiltempo versorgt zu werden.

Ich denke, man muss es von Fall zu Fall unterscheiden.
Jemanden dafür zu wecken, nur damit die Frühschicht Zeit spart - das kann und darf jedoch nicht sein!

Susanne

Bettina
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Beitrag von Bettina » 05.08.06, 03:34

Hallo Frank,

es ist schwierig zu pauschalisieren, was ist richtig und was ist falsch, darf ich oder darf ich nicht...

Menschen aufzuwecken, um ihnen dann eine basal stimulierende Körperpflege anzubieten finde ich persönlich völlig danben... habe ich aber einen Menschen, der vielleicht dement ist, einen verdrehten Tag-Nacht Rhythmus hat, warum ihm dann nicht eine "basale Waschung" anbieten... er wird mir sicher sehr deutlich zeigen, ob das ok ist oder nicht. Vielleicht schläft dieser Mensch dann ein...

Grundsätzlich bin habe ich aber eher ein Problem das "Nachtwaschen" wieder zu legalisieren (in unserer Klinik gibt es das schon seit Jahren nicht mehr)... Es ist eine Entscheidung, die individuell getroffen werden sollte. Die Gefahr sehe ich darin, dass sich manche Pflegende dann wieder gegenseitig "hochschaukeln"... nach dem Motto: "Die hat in der Nacht drei Patienten gewaschen, ich muss das auch tun"... oder "wenn die Kollegin XY drei Patienten wäscht, wasche ich vier"... denn wem tut das "dankeschön" und die "du bist ein Held"-Rufe der Kollegen am Morgen nicht gut, wenn schon einiges "weggewaschen" ist... und wir wollen noch alle gute Pflegende, und nette Kollegen sein :wink:

liebe Grüße aus dem momentan etwas trüben Bayern

Bettina
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Verena Dobner
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Beitrag von Verena Dobner » 09.08.06, 22:53

Hallo, Frank!
Zum nächtlichen Waschen ist schon einiges gesagt worden.
Ich schließe mich der Meinung der KollegInnen an, die sagen, wenn der Patient ein Angebot braucht, ist das okay.
Es macht mich aber sehr nachdenklich und auch ein wenig zornig, dass Pflegende guten Willens auf die Idee kommen, Waschungen aus Zeitmangel in die Nacht zu verlagern, um noch ein halbwegs gutes Gewissen zu haben. Nachts sind alle Katzen grau----will sagen Pflege macht sich unsichtbar, entwickelt in der Not skurile Ideen, läuft Gefahr, sich zu entwerten.
Ich bin eher der Meinung, dass wir für die Patienten (und somit unsere beruflichen Interessen/ Bedingungen) vehement eintreten müssen, nicht nur intern, sondern auch in der Öffentlichkeit.
Mir stellt sich die Frage: wird der Patient aus Zeitmangel gar nicht gewaschen, weder basal noch sonst wie? Wird er in seinen Grundbedürfnissen eingeschränkt? etc. Dann ist das ein klarer Fall für eine Überlastungsanzeige. Nützt nichts??
Wir waren in einer solchen Situation, wir haben uns mit einer Überlastungsanzeige gewehrt und darauf hin eine Stelle zusätzlich bekommen. Natürlich versucht man inzwischen wieder, Personal abzubauen; aber dann müssen wir uns wieder wehren.
Ich persönlich habe es megasatt, dass Pflegende sich so unendlich viel gefallen lassen, resignieren, sich den Verhältnissen anpassen oder Ideen entwickeln, die uns noch mehr belasten. Wir haben das Recht, unseren Beruf so ausüben zu können, dass weder wir noch die Patienten Schaden nehmen.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich glaube es reicht nicht, basal zu denken und zu handeln, wir müssen auch wehrhaft werden. Die Zeiten zwingen uns dazu.
Ganz liebe Grüße, schön, wieder mal was von Dir gehört zu haben. Wünsche Dir viel Kraft in die Knochen !
Verena

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