bauchlagerung bei ARDS

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enielein
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bauchlagerung bei ARDS

Beitrag von enielein » 16.09.09, 16:33

hallo zusammen, derzeit schreibe ich meine facharbeit zum thema 180° versus 135° lagerung.
da wollt ich euch mal fragen was haltet ihr für sinnvoller, welche art der lagerung praktiziert ihr?
und noch am rande, eigentlich hatte ich vor das thema anhand des ards patienten zu schreiben, weil da witds ja schließlich praktiziert. findet ihr das sinnvoll?

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 21.09.09, 09:31

Ich sags mal kurz und unkompliziert:

Meine Meinung ist das sowohl 135° als auch 180° Lagerungen viel zu selten angewand werden, gerade in der Prophylaxe. Wer von uns schläft den außer unserer Intensivpatienten schon die ganze Nacht auf dem Rücken. Für beide Lagerungen gibt es meines Wissens nach auch Studien die eine dtl Verbesserung der Oxygenierung belegen, sich jedoch nicht auf das Outcome des Patienten positiv bemerkbar gemacht haben.
Dennoch denke ich haben beide ihren Stellenwert.

Gruß

Uwe
Zuletzt geändert von Uwe Hecker am 21.09.09, 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

FireFight19222
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Beitrag von FireFight19222 » 21.09.09, 09:56

Ich würde mich über deine Facharbeit freuen und wenn sie fertig ist würde ich sie auch gerne lesen.

Musst nicht umbedingt mit ARDS anfangen....kannst auch mit Pneumonie, Thoraxtrauma, etc.......

Wie @Hecker schon gesagt hat gibt es eine Studie die das Outcome belegen, kannst ja daran vlln anknüpfen!!!

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 21.09.09, 13:15

Noch ein kleiner Nachtrag, aus dem die Studienquelle hervorgeht:

"Patienten mit hypoxischem Lungenversagen werden zeitweise in Bauchlage gebracht. Durch diese Therapie wird die Oxygenierungsfunktion der Lunge verbessert. Ob dies aber auch die Prognose günstig beeinflusst, ist umstritten. Die Bauchlagerung wurde überprüft durch die randomoisierten Multizenterstudie von C. Guerin et al., Lyon/Frankreich (JAMA 2004; 292: 2379-2387) und beweißt das die Prognose der Patienten sich nicht verbessert. Sowohl bei den Mortalitätsraten als auch bei den Behandlungszeiten zeigte sich kein prognostisch günstiger Therapieeffekt. Der einzige nachweisbar positive Effekt der Lagerung war, dass sich bei diesen Patienten kurzzeitig die Oxygenierungsparameter verbesserten. Allerdings traten unter der Lagerung auch vermehrt schwerwiegende mechanische Beatmungsprobleme auf (Einschränkung der Zwerchfellbewegung, hoher Beatmungsdruck, venöse Rückflussstauung)."


Gruß

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

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Beitrag von enielein » 22.09.09, 19:18

hallo zusammen,
also ich hab mich nun gründlich in die literatur eingelesen. habe herausgefunden das die 180° lagerung effektiver ist als die inkomplette. nun verzweifle ich aber bei der studiensuche. erstens sind die alle auf englisch und meins ist nun mal nicht das beste und zweitens find ich die einfach nich. ich würde gerne die studie im detail lesen und nich immer nur die ergebnisse, finde das aber nich im netz.
ihr habt da eine rausgeschrieben, was heißt denn das jama bei der literaturangabe?

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 23.09.09, 18:36

Hallo enielein,

Jama = JAMA, the Journal of the American Medical Association

Link hier:
http://jama.ama-assn.org/

Ist aber auch auf english, und damit sind wi in den Bereich gekommen wo meins sicher noch schlechter ist wie deines;-)

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

pericardinchen
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Re: bauchlagerung bei ARDS

Beitrag von pericardinchen » 07.02.11, 20:51

Es gibt Responder und Nonresponder und darüber gibt es meines Wissens auch eine Studie. Das ist allerdings der wahre Grund dafür, dass die kinetische Therapie u.a. auch weniger eingesetzt wird.
Allerdings gibt es noch sehr viele IPSen in Deutschland die genau diese Therapie bei V. a. ARDS u.a. anwenden. Ich kann nur aus Erfahrung sprechen und ich bin der Meinung, dass bei einer diagnostizierten ARDS eine grundsätzliche kinetische Therapie das Outcome nicht verbessert, sondern nur einen Moment die Oxygenierung. Dafür brauche ich allerdings keinerlei Studien, um das zu glauben. Die Erfahrung mit solchen Patienten ist in meinem Falle weit über einer Studie hinaus. Darüber könnte ich viele Studien schreiben. Aber die würde keiner lesen, weil ich eben nicht akademisiert bin.
Auch klipp und klar ist, dass ein ARDS mit Lungefibrose eine sehr ungünstige Ausgangssituation zum adäquaten Weaning zu sein scheint. Allerdings erlebe ich aktuell gerade diese ungünstige Ausgangssituation im Weaning an einem Pat.

curare
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Re: bauchlagerung bei ARDS

Beitrag von curare » 31.03.11, 10:55

Hallo,
es gibt eine neue Meta-Analyse von 2010. Diese beleget, dass die Bauchlage die Letalität bei akutem Lungenversagen mit schwerer Hypoxämie reduziert.
S Sud, L Gattinoni, Intensive Care Med 2010

Viele Grüße,
curare

Uwe Hecker
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Re: bauchlagerung bei ARDS

Beitrag von Uwe Hecker » 14.05.11, 20:21

Mich würde vor allem mal eine Studie interessieren bei denen die Kinetische Therapie bereits vor dem Auftreten eines ARDS zur Anwendung kam. Also z.B. Tag. 4, postOp, Extubation nicht in Sicht, -> folgl. Tracheotomie, mit und ohne 135° bspw. 180° Lagerung -> Fragestellungen:

- Beatmungsdauer bis zur Extubation
- Verlaufsbeobachtung der beiden Gruppen, Unterschiede in der Entwicklung eines ARDS?

Aber pflegerische Studien in Deutschland - eher wohl ein Jammer...

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

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