Kühlung bei Fieber?

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miku
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Kühlung bei Fieber?

Beitrag von miku » 26.08.09, 15:23

in der Hoffnung das man mir hier weiterhelfen kann :D
wenn ein Patient Fieber hat ( die Ursache lasse ich erstmal ausser acht), findet ihr es sinnig oder unsinnig einen Patienten dann mit Hilfe eines Cold-Touches zu kühlen?
meine Frage ist wie wirkt sich ein Cold-Touch auf die Mikrozirkulation aus, wenn er langfristig angewendet wird, weiss das jemand?

der Matze
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Beitrag von der Matze » 01.09.09, 12:13

Guten Tag miku,

die Ursache ist eben nicht unwichtig, genauso wenig wie die Höhe der Temperatur. Sofern es sich dabei nicht um eine schwere Sepsis handelt mit therapieresistentem Temperaturanstieg, macht eine aufwendige (und teure!) externe Kühlung wenig Sinn - es gibt Medikamente, die effizient wirken, und mit kühlen Umschlägen kann man auch einiges Erreichen.

Wenn Sie mit "Could-Touch" allerdings diese normalen Luftgebläse meinen... davon abgesehen dass es unter Umständen munter als Keimschleuder arbeitet, wird dabei ja lediglich Raumluft über den Patienten geblasen - der Kühleffekt sollte sich also in Grenzen halten.

Ihre letzte Frage können Sie selbst beantworten, wenn Sie daran denken, was bei Kälte mit den Arteriolen geschieht - und warum.
Hier kommt es allerdings darauf an, mit was für einer Methode gekühlt wird: Kühlakkus (niedrige lokale Temperatur), Kühlpads mit externem Gerät (großflächige, niedrigere Temperatur) oder Luftgebläse.


Mit freundlichem Gruß,
der Matze,
(dieser Benutzer ist nicht mehr im DMF aktiv)

Info: Koma und Aufwachen auf der Intensivstation

miku
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Beitrag von miku » 01.09.09, 14:32

Guten Tag Matze,
ich danke Ihnen für ihre Antwort, eigentlich entspricht es dem ,was ich mir selber schon gedacht habe, aber manchmal hat man ja einen denkfehler und da kann es nur von Vorteil sein sich andere Meinungen einzuholen :D

Pimboli
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Fiebersenkung

Beitrag von Pimboli » 06.11.09, 19:47

Hallo,
die Frage nach Fiebersenkung auf der Intensivstation wird ja oft gestellt:

Fieber ist eine Immunreaktion, mit der der Körper versucht Bakterien und Co. zu vernichten. Er versucht sich halt damit zu helfen, warum sollten wir ihn daran hindern??? Hierzu braucht der Körper nämlich eine bestimmte Betriebstemperatur, damit die Makrophagen richtig Hunger kriegen. Gleichzeitig tritt ab ca. 38,5° eine Bakteriostase ein, sodasss sich die Biester nicht mehr vermehren können.
Wenn man dem Patienten helfen will, kann man seine Immunabwehr unterstützen indem man die Bakterien mit Antibiotika bekämpft, Immunglobuline gibt oder ihn einfach mal in Ruhe lässt.

Temperatursenkung macht nur dann Sinn, wenn die Temperatur ihrerseits Schäden verursacht. Dieses ist z.B. bei neurologischen Problemkonstellationen wie Schädelhirntraumen oder nach Reanimation der Fall.

Man sollte seine Zeit eher investieren, um bei diesen Kunden den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und mittels Blutkulturen die Keime zu bestimmen. Die Kühlung des Patienten ist in der Regel keine so gute Idee, da der Körper ja einen guten Grund hat seine Betriebstemperatur zu erhöhen. Das im Körper Eiweiße gerinnen, habe ich bei dieser abwartenden Strategie in vielen Jahren nicht erlebt.

Aus meiner langjährigen Erfahrung ist es meiner Meinung nach nämlich eher so, dass es fiebernden Patienten eher noch gut geht, da deren Immunssystem noch funktioniert. In der Regel haben ja eher solche ein Problem, die bei massiver Sepsis gar keine Power mehr haben überhaupt noch einen fieberartigen Zustand zu entwickeln.....

Noch ein schlaues Zitat zum Abschluss:

Parmenides hat einmal gesagt: "Gib mir die Kraft Fieber zu erzeugen und ich heile jede Krankheit". Ein Satz über den man angesichts multipler Antibiotikaresistenzen durchaus mal nachdenken sollte...

JoachimInt
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Beitrag von JoachimInt » 04.06.10, 16:09

Hallo,

zwar ist dieses Thema schon älter, aber ich will mich mal hier anhängen. MIr geht es primär um die externe/ peripher Fiebersenkung via kaltes abwaschen, Kühlakkus oder auch kühlmatten etc.

Nicht jedes Fieber bedarf einer Senkung!

Meines Wissens ist es so, daß Fieber, welches nicht aus neurologischen Schäden oder einem Hitzeschlag z.B entsteht, einen guten Grund - z.B. Sepsis - hat und erstmal auch nichts schlimmes an sich ist - ich gehe mal von Werten unter 40° aus - sondern eher positive Wirkungen beinhaltet (Immunantwort). Der Gedanke einer Minderung der Temperatur ist ja der, das man u.a. die negativen Wirkungen auf das Kardiopulmonale System verringert...leider ist es doch aber eher so, daß wenn man nun einen Patienten mit 39° mittels z. B. Kältematten kühlt eher einen gegenteiligen Effekt hat, d.h. er wird anfangen zu zittern um seinen eingestellten "Sollwert" zu erreichen was wiederum zu einem gesteigertem Sauerstoffverbrauch und "Streß" führt, es sei denn er wird relaxiert was wiederum Nebenwirkungen beinhaltet. Ebenfalls führt eine Kühlung zu einer Vasokonstriktion, wodurch ein "innerer Hitzestau" hervorgerufen wird.
Als "Schwellenwert" zur Fiebersenkung (soweit ich es gelesen habe) wird 40° angegeben, wobei in erster Linie die zentrale medikamentöse Theraie bevorzugt werden sollte (z.b. paracetamol).

Der primäre Fokus muß immer auf die Identifizierung des Fiebergrundes liegen und entspechend behandelt werden......


Auch bei der kontrollierten Hypothermie nach Reanimation muß auf eine außreichende Sedierung/ Relaxierung geachtet werden, da diese sonst zu einem gegenteiligen Effekt führt. Ebenfalls muß eine kontrollierte "Normalisierung der Körertemperatur" stattfinden, da es sonst zu einer überschießenden Reaktion und einer Hyperthermie kommt .

Gerne würde ich einige andere Meinungen lesen



die Suchfunktiuon hat mich in diesen Teil des Forums geführt, gerne würde ich es auch im Bereich medizinische Fachforen/Interdisziplinäre Intensivmedizin und Foren für Fachkreise/Ärzteforum posten

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