PEEP oder nicht

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Raaul
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PEEP oder nicht

Beitrag von Raaul » 02.09.08, 14:02

Hallo zusammen,

hab da eine Frage, bezüglich einer Anästehesie bei einem ASA I Pat. welcher für eine Hüft OP in Seitenlage operiert wird.
Narkose: Allgemein, Sevo, Fenta, etc.CMV

Jetzt die Frage, PEEP ja oder Nein,

Ja, weil die FRC erhöht, der Shunt vermindert und das V/Q Verhältnis wieder etwas näher an die Rückenlage gebracht wird, oder

Nein, da die ober Lunge "gepeept" wird, (erhöht Totraumvent.) und zugleich die untere Lunge der Shunt verschlechtert wird. (Folgen sind bekannt)

Was passiert wirklich??? für mich sind beide Erklärungen möglich....

Grüsse und Danke
da
Raaul

Dirk Jahnke
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Beitrag von Dirk Jahnke » 03.09.08, 15:06

Moin Raaul

Ein deutliches Ja unabhängig von einer Narkose.
Mit jeder Intubation und maschineller Beatmung senkt man ja die FRC. Der PEEP erhöht abhängig von seiner Höhe also erst einmal nicht die FRC sondern stellt wieder normale Verhältnisse her :)

Zusätzlich sind auch beim Lungengesunden unter Narkose mit maschineller Beatmung nach 20 min Atelektasen nachweisbar.

Zu deinen 2 Punkten -

Sehe nicht den grundsätzlichen Unterschied zwischen Seitenlage und Rückenlage. Nur die betroffenen Lungenbereiche verändern sich durch den Positionswechsel. Gibt ja immer ein oben und unten. In Rückenlage besonders Atelektasen gefährdet: die dorsobasalen Lungenbereiche, in 90 Grad Seitenlage halt rechte oder linke Seite. Natürlich ist bei entsprechender Lagerung die Compliance in Seitenlage geringer als in Rückenlage.Da der PEEP die Oxygenierung netto verbessert, muss der re-li Shunt verringert sein. Ein Einfluss auf die Totraumventilation sprich pCO2 ist ja beim sonst gesunden eher nicht zu erwarten. Habe immer so einen pulmonalen Perfusionsdruck von 10mmHg im Kopf. Ein Peep von z.B. 5 liegt noch darunter. Der Inspirationdruck kann da sicher mehr Einfluss haben und wird eher durch den fehlenden PEEP mit Atelektasenbildung steigen.

und zugleich die untere Lunge der Shunt verschlechtert wird.


Der PEEP wirkt doch gerade hier entgegen.!?

Auch stellt sich die Frage nach der postop Phase. Durch den fehlenden PEEP entsprechend mehr Atelektasen und allen daraus folgenden Problemen. Wird ja nicht jeder beim ausleiten gebläht ?
Tschau
Dirk Jahnke

deittrinker
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Beitrag von deittrinker » 08.09.08, 22:43

Moin, moin,

auch von mir ein ganz eindeutiges JA zum Peep bei Beatmung, auch oder vor allem bei noch gesunden Narkoselungen.
Der Peep, in einem gegenüber der Statik geschlossenen System, sorgt in diesem System, gegenüber draußen, für einen Druckausgleich und somit werden alle Areale durch den erhöhten intrapulmonalen Druck rekrutiert. und somit der Rechts- Links Shunt aufgehoben. Also die komplette Lunge wird gepeept. In diesem eigenen kleinen System gibt es aber auch ein Druckgefälle, die Kunst an der ganzen Sache ist zu erkennen wo für den Pat. der optimale PEEP liegt (Best Peep). Kann man aber an der Compliance der Lunge erkennen.
Viel schlimmer für die Lunge wäre in diesem Fall eine Überblähung der "oberen Areale" durch ein zu hoch gewählten AZV bei einer VCV (CPPV) oder einem zu hohen Delta P bei einer PCV (BIPAP) bei einem zu niedrig gewählten PEEP.

Der richtig gewählte Peep ist das Beste was einer beatmeten Lunge passieren kann.

Grüße der Deittrinker

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