massiver Schaden ohne feuchte Nase?

AnInt.de: Offenes Forum für allgemeine Anfragen, Austausch und Diskussionen zum Thema Anästhesie- und Intensivpflege bei Erwachsenen und Kindern.

Moderator: DMF-Team

Antworten
laya
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 11.08.08, 15:29

massiver Schaden ohne feuchte Nase?

Beitrag von laya » 01.09.08, 23:51

Hallo,

wir haben einen tracheotomierten Patienten der spontan atmet. Generell trägt er Thermovent T, aber oft hat er massiven Hustenreiz, welcher nachlässt wenn die Nase einen Augenblick abgenommen wird.

[u]Ein Kollege hat mir jetzt erzählt bereits nach 15 min. ohne Nase würde die Lunge auskühlen und die Alveolen zerstört.[/u]

Sicherlich ist mir klar das die feuchte Nase absolut sinnvoll ist, aber wirklich so zwingend?
Die meisten Dauerkanülenträger die ich kennenlernte haben keine feuchte Nase getragen und viele Patienten verwenden ja auch Sprechventile ohne Anfeuchtung.

:oops:

laya
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 11.08.08, 15:29

Beitrag von laya » 05.09.08, 22:20

Hallo? :(
Kann ja sein das es entgegen der Spruchweisheit halt doch "blöde Fragen" gibt, aber ich suche wirklich nach einer Antwort.

Kann mir denn niemand einen Tipp geben wo ich das genau herausfinden kann?

Birgit Höveler
DMF-Moderator
Beiträge: 493
Registriert: 23.02.06, 22:06
Wohnort: Niederkassel
Kontaktdaten:

Beitrag von Birgit Höveler » 05.09.08, 23:26

Hallo Laya,

generell sollte bei einem tracheotomierten Patienten eine sogenannte "feuchte Nase" oder ein Sprechaufsatz auf die Trachealkanüle gesetzt werden.
Einem Patienten der einen starken Hustenreiz und viel Sekret hat, schadet eine kurzfristige Diskonektion keineswegs. Es bringt dem Patienten Erleichterung. Langfristig ist aber dafür Sorge zu tragen, dass eine adäquate Befeuchtung der Atemwege gewährleistet wird. Eine feuchte Nase oder einen Sprechaufsatz sind obligat. Beides verschließt die Trachea nach außen und eine Befeuchtung kann stattfinden.
Es gibt auch Schleim reduzierende Medikamente, die in Fällen einer erhöhten Schleimproduktion, zum Einsatz kommen sollten.

Ich kenne allerdings auch einige HNO Patienten die tracheotomiert sind und weder einen Sprechaufsatz noch eine feuchte Nase anwenden. Trotzdem haben sie keine offensichtlichen Schäden an den Alveolen(von außen betrachtet, ohne Kenntnis ob es darüber wissenschaftliche Studien gibt).

Diese Patienten benutzen zur Abdeckung lediglich ein Halstuch.

Herzliche Grüße
Birgit Höveler
DMF-Moderatorin

Gunnar Piltz
DMF-Moderator
Beiträge: 1766
Registriert: 17.09.04, 00:31
Wohnort: Schleswig-Holstein
Kontaktdaten:

Beitrag von Gunnar Piltz » 05.09.08, 23:39

Hallo laya,

physiologisch wird die Atemluft durch den Nasen-Rachen-Raum und die Schleimhäute auf 37 Grad Celsius erwärmt und mit 44 mg/l Luftfeuchtigkeit gesättigt. Die Erwärmung und Feuchtigkeitsaufsättigung erfolgt zu dabei zu 3/4 in den oberen und zu 1/4 in den unteren Atemwegen. Bei einem intubierten oder tracheotomierten Patienten werden also die wichtigsten vorgeschalteten Erwärmungs- und Befeuchtungsmechanismen ausgeschalten und müssen daher künstlich ersetzt werden. Andernfalls führen die trockenen Luftverhältnisse innerhalb kürzester Zeit (ca. 1 Stunde) zu einer eingeschränkten mukoziliären Clearence mit folgenden Komplikationen:
  • Austrocknung der Mucosa
  • Verlust der Ziliartätigkeit
  • Verminderung der Mucokinese (Schleimbewegung)
  • Sekretretention und Sekreteindickung
  • Eingeschränkte Funktion des Surfactan und daraus entstehende Atelektasen
  • Steigende Infektionsgefahr
  • Verminderter Gasaustausch
Herzliche Grüße
Gunnar Piltz
DMF-Moderator

laya
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 11.08.08, 15:29

Beitrag von laya » 12.09.08, 01:59

Vielen vielen Dank für die Antworten!
:idea: :D

Antworten