Pain Nurse

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geolinn
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Pain Nurse

Beitrag von geolinn » 03.08.08, 01:38

Hallo,

seid Juni bin ich Pain Nurser :) und möchte und soll in unserer Klinik das Schmerzmanagement effektiver gestalten. Eine Grundvoraussetzung ist, so meine ich, eine detaillierte Mitarbeiterschulung. Hat jemand Erfahrung zum Thema? Vielleicht habt Ihr schon ein Konzept erarbeitet oder Ideen wie dieses Konzept aussehen sollte?

waerter1509
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Re: Pain Nurse

Beitrag von waerter1509 » 03.08.08, 11:19

möchte und soll in unserer Klinik das Schmerzmanagement effektiver gestalten.

Hi. Ist doch für den Anfang gut. Effektiver heißt doch, dass es schon etwas gibt. Verändere das,was dir nicht gefällt und du bist auf dem Weg.

Such dir einen Arzt, der dich unterstüzt. Manchmal werden Dinge einfacher, wenn die Schulungen des ärztlichen Dienstes auch von einem Arzt durchgeführt werden. Denn Standesdünkel gibt es immer noch. Trotzdem kann es DEIN Konzept sein.
Schulungen sind das A und O. Aber nicht alle Mitarbeiter möchten geschult werden. Dein Elan bei der Einführung eines neuen Schmerzmanagement wird nicht von allen geteilt.
Das soll dich nicht runter ziehen, sondern nur den Blick darauf richten, dass du Überzeugungsarbeit leisten mußt und erstmal verseutlichen, warum die Veränderungen ein Vorteil für alle sind. (Zufriedenheit von Patienten und Personal)
Versuche schriftliche Vereinbarungen zu erreichen. Damit Aufgaben, Ziele, Maßnahmen und Kompetenzen klar definiert sind.
Dann ist der Rest ganz 'einfach' :roll: :roll: :roll: :roll:

midnightingale
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Beitrag von midnightingale » 25.08.08, 18:11

Der Mensch haengt an seinen Gewohnheiten und neigt dazu, Veraenderungen mit Widerstand zu begegnen, auch wenn sie eigentlich Verbesserungen sind. Wer Bestehendes veraendern will, sollte sich gut auf Neinsager vorbereiten und gut begruenden koennen, warum es eben nicht gut laeuft, so wie's eben laeuft.

Das heisst, erstmal die vorhandenen Protokolle und Standards analysieren. Entsprechen sie noch den aktuellen Guidelines? Gibt es Zahlen zur Evaluation der Wirksamkeit der aktuellen Schmerzstandards in eurem Haus? Wird das Schmerzniveau anhand von Skalen erhoben und dokumentiert? Wenn ja, liefern die Daten eine Ausgangsbasis fuer spaetere Erfolgskontrolle. Wenn nicht, waere meine erste Massnahme, das Schmerzniveau in die Pflegedokumentation zu integrieren, um kuenftig nicht im Trueben zu fischen. Wieviel wird im Moment fuer Schmerztherapie ausgegeben? Was darf sie kuenftig kosten?

Sind die derzeitigen Standards nicht mehr guidelinkonform oder kosteneffektiv oder wirksam (Schmerzprotokolle), mach ein hieb- und stichfestes Konzept. Schriftlich. Was willst du aendern, warum, wo steht das in der Literatur, was kostet das, welche Verbesserung ist davon zu erwarten? In welchem Zeitraum? Idealerweise lieferst du deinen Vorschlag fuer einen neuen Standard/Algorithmus/Schema in Kurzform gleich mit.

Nun bist du zumindest bereit fuer die Diskussion mit den aerztlichen Entscheidungstraegern. Die muessen dein Konzept gutheissen, am besten unterschreiben (sorry, so steht's leider um die Emanzipation unserer Berufsgruppe, waerter1509 hat's auch schon gesagt).

Erst wenn ein Konzept/Standard/Algorithmus wirklich steht, an die Implementierung in die Praxis denken. Jetzt kommen Fortbildungen ins Spiel. Mehrere Termine anbieten, damit moeglichst viele Schichtdienstler teilnehmen koennen. Die Fortbildung nicht zu allgemein fassen, sag deinem Publikum, was genau sie in Zukunft anders machen sollen, warum und ab wann (!), liefere Hintergrundinformationen. Stell deinen neuen Schmerz-Algorithmus vor und mache klar, Dr. Chef hat's unterschrieben, es handelt sich demnach hierbei um ein Gesetz.

Schreibe unbedingt ein Skript zur Fortbildung und gib es zusammen mit deinem Schmerzschema aus. Gesprochene Worte sind Schall und Rauch, aber deine Handouts fliegen danach noch Monate auf Stationen herum und werden nachts von Menschen gelesen, die sich langweilen.

Die Anlaufphase des neuen Schmerzschemas begleiten, viel Praesenz auf den Stationen zeigen, Fragen beantworten, die Umsetzung kontrollieren und dokumentieren. Nach gewisser Zeit (sechs Monate?) eine erste Evaluation, ob das Schmerzmanagement wirklich effektiver geworden ist. Wenn nicht, Problemsuche und nochmal von vorn.

Uebrigens kann es hier auch nichts schaden, sich zu Projektmanagement zu belesen und, falls es im Haus Pflegeforscher oder -wissenschaftler gibt, sich von ihnen beraten zu lassen.

Ich wuensche ein dickes Fell, starke Nerven und viel Erfolg!

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