DPR fordert nationalen Gesundheitsgipfel

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Gunnar Piltz
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DPR fordert nationalen Gesundheitsgipfel

Beitrag von Gunnar Piltz » 18.05.08, 16:55

Pflege darf kein Pflegefall werden

BERLIN (15. Mai 2008) – Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat die Einberufung eines nationalen Gesundheitsgipfels gefordert. Hintergrund sind die teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern. „Pflege am Patienten findet dort häufig nur noch im Laufschritt statt, viele Kolleginnen und Kollegen brennen allmählich aus“, sagte die Präsidentin des Pflegerates, Marie-Luise Müller, vor Journalisten in Berlin. Allein in den vergangenen 13 Jahren seien in den Kliniken über 50.000 Pflegestellen ersatzlos gestrichen worden – bei gleichzeitiger Zunahme der Pflegebedürftigkeit der zu versorgenden Patienten. „Das passt einfach nicht zusammen“, erklärte Müller. Sie appellierte an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, sich des Themas anzunehmen.

Krankenhäuser bauten zuallererst Stellen im Pflegedienst ab, um ihre Finanzen zu sanieren, erklärte Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes (DPV) und Mitglied im Pflegerat. „Wer so handelt, der muss wissen: Personalabbau in der Pflege gefährdet nachweislich die Sicherheit von Patienten. Sind Krankenhausstationen personell unterbesetzt, steigt dort die Zahl der Infektionen, Patienten liegen sich schneller wund oder sie stürzen beim Aufstehen hin, weil keine Krankenschwester da ist, die helfen kann.“ Studien aus Großbritannien würden sogar einen Zusammenhang zwischen Personalausstattung und Sterberaten in Krankenhäusern belegen, so Höfert. „Ich halte das nicht für übertrieben.“ Die Politik rief der Pflegeexperte dazu auf, nicht länger wegzuschauen. „Es reicht nicht aus, das Thema in Talkshows schönzureden. Die Kliniken brauchen mehr Geld – und das muss endlich auch bei der Pflege ankommen.“

„Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, damit gute und verantwortliche Pflege im Krankenhaus selbstverständlich ist und nicht zur Ausnahme wird“, erklärte Peter Bechtel, Vorsitzender des Verbandes Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen (BALK) e.V. und Mitglied im Pflegerat. Es könne nicht sein, so der Pflegemanager am Herz Zentrum Bad Krozingen, dass sich Krankenhausträger, Gesundheitspolitiker und Verbände gegenseitig die Schuld für die Misere zuschieben. „Am Ende ist es keiner gewesen und Patienten und Pflegekräfte bleiben auf der Strecke.“ Bechtel rief alle Beteiligten auf, sich an einen Tisch zu setzen und auf einem „Nationalen Gesundheitsgifel“ gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. „Es ist bereits kurz nach zwölf. Es geht um die Gesundheitsversorgung, für die der Bundesbürger im Schnitt 3.000 € im Jahr hinblättert. Die Profession Pflege kann einen entscheidenden Beitrag leisten, dass der Patient dafür auch gute Qualität erwarten kann – wenn die Bedingungen stimmen.“

Wirtschaftsfaktor und Sorgenkind: In Deutschland gibt es derzeit rund 2.100 Krankenhäuser. Insgesamt sind dort rund 1,1 Mio. Menschen beschäftigt – darunter circa 400.000 Pflegekräfte und 140.000 Ärzte. Mit einem Jahresumsatz von rund 61 Mrd. € sind die Kliniken ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen. Die Zahl der Krankenhäuser ist jedoch zuletzt zurückgegangen. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) mussten allein im vergangenen Jahr 30 Krankenhäuser ganz oder teilweise schließen. Für 2008 erwartet die DKG etwa 50 weitere Schließungen. Außerdem drohe ein Finanzloch in Höhe von rund 2,2 Mrd. €. Ursächlich dafür sind laut DKG gestiegene Personal- und Sachkosten.

10 Jahre Pflegerat: Der Deutsche Pflegerat (DPR) feiert am 3. Juni 2008 in Berlin zehnjähriges Bestehen. Der DPR wurde 1998 in Offenbach gegründet, um mit einer Stimme für die Interessen der rund 1,2 Mio. professionell Pflegenden in Deutschland zu sprechen. Der DPR vertritt als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens derzeit 12 Berufsverbände, in denen knapp 100.000 Pflegefachkräfte und Hebammen organisiert sind.

Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) – Kurzporträt
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus zwölf Verbänden die berufliche Selbstverwaltung. Seit 2003 handelt der Deutsche Pflegerat e.V. als eingetragener, gemeinnütziger Verein. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat heute die insgesamt 1,2 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerates.

Präsidentin ist Marie-Luise Müller.

Mitgliedsverbände
- Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen e.V. (ADS)
- Bundesausschuss der Lehrerinnen und Lehrer für Pflegeberufe e.V. (BA)
- Verband Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen e.V. (BALK)
- Bund Deutscher Hebammen e.V. (BDH)
- Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V. (BeKD)
- Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegekräfte der Psychiatrie e.V. (BFLK)
- Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
- Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V. (DGF)
- Deutscher Pflegeverband e.V. (DPV)
- Verband anthroposophisch orientierter Pflegeberufe e.V. (VfAP)
- Vereinigung der Hygienefachkräfte der Bundesrepublik Deutschland e.V. (VHD)
- Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätsklinika e.V. Deutschland (VPU)


Quelle: Deutscher Pflegerat (DPR)→ Pressemitteilung vom 15.05.2008

Gunnar Piltz
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Beitrag von Gunnar Piltz » 18.05.08, 17:01

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der Tat hat man das Gefühl, dass der allgegenwärtige Pflegenotstand in der Öffentlichkeit zwar angekommen ist und in nahezu allen Sendeformaten oft thematisiert und auch hitzig diskutiert wird, sich Politiker, Kostenträger und Experten dabei aber nur gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben und damit die Verantwortung für eine konstruktive Lösung von sich weisen.

Ob die vom Deutschen Pflegerat geforderte Einberufung eines nationalen Gesundheitsgipfels uns hier ein Stück weiterbringen wird, bleibt sicherlich mit Spannung abzuwarten. Bislang bietet die Bundesregierung nicht den Ansatz für eine intelligente Lösung des Problems, hat dafür aber den bürokratischen und kostenintensiven Moloch Gesundheitsfonds entwickelt.

Auch ist das Engagement der Spitzenverbände an der Basis meines Erachtens kaum noch zu vermitteln. Auf der einen Seite reden wir von einem dramatischen Pflegenotstand und einer gefährdeten Patientenversorgung, auf der anderen Seite von Pflegeweiterentwicklung und einer neuen Aufgabenverteilung im Krankenhaus durch eine verstärkte Übernahme ärztlicher Tätigkeiten.

Anfang Juni feiert der Deutsche Pflegerat, als Interessensvertretung beruflich Pflegender, sein nunmehr 10-jähriges Bestehen. Wie zufrieden ist man an der Basis eigentlich mit den Aktivitäten und Bemühungen des DPR? Fühlt ihr euch und eure Interessen gut vertreten?

Herzliche Grüße
Gunnar Piltz
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