98 Prozent der deutschen Kliniken bieten schmerzfreie Geburt

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Die Infusionsepiduralanalgesie (CIEA) oder patientenkontrollierte Epiduralanalgesie (PCEA) wird für die rückenmarksnahe Analgesie zur Geburtserleichterung bei uns:

immer eingesetzt.
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kommt nur nach mehrmaligen Applikationen und langandauernder Geburt in Frage.
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immer individuell entschieden.
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nur sehr zurückhaltend eingesetzt.
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durch zu wenige Pumpen eingeschränkt / limitiert.
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nicht eingesetzt.
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Gunnar Piltz
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98 Prozent der deutschen Kliniken bieten schmerzfreie Geburt

Beitrag von Gunnar Piltz » 15.05.08, 23:59

DGSS-Umfrage: 98 Prozent der deutschen Kliniken bieten schmerzfreie Geburt an

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land, Ost und West

98 Prozent aller deutschen geburtshilflichen Abteilungen bieten derzeit die rückenmarksnahe Regionalanästhesie zur Linderung des Geburtsschmerzes an, 1996 waren es nur 89 Prozent. Das hat eine Umfrage ergeben, die in der aktuellen Ausgabe von "Der Schmerz", dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) veröffentlicht ist. Fast jedes fünfte Baby (17,5 Prozent) kommt demnach vaginal unter einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie (z.B. als Periduralanalgesie) auf die Welt. In Großstädten und Ballungsräumen liegt die Rate sogar bei über einem Viertel. Eine Tatsache, die vermutlich auf den Konkurrenzdruck zwischen den Krankenhäusern zurückzuführen ist, vermuten die Autoren der Studie. Sie werteten Fragebögen aus 397 Kliniken aus, in denen im Befragungszeitraum 297.212 Entbindungen, d.h. 41,3 Prozent aller Geburten in Deutschland, stattgefunden hatten.

Je größer die Klinik desto häufiger die rückenmarksnahe Anästhesie

Bei der rückenmarksnahen Anästhesieverfahren wird über einen Epiduralkatheter (Periduralkatheter) Lokalanästhetikum (örtliches Betäubungsmittel) und ggf. zusätzliche Schmerzmittel per Einzelinjektion, Dauerinfusion oder als patientenkontrollierte Schmerzmittelgabe über eine Schmerzpumpe verabreicht. Dieses Verfahren zur Schmerzlinderung wurde umso häufiger angewandt, je größer die geburtshilfliche Abteilung war. In Kliniken mit weniger als 500 Geburten im Jahr lag die Rate bei durchschnittlich 12,7 Prozent, in Kliniken mit über 1.000 Geburten jährlich bei 21,6 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern wurde, zum Teil bedingt durch die kleineren geburtshilfllichen Abteilungen, dieses Verfahren seltener angewandt als in den westdeutschen (8,5% Ost; 19,7% West). In Großstädten und Ballungsräumen lagen die Raten deutlich über dem Bundesdurchschnitt. So erhielten in Hamburg und Bremen 28 bzw. 26 Prozent der werdenden Mütter eine rückenmarknahe Regionalanästhesie zur Linderung des Wehenschmerzes, in NRW 24,7 Prozent.

Auch Akupunktur wird oft eingesetzt

Von den erfassten Entbindungen verliefen 69,4 Prozent spontan vaginal. In 4,4 Prozent kam die Saugglocke zum Einsatz, in 1,6 Prozent waren es Zangengeburten. 22,2% der Entbindungen in Deutschland erfolgten als Kaiserschnitt, bei dem ebenfalls regionale Narkoseverfahren bevorzugt werden. Neben der Periduralanalgesie wurden häufig auch systemische Schmerzmittel, meist Opioide, gegen den Wehenschmerz eingesetzt. In 76 Prozent der Kliniken besaß zusätzlich die Akupunktur als begleitendes Verfahren zur Schmerzlinderung einen gewissen Stellenwert.

Titelaufnahme

T. Meuser et. al.: Eine Umfrage zur geburtshilflichen Schmerztherapie in Deutschland. In: Der Schmerz 2/2008, S. 184-189

Ansprechpartner

PD Dr. Thomas Meuser
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Marien Krankenhaus gGmbH
Dr.-Robert-Koch-Str. 18
51465 Bergisch Gladbach
E-Mail: thomas.meuser[at]mkh-bgl.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw) → Pressemitteilung vom 13.05.2008
Zuletzt geändert von Gunnar Piltz am 16.05.08, 00:09, insgesamt 3-mal geändert.

Gunnar Piltz
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Beitrag von Gunnar Piltz » 16.05.08, 00:04

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

anders als früher, wird der Anspruch Schwangerer auf Linderung starker Geburtsschmerzen heute nicht mehr in Frage gestellt. Allerdings erlebt die peripartale Analgesie durch moderne Konzepte (Walking Epidurals) einen Wandel, deren Anwendung in dieser Umfrage leider keine Berücksichtigung fand. Die personell und zeitlich aufwendige Technik der intermittierenden Epiduralanästhesie wird zunehmend von programmierbaren Pumpen zur kontinuierlichen Applikation oder zur patientenkontrollierten Epiduralanästhesie abgelöst. Das Ziel und der Vorteil liegt in der Mobilität der Schwangeren im Kreissaal und einer deutlich besseren Steuerbarkeit, Unabhängigkeit von den Personalressourcen der Anästhesie. Mich würde interessieren, ob und wie das Konzept der Walking Epidurals bei Euch umgesetzt wird.

Herzliche Grüße
Gunnar Piltz
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