Direkt nach der Ausbildung auf eine Intensivstation?

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Anne83
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Direkt nach der Ausbildung auf eine Intensivstation?

Beitrag von Anne83 »

Hi,

im Moment befinde ich mich in den letzten Wochen der Ausbildung zur Krankenschwester. An unserer Klinik sieht es allerdings schlecht aus, was eine Übernahme angeht. Es werden meist nur Stellen auf Intensivstationen angeboten, sonst muß ich mir einen neuen Arbeitgeber suchen. Würde gerne dort bleiben, aber sofort auf auf einer unsere etwa 7 Intensivstationen (auf denen die Fluktuationsrate bedenklich hoch ist) zu arbeiten, finde ich fast zu anspruchsvoll für frisch Examinierte. Habe zwar bereits Erfahrungen im Rahmen der Ausbildung gesammelt, kenne also den Ablauf etwas. Bin mir aber nicht sicher, ob ich mir das zutrauen kann.

Wer hat das selber erlebt, direkt nach der Ausbildung auf eine Intensivstation zu gehen? Ist eher davon abzuraten oder ist der Sprung ins kalte Wasser vielleicht sogar förderlich für meine Berufslaufbahn?

Gunnar Piltz
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Beitrag von Gunnar Piltz »

Hallo Anne !!!

Eine ganz ähnliche Ausgangssituation führte Anfang des Jahres zu dieser hitzigen Diskussion hier. Interessant finde ich dabei die oft gegensätzlichen Ansichten und die dazugehörigen Argumentationen. Dort wurde ziemlich umfassend zur Frage, ob man nun direkt nach dem Examen auf eine Intensivstation gehen oder doch besser erstmal im peripheren Stationsbereich arbeiten sollte, Stellung bezogen. Vielleicht finden Sie ja darin eine kleine Entscheidungshilfe für sich. :wink:

Herzliche Grüße
Gunnar Piltz
DMF-Moderator

Huckelbein
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Beitrag von Huckelbein »

Hallo!
Ich arbeite jetz knapp 4 jahre auf einer internistischkardiologischen Intensivstation. habe dort schon die letzten 6 Monate meiner Ausbildung verbracht und auch dort meine Praktische Prüfung gemacht.Vorrangig habe ich da dann Überwachungspatienten betreut und mich so nach und nach an die schwierigen Sachen herangearbeitet. Für mich war es nie eine Frage auf einer peripheren Station zu arbeiten,wollte schon immer auf ITS. Ich kann jetzt aber nur für mich sprechen und für meine Station,man wird ja nicht sofort in ein Beatmungszimmer gesteckt und allein gelassen. Eine gewisse Phase der Einarbeitung ist auf jeden fall nötig aber meiner meinung nach ist es doch egal ob man direkt nach der Ausbildung auf ITS arbeitet. Da ist das Wissen noch frisch und die Motivation groß. Für mich war es die beste entscheidung! Gregor 8)

Nurse1206
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Beitrag von Nurse1206 »

Hallo zu diesem Thema kann ich nur sagen: Es war die richtige Entscheidung... Ich bin jetzt seit fast zwei Monaten auf der Intensiv... Und ich wurde sehr gut eingearbeitet!! Wirklich ich bin total zufrieden. Ich wollte auch von Anfang an auf die Intensiv und dort bin ich auch gleich nach meinem Examen hin. Und mir gehts wirklich gut. Natürlich hab ich noch viele Fragen. Aber ich hab immer einen Ansprechpartner.

Würde es immer wieder so machen.

Liebe Grüße

Birgit Höveler
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Beitrag von Birgit Höveler »

Hallo Nurset,

schön das sie so positiv von Ihrer Einarbeitung berichten können. Ich hatte sie schon vermisst würde mich freuen mehr von ihnen in unserem Fachforum Kinderanästhesie und Intensivpflege zu lesen.
Weiterhin viel Freude in ihrer Einarbeitung. :)

Viele Grüße
Birgit Höveler
DMF-Moderatorin

00Airmix
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Beitrag von 00Airmix »

Hallo!!

Ich arbeite jetzt seid gut 5 Jahren auf Intensiv. Ich bin direkt nach dem Examen auf eine Internistisch/Kardiologische Intensivstation gewechselt. Rückblickend muß ich sagen waren die ersten Monate echt happig, da ich zudem auch das Haus gewechselt habe. Aber dank einem super Team und entsprechend guter Einarbeitung, habe ich auch diese Zeit überstanden.
:D
Also ich würde es wieder so machen.

Gruß aus dem Ruhrgebiet.

stas30
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Beitrag von stas30 »

Ich bin seit ca. 20 Jahren in der Intensivpflege, dieses Thema haben wir gerade bei uns diskutiert. Da wir bei knapper Besetzung oft wenig Zeit für Einarbeitung haben, kommen gerade ganz junge KollegnInnen zu kurz. Wir haben vor einem Jahr einen Kollegen direkt nach dem Examen eingeabeitet, dieser zeichnete sich durch schon große Lebenserfahrung aus und ist sehr bereit sich zusätzlich Fachwissen anzueignen. Darum sollte sich jede/r genau überlegen ob er den hohen Anforderungen gewachsen ist.
LG Anke

bikerin
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Beitrag von bikerin »

HI
ich habe 2000 meine examen gemacht, und bin nach 3,5 jahren auf eine chir. ITS gegangen
und ich persönlich fand es gut das ich vorher auf normalstation war (3 häuser - 3 verschiedene bereiche)
weil da weißt du dann das du was kannst,
dacht mir am anfang oft *was tu ich hier überhaupt?!* und *kann nix und hab keine ahnung von irgendwas*
und was die einarbeitung betrifft, nachdem ich vorher (auch nicht in der ausbildung) auf intensiv gearbeitet habe
find ich 3 tage einarbeitung (meine einarbeiterin ging dann in den ND und dann in den urlaub) definitv zu wenig,
weil meiner meinung nach ist es nicht ok wenn es nach ner woche heißt *dein patient -(beatmet und katecholaminpflichtig) - wenn was is dann frag*
mach momentan meine fachweiterbildung anästhesie / intensiv - nachdem ich 2 jahre erfahrung auf ner chir ITS hab. kam auf interne / kardiologische ITS
und hatte da auch nur 1,5 schichten ne einarbeitung - wobei die leitung selber sagt das es ne schlechte einarbeitung ist -- aber hab auch kein problem mehr damit, wenn ich alle 30min irgendwas nachfragen muss was mir neu ist (egal wie es die andren nervt - aber dann sollte man seine *neuen* einfach länger einarbeiten)
wünsch euch nen schönen sonnigen tag :-)

Lucacino
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Registriert: 20.06.06, 12:16
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Beitrag von Lucacino »

Ich bin gleich nach dem Examen auf eine kleine 6 Betten-Intensiv in dem Haus, in dem ich auch gelernt habe.
Ich habe da 1,5 Jahre gearbeitet und bin dann an eine Uniklinik gewechselt um dort meine Fachausbildung zu machen.
Ich hab´s bis heute nicht bereut und würde es auch jedem empfehlen, der auf eine ITS will.

schaui
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Krankenpflegegesetz

Beitrag von schaui »

Hallo Anne,
war leider durch einen Umzug in die Schweiz länger nicht mehr im Forum, deshalb die verspätete Antwort :?
Wenn ich recht erinnerlich bin gibt es einen Vermerk im Krankenpflegegesetz NRW, der ein halbes Jahr periphere Berufserfahrung auf einer Normalstation vorsieht. Ausnahmen können meines Wissens nach gemacht werden, wenn du die Vesetzung auf eine Intensivstation innerhalb der selben Klinik anstrebst, in der du die Ausbildung gemacht hast.
Das die Praxis selten so aussieht ist nun mal so. Auch ich habe nach meinem Examen versucht direkt auf die ITS zu kommen, musste jedoch über die Kardio gehen um etwas Berufserfahrung zu sammeln. Sicher ist es so, dass du zum Examenszeitpunkt auf dem höchsten Wissensstand bist und es ist sicher auch von Vorteil ist auf eine ITS zu gehen wenn man/Frau den Wunsch hat. Andererseits schadet es auch nicht etwas Berufserfahrung peripher zu sammeln, um die "Basics" der Krankenpflege zu festigen. Wie in den Antworten ersichtlich kannst du auch eine Bauchlandung in ziemlich kaltem Wasser erleben und da wirds schwierig. Ich persönlich hatte schon Berufserfahrung, bin dann auf eine ITS gegangen, wo eine schlechte Einarbeitung stattfand, was heißt, Personalmangel (wie überall), ab der zweiten Woche durchschnittlich zwei Beatmungspatienten plus zwei nicht intubierte Pat. mit z. T. schwieriger Analgosedierung und hochkatecholamnpflichtig mit Mehrlumenkathetern und ggf. Hämofiltration. Bei einer solchen Arbeitsbelastung komme ich auch heute z. T. noch ins Schwimmen und wenn ich zurückdenke habe ich viel Mist gebaut, bzw. es ist wider Erwarten gut gegangen, was ich heute nie mehr machen würde.
Ich will dich nicht verunsichern oder dir die Intensivpflege vermiesen - aber es kann so frisch examiniert sehr schwer werden.
Andererseits freut es mich für junge Kollegen wenn sie die Herausforderung suchen und bestehen. Ich drücke dir für deinen Berufsweg auf alle Fälle die Daumen und hoffe, dass deine Entscheidungen für dich persönlich gut sind. :wink:
Neue Arbeitsplätze sind gut, formen und schulen! Viel Glück und einen schönen Sommer .

Schaui (FKP/ RbP)

mordeth
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Beitrag von mordeth »

Das Krankenpflegegesetz (KrpflG) ist ein Bundesgesetz und wird auch nach der Föderalismusreform noch eines bleiben. Es gibt lediglich eine entsprechende Durchführungsverordnung (DVO-KrPflG, siehe http://sgv.im.nrw.de/gv/frei/2006/Ausg6 ... g%20nrw%22) für NRW.

Es gibt keine Durchführungsverordnung und im Gesetzestext auch keine Anweisung, frisch examiniertes Personal Erfahrung in der Peripherie zu sammeln. Ganz ehrlich, ich würde mich dann fragen, was sich der Gesetzgeber denkt, was man in den 3 Jahren der Ausbildung getan hat.

*knoxville*
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Beitrag von *knoxville* »

Hallo Anne83,

ich habe vor drei Jahren direkt nach meiner Ausbildung auf meiner jetzigen Station angefangen. Ich hatte die selben Bedenken/Ängste wie Du, wurde aber eines besseren belehrt :wink:
Ich habe von Anfang an mit einer erfahrenen Bezugsperson gearbeitet und war trotz dünner Personaldecke immer mit ihr zusammen eingeteilt und habe ein Zimmer mit ihr zusammen betreut. Nach und nach wurde ich immer selbstständiger und mein Mentor hat sich mehr und mehr zurückgezogen, bis ich dann in der Lage war mein Zimmer weitgehend alleine zu betreuen. Aber auch heute noch ist immer ein erfahrener Kollege auf dem Dienst an den man sich jederzeit wenden kann.
Ich muss allerdings dazu sagen, dass sich im ersten halben Jahr die Arbeitszeit bei mir nicht auf die 8 Stunden Anwesenheit beschränkt hat, sondern dass ich zu Hause oft noch mehrere Stunden über Büchern gesessen habe (manchmal heute noch sitze).
Einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen und keine Angst davor haben, deine Kollegen mit Fragen zu löchern, habe die Erfahrung gemcht, dass dir deswegen niemand böse ist, ganz im Gegenteil!
Viel Spass und Erfolg,
Liebe Grüsse

Marc

Karima
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Beitrag von Karima »

Hallo Anne 83!
Ich gehöre ebenfalls zu den "direkt nach der Ausbildung auf der Intensiv angefangenen" Schwestern. Für mich kam nach einem fast halbjährigen Einsatz in der Ausbildung keine andere Station in Frage- um so glücklicher war ich, daß ich aufgrund eines Personalengpaßes auch gleich eine Stelle angeboten bekam. Ich hatte demnach den Vorteil, die Station, das Team und einen gewissen Ablauf der Routine,den man als Schüler so erhaschen kann, bereits zu kennen.
Ich habe meine Entscheidung nie bereut- dennoch muß ich zugeben, daß die erste Zeit doch etwas hart war. Sicherlich ist man nach dem Examen auf einem seiner höchsten Wissensmomente- aber gerade darum fiel es mir schwer, nach dem Examen erneut vieles lernen und zu verinnerlichen müssen. Denn auch wenn man in der Ausbildung einen Einblick hatte, muß man sich bewußt sein, daß man mit vielen neuen, komplexen Themen, Gerätschaften und Aufgaben konfroniert wird, vor allem mit einer ganz neuen Verantwortung. Ich möchte Dir nicht den Mut nehmen- wenn Dir die Arbeit auf der Intensivstation wichtig und lieb ist, dann bringt der anfängliche, vielleicht etwas schwere Einsatz dennoch Spaß und Freude.Insbesondere in einem tollen Team und mit einer guten Einarbeitung. Wenn die Intensivstation also das ist, was Du willst- dann mach es!!
Doch wenn Dein Herz eher für etwas anderes schlägt und Du nur auf der Intensivstation anfangen möchtest,damit Du" im Hause" bleibst, dann überleg es Dir bitte genau, denn nichts fällt einem schwerer, als für etwas arbeiten und lernen zu müssen, dem man eigentlich nicht offen gegenüber gestellt ist.
Ich hoffe, ich konnte auch ein bißchen helfen ;-)
Dir viel Glück und Erfolg!

AnjaundAntje
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Beitrag von AnjaundAntje »

Hallo Anne,
ich arbeite seid 8 Jahren auf Intensiv und bin seid gut 3 Jahren Praxisanleiter unteranderen zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
Ich finde es immer wieder schwierig frisch examinierte einzuarbeiten, da der Streß der täglichen Arbeit trotzdem weiter geht.
Es kommt immer wieder die Aussage" Oh Gott ist das viel " " Hoffentlich kapiere ich das bald"...
Für mich persönlich finde ich es wichtig, wenn sich jemand für Intensiv interressiert, dass er für ein Jahr auf einer Zwischenintensiv arbeitet und danach auf Intensiv wechselt.
Da es mir vor 8 Jahren genauso ging, kann ich es gut verstehen.
Grüße Antje

pfleGEr
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Beitrag von pfleGEr »

Hallo Anne,

bin nach 2 Jahren auf eine Internistisch / Kardiologische Intensivstation gewechselt und arbeite dort jetzt im fünften Jahr, hätte mir aber durchaus auch einen früheren Zeitpunkt zum Wechsel vorstellen können.
Was mich interessieren würde ist, ob Du jetzt auf einer ITS arbeitest, oder nicht?
Dein Beitrag stammt aus dem Sommer letzten Jahres, so dass Du eigentlich Dein Examen jetzt in der Tasche haben müsstest.
Die Einarbeitung auf einer ITS steht und fällt mit dem Team. Wenn das Team intakt ist, dann ist es auch möglich in stressigen Situationen neue Mitarbeiter vernünftig anzuleiten und einzuarbeiten und für eventuelle Fragen zur Verfügung zu stehen.

Gruß pfleGEr

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