Heimbeatmung - eine Berufsalternative zum Krankenhaus?

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Filirator
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Heimbeatmung - eine Berufsalternative zum Krankenhaus?

Beitrag von Filirator » 17.04.06, 21:56

Hallo,

der große Boom ist gerade die Heimbeatmung (z.B. www.heimbeatmungsservice.de). Wer hat Erfahrung damit?
Lohnt sich die Beschäftigung damit?
Ist dies eine Perspektive für unsere Berufsgruppe, eine Nische oder nur ein Strohfeuer?

Viele Fragen hat

Filirator

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 19.04.06, 10:07

Hallo Filirator,

eine Beschäftigung in diesem Bereich ist sicher von dauerhafter Möglichkeit. Auf eine Anfrage bei den Krankenkassen, erhielt ich die Information, das diese Probleme haben, entsprechend qualifizierte amb. Pflegedienste zu finden, die solche Patienten betreuen. Von daher ist der Badarf sicher da.

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

Markus21KP
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Beitrag von Markus21KP » 14.06.06, 19:10

Hallo zusammen!

Habe ab dem 1 ten Juli eine Vollzeitstelle in einem ambulantem intensivpflegedienst! Bin immer für 12 stunden für jeweils einen schwerstpflegebedürftigen Patienten zuständig ( vor allem ALS und Hoher Querschnitt sind die häufigsten Erkrankungen) ; Bezahlung ist auch sehr Ordentlich (bin 23 jahre alt mit 3 jahren berufserfahrung, davon 15 monate auf Intensiv) --> Stundenlohn 14,50 € (zum vergleich: bei meinen letzten anstellungen hatte ich 10 bzw 12 € brutto/stunde ) !!!

Über meine Erfahrungen auf dem Gebiet der heimbeatmung werde ich zu gegebener zeit weiter berichten!!!

Viele Grüße

Markus
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Lucacino
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Beitrag von Lucacino » 20.06.06, 12:49

ch arbeite haubtberuflich in einer Klinik und nutze die 400€ steuerfrei durch einen Nebenjob bei einem ambulanten Intensivpflegedienst. Der Job ist für "Kliniker" nur wegen der 400€ von Interesse. (3 Nächte/Mont) Wer für den ambulanten Pflegebereich was übrig hat ist sicher dort gut aufgehoben, aber wer Spass an Intensivmedizin hat sollte in einer Klinik bleiben und diese Alternative als Nebenverdienst oder aber Nische sehen. Keine überzeugte Intensivpflegekraft aus einer Klinik macht diesen Job haubtberuflich. Ich kenne zumindest keine.

Markus21KP
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Beitrag von Markus21KP » 22.06.06, 06:38

Hallo!

Für Intensiverfahrene, aber erst seit wenigen Jahren im Berufsleben stehende, Krankenpfleger/Schwestern ist die ambulante intensivpflege das Optimum was man rausholen kann aus unserem aktuellem Arbeitsmarkt...!!!

Es war mir leider unmöglich eine Stelle auf einer Intensivstation zu bekommen, da ich bis jetzt ja nach meinen 15 monaten Intensivstation nur 1 jahr im Pflegeheim und 3 monate in einer arztpraxis war, ist diese stelle in der heimbeatmung das beste was passieren kann...!!!

Natürlich kann man sich als Intensivfachpflegekraft etwas schöneres Vorstellen, leider ist das "uns Jungen" nur selten vergönnt eine Stelle im KH zu bekommen bei der jetzigen arbeitmarktsituation...!!!

Beste Grüße Markus
Zuletzt geändert von Markus21KP am 29.12.06, 12:26, insgesamt 1-mal geändert.

Markus21KP
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Beitrag von Markus21KP » 21.07.06, 18:19

Hallo zusammen!

Arbeite jetzt fast einen Monat in der ambulanten Intensiv und Beatmungspflege, und bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung! Ich schildere euch mal kurz einen Arbeitstag bei "Meiner Patientin" ( eine "Arbeitsnacht" bei "meinem Patienten" folgt nächste woche ) : Im voraus noch eine Bemerkung: Jeder unserer Patienten besteht auf einen Individuellen Tagesablauf, an dem "man" - als Pflegeperson, nur wenig ändern kann / darf...!!! Man muss also Seine Pflegemaßnahmen in die vom Patienten gewünschten Zeitfenster integrieren...!!! Keine Einfache Sache immer...!!!

Also Dienst von 8-20 uhr sowie von 20 bis 8 uhr...! Als Vollzeitkraft (männlich) hat man ca. 8 Nachtdienste und 6 Tagdienste ( hat den Hintergrund das "mein Patient" im Tagdienst ONLY SCHWESTERN möchte... Er lebt noch sehr gerne, trotz seiner Erkrankung, wenn Ihr versteht was ich meine...!!! )

Dienst beginn 8 uhr, mit einer kurzen 5-10 minütigen übergabe, anschließend wird man von Dem Ehemann erstmal mit kaffee und kuchen verköstigt. Danach so gegen 8:30 bis 9 uhr gehts weiter mit "Vitalzeichen und Beatmungsparameter Kontrolle, sowie Behandlungspflege (verbände, trachealkanülenpflege etc...)" geht weiter mit ca 1,5 stündiger ganzkörperwaschung im bett , danach braucht Sie ca 1 stunde ruhe...!!! Danach Zeitintensive pflegemaßnahmen wie bobath, massagen, lympdrainage, Logopädische sprechübungen...!!! Für das Pflegepersonal kommt dann die - UNGLAUBLICH GENAUE UND DETAILLIERTE DOKUMENTATION...!!! Die nimmt ca 1 stunde in anspruch... Dann kommen Sachen wie Visiten, KG oder Logopädie besuche, Gespräche mit Angehörigen, Bestellungen bei der Apotheke, im sanitätshaus, lagerbestellungen (windeln, etc ) wegräumen...!
Gegen 14: 30 wird man vom Ehemann wieder mit Kaffee und Kuchen verwöhnt...! Und hat dann zeit für "Allgemeine Pflege und Betreuungsmaßnahmen" , bis zum "Abendlichen Frischmachen gegen 19 uhr, "bis zur übergabe um 20 uhr...!
Man hat im Tagdienst ca. 3-4 stunden "nichts zu tun"...! Halt - hört sich scheiße an... - Man muss aufpassen wie ein Schießhund, bei der Patientin kollabiert manchmal bis 2 mal täglich der linke lungenflügel, oder ein Schleimpfropf verschließt ein größeres Lungenareal...!!! Dann heißt es reagieren mit vibraxen, inhalieren, lagerungdrainage, Lungenüberblähen und Absaugen, Absaugen Absaugen...!!! Also man muss immer in Bereitschaft sein, und die Werte / Die Anzeigen im Auge behalten...!!!
Nun zu den allgemeinen Pflegemaßnahmen : Zwei stündlich Lagern, Inhalieren, Absaugen, Vibraxen, Vitalzeichenkontrolle (dauert insgesamt ca. 30 minuten)...!!!

Den Nachtdienst kann man als "bereitschaft" ansehen, das zwei stündliche "Programm" unterbricht nur das nächtliche Fernsehen, lesen, aufräumen, putzen etc...! Man wartet im End Effekt darauf das etwas passiert...!!!

Soweit ein "kurzer Überblick" über die Dienstabläufe... BEI WEITEREN FRAGEN: GERNE MELDEN...!!! So, noch kurz zu den Vor und Nachteilen: Größter Vorteil natürlich : Zeit Für den Patienten, Nur ein Patient, liegt ja auf der Hand, dazu SEHR nette kollegen, anspruchsvoll, immer dasselbe, aber nicht wirklich langweilig...!!! GUT BEZAHLT; TOLLE FORTBILDUNGEN
Nachteil: Die Angehörigen!!! Sind als "zweite Pflegekraft" sehr oft dabei, schauen dir über die schulter, kritisieren, maulen, kommen mit der situation nicht immer gut zurecht,..! Nur ein Patient, nicht wirklich abwechslungsreich; Man kann nur dass machen, was der patient / die angehörigen zu einem gewünschten zeitpunkt wollen...!!!


So, das reicht erstmal... Hoffe ich konnte euch eine interessante Lektüre bieten!!! Euer Markus

derpfleger
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Beitrag von derpfleger » 22.07.06, 14:37

@Markus21KP:
Danke für deinen Bericht. Halte uns Mitlesende weiter auf dem Laufenden, ich finde es sehr interessant, was du da schreibst.

Wie empfindest du diese Arbeit im Vgl. zur Intensivstation im Krh.? Helfen die Angehörigen bei Lagerungsmassnahmen/Mobilisation mit? Wie betreut man zB sehr stark übergewichtige Klienten, falls eine Mitarbeit durch Angehörige nicht stattfindet? Oder kurz gefragt, wäre die Heimbeatmung eine Alternative zum Krh. für den geplagten Rücken, mit dem ja viele in unserem Job zu kämpfen haben?

Wenn du mal länger dabei bist, oder den Erfahrungsschatz deiner Kollegen zitieren kannst, würde mich zB auch interessieren, wie man mit der Pflege des immer gleichen Menschen klarkommt? Wie gut kann man sich selbst aus der psychisch sicher sehr belastenden Situation in der Familie der Betroffenen raushalten? Gibt es im Team Supervisionen o.ä. um Probleme zu besprechen? Was passiert, wenn die beatmete Person mit der Pflegekraft so überhaupt nicht klarkommt (oder umgekehrt)?

Wieviele Kollegen von dir machen den Job Hauptberuflich, wie viele als Nebentätigkeit (wie zB Lucacino)?

Fragen über Fragen.

Gruß derpfleger
Zuletzt geändert von derpfleger am 09.05.07, 12:37, insgesamt 1-mal geändert.

Markus21KP
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Beitrag von Markus21KP » 22.07.06, 15:11

@derpfleger:

Vergleich Zum Kh: Größter unterschied: mehr verantwortung, da ja bei akuten situationen der notarzt das nächste rettungsmittel wäre, außerdem natürlich mehr zeit für psychosoziale betreuung von pat. und angehörigen...!!!

Lagerung/Pflegemaßnahmen: Angehörige sind beim Lagern als "zweite Pflegekraft" mit dem Wissensstand und der qualifikationen eines Krankenpflegeschülers dabei .. (halten den patienten beim lagern , bei durchfällen - hat die pat öfters - wird während der reinigung durch die pflegekraft vom ehemann schonmal gevibraxt um dauer der "unannehmlichkeiten" für patientin zu verkürzen , etc....!
Der Ehemann geht gegen 23 uhr ins bett und steht gegen 5 uhr wieder auf... Also ist man bei der lagerung um 01 und 03 uhr alleine, ansonsten ist es nicht mehr, aber auch nicht weniger anstrengend (für den rücken) als im KH ! Da alle unsere Patienten Mit - Pflegende Eheleute, bzw. Eltern haben, kann ich nur sagen, dass es theoretisch die möglichkeit gibt, via Handy Verstärkung zu rufen...! Aber man kommt ganz gut auch alleine zurecht, hilfsmittel hat man viele, und zwar qualitativ hochwertige; die krankenkassen sind "ziemlich spendabel" wenn es um anfragen aus der ambulanten intensivpflege geht ( anscheinend nehmen sich die krankenkassen langsam den im fünften sozialgesetzbuch niedergeschriebenen grundsatz "AMBULANT VOR STATIONÄR" zu herzen... !!!

Nun, es gibt (ca) 10 vollzeitkräfte; 5 Halbtags; 5 dreiviertelkräfte und 35 minijobbler (400 €), für 3 mal 24 stunden betreuung (erwachsene) ; und 2 kinder (leweils ca 12 stunden täglich)...!!!

Soweit erstmal für den moment, gerne weitere fragen stellen...!!!

Gruß Markus

DocHolliday
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Alternativen

Beitrag von DocHolliday » 28.08.06, 20:11

Hallo,
Ich examinierter Fachpfleger für Anästhesie und Intensivpflege und arbeite seit knapp einem Jahr in einer Medizin- technischen Firma. (Nicht Dräger)
Der Einsatz ist sehr breit über Heimbeatmung über C-PAP und BIPAP bis zum support bei Narkosen.
Ich habe es nicht bereut vom Krankenhaus in die Industrie bzw. freie Marktwirtschaft zu wechseln.
Gruß DocHolliday :D :D :D

fentafee
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Beitrag von fentafee » 13.03.08, 00:42

hallo beisammen,

ich hab selber fast 2 jahre in der heimbeatmung gearbeitet und muss sagen,dass es immer auch stark auf das klientel ankommt

zuerst hab ich einen beatmungpflichtigen tetraplegiker betreut, danach einen COPDler und zwischendrin war ich immermal wieder im "mutterhaus",wo bis zu 16 beatmete patienten waren...

klar, allein die verantwortung is eine ganz andere, schliesslich muss man da im notfall erstmal allein reagieren; es war aber standard,dass immer einer (PDLs,Chef) "hintergrund"-rufbereitschaft hatte.


ich glaub wenn ich permanent nur bei einem einzigen gewesen wäre......das wär sehr langweilig geworden.
allerding mag ich die zeit auch nicht missen,hat mich viel weitergebracht,so dass ich jetzt zumindest zum thema beatmung "fit" bin und mir das den einstieg doch deutlich erleichtert hat, auch beim bewerben.

m

Tessaya
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Re: Heimbeatmung - eine Berufsalternative zum Krankenhaus?

Beitrag von Tessaya » 17.11.11, 22:32

Ist der Bedarf da?
Eindeutig ja.
Gibt es genug Pflegekräfte?
Eindeutig nein.

Das Problem ist die Mitarbeitersuche.

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