Mobilisation contra Sturzprophylaxe

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Uwe Hecker
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Mobilisation contra Sturzprophylaxe

Beitrag von Uwe Hecker » 23.10.05, 12:02

Hallo Zusammen,

ich habe neulich (wie so oft...) bei uns auf der I einen Patienten mobilisiert, da ja gerade die Mobilisation eine sehr gute Maßnahme darstellt, die ziemlich viele Prophylaxen beinhaltet. Nun gab es da aber jemand der meinte sich deshalb tierisch aufregen zu müssen, da mein Patient ohne Schuhe mobilisiert wurde. Ich könne die "Sturzprophylaxe" nicht einfach vernachlässigen meinte man nun. HIerzu gäbe es einen "Expertenstandart". Natürlich hätte ich ihm Schuhe angezogen, wenn er zu diesem Zeitpunkt welche auf Station gehabt hätte. Eigentlich gibt es für solche Fälle bei uns ja so genannte "Stationsschuhe", die dann zum Zweck der Mobilisation bei den Patienten durchgetauscht werden. Ich weis nun aber wirklich nicht, wenn ich mir die Füße einiger Patienten so ansehe, ob dies auch hygienisch vertretbar ist ? Überhaupt, wie mobilisiert ihr wenn die Patienten keine Schuhe haben. Also ich denke es ist dann noch besser einen Patienten barfuss auf dem Boden zu mobilisieren, als irgendwelche Tücher, Laken, Gerris, Moltons und wie sie alle heisen, unterzulegen wo der Patient dann noch besser rutscht und einen noch schlechteren Stand hat.
Wäre dankbar für eure Hinweise.

MfG

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

TinaK
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Beitrag von TinaK » 23.10.05, 15:35

Hallo Uwe

Auch ich vertrete die Ansicht, dass es besser ist, einen Patienten barfuss als gar nicht zu mobilisieren.
Bettlaken, Moltex, Plastiküberschuhe und Co verstärken die Gefahr des Ausrutschens, so dass ich diese erst unterlege, wenn der Patient fest im Stuhl sitzt (gegen kalte Füße...)
Selbst wenn die Patienten eigene Schuhe haben, sind das noch lange nicht die geeigneten zum Mobilisieren. Viele "Schlappen" erhöhen eher die Sturzgefahr. Auch diese ziehe ich dann erst im sitzen an.
Und was ich von "Stationsschuhen" halten soll... Nee nicht wirklich...

Gruß Tina

Gunnar Piltz
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Beitrag von Gunnar Piltz » 23.10.05, 17:01

Hallo Herr Hecker !!!

Uwe Hecker hat geschrieben:Nun gab es da aber jemand der meinte sich deshalb tierisch aufregen zu müssen, da mein Patient ohne Schuhe mobilisiert wurde. Ich könne die "Sturzprophylaxe" nicht einfach vernachlässigen meinte man nun. HIerzu gäbe es einen "Expertenstandart".

Sie hätten diesen "Jemand" mal fragen sollen, ob er den hier benannten Expertenstandard Sturzprophylaxe überhaupt gelesen und wenn ja auch verstanden hat. In diesem Standard steht nämlich nicht geschrieben, dass bei der Mobilisation von Intensivpatienten geeignetes Schuhwerk zur Sturzprophylaxe unabdingbar ist.

Vielmehr stellt sich wohl die Frage, ob nur mit passendem Schuhwerk die größtmögliche, sichere Mobilisation von Intensivpatienten herzustellen ist und wo bei der Mobilisation von Intensivpatienten überhaupt Schuhwerk als Sicherungsmaßnahme sinnvoll erscheint. Wenn wir von der Mobilisation von Intensivpatienten sprechen, dann geht es in der Regel ja nicht um einen Spaziergang in den Park sondern um eine begleitete, gestützte und gesicherte Mobilisation an die Bettkante oder in den Stuhl. Sich dessen bewusst, dass der Patient mit Gleichgewichtsstörungen, Kraftlosigkeit und den Auswirkungen der Immobilität sowieso extrem sturzgefährdet ist, helfen einem da auch die besten Schuhe nicht weiter, sondern gezielte Techniken, Manpower und der Einsatz von spezielleren Hilfsmitteln.

Für mich ist es wichtig, dass der Patient überhaupt eine Mobilisation nach seinen individuellen Möglichkeiten erfährt und dabei sind die Schuhe ehrlich gesagt das letzte, woran ich diese Maßnahme festmachen werde. Und die wohl überall vorrätigen und sich wichtignehmenden Kollegoiden mit solchen und ähnlichen Argumentationen dürfen dann dabei gerne das Zimmer verlassen. :wink:

Herzliche Grüße
Gunnar Piltz
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Carmen
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Beitrag von Carmen » 24.10.05, 08:05

Bei uns hat auch kein Pat. seine eigenen Schuhe da und sie werden trotzdem in den Stuhl mobilisiert. Eine kleine Hilfe könnten die Schaumstoff-Einmalschuhe sein. Meistens wird aber mit einem Rollbrett gearbeitet - so erübrigt sich der Gedanke an Schuhe.
Gruß
Carmen

Uwe Hecker
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Re: Mobilisation contra Sturzprophylaxe Barfuss mobilisieren

Beitrag von Uwe Hecker » 07.02.11, 20:55

Hallo Zusammen,

der Tread ist zwar schon einige Tage alt, und ich arbeite im Moment nicht mehr auf der Int., aber ich habe mich dem Thema nicht verschlossen und habe mal einige Fakts gesammelt, die eher ein pro-barfuss ergeben als ein mobilisieren in Schuhen und mit irgendwelchen Unterlagen.

* Der direkte Kontakt der Füße zum Boden verleiht Stabilität und sorgt für eine bewusstere Wahrnehmung der Bewegungen.
* Kräftigung der Fußmuskulatur und korrekte Zehenstellung
* verringert das Risiko von Fußschäden wie zum Beispiel Senkfüßen, Spreizfüßen, Plattfüßen oder dem als Spätschaden gefürchteten Hallux valgus
* Durch wissenschaftliche Untersuchungen wurde gezeigt, dass ein reines Sensoriktraining für die Fußsohle bei hochgradige Verbesserungen in der Gesamtkörperkoordination bewirkt
* Schulung der Sensomotorik zur Verringerung des Sturzrisikos
* Unterstützt die Behandlung von körperlich oder psychisch bedingten Beschwerden des Bewegungsapparats. Dies wird wie folgt erklärt: Beim Gehen stellen Füße und Wirbelsäule eine funktionale Einheit dar.
* Durch das Barfußgehen wird neben der Fußmuskulatur auch die Wadenmuskulatur aufgebaut und gekräftigt.

So, das war´s. Bin auf eure Meinung gespannt.

Gruß

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

stas30
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Re: Mobilisation contra Sturzprophylaxe

Beitrag von stas30 » 10.02.11, 09:11

Wir lassen zwar meistens feste Schuhe mitbringen, aber haben seit ca 1 Jahr sogenannte Stoppersocken, als Einmalmaterial.
Diese halten kalte Füße warm und sind ideal zum mobilisieren.
Einige Patienten bestehen auf barfuß, die dürfen dies bei uns auch. Im Standard Sturzprophylxe steht bei uns nicht dass jemand der keine Schuhe hat, das Bett hüten muss.

LG STas 30

Tessaya
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Re: Mobilisation contra Sturzprophylaxe

Beitrag von Tessaya » 17.11.11, 21:51

Mobilisation, richtig und sicher durchgeführt sollte immer wenn möglich durchgeführt werden. Gerade Frühmobilisation nach Op's senkt das Embolie und Pneumonierisiko deutlich.

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