Therapieentscheidungen

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Lathander
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Therapieentscheidungen

Beitrag von Lathander » 29.07.10, 18:32

Hey zusammen!^^

Nach ca. 15 Jahren in einer Uniklinik (Ausbildung, Fachweiterbildung und anschließend verschiedene Intensivstationen) arbeite ich nun seit mehr als einem Jahr in einem Haus der Regelversorgung (ca. 400 Betten). Hier habe ich seit April diesen Jahres die Position der stellvertrenden Sektionsleitung für die interdiziplinäre Intensivstation (8 Betten und 10 Betten IMC) inne.
Es war am Anfang schon ein "großer" Wechsel im Rahmen der Therapiemöglichkeiten für mich. Und es sei hier schon einmal klar gesagt, der Schritt war definitiv der richtige! Womit ich aber nun langsam aber sicher zunehmend Probleme bekomme ist, daß ich verschiedene Therapieentscheidungen nicht nachvollziehen kann. Sei es daß ein wirklich kranker Pat. (Bronchial CA im Endstadium) noch wochenlang therapiert wird obwohl alle Assistenzärzte und betreuende Pflegekräfte die Ausweglosigkeit der Situation längst erkannt haben. Auf Fragen der Angehörigen wird z. T. nur ausweichend oder gar nicht seitens der OÄ reagiert.
Selbst nach Rücksprache kommt es sehr oft zu keinem klärenden, versöhnlichen Ergebnis. Das eigens für solche Fälle in Leben gerufene Ethikkomitee besteht zum großen Teil eben aus den Leuten die die Entscheidungen nicht treffen können oder wollen.
Kennt Ihr solche Situationen auch? Wie verhaltet Ihr Euch dann? Was soll ich meinen Mitarbeitern sagen wenn sie eben mit einem solchen Problem zu mir kommen und sagen daß sie so nicht weiter arbeiten können und wollen.
Vielleicht hat ja jemand von Euch eine Idee wie man solche Situationen am besten "lösen" kann. Danke Euch im Vorraus
LG L.

Torben27
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Beitrag von Torben27 » 03.08.10, 23:58

Abend,

natürlich kennt man solche Fälle wo diskutiert wird etc. Ich muss aber sagen das bei mir im Haus damit insgesamt gut umgegangen wird und auch auf die Meinung der Pflege die ja eben den ganzen Tag am Bett steht gehört wird.
Das in jeder Klinik es Sachen gibt die gut und schlecht laufen ist normal denke ich das ist auch bei uns so. In dem Punkt muss ich uns ein gutes Zeugniss ausstellen.
Was ich mich bei deinem Beitrag aber Frage wie ist euer Ethikkomitee zusammen gestellt wenn die Leute die am ende den Angehörigen was vermitteln können und die Entscheidung haben nicht dabei seind???
Vielleicht sollte man da den Hebel ansetzten und die richtigen Leute mit an den Tisch holen.
Bei uns ist es so das der Stationsarzt der Intesiv, OA der beteiligten Kliniken Pflege und Seelsorger sich zusammensetzten.
Somit auch die Leute die das ganze nachher vertreten können mit dabei sitzten und man mit einer gemeinsamen Einigung aus so einem Gespräch geht. Sonst macht das ganze ja wenig sinn, wie ich finde.


MfG

astrid.d
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Beitrag von astrid.d » 05.08.10, 01:59

hallo lathander,
ähnliche situationen kennen wir auf unserer station nur allzugut. letztendlich ist es die entscheidung des arztes wie die therapie verlaufen soll und er hat es zu verantworten. auch bei uns gibt es oft entscheidungen die nicht unbedingt verständlich sind für das pflegepersonal. wir können großteils recht gut damit umgehen da wir im pflegeteam diese probleme gut besprechen können und versuchen von pflegeseite das beste für den patienten zu tun.
ist es in euerem haus möglich eine supervision in anspruch zu nehmen? auch das könnte die last für das pflegepersonal etwas erleichtern, besser wäre es natürlich gemeinsam mit allen anderen arbeitsgruppen (ärzte, physiotherapeuten...)
lg astrid

klaudia
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runder Tisch

Beitrag von klaudia » 02.09.10, 12:56

Hallo ihr

bei uns (medizin. 12 Betten IPS) läuft das so: Wenn die Therapie für irgendwelche Gruppen des therapeutischen Teams nicht zufriedenstellend läuft, wird ein runder Tisch einberufen. Das läuft über ca. 1 Stunde und alle Beteiligten, also Ärzte, Pflegende, Physiotherapie Ergotherapie, Seelsorger und wer sonst noch involviert ist können teilnehmen. Die strittigen Punkte werden dann diskutiert, Zweifel können angebracht werden. Ziel ist dass alle Beteiligten hinter der Therapie stehen, oder zumindest verstehen, warum sie genau so läuft. Organisiert wird der runde Tisch jeweils von der Pflege, bzw. von der Bezugspflegenden des Pat.
Dieses Procedere hat sich sehr bewährt! Unabhängig davon gibt es monatlich ein 1 stündiges "ethisches Café", dass von einem Philosophen durchgeführt wird, der selbst den IPS-Fachausweis hat und lange bei uns gearbeitet hat. Die Themen kommen aus dem Team (wieder interprofessionell!) und drehen sich rund um Begriffe wie Palliativ auf IPS, wie geht das? Was ist Menschenwürde? Was ist würdiges Sterben? wie sieht es aus mit der Pat.Autonomie? Diese Diskussionen sind sehr verbindend und wirken sich enorm positiv auf das Teamklima aus. :)
Gruss Klaudia

geolinn
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Beitrag von geolinn » 08.10.10, 19:13

Hallo,
meine Erfahrungen sind ähnlich wie die von Lathander. Ich arbeite in einem ähnlich großen Haus. Als Anästhesiepfleger sehe ich, wie immer häufiger (eigentlich überwiegend) alte zum großen Teil demente und Patienten mit in fausten Prognosen wieder und wieder operiert werden. Meine Theorie ist, dass die Fallzahlenpauschale die Abteilungen dazu zwingen zu operieren was das Zeug hält. Quantität vor Qualität eben.
Schöne Grüße
g

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