Weaning mit T-Stück

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Andreas Meier
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Beitrag von Andreas Meier » 24.08.10, 03:11

Die meisten schweren Fälle schaffen allerdings nicht einmal über 5 Minuten Spontanatmung.
Gibt es überhaupt soetwas wie Weaning- Spontanatmungs-Planer mit einem speziellen Steigerungs-Algorithmus der wirklich verläßlich arbeitet. :roll:
Welches ist eigentlich der Hauptparmeter für eine verbesserte
Spontanatmung.
Zuletzt geändert von Andreas Meier am 24.08.10, 04:30, insgesamt 1-mal geändert.

Andreas Meier
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Beitrag von Andreas Meier » 24.08.10, 03:26

Dirk Jahnke hat auch hierzu einen interessanten Beitrag verfaßt:

1. kontinuierliches Weaning

Der Respirator wird so umgestellt das der Patient langsam mehr Atemarbeit leisten muss um sich ordentlich zu ventilieren. Man verringert also die Maschinelle Unterstützung. Ist die Unterstützung bis zum nötigen Maß für den Ausgleich z.B. des Tubus zurückgefahren wird extubiert.

2. diskontinuierliches Weaning

Der Patient wird kontrolliert beatmet. Spontanatmung ist nicht erwünscht, damit sich die Atempumpe / der Akku wieder erholen kann. Nach einem festgelegten Schema muss der Patient nun für z.B. am Anfang 5 min alle 2 Stunden Spontanatmen. Die Respiratorunterstützung wird ganz zurückgenommen. Dafür wird der Patient z.B. vom Respirator getrennt. Dieses Vorgehen wird geplant! Die Nacht ist der kontrollierten Beatmung vorbehalten! Die Zeitspannen werden mit der Zeit immer Länger bis der Patient komplett spontan atmet. In diesen Phasen der Spontanatmung darf / soll sich der Patient anstrengen!

klaudia
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feuchte Nase bei intubierten Patienten?

Beitrag von klaudia » 02.09.10, 12:32

Hallo ihr

Ich habe da mal eine ganz blöde Frage: Redet ihr bei der super Weaning Methode eigentlich von intubierten (ich hoffe nicht) oder tracheotomierten Patienten???
Gruss Klaudia

frequenzkatastrophe
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Beitrag von frequenzkatastrophe » 02.09.10, 23:07

*hehe* keine Sorge, ich kenne es (eigene Erfahrung, Literatur, Kongresse, kollegiales Gespräch...) in 99,5% der Fälle über Tracheostoma. Habe es 1-2 mal über Tubus erlebt, i.d.R. schlauer Einfall, neuerer Kollegen, der dann ruck zuck abgebrochen wurde...
Jedes Ding ist Gift, allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.

pericardinchen
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Re: Weaning mit T-Stück

Beitrag von pericardinchen » 24.01.11, 21:25

Ein kontinuierliches Weaning wird meist über BIPAP/ASB oder die reine druckkontrollierte Beatmung (wovon ich allerdings nicht wirklich begeistert bin) und CPAP/ASB gesteuert. Je nach Gerät ist das sehr schön zu steuern.
In diesem Falle ist der Patient meist endotracheal intubiert.
Cave: Es gibt Anästhesisten die dann auch mal eine Feuchte Nase auf den Endotrachealtubus draufstecken. Ist allerdings heutzutage eher out, da es recht wenig Sinn macht.
Begründung: 1. Totraum und 2. die meisten Patienten werden in dieser Folge meist reintubiert (meine Erfahrung)

Ein diskontinuierliches Weaning kenne ich seit sicherlich schon 10 Jahren von vielen verschiedenen erfahrenen Intensivmedizinischen Zentren mittels 5 min. FN alle 2 h und vorallem dann Ruhephasen BIPAP/ASB.
Dann am 2. Tag Steigerung auf z.B. 10 oder 15 min. oder sogar schon 30 min u.s.w.
Abhängige Faktoren sind dabei: AF; RR, wenn diese so um die 20 % ansteigen, dann wieder an den Respirator nehmen.
Dabei hat sich vorallem das erweiterte Beatmungsprotokoll bewährt: Wichtige Punkte sind dabei: AF, RR, Nah- und Fernziele und Ergebnisse sowohl als auch Lagerung und "für Ruhe sorgen".

Dabei wird eine frühzeitige Tracheotomie (meist dilatativ) angestrebt. Begründung liegt ganz klar in dem verkürztem Totraum und dadurch bessere und erfolgreiches Weaning möglich.

Ich persönlich bin die Verfechterin für eine frühzeitige Tracheotomie. "So früh wie möglich- so spät wie nötig"

Die Konsequenzen aus einer zu langen Analgosedierung und zu langen unüberlegten kontrollierten Beatmung mittels Endotrachealtubus bestehen nunmal und es steht in keinem Verhältnis zu einem adäquat angelegten Tracheostoma. Der einzige Nachteil könnte durchaus die Infektion durch die sehr invasive Methode sein und der kleine Schönheitsfehler, wenn das Tracheostoma wieder zusammenwächst bzw. chirurg. verschlossen wird (je nach Verfahren).

Ein diskontinuierliches Weaning ist daher nur geeignet für tracheotomierte Patienten.

Meine Erfahrung im schwierigen Weaning ist durchaus vorhanden und zwar weit über dem Tellerrand.

Allerdings lerne ich immer wieder neu dazu und lernte nun auch die Platzhalter- Methoder im Wechsel mit einer Tracheoflex kennen.
Ich persönlich finde eine individuelle Verfahrensweise nach einem erfolgreichem standartisiertem Verfahren sehr sinnig. Dabei wird in jedem Falle nicht stur nach Plan verfahren und sicherlich erschwert es ein Stück weit das erkennen über die "Scheiterung des Weaningverfahrens".
Mit einer ausführlichen Planung und der zeitnahen Dokumentation konnte ich live erleben, dass das Weaning viel häufiger funktionierte. Ein erfolgreiches Weaning ist nach meiner Erfahrung u.a. abhängig von der Interaktion im Behandlungsteam. Der Weaningprozess ist jede Schicht neu zu evaluieren. Leider hapert es in Deutschland an der Personalpolitik und an dem Klinsch zwischen Ärzten und Pflegekräften. Ich bin erfreut darüber, dass ich schöne Möglichkeiten in einer Zeit erleben und kennenlernen durfte, als die Besetzungen auf den großen IPSen noch besser waren, als heutzutage.

Nachtrag: Bei diskontinuierlichem Weaningverfahren wird häufig im fortgeschrittenem Stadium des Weanings (in Tagen kaum zu benennen, da jeder Patient anders ist) die Form CPAP/ASB, PAV oder ASV gewählt (in der Nacht oder zwischen drin zur Erholung).
Wichtig in Allem: 24 h weg vom Respirator, dann Platzhalter z.B. drin lassen oder gleich abkleben.

pericardinchen
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Re: Weaning mit T-Stück

Beitrag von pericardinchen » 07.02.11, 20:24

In der späteren Phase so ca. 2-3 Tage danach wird die Tracheoflex über Tag gegen einen Platzhalter ausgetauscht und zur Nacht wieder rekanüliert und der Modus CPAP/ASB mit einem Flowtrigger um die 5-7 l /min , einem ASB von 12-18 mbar , einem PEEP in der Regel von um die 7 oder 8 und einem Fio2 unter 0,45. Das funktioniert allerdings aus meiner Erfahrung genauso gut, wie ein CPAP/ASB zur Nacht mit einem Flowtrigger von 0,5- 3 l/min, einem ASB von 18 und einem PEEP von 8-10.

Ich erkenne allerdings den Unterschied darin, dass durch die anderen Schlauchsysteme bei unterschiedlichen Respiratoren eine Eigentriggerung des Schlauchsystem unterschiedlich früh und spät auftritt. Schwer beeindruckend, wie aggressiv ein Fachzentrum für Beatmung und Entwöhnung mit dem Weaning umgeht und wie aggressiv z.B. in den Herzzentren damit umgegangen wirde. Das Weaningkonzept ist nicht minder aggressiv zuwartend, wie auch in einem Weaningzentrum. Der Unterschied kann u. U. heutzutage am Schlauchsystem und Respirator sowohl als auch im Umgang mit Dekanülierung, Erholungsphase und Rekanülierung im geplanten Modus zusammenhängen.
Ich kenne mittlerweile sehr viele effektive Weaningkonzepte, die alle durch die Bank weg ihre eigenen guten Erfolge vermittelt haben. Allerdings nur ein anerkanntes Beatmungs- und Weaningzentrum kann die tatsächlichen Zahlen liefern.

Die COPD spielt dabei eine große Rolle. Was ist nun besser den Flowtrigger runter zu drehen oder höher zu drehen?
Denn darüber streiten sich dann doch die Geister. Was meint Ihr Beatmungs- und Weaningspezialisten?

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