Reanimation - Brett unter Patient legen? Datenlage? Umfrage

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legt Ihr bei einer Reanimation im Bett ein Brett unter?

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frequenzkatastrophe
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Reanimation - Brett unter Patient legen? Datenlage? Umfrage

Beitrag von frequenzkatastrophe » 14.02.10, 21:29

Hallo liebe Forumsteilnehmer!

Ich habe heute mit meinem Stationsleiter diskutiert, wir sind unsere Reanimationsausrüstung am überprüfen... langer rede kurzer Sinn, bei uns kam die Frage auf, ob man bei der Herzdruckmassage, in einem Bett, wirklich ein Brett unter den Brustkorb des Patienten legen muss.

Mir persönlich ist auch nicht so ganz klar, warum ein Patient durch das Brett härter liegt, da das Brett ja dennoch auf der Matratze liegt und der Druck genau so weitergegeben wird....

Ich weiß, dass auf der Reanimationsfortbildung einer großen Klinik (Maximalversorger) schon seit längerem gelehrt wird, dass man darauf verzichten könne, eine schlüssige Begründung dazu habe ich bisher noch nicht gehört, weder Pro noch Contra.

Mich würde interessieren, ob irgendjemand dazu eine Datenlage oder eine Leitlinienempfehlung kennt. Ich habe bei meiner Suche leider nix gefunden, kann mir aber nicht vorstellen, dass das noch niemand untersucht hat.

Wie wird das bei Euch gehandhabt und viel interessanter, gibt es zu dem Vorgehen eine Erläuterung.
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Beitrag von VK-Retter » 14.02.10, 23:33

Also ich habe mit Brett gelernt, in den Krankenhäusern die ich kenne wird es auch so gehandhabt. Auf ITV/Überwachung gibt es Reanimationsbrettern, auf peripheren Stationen werden die Fußteile der Betten unterlegegt (wenn daran gedacht wird).
Habe gerade noch mal in die Guidelines geguckt und da nichts expilzites gefunden.
Es wird aber darauf hingewiesen, dass der Patient bei der Reanimation auf einer "festen Unterlage" liegen soll.
Meine das im ALS-Kurs auch so gelernt zu haben. Werde mal den Medical Direktor fragen wenn ich im März wieder auf nem ERC-Kurs bin.. die haben ja immer das letzte Wort ;-)
Für mich persönlich ist es aber einleuchtend. Auch wenn "nur" ein Brett unterliegt verändert sich die Wiederlagefläche. Das herz wird ja zwischen Breustbein und Wirbelsäule (hauptsächlich) komprimiert. Auf einer Matratze hat die Wirbelsäule selber keine festes Wiederlager. Da sie selber flexibel ist dürfte der Wirkungskoeffizient (vermutet) besser sein wenn es eine feste Unterlage gibt. Ist je eigentlich reine Physik/Mechanik..
Ein anderer Punkt ist die Drucktiefe, die so besser einzuschätzen/einzuhalten ist und (gemutmaßt) die Kraftanstrengung die aufgewendet werden muss. Ein Einsinken der Matratze muss schließlich ausgeglichen werden...
Mal sehen ob man da irgend eine Studie zu auftreiben kann...
Bin mal gespannt was die anderen dazu sagen/an Erfahrungen beizutragen haben.
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fentafee
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Beitrag von fentafee » 15.02.10, 12:46

Bei uns wird auch mit Brett gearbeitet, was ich für sehr sinnvoll erachte, wenn man sich mal unsere tollen weichen Matratzen anschaut....
Da muss ich dem VK-Rette zustimmen, was den Widerstand angeht. Unsere würden bis zum Bett durchdrücken lassen:wink:

frequenzkatastrophe
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Beitrag von frequenzkatastrophe » 25.02.10, 23:32

ich bin überrascht, dass die Quote 5:2 für die Bretter ausfällt, ich hätte gedacht, dass die Quote 100:1 ist, anscheinen wird in unserm Umfeld häufiger ohne Brett reanimiert, als ich dachte. Ich hoffe es stimmen noch einige Leute dazu ab und/oder melden sich zu Wort.
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Torben27
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Beitrag von Torben27 » 26.02.10, 02:21

Mit Brett, finde das auch logisch.... Selbst wenn der Pat im Bett liegt bekomm ich durch das Brett unter der Wirbelsäule doch einen höheren Wiederstand.
Mich wundert die Frage ansich schon, dachte das ein Rea Brett an jeden Notfall Wagen in Deutschland gehört.


MfG eine schöne Nacht noch

lion40
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Beitrag von lion40 » 28.02.10, 02:37

in den Richtlinien steht eindeutig harter untergrund, das heißt Patient, Brett Matraze.
5 oder 10cm dicke Matrazen, sind eine zu große Federung, selbst der Hersteller der Völkerbetten gibt euch keien schriftliche Garantie, das heißt als selbst bei diesem lt Hersteller SuperBett. wird bei uns ein Brett verwendet. Macht mal den Test mit der ReaPuppe und ihr merkt das Brett ist sinnvoll

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Beitrag von Uwe Hecker » 10.03.10, 12:33

Moin Zusammen,


also ganz ehrlich, bei diesen alten Krankenhausmatratzen die kaum dicker sind als die Juchli, und auf Normalstation leider immer noch zu finden sind, würde ich auch aufs Brett verzichten. Anders sieht die Sache bei Patienten aus die auf irgendwelchen weichen Matratzen, Wechseldruckmatratzen usw. liegen. Hier ist das Brett meiner Meinung nach unverzichtbar.

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

Praxisanleiter

Re: Reanimation - Brett unter Patient legen? Datenlage? Umf

Beitrag von Praxisanleiter » 14.03.11, 21:35

Servus

Ich kenne es idR auch nur so, das bei Reanimationen ein Bettbrett unter den Patienten gelegt wird. Es sei denn, diese Patienten liegen in Spezialbetten oder auf Wechseldruckmatratzen. Da braucht man nur die Luftzufuhr zu unterbrechen und die Kammern entleeren sich sehr schnell, so dass der Patient im Grunde auf dem Bettgestell zum liegen kommt. Und etwas härteres als Unterlage kann man sich ja im Grunde nicht wünschen.

Dirk Jahnke
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Re: Reanimation - Brett unter Patient legen? Datenlage? Umf

Beitrag von Dirk Jahnke » 23.03.11, 11:33

Moin,Moin

hatte letztens das "Vergnügen" mal beide Versionen mit einem invasivem Monitoring vergleichen zu können.
Zunnächst CPR ohne Brett - Druck sys max 80 mmHG
Im Verlauf Einbau des Brettes - Druck sys max 80 mmHG.

Da wir sonst eher in den dreistelligen Bereich kommen wurde das Brett platziert.

Behaupte mal bei tiefgestellten Bett , flachem Kopfteil (ist es nicht wirklich flach kann das schon ordentlich federn) , entsprechender Frequenz beim drücken und ordentlicher Drucktiefe kann man die Wirkung des Brettes vernachlässigen. Zumindest bei den normalen Krankenhausmatratzen. Der Patient drückt die Matratze ja auch schon durch sein Eigengewicht zusammen.

Aber vielleicht kann ja noch jemand harte Zahlen dazu beitragen. Gerade im Sinne der möglichst unterbrechungsfreien HDM wäre das ja ganz interessant.

Bei einem vollverkabelten Intensivpatienten ein Brett zu platzieren kann ja auch eine Gefahr für die Zugänge darstellen.
Tschau
Dirk Jahnke

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