Spironolacton

Erkrankungen der Niere, Harnwege, Blase, Prostata

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kk9979
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Spironolacton

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

hat Spironolacton eine anti-proteinurische Wirkung ähnlich eines ACE-Hemmers oder eines Sartans? Und gehe ich richtig in der Annahme, dass Aliskieren genauso kontraindiziert ist, wie ACE-hemmer und Sartane bei Angioöemden unklarer Ursache?

Vielen Dank.

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jaeckel
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Re: Spironolacton

Beitrag von jaeckel »

Hallo kk9979,

eine ähnliche antiproteinurische Wirkung von Spironolacton wie bei ACE-Hemmern/Sartanen ist (mir) nicht bekannt. Spironolacton ist ein Diuretikum und hat einen ganz anderen Wirkmechanismus (Mineralkortikoidrezeptorantagonist = MRA).
Richtig, Aliskiren ist bei Angiödem kontraindiziert.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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kk9979
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Re: Spironolacton

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

ich nehme eine Kombi aus Spironolacton, Metoprolol und Amlodipin. Trotz der 3 Medikamente bekomme ich meinen diastolischen Blutdruckwert nicht unter 90 (meist 95-98). Woran kann das liegen?

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jaeckel
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Re: Spironolacton

Beitrag von jaeckel »

Die Ursachen können vielfältig sein.

Es gibt den Begriff Pseudo-therapieresistente Hypertonie

Die "üblichen" Ursachen:
  • inakkurate BD-Messungen,
  • Pseudo-HTN (falsch-hohe BD-Werte durch Mönckeberg-Mediasklerose),
  • Nonadhärenz (ca. 40%),
  • eine unzureichende Behandlung,
  • BD-steigernde Medikamente (häufig) und
  • eine Weißkittel-Hypertonie
Medikamentöse und nahrungsmittelbedingte Ursachen einer Therapieresistenz
  • Blutdrucksteigernde Medikamente
    • Nichtsteroidale Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac, Coxibe etc.)
    • Kortikosteroide
    • Östrogene
    • Calcineurininhibitoren
    • Erythropoetinstimulierende Agenzien
    • Neuroleptika
    • Antidepressiva
    • Nasentropfen
  • Blutdrucksteigernde Nahrungs- und Genussmittel
    • Drogen
    • Alkohol
    • Lakritze
Sekundäre Hypertonie gibt es typischerweise bei:
  • Schlafbezogene Atemstörungen
  • Primärer Hyperaldosteronismus
  • Renoparenchymatöse Hypertonie
  • Renovaskuläre Hypertonie
  • Hyperkortisolismus/M. Cushing
  • Phäochromozytom
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Aortenisthmusstenose

So sieht ein Screening auf sekundäre Hypertonie aus:
  • Ursache: Renoparenchymatöse Hypertonie
    Klinik/Symptomatik: Nykturie, Ödeme
    Häufigkeit (ca. in %): 1–8
    Screening und Diagnostik: Proteinurie, aktives Urinsediment, Kreatininanstieg
    Grundzüge der Therapie: ACE-Hemmer oder AT1-Blocker, Schleifendiuretikum u. a. Antihypertensiva
  • Ursache: Renovaskuläre Hypertonie
    Klinik/Symptomatik: Kürzlich aufgetretene schwere Hypertonie, vaskuläre Erkrankungen u. a.
    Häufigkeit (ca. in %): 1–4
    Screening und Diagnostik: Nierenarterienduplexsonographie, MRT, Captoprilszintigraphie
    Grundzüge der Therapie: Stentangioplastie, alternativ medikamentöse Blutdrucksenkung, selten chirurgische Revaskularisierung
  • Ursache: Primärer Hyperaldosteronismus
    Klinik/Symptomatik: Schwäche, Hypokaliämie (normokaliämische Variante)
    Häufigkeit (ca. in %): 1–15 (in neueren Studien)
    Screening und Diagnostik: Aldosteron/Renin-Ratio erhöht, pathologischer Kochsalzbelastungstest, CT oder MRT der Nebennieren
    Grundzüge der Therapie: Resektion bei Adenom, Aldosteronantagonisten bei Hyperplasie
  • Ursache: Phäochromozytom/Paragangliom
    Klinik/Symptomatik: Herzklopfen, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, paroxysmale Hypertonie
    Häufigkeit (ca. in %): <1
    Screening und Diagnostik: Erhöhte Plasmametanephrine oder Urinkatecholamine, CT oder MRT
    Grundzüge der Therapie: Resektion, Alphablocker, Betablocker
  • Ursache: Cushing-Syndrom
    Klinik/Symptomatik: Übergewicht, Striae, Muskelschwäche, erhöhte Blutzuckerwerte
    Häufigkeit (ca. in %): <1
    Screening und Diagnostik: Erhöhte Urinkortisolausscheidung, positiver Dexamethason-Hemmtest, CT oder MRT
    Grundzüge der Therapie: Chirurgische Behandlung
  • Ursache: Schilddrüsenerkrankungen
    Klinik/Symptomatik: Tachykardie, Gewichtsverlust, Angst (Hyperthyreose); Gewichtszunahme, Schwäche (Hypothyreose)
    Häufigkeit (ca. in %): 1–3
    Screening und Diagnostik: Systolische Hypertonie bei schwerer Hyperthyreose, diastolische Hypertonie bei Hypothyreose
    Grundzüge der Therapie: Behandlung der Grunderkrankung
  • Ursache: Schlafapnoe-Syndrom
    Klinik/Symptomatik: Tagesmüdigkeit, Übergewicht, Schnarchen
    Häufigkeit (ca. in %): 6–20
    Screening und Diagnostik: Polysomnographie, Schlaflabor
    Grundzüge der Therapie: Gewichtsreduktion, CPAP, mögl. Aldosteronantagonisten
  • Ursache: Aortenisthmusstenose
    Klinik/Symptomatik: Pulsdifferenzen (fehlende Femoralispulse), thorakales systolisches Geräusch
    Häufigkeit (ca. in %): <1
    Screening und Diagnostik: Echokardiographie, CT oder MRT
    Grundzüge der Therapie: Chirurgische Behandlung, Ballonangioplastie
Modifiziert nach T. Lenz, J. Hoyer: Diagnostik und Therapie bei therapieresistenter Hypertonie, Nephrologe 2013 · 8:79–92
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Dr. med. Achim Jäckel
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kk9979
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Re: Spironolacton

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Einige der genannten Ursachen wurden schon abgeklärt. Der Renin-Aldosteron-Quotient war erhöht, aber ein Kochsalzbelastungstest war in Ordnung. Den Blutdruck messe ich immer zu Hause, da er beim Arzt permanent zu hoch ist. Zu Hause - wie gesagt meist Werte um 125 / 95-98. Was auch komisch ist: ich habe morgens nach dem Frühstück immer ein plötzlich erhöhten Puls. Ich merke dann das ich unruhig werde und anfange zu schwitzen. Messe ich dann den Blutdruck mit Puls, liegt der Blutdruck im o.g. Bereich aber der Puls geht hoch bis teilweise 120-130. Der Spuk dauert ca. 45 Minuten, dann ist alles normal. Dafür habe ich den Betablocker bekommen, aber die Ursache haben wir nie gefunden. Nun messe ich morgens gar nicht, ich merke an der Unruhe und dem Schwitzen dass es wieder losgeht und nehme den Betablocker, aber der braucht ja auch eine Weile bis die Wirkung eintritt.

Meist ist die Situation mit dem Puls nur morgens nach dem Frühstück so. Ganz selten ist mir das schon mal nach dem Mittagessen passiert. Ein Zentrum für seltene Erkrankungen hat es zusammen mit der Symptomatik (Schwäche, Schwindel, Abgeschlagenheit, Müdigkeit) als Fatique Syndrom gedeutet aufgrund eines Autoimmungeschehens (Pla-positive membranöse Glomerulonephritis).

Ich gehe davon aus, dass ein niedrigerer diastolischer Blutdruckwert bestimmt besser wäre, um die Proteinurie nach unten zu bekommen?

Wie lange kann denn eine Proteinurie zwischen 1g bis nephrotischen Bereich bestehen, dass die Niere auf Dauer geschädigt wird? Ist das ein kurzfristiger Prozess oder eher über Jahre zusehen?

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jaeckel
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Re: Spironolacton

Beitrag von jaeckel »

kk9979 hat geschrieben:
03.06.20, 15:33
Wie lange kann denn eine Proteinurie zwischen 1g bis nephrotischen Bereich bestehen, dass die Niere auf Dauer geschädigt wird? Ist das ein kurzfristiger Prozess oder eher über Jahre zusehen?
Die Proteinurie ist ja ein Zeichen einer Nierenschädigung/-erkrankung, denn die gesunde Niere verliert kaum Eiweiß. Andererseits ist die Proteinurie selbst wieder ein sog. Progress-Faktor für das Fortschreiten der Nierenerkrankung. Einen Verlauf kann man meist anhand der Nierenbiopsie-Befunde abschätzen. Die Indikation dazu stellt der behandelnde Nephrologe anhand von Klinik, Grunderkrankung und Labor.
Alles Gute!

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Re: Spironolacton

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

der Nephrologe hatte ja bereits Anfang März Rituximab als Off-Label-Use bei der Krankenkasse beantragt, was abgelehnt wurde, weil der MDK weitere Verlaufsbefunde fordert. Diese Aufforderung noch mehr Befunde zu zuschicken hat der Arzt nicht erhalten, so dass ich vor ca. 2,5 Wochen nochmals mit dem Arzt gesprochen habe und er wollte nochmal was zur Krankenkasse schicken. Heute habe ich mit der Krankenkasse gesprochen und es wäre wohl wieder nichts eingegangen. Die Mitarbeiterin der Krankenkasse meinte, wenn ich Befundkopien habe, könnte ich sie auch selbst hin schicken. Aber wäre das von mir klug in Hinblick auf eventuelle Notizen vom Arzt?

Die Bearbeitungszeit der Krankenkasse dauert 3-5 Wochen. Eigentlich wollte der Arzt im Sommer mit der Therapie beginnen, er meinte, dass es dann wegen Corona günstiger wäre. Ich weiß nicht viel über Rituximab, aber frisch verabreicht, wird es -nehme ich an - die höchste Wirkung haben und dann in der Wirkung nachlassen, so dass es vielleicht im Herbst gar nicht so stark wirkt, wenn Grippe und Corona erst wieder richtig losgehen? Aber wenn der Papierkrieg weiter so geht, kann man ja das vergessen....

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Re: Spironolacton

Beitrag von jaeckel »

Bei manchen KK gibt sogar ein Mitarbeiter-Prämiensystem: Je weniger Anträge bewilligt werden müssen, desto....
Daher werden die Antragsprozeduren immer komplizierter. Manche Anträge sind auch nicht auffindbar....
:evil:
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Re: Spironolacton

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

soll ich als Patient selbst Befundkopien dort hin schicken?

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jaeckel
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Re: Spironolacton

Beitrag von jaeckel »

Ihnen ist ja an der schnellen Erledigung am meisten gelegen. Daher: Ja!
Alles Gute!

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Re: Spironolacton

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

nun endlich sind die Unterlagen eingegangen bei der Krankenkasse. Ich hatte selbst welche geschickt. Die Mitarbeiterin der Krankenkasse meinte, aber, dass die Bearbeitung nun nochmal 5 Wochen dauern, da sie nochmals den MDK einschalten, der das überprüft.

Ich bin immer noch etwas angespannt wegen dem Einsatz von Immunsuppressiva mitten in der Pandemie, ehrlich gesagt. Gibt es denn schon bzgl. Corona neue Erkenntnisse, was Nierenerkrankungen bei jüngeren Personen ohne Dialyse betrifft und auch bei Einsatz von Immuppressiva?

Ich hatte ja erwähnt, dass ich eine chronische Urtikaria mit Angioödem habe. Momentan ist das auch wieder aktiv. Den einen Tag war meine rechte Hand angeschwollen. Und jetzt habe ich schon oft bemerkt, dass ich, wenn ich in der Sonne sitze, selbst unter einem Sonnenschirm, dass mir die Oberschenkel jucken und brennen. Ich hatte dann nachgesehen, da hatte ich ein netzartiges Gebilde auf beiden Beinen. Es sah aus, als ob die ganzen Gefäße nachgezeichnet sind, aber richtig doll, wie entzündete Gefäße. Bleibe ich dann weiter in der Sonne sitzen, habe ich das Gefühl, dass mein Hals auch brennt und mir wird übel. Kann das eine Art Sonnenallergie sein? Komisch ist, dass meine Zwillingsschwester genau dasselbe hat und mein Vater hat das auch. Ist sowas vererbbar? Ich habe für die chron. Urtikaria +Angioödem ein Notfallset oder Fexofenadin 180 bekommen. Ich habe jetzt erstmal Fexofenadin genommen und mit Sonnencreme 50+ eingecremt.

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Re: Spironolacton

Beitrag von jaeckel »

kk9979 hat geschrieben:
16.06.20, 10:39
bei Einsatz von Immuppressiva
Bei Einsatz von Immunsuppressiva kann man sich an den onklogischen Leitlinien orientieren. Z.B. Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen
Alles Gute!

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Re: Spironolacton

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

ich habe nochmal eine Frage zum Immunsuppressivum: Was ist, wenn ich in der Wohnung fast überall Stellen habe mit Schimmel? Ist das dann gefährlich und könnte mich dann ein Schimmelpilz schlimm krank machen? Die Tapete wurde schon überall abgemacht und dann neu tapeziert. Auf der Wand ist nichts zu sehen. Es bildet sich ständig auf den Tapeten neu. Und die Fenster-Faschen haben auch Schimmel. Hier war schon ein Fachmann da, der meinte, die Fenster sind nicht in Ordnung. Aber wir können das Problem nicht abstellen, weil es den Vermieter nicht interessiert. Umziehen geht auch nicht, weil andere Wohnungen leider nicht bezahlbar sind. Was kann passieren, wenn ich so trotzdem das Immunsuppressivum nehme?

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Re: Spironolacton

Beitrag von jaeckel »

Unabhängig vom Immunsuppressivum ist das ungesund. Mit Immundepression kann das das Risiko für eine Pilzpneumonie erhöhen. Da das nichts mit Spironolacton zu hat, bitte ich Sie für andere neue Fragen einen neuen Thread im jeweils passenden Forum aufzumachen. Danke.
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