Enterokokken im Harnbereich - Möglichkeitenen + Behandlungen?

Erkrankungen der Niere, Harnwege, Blase, Prostata

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Maik80
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Enterokokken im Harnbereich - Möglichkeitenen + Behandlungen?

Beitrag von Maik80 »

Guten Tag zusammen,

mich würde mal interessieren, wie genau Enterokokken in die Harnröhre bzw. in den Harntrakt gelangen können (ungeschützer Sex mal ausgeschlossen). Ist es möglich, dass die Prostata von solchen Bakerien dauerhaft besidelt werden kann und sie irgendwie durch die Darmwand dort hingelangen? Ist so etwas medizinisch möglich und auch irgendwie nachweisbar? Ein Nachweis dieses Bakteriums in dem Bereich erfolgt ja glaube ich über einen Harnröhrenabstrich. Und müssen solche Bakterien zwingen d mit Antobiotika behandelt werden oder gibt es gute Alternativprodukte / Naturheilmittel (bspw. bei einer Bakterienanzahl von hoch 9)?

Gruß
Maik

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jaeckel
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Re: Enterokokken im Harnbereich - Möglichkeitenen + Behandlungen?

Beitrag von jaeckel »

Hallo Maik,

in bis zu 90% ist es eine aufsteigende Infektion mit Erregern der Darmflora. Es gibt eine Menge prädisponierender Risikofaktoren (Harnabflußstörungen, Abwehrschwäche, Analgetikaabusus, Stoffwechselstörungen, Trinkfaulheit etc.)

Medizinisch sinnvolles Vorgehen bei V.a. Harnwegsinfekt:
  1. Schritt: Anamnese
    Hier sind neben den genauen Beschwerden insbesondere mögliche Ursachen und sogenannte prädisponierende Risikofaktoren für Harnwegsinfekte zu erfragen.
  2. Schritt: körperliche Untersuchung
    Dies dient der Eingrenzung und der sogenannten Differenzialdiagnose, da viele Erkrankungen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, den Urin und die Nierenfunktion haben können. Hierbei ist insbesondere die Abgrenzung wichtig, ob eine Nierenbeteiligung vorliegt oder nicht.
  3. Schritt: ggf. Laboruntersuchungen (Blut/Urin etc.)
    • Die vollständige korrekte Urinuntersuchung (mod. nach Herold: Innere Medizin)
    • korrekte Gewinnung der Harnprobe
      Spreizen der Labien, sorgfältige Reinigung des Meatus urethrae der Frau bzw. der Glans Penis des Mannes mit Wasser, danach Gewinnung von Mittelstrahlurin, danach erfolgt eine sofortige Aufarbeitung oder ein rascher Transport per Kühlkette oder Verwendung von Spezialmedien.
      Harnproben sollten vor Antibiotikatherapie gewonnen werden!
      Ansonsten sind Fehldiagnosen und überflüssige Therapie vorprogrammiert.
    • 4 wichtige unterschiedliche Urinuntersuchungen:
      1. Urinstatus (Streifentest)
      2. Harnsediment (Der Urin wird zentrifugiert und anschließend sorgfältig mikroskopiert)
      3. Bestimmung der Keimzahl (signifikant erhöht?)
      4. Urinkultur und Antibiogramm (Resistenzprüfung)
    • Nach Kass gilt, dass im frisch aufgearbeiteten Mittelstrahlurin eine Keimzahl von über 100 000 und mehr pro ml Urin ein Hinweis auf eine echte Bakteriurie ist (möglichst 2 x bestimmen), während bei Harnkontaminationen niedrigere Keimzahlen gefunden werden.
    • Ist das erfüllt, ist eine Keimdiffierenzierung durch Urinkultur anzustreben.
  4. Schritt: ev. ergänzende apparative Untersuchungen (z.B. Ultraschall, Röntgen usw.)
Dieses Vorgehen führt in den allermeisten Fällen zu Ergebnissen, die Ihr Arzt zu einer Diagnose und sinnvollen Therapie verdichten kann. Zur Therapie gehören
  • die sog. kausale Therapie (Beseitgung ggf. auslösender Ursachen)
  • symptomatische Therapie bzw. Allgemeinmaßnahmen und im Bedarfsfall
  • eine leitliniengerechte Antibiotikatherapie.
Ergibt die Anamnese Hinweise auf eine sexuell übertragbare Erkrankung, ist selbstverständlich das schrittweise Vorgehen und auch die Therapie entsprechend anzupassen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

Maik80
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Re: Enterokokken im Harnbereich - Möglichkeitenen + Behandlungen?

Beitrag von Maik80 »

Hallo Herr Dr.Jäckel,

danke für Ihre Antwort. Können Sie vielleicht kurz erläutern, wie es aus medizinischer Sichtweise sein kann, dass eine Urinprobe und anschließend angelegte Urinkultur unauffällig ist, ein Harnröhrenabstrich hingegen ein Nachweis von Enterokokken nach sich zieht?

Ist eine Verordnung von Cefuroxim zur Bekämpfung der Enterokokken gerechtfertigt, wenn zuvor keine Ultraschalluntersuchung und ein Abtasten der Prostata erfolgt ist (Blutuntersuchung bspw. Ebenfalls nicht erfolgt ist).

Schönen Gruß
Maik

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jaeckel
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Re: Enterokokken im Harnbereich - Möglichkeitenen + Behandlungen?

Beitrag von jaeckel »

Wie Sie oben sehen, sollte eine Urinkultur nur bei signifikanter Bakteriurie angelegt werden. Dass die dann unauffällig ist, kann ja kaum sein.

Ein Abstrich wird ja grundsätzlich anders gewonnen, wie der Name schon sagt. Das eine ist mit dem anderen nicht vergleichbar.
Maik80 hat geschrieben:
27.04.20, 08:22
Ist eine Verordnung von Cefuroxim zur Bekämpfung der Enterokokken gerechtfertigt
Cefuroxim ist immer noch das meist verordnete orale Antibiotikum im ambulanten Bereich. Leider ist es in jedem einzelnen Fall keine gute Wahl, da, oral eingenommen, kein ausreichender Wirkspiegel erzielt wird. Fortbildungsangebote für die Ärzteschaft erreichen leider ihr Ziel diesbezüglich nicht. :cry:
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

Maik80
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Re: Enterokokken im Harnbereich - Möglichkeitenen + Behandlungen?

Beitrag von Maik80 »

Guten Abend !
jaeckel hat geschrieben:
27.04.20, 09:30
Wie Sie oben sehen, sollte eine Urinkultur nur bei signifikanter Bakteriurie angelegt werden. Dass die dann unauffällig ist, kann ja kaum sein. Ein Abstrich wird ja grundsätzlich anders gewonnen, wie der Name schon sagt. Das eine ist mit dem anderen nicht vergleichbar.
Also kann es gar nicht möglich sein, dass in einem Abstrich dieses besagte Bakterium gefunden wird, aber eine Urinprobe angeblich unauffällig sei? Versteh ich Sie richtig, dass in beiden Probleme (Abstrich + Urinprobe) dieses Bakerium gefundne werden müsste?
jaeckel hat geschrieben:
27.04.20, 09:30
Cefuroxim ist immer noch das meist verordnete orale Antibiotikum im ambulanten Bereich. Leider ist es in jedem einzelnen Fall keine gute Wahl, da, oral eingenommen, kein ausreichender Wirkspiegel erzielt wird.
Aber ist ein solches Mittel auch bei einer 500mg Dosierung je Tablette denoch nicht ausreichend? Aber ich möchte Sie generell noch einmal fragen, ob bei einer bakteriellen Belastung mit körpereigenen Bakterien wie bspw. den Enterokokken eine Behandlung mittels Antobiotika überhaupt indiziert ist?

Schönen Gruß

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jaeckel
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Re: Enterokokken im Harnbereich - Möglichkeitenen + Behandlungen?

Beitrag von jaeckel »

Maik80 hat geschrieben:
27.04.20, 21:14
Also kann es gar nicht möglich sein, dass in einem Abstrich dieses besagte Bakterium gefunden wird, aber eine Urinprobe angeblich unauffällig sei?
Mißverständnis: Natürlich ist das möglich. Urin, den sie im natürlichen Weg im Becher auffangen ist immer kontaminiert mit Bakterien. Nur per Katheter gewonnener Urin sollte steril sein. Enterokokken im Abstrich gehören dort nicht hin.
Maik80 hat geschrieben:
27.04.20, 21:14
Aber ist ein solches Mittel auch bei einer 500mg Dosierung je Tablette denoch nicht ausreichend?
Nein.
Maik80 hat geschrieben:
27.04.20, 21:14
ob bei einer bakteriellen Belastung mit körpereigenen Bakterien wie bspw. den Enterokokken eine Behandlung mittels Antobiotika überhaupt indiziert ist?
Diese Frage ist schwierig und dreht sich um die Abgrenzung Kolonisation versus Infektion. Grundsätzlich können Bakterien der eigenen Darmflora Entzündungen auslösen, die man auch mit Antibiotika behandeln muss. Ob das in einem konkreten Fall so ist, hängt von Symptomen und Laborparametern ab und ist auch für Ärzte nicht immer einfach. Leichte Entzündungen können sich z.B. auch durch erhöhte Trinkmenge, Nahrungsumstellung zur Steuuerung des Urin-PH-Wertes und eine gute Abwehr des Körpers bessern.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
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