Rubikon: Die Enteignung des Körpers

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Christianes Herz
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Re: Rubikon: Die Enteignung des Körpers

Beitrag von Christianes Herz »

Letztendlich (meine ich), wird man uns immer damit "kriegen", dass wir mitfühlende Wesen sind und das Motto "Was Du nicht willst, das Dir man tut, ..." oder auch den "Treppenschmeißer-Kant" rein von der Erziehung und Schule her verinnerlicht haben. Ob es die Pflichtimpfung ist, das Rauchverbot, jetzt wieder das Geschrei nach dem Tempolimit oder eben auch die Basis dieses Fadens hier: Wenn wir wissen bzw. glauben, zu wissen, dass wir andere durch unser Verhalten schädigen und nicht nur uns selber, machen wir eher mit. Damit sind wir immer zu packen. Nicht etwas ablehnen aus Prinzip, sondern weil wir es verstehen wollen. Und so meine ich, muss uns die Ärzteschaft erklären können, dass bei der Organentnahme wir zwar noch leben, aber evtl. nur wie ein batteriebetriebenes Gerät o. ä. Wir sind ja noch mit Verstand gesegnet, nicht zuletzt deshalb ist ja auch der von Timmie letztens eingestellte Artikel bzgl. Nudging etc. so lesenswert und wichtig.

Frdl. Grüße
Christiane
Parasympathikus
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Re: Rubikon: Die Enteignung des Körpers

Beitrag von Parasympathikus »

Hallo,
Christianes Herz hat geschrieben:... Ob es die Pflichtimpfung ist, das Rauchverbot, jetzt wieder das Geschrei nach dem Tempolimit oder eben auch die Basis dieses Fadens hier: Wenn wir wissen bzw. glauben, zu wissen, dass wir andere durch unser Verhalten schädigen und nicht nur uns selber, machen wir eher mit. Damit sind wir immer zu packen.
Schon richtig, die Moralkeule greift immer. Das viel größere Problem ist aber, dass wir Deutschen, angeführt von Presse, Funk und Internet, dazu neigen, uns nicht mit halben Sachen zufrieden zu geben. Man (i.W. unsere nicht immer mit Weitsicht gesegneten politischen Vorturner) meint immer, alles bis zum Erbrechen gesetzlich regeln zu müssen, bis hinunter zu den tiefsten privaten Angelegenheiten. Das führt dann beinahe regelmäßig zu Überregulierungen, d.h. es werden dann auch Dinge strafbar, die niemandem einen Schaden zufügen oder die prinzipbedingt eigentlich gar nicht regulierbar sind. Regelungen bestehen dann nur deshalb, weil sich irgendjemand in Zeiten medialer Aufgeregtheit damit profiliert hat, nicht, weil sie irgendjemandem empirisch nutzen.

Grundgedanke einer Demokratie ist es ja, dass alles erlaubt ist, was nicht (mit hinreichendem Grund) explizit verboten ist. In Deutschland haben wir langsam das genaue Gegenteil erreicht: Man muss bei nahezu jeden Sachverhalt des Lebens nach Erlaubnis fragen, und zwar einerseits den Gesetzgeber und andererseits ein Heer von aufgeregten Mitmenschen mit dem permanent erhobenen Zeigefinger. Vielleicht ein Zeichen überbordender Saturiertheit, aber auch dafür, dass das Medium Internet seine Nutzengrenze erreicht hat.

Eine "Pflichtimpfung" gibt es meines Wissens noch nicht, wobei ich dieses Thema im aktuellen Kontext allerdings auch ausklammern würde. Immerhin ist der Nutzen der empfohlenen Schutzimpfungen für den Einzelnen und für die Gesellschaft sehr gut belegt und das Risiko relativ gering.
Viele Grüße,

Parasympathikus
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Spejbl
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Re: Rubikon: Die Enteignung des Körpers

Beitrag von Spejbl »

Davon mal abgesehen, daß nach 1. Kor. 6 der Leib dem gehört, der ihn schuf, also Gott, ist es schon eine heikle Sache, wenn es um Organspende geht. Denn tote Organe nützen nichts. Organspende funktioniert nur, wenn der Organgeber noch lebt. Wenn durch die Organentnahme das Leben des Spenders nicht gefährdet wird, kann ich das vertreten und befürworten. Z.B. bei Blutspende, Knochenmarkspende, ggf. 1 Niere ... Und, es sollte schon ein Leben dadurch gerettet werden. Unbedingt. Für lediglich Forschungszwecke lehne ich ab.

Generell sehe ich das bedenklich, wenn der Fall eintritt, daß ein Leben nur daurch gerettet werden kann, wenn ein anderes dafür geopfert werden muß. Das kann eintreten, wenn es sich z.B. um das Herz handelt.

Zweitens vertrete ich die Ansicht, daß die Organspende nur dann stattfinden sollte, wenn der Spender ausdrücklich zustimmt. Das kann z.B. im Zuge der Antragstellung auf einen Organspendeausweis erfolgen oder explizit mittels einer Schriftlichen Erklärung. Nennen wir es Patientenverfügung etc.

Bei z.B. Unfallopfern sehe ich das Risiko, daß das Leben des potentiellen Spenders (bzw. Unfallopfer) durch die Organentnahme beendet wird.

Ich bin froh, in so einem Falle nicht entscheiden zu müssen. Würde aber dahingehend plädieren, nur bei ausdrücklicher vorherige Zustimmung des Spenders, die Entnahme durchzuführen. Nicht anders herum. Gibt es keine Erklärung des potentiellen Spenders, darf nicht(s) entnommen werden.
Jeder für sich allein - ist nichts. Zusammen aber, sind wir ein unschlagbares Team.
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