Oxycodon - ich bin nicht mehr ich selbst

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olafson
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Oxycodon - ich bin nicht mehr ich selbst

Beitrag von olafson » 28.10.17, 07:31

Nach nun fast 20 Jahren chronischer Schmerzen (Bandscheibenvorfälle LWS, Nervenschädigung im Nackenbereich nach vielfachen Schleudertraumata) habe ich alle Therapieangebote durch - und auch alle niederpotenten Medikamente. Mein Arzt hat die letzten 12 Monate damit verbracht, mich zur Einnahme von Opiaten zu überreden, weil mein "Leber das auch nicht ewig mitmacht". Bisher habe ich alle dieser Opiate (z.B. Tramadol, Tillidin u.a.) nach ein paar Tagen wieder in der Apotheke abgegeben, wegen der massiven Nebenwirkungen.

Mit dem Oxycodon, da haben wir lange drüber geredet. Er meinte, ich würde wahrscheinlich kaum Nebenwirkungen spüren. Habe angefangen mit 2x 5mg und mich dann auf Weisung des Arztes vorgeschlichen. Nach ein paar Wochen und dem nächsten Bandscheibenvorfall war ich dann bei 2x 10mg. Ich spüre so gut wie keine schmerzstillende Wirkung davon, dafür habe ich massive Kreislaufprobleme / zusammenbrüche den ganzen Tag, kann kaum noch 1+1 zusammenzählen (ich bin von Beruf Systemadministrator), wache Nachts mit Schweißausbrüchen und rasenden Kopfschmerzen auf und von der Übelkeit fange ich am besten garnicht an zu erzählen. Dazu Angstgefühle und Panikattacken, was ich seit 15 Jahren nicht mehr hatte, fühle mich depressiv.

Für mich das schlimmste aber nun nach ein paar Wochen: Ich habe das Gefühl, ich bin nicht mehr ich selbst. Ich fühle mich "entrückt". Ich war immer hier der aktive Part in der Ehe, war der Typ "Jo jetzt renovieren wir ma die Wohnung, Schatz". Jetzt sitze ich hier rum, mache eigentlich den ganzen Tag garnichts, nicht mal mehr am PC spielen macht mir Spaß.

Was soll ich denn jetzt machen?

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Oxycodon - ich bin nicht mehr ich selbst

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 28.10.17, 08:27

Guten Tag,
"Was soll ich denn jetzt machen?"- zu einem Schmerztherapeuten gehen.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

olafson
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Re: Oxycodon - ich bin nicht mehr ich selbst

Beitrag von olafson » 28.10.17, 09:26

Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:Guten Tag,
"Was soll ich denn jetzt machen?"- zu einem Schmerztherapeuten gehen.
Ich war schon mehrfach bei einem Schmerztherapeuten. Ich nehme die Antidepressiva, die angeblich so super gegen Schmerzen helfen, bei mir leider nicht. Ich habe jahrelang Trainingstherapie mitgemacht, ein Jahrzehnt Physiotherapie und manuelle. Die krudesten Medikamente genommen, wo schon der Apotheker den Kopf geschüttelt hat. Habe 3 Jahre lang Mittel genommen, die wegen leberschädigender Wirkung nur ein paar Wochen lang genommen werden sollten. Alternative Methoden gemacht, Akkupunktur, Joga, Thai Chi usw. Dazu 8 Operationen.

Die Opiate habe ich nicht einfach so bekommen, auch wenn das im Internet oft behauptet wird. Das war an der Stelle an der die Ärzte gesagt haben "sonst haben wir nichts mehr".

Winfried Gahbler
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Re: Oxycodon - ich bin nicht mehr ich selbst

Beitrag von Winfried Gahbler » 29.10.17, 20:38

Hallo olafson,

so wie Sie es schildern, haben Sie erhebliche beeinträchtigende Nebenwirkungen - offenbar infolge der Einnahme vom Oxycodon.
Solche Nebenwrikungen würde ich bei meinen Patienten nicht tolerieren. Wobei ich weiß, dass es Menschen gibt, die auch auf sehr niedrige Dosierungen bereits recht heftige Nebenwirlungen haben. Das ist eben immer sehr unterschiedlich und nicht voraussagbar.
Wenn Opioide mit geringere "Stärke" - als Tramadol und Tilidin/Naloxon nicht in Frage kommen, würde ich meinen Patienten ein Opioidwechsel vorschlagen und mit sehr niedrigen - ggf. auch "zu niedrigen" Dosierungen beginnen, um zu schauen, welche Substanz die geringsten NW macht. Wenn es eine Substanz gibt, die einigermaßen vertragen wird, würde ich die Dosis vorsichtig (oder sehr vorsichtig) steigern. Das braucht zwar Zeit, ist aber aus meiner Erfahrung eine gangbare Lösung.
Aber man kann keinem Patienten versprechen, dass es ein Opioid gibt, welches er in einer für eine hinreichende Schmerzminderung ausreichenden Dosis auch ohne Nebenwirkungen verträgt. Das ist immer wieder eine Gradwanderung auf einem sehr schmalen Grad.
Und dann muss man gemeinsam schauen, was geht und was nicht.
Ich will damit sagen, es gibt keine allgemeingültige und sicher erfolgreiche Lösung dieses Problems.
Gute Besserung und alles Gute wünsche ich Ihnen
MfG W.Gahbler
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Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
1. Der voranstehende Beitrag ist eine allgemeine Stellungnahme,
die, ausgehend von Ihrer Anfrage mit größtmöglicher Sorgfalt
verfasst wurde.
2. Bitte wenden Sie Sich unabhängig davon persönlich zur
Beratung, Untersuchung und Behandlung an eine Ärztin oder einen
Arzt Ihres Vertrauens!
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aus der Gemeinschaftspraxis
Dr.W.Gahbler/F.Becker/Dr.K.Sieben/R.Simon/Dr.U.Stosberg-Lindert
http://www.schmerzkreis.net

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