Osteoporose_Wie Lebensqualität zurückgewinnen?

Moderator: DMF-Team

Antworten
Fenchurch
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 23
Registriert: 19.02.11, 14:19

Osteoporose_Wie Lebensqualität zurückgewinnen?

Beitrag von Fenchurch »

Guten Abend!

Ich suche Rat für die Schmerztherapie meiner Großmutter.

Für die kommende Woche ist ein Termin bei einem Schmerztherapeuten vereinbart (derselbe wie 2011, s.u.), zu dem einer der Enkel die Großmutter erstmals begleiten wird. Durch mögliche Antworten hier erhoffe ich mir, uns vorab einen Überblick darüber zu verschaffen,

- welche Verbesserungen realistisch erreichbar sind,
- mit welchen weiteren Maßnahmen dies versucht werden kann/sollte*,
- wie wir uns auf den Termin bestmöglich vorbereiten (Arzt und Großmutter sind im demselben Ort; der Enkel reist hingegen einmal längs durchs Land an)

* Ist beispielsweise ein "Antragsverfahren im Einzelfall bei nicht gelisteten Diagnosen" nach dem Merkblatt "Genehmigung langfristiger Heilmittelbehandlungen nach § 32 Abs. 1a SGB V in Verbindung mit § 8 Abs. 5 Heilmittel-Richtlinie", Punkt D. 3 c) (Quelle: http://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/12/) ein sinnvoller nächster Schritt. Falls ja, kann dies der Schmerztherapeut vornehmen?

Der Leidensdruck und die Verzweiflung sind so groß, daß ihr Lebensmut im Laufe der zurückliegenden Wochen rasant geschrumpft ist.


Verlauf der chronischen Schmerzen

Seit vielen Jahrzehnten ist meine Großmutter (*1927, Größe ca. 165 cm, Gewicht ca. 67 kg Ende 2013) von Rückenschmerzen betroffen. Zunächst standen überwiegend die Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule im Vordergrund (Verdacht auf Arteria-vertebralis-Kompressionssyndrom mit Gefäßkompression in Folge degenerativer Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule).

2009 kam eine Ischialgie hinzu. Diese führte sie Anfang 2011 erstmals zum einem Schmerztherapeuten. Die vereinbarte Schmerzmedikation bestand aus:

° Fentanyl 12 µg/h Wechsel alle 3 Tage
° Metamizol-Natrium 1 H2O 500 mg/ml 20-20-20-20 Tropfen.

Diese Therapie wurde von der Hausärztin fortgeführt. Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit nahmen zu; die Schmerzlinderung war mäßig. Als belastend empfand die Großmutter auch die Mundtrockenheit.

Zusätzlich arbeitete sie mit dem weiter, was sie seit jeher unternahm, um ihre Situation zu verbessern:

° Wärmebehandlung mit Rotlichtlampe, Körnerkissen, Kartoffeln, Wärmflasche, Moorpackungen, Franzbranntwein etc. (Kältebehandlungen helfen ihr in aller Regel nicht.)
° Massagebehandlungen, wann immer sie bei der Hausärztin eine Verordnung erlangen konnte (begrenzte Gesamtverordnungsmenge?)
° Einsatz eines TENS-Gerätes zu Hause

Es läßt sich das Muster erkennen, daß insbesondere in den Pausen der physikalischen Therapien Schwindel und Übelkeit und/oder Schmerzen zunehmen. Beispielsweise traten durch die geminderte Bewegung im Kontext eines starken Atemwegsinfekts im Frühjahr 2013 (Bronchitis; Besserung erst durch orale Antibiose) in der Folge die vegetativen Symptome so häufig und stark auf, daß sie 10 kg an Gewicht innerhalb von 8 Wochen verlor. Stationär wurden durch Magen- und Darmspiegelung sowie durch ein CT der Bauchspeicheldrüse wahrscheinliche andere Ursachen ohne Befund (außer einer akuten, leichten Gastritis) abgeklärt. Im Krankenhaus hat man sie per Infusion offenbar sehr gut mit Schmerzmitteln versorgt, beschränkte sich im Hinblick auf Schwindel, Übelkeit und Schmerzen für zu Hause jedoch auf den Rat, reizende Speisen vorerst zu meiden und im allgemeinen viele, dafür aber ausgewählt kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Das Erbrechens blieb daraufhin tatsächlich aus.

Gleichfalls im letzten Sommer suchte sie einen Allgemeinmediziner für eine weitere Meinung wegen der Schmerzen auf. Dieser empfahl die Steigerung des Fentanyl auf 30 µg/h. Er erläuterte, daß an dem Rückenleiden selbst nichts grundlegend zu machen sei und daß eine Linderung nur per Schmerzmedikation und kontinuierlicher physikalischer Therapie zu erlangen sei.

Mit der Hausärztin änderte sie die Stärke der Fentanyl-Pflaster auf 25 µg/h. Das Metamizol nahm sie schon länger in einer Dosierung von je 30 Tropfen bis zu 4x/d. Wie zuvor bekam sie von der Hausärztin Massagen zu je 3x6 Einheiten verordnet, von denen jeweils 2 Einheiten in einer Woche liegen sollten. Danach muß sie laut hausärztlicher Praxis aufgrund von Verordnungsbeschränkungen jeweils pausieren. Ich konnte nicht ermitteln, ob sie bis zum Ende des jeweiligen Quartals oder gar bis zum Ende des darauffolgenden Quartals auf ein neues Rezept warten muß (vielleicht §7 (10) Heilmittel-Richtlinie: "behandlungsfreies Intervall von 12 Wochen" ?).


Aktuelle Situation


Somit erhielt sie Mitte der letzten Novemberwoche die letzte Massagebehandlung 2013.

Im Laufe des Dezember erreichten die Schmerzen ein neues Maximum. Als weiteres Zusatzmedikament hatte sie bereits seit einiger Zeit Tramadol-Tropfen zu Hause (Stärke weiß ich nicht; Dosierung "3-5 Tropfen bei Bedarf"). Dieses konnte und kann sie jedoch kaum einsetzen, da bei mehr als 2 Tropfen der Schwindel zu gefährlich wird (sie lebt allein und versorgt sich selbst). 2 Tropfen Tramadol helfen ihr nicht. Die nahezu kontinuierliche Einnahme von 30 Tropfen Metamizol 4x täglich hat die Blutgerinnung so weit gemindert, daß die Phenprocoumon-Therapie aktuell ausgesetzt werden mußte. Unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen stimmte sie in ihrer Verzweifelung einer Erhöhung der Fentanyl-Stärke auf 50 µg/h zu. Schwindel, Übelkeit und Mundtrockenheit nahmen zu; die Schmerzen wurden nicht weniger und sind so schlimm wie noch nie über einen so langen Zeitraum am Stück.

Zu Jahresbeginn erhielt sie von der Hausärztin Etoricoxib (Stärke weiß ich nicht; Einnahme 1x täglich, zum Testen für max. 8 Tage) und Duloxetin 30 mg (Einnahme 1x täglich zusammen mit dem Etoricoxib). Wie zu befürchten stand, gewannen Schwindel und Übelkeit die Oberhand, so daß die erste Einnahme die einzige blieb. Des Weiteren erhielt sie Überweisungen zum Schmerztherapeuten und zum Orthopäden. Der Schmerztherapeut soll eventuell eine ambulante oder stationäre Wirbelsäulen-Schmerzkur veranlassen. Der Orthopäde sollte prüfen, ob eine Art Korsett helfen kann. Eine Verordnung für Massagen o.ä. stellte die Ärztin nicht aus, "weil Ihnen das ja gar nicht hilft".

Der Orthopäde diagnostizierte in der zurückliegenden Woche eine Fraktur des 1. Lendenwirbelkörpers und verordnete ein Rückenstützband (Diagnose: Osteoporose mit pathologischer LWK-1-Fraktur; schwere Spondylochondrose der Wirbelsäule).


Weitere Medikamente


(konkrete Wirkstoffe und Dosierungen weiß ich überwiegend nicht)
° Phenprocoumon (aktuell ausgesetzt)
° ACE-Hemmer
° Betablocker
° Calciumantagonist + Diuretikum
° ein weiteres Diuretikum
° Allopurinol
° seit 2014 wieder Bisphosphonat (ab Ende 2012 Therapie"pause" wegen schlechter Verträglichkeit in Absprache mit der Hausärztin)
° Pantoprazol
° Lactase-Kapseln


(Weitere) Diagnosen

- Mitralklappeninsuffizienz II° - Trikuspidalklappeninsuffizienz II°
- Verdacht auf Vertebralis-Syndrom
- Hypertonie WHO I-II - Grenzbefund zur pulmonalen Ruhehypertonie
- Absolute Arrhythmie infolge VHF"
- Glaukom


Detailfragen
# Überall steht, dass die physikalischen Therapien unbedingt mit zur Schmerztherapie gehören. Ist die bisherige Verordnungsweise (max. 18 Einheiten/Quartal) mit den resultierenden Pausen wirklich gesetzlich bedingt?
# Was kann an einem ohne äußere Krafteinwirkung zerbröselten Wirkelkörper heilen? Bleiben die hexenschußartigen Symptome nun auch dauerhaft?
# Soll man mit den Massagen umgehend wieder beginnen oder erfordert der Wirbelbruch zunächst die Fortsetzung der Pause?
# Welche medikamentösen Möglichkeiten der Schmerztherapie bleiben, ohne daß die Steigerung von Schwindel und Übelkeit einen eigenständigen Alltag unmöglich machen und so den Lebenswillen untergraben.
# Ist der Gewöhnungseffekt an das Fentanyl so groß, daß dies allein eine hinreichende Erklärung für das Erfordernis der Dosisanpassung im Sommer 2013 (vor dem Wirbelkörperbruch) ist?


Vielen Dank für Ihre Einschätzungen und Ideen zur weiteren Vorgehensweise!

Mit freundlichen Grüßen
Fenchurch (Enkelin)
Anästhesieschwester
DMF-Moderator
Beiträge: 2302
Registriert: 20.05.07, 09:00

Re: Osteoporose_Wie Lebensqualität zurückgewinnen?

Beitrag von Anästhesieschwester »

Guten Morgen Fenchurch,

bezüglich der Medikamente könnte die Ärztin innerhalb des WHO-Stufenschemas Medikamente austauschen, also eine andere Kombination versuchen. Evtl. lassen sich so Nebenwirkungen reduzieren.

Gruß
Die Anästhesieschwester
Muppet
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 4367
Registriert: 10.01.07, 16:48

Re: Osteoporose_Wie Lebensqualität zurückgewinnen?

Beitrag von Muppet »

Hallo,
je nach Verträglichkeit mit die anderen Medikamenten/Grunderkrankungen gibt es andere Formen der Schmerztherapie mit z.B. Antiepileptika, Antidepressiva & Co. Je nach Schmerzursache manchmal effektiver als Opiaten/Opioiden (z.B. bei Nervenschmerzen)
-> Scherztherapeut muss das entscheiden.

Es gibt inzwischen eine Dauerverordnung. D.h. 3x mal Krankengymnastik Verordnungen, dann muss der Hausarzt einen Antrag stellen. Wenn erfolgreich gilt es ein Jahr - ohne Pause. Betrifft dann der Kontigent der Hausarzt nicht (geht nicht aufs Budget). Würde es mit Hausarzt besprechen.

Alles Gute
Muppet
Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12975
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 73061 Ebersbach/ Fils

Re: Osteoporose_Wie Lebensqualität zurückgewinnen?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Tag,
in Ihrer Auflistung der bisher eingenommenen Analgetika vermisse ich das Kalzitonin, sehr effektiv bei osteoporotisch bedingten Schmerzen. Sprechen Sie den behandelnden Arzt darauf an.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Antworten