Ekel im Rettungsdienst

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puzzle1992
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Ekel im Rettungsdienst

Beitrag von puzzle1992 » 02.03.09, 18:05

Liebe Forenmitglieder,

jetzt wende ich mich mit einer Frager an euch, wegen der ich mich eigl. auch hier registriert habe. Und zwar geht es darum, dass ich manchmal auf Sandiensten oder auch beim KTW fahren mit Menschen zu tun habe, die sich übergeben. Ich weiß, das mag sich für Rettungsassistenten oder andere ''höhere'' jetzt komisch anhören, aber mein Problem ist, dass ich mich dann so ekele, dass ich nicht mit dem Patienten hinten sitzen kann, sondern vor muss. Ist ja im Moment noch kein Problem, da ich auf Grund meines Alters sowieso nur als dritte mitfahren kann. Aber was soll ich tun, wenn ich mal meine RS machen will? Ich möchte jetzt bitte keine Vorwürfe hören oder Ausssagen wie: 'Dann bist du halt nicht für den RD geeignet'. Sondern ich wünsche mir, dass wenn es jmd. so ähnlich geht, er oder sie mir vllt. Tips geben kann, um das zu unterdrücken. Oder mir sagen, wie ihr mit solchen Situationen umgeht, wie man so etwas überwinden kann. Damit wäre mir wirklich geholfen!

Liebe Grüße

puzzle1992

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 02.03.09, 18:15

Hallo Puzzle,

entspannen Sie sich ;-) Auch altgediente Hasen sind nicht frei von Ekel. In den vielen Jahren haben ich die verrücktesten Dinge gesehen. Kollegen die kein Erbrochenes riechen können. Kollegen die keinen Kot riechen können. Ich kenne sogar einen Kollegen, dem es bei Reanimationen immer flu um den Magen wird. Er kann die gelegentlich bei der Reanimation entstehenden Krepitationsgeräusche nicht ertragen.

Bei mir ist es tagesformabgängig. An manchen Tagen macht mir Kot und Erbrochenes gar nichts aus. An anderen Tagen und je nach Geruch des halbverdaueten Speisebreis muss ich mich arg zusammenreissen oder das Auto fluchtartig verlassen.

Ich gestehe auch ehrlich, dass ich mich das ein oder andere Mal in besonders ekligen Situationen an Ort und Stelle übergeben habe. Wenn es gut lief, habe ich es bis zum Fenster geschafft, wenn nicht, dann nicht.

Wenn ich Wohnungen betreten muss, in denen die Wände schmierig sind von fett und was weiss ich noch, kann ich drauf warten und bekomme binnen 24 Stunden eine Herpesblase an der Lippe.

Zum Glück sind wir doch immer mindestens zu zweit und bis jetzt hat es bis auf wenige Ausnahmen immer geklappt, dass man sich gegenseitig unterstützt.

Für die Tage an denen das nicht klappt, wünsche ich Ihnen einen kräftigen Magen, aber das steht jeder von uns durch !
Erik Eichhorn
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mbela
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Beitrag von mbela » 02.03.09, 20:03

Hallo!

Ich bin jetzt eher einer von der harten Sorte, solange ich nicht durch die Nase atme :) Mir machts nichts Ekelhaftes zu sehen oder zu hören, aber der Geruch nimmt mich arg mit, deshalb atme ich wenns unangenehm wird einfach nur durch den Mund und gut gehts. Mag nun keine Lösung für dich sein, aber wie du siehst, wir sind nicht alle von der "macht mir gar nix"-Fraktion :)

Grüße

Markus
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puzzle1992
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Beitrag von puzzle1992 » 03.03.09, 08:01

Hallo,

schön, dass ihr mir geantwortet habt. Da bin ich ja froh, wenn es nicht nur mir so geht, aber als ich gesehen habe, wie routiniert manche RA oder RS damit umgegangen sind, habe ich mich schon gefragt, warum ich so empfindlich bin. Da ich erst 16 bin, darf ich ja sowieso nur Krankentransporte fahren, und das letzte mal hatte ich eine Verlegung mit Noroviren und naja :?
Mit Blut (in Maßen!) kann ich umgehen, ich denke, wenn ich noch ein paar mal Sandienste mache, macht mir das nichts mehr aus. Es war mir einfach wichtig, dass ich jetzt nicht nur wegen meiner 'Eitelkeit' nicht weitermachen kann, denn beim Roten Kreuz habe ich etwas gefunden, dass mir wirklich Spaß macht.
Danke nochmal und liebe Grüße

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 03.03.09, 09:39

Hallo puzzel1992,

habe Deinen Tread erst eben gelesen. Zunächst einmal willkommen in der Rett-Med Gemeinde. Schön das Dir die Arbeit Spaß macht, dass ist das wichtigste. Ich war damals gerade 17 als ich als Pflegehelfer auf einer geriatrischen Station angefangen habe. Nach dem ersten Tag wollte ich das Handtuch werfen. am 3 Tag mußte ich zusammen mit einer Kollegin, heute würde ich Schreckschraube sagen, eine gerade verstorbene Patientin waschen. Das war alles andere als einfach. Mit Erbrochenem habe ich mich auch lange Zeit schwer getan. Aber irgendwann habe ich gemerkt das es besser wird. Mir hat dabei das Gefühl geholfen, dass es auch dem Patienten unangenehm war, und ich nunmal derjenige bin der ihm aus seiner Lage helfen kann. Am Ende waren dann der Patient und ich zufrieden.

Und falls Du wieder mal was auf dem Herzen hast oder der Schuh drückt, sind wir alle hier gerne bereit Dich zu unterstützen.

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

Izzy
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Beitrag von Izzy » 03.03.09, 13:34

Hallo puzzle,

Auch von mir ein herzliches willkommen. Schön dass Du dich für ein sinnvolles Hobby entschieden hast und den Weg in die Rettungsmedizin antreten möchtest.
Kollege mbela hat eigentlich schon einen wichtigen Tipp gegeben: nicht durch die Nase atmen! Mit ein wenig Übung und Routine kann man das Ekelgefühl auch manchmal "abschalten". Es ist eher eine mentale entspannungsübung die man dann macht wenn man das Übelkeitsgefühl hochsteigen fühlt.
Wenn es Dir ein trost ist, es haben mir schon öfters Kollegen auf die Schulter getippt mit den erstickenden worten "mach ma weiter ih muss..." schwupps und weg waren sie.
Mit der Zeit stumpft man auch ab und es macht einem nicht mehr soviel aus. Ausnahmesituationen kommen einem aber immer wieder unter.
Also: in solchen Situationen durch die Nase atmen und versuchen sich zu entspannen.
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fa7x110
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Beitrag von fa7x110 » 03.03.09, 13:45

Hallo Puzzle

ich glaube wirklich jeder Mitarbeiter egel welchen Rangs hat so sein Steckenpferd. Seien es Gerüche, Anblicke oder Geräusche. Eine Kolleging von mir findet das Würgen beim Erbrechen schlimmer als alles andere, weder Geruch noch anderes stören sie aber wärend der Pateitn würgt muss meist dezent zur Seite treten. Dies ist doch etwas das uns sehr menschlich macht oder?

@mbela
So habe ich auch lange gedacht und dann setzte sich mir der Wurm in den Kopf das die ganzen Moleküle die ich sonst rieche nun in meinem Mund sind und ich sie runterschlucke (total kindisch und albern) aber deshalb atme ich lieber durch die Nase. Dies ist wohl mein Steckenpferd.

puzzle1992
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Beitrag von puzzle1992 » 03.03.09, 18:26

Also ihr lieben,

nochmals danke für die vielen Antworten! Ich denke, dass ein gewisser Gewöhnungsfaktor dabei ist. Ich perönlich habe z.B. auch kin Problem damit, Urinbeutel zu entleeren (Mein Papa nimmt mich manchmal mit auf die Arbeit -->Intensivstation), wo andere Probleme mit haben. Wenn die nächsten Ferien kommen, werde ich versuchen, wieder jmd. zu finden, der Lust hat, mich auf KTW-Schicht mitzunehmen, und dann werde ich versuchen, eure Ratschläge anzuwenden. (Dürfte kein Problem sein, hatte bis jetzt immer mind. eine Patienten, dem im liegen schlecht wurde oder wie auch immer). Aber ich werde meine Mitfahrer darauf hinweisen, dass ich da etwas empfindlich bin, das wird schon klappen.

Liebe Grüße
puzzle1992

PS: Danke für die schnellen und zahlreichen Antworten, werde jedenfalls öfter in diesem Forum vorbei guggen, da kann ich noch was lernen :D

Izzy
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Beitrag von Izzy » 04.03.09, 15:12

puzzle1992 hat geschrieben:...Aber ich werde meine Mitfahrer darauf hinweisen, dass ich da etwas empfindlich bin, das wird schon klappen. ...


Das ist eigentlich das wichtigste in der Teamarbeit, das miteinander reden, denn nur wer die Klappe aufmacht, dem kann man auch helfen. Oder anders ausgedrückt: melden macht frei und belastet den Vorgesetzten.
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Beitrag von Uwe Hecker » 04.03.09, 19:45

(Dürfte kein Problem sein, hatte bis jetzt immer mind. eine Patienten, dem im liegen schlecht wurde oder wie auch immer).


Hierzu noch ein Tipp aus der Praxis: Patienten, wenn mgl. Oberkörperhoch lagern, viel kommunizieren und evtl. noch 1 - 2 Liter O2 über eine Nasensonde wilft Wunder. Zwar hat Sauerstoff meines Wissens keinen antiemetischen Effekt, dennoch aber fühlen sich die Patienten damit oft besser betreut.Gleicher Effekt übrigens wie bei Leuten, denen es im reisebus schlecht wird, einfach mal die Klimaanlage etwas um die Nase wedeln lassen.

Gruß

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 04.03.09, 19:50

Der antiemetische Effekt von Sauerstoff wurde in einer schweizer Studie bewiesen. Ich hab sie jetzt allerdings nicht da, müsste man mal pubmed fragen.
Erik Eichhorn
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Beitrag von Land-Ei » 04.03.09, 21:11

Hallo Puzzle,
Sie sind nicht allein, ich hab auch schon "sympathiegek*" ...
Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: in einen Einmalhandschuh paßt nicht viel rein... ;-)
Wie Kollege Eichhorn schon sagte, absolut tagesabhängig.
Mal scherzt man und witzelt mit dem behandschuhtem Finger im Erbrochenen rührend: "da könnte man noch eine Bowle ansetzen" und das andere Mal braucht mal selber eine zweite Nierenschale.
Grüße,
Land-Ei

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Einmalhandschuhe

Beitrag von orca » 03.08.09, 09:49

Guten Morgen,

ich hätte eine frage, zwar nicht direkt zu Erbrochenem, etc., sondern: Gewöhnt man sich an das Gefühl von Einmalhandschuhen auf der Haut oder mauss man es von der ersten Sekunde an mögen?

Mit freundlichen Grüßen

orca

Izzy
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Beitrag von Izzy » 03.08.09, 10:10

Ich glaube "mögen" ist zuviel gesagt. Man gewöhnt sich an die Dinger, aber woran genau störst Du dich? Das andere taktile Empfinden, die schweißfinger nach ein paar Minuten tragen oder der Geruch den manche (je nach Hersteller) verströmen?
Wenn es Dir auf der Haut juckt könnte es vielleicht sogar ein Allergie sein.

An das andere empfinden gewöhnt man sich recht schnell, die normalen Latex Handschuhe sind ja auch eher etwas dünner. Die Nitril sind da schon was härter und fester. Aber Pulse o.ä. kann man damit auf alle Fälle locker palpieren.
Die Vinylhandschuhe taugen in meinen Augen gar nichts und fühlen sich in der Tat auch sehr seltsam auf der Haut an.

Wie oft hattest Du die Dinger denn schon auf der Haut?
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Beitrag von orca » 03.08.09, 11:16

Hi Izzy, mich stört eher das taktile Empfinden und das Quietschen. So ca. 5 mal müssen es gewesen sein, aber da ich nur Ersthelfer bin kommt man nicht so oft damit in Berührung.

Danke für die schnelle Antwort

orca

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