Algorithmus Ersthelfer kommt zum Verkehrsunfall

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Bambi
Topicstarter

Algorithmus Ersthelfer kommt zum Verkehrsunfall

Beitrag von Bambi » 11.11.04, 08:57

Hallo,
ich muss im Studium ein Projekt bearbeiten "Ersthelfer kommt zum Verkehrsunfall" Ausgegangen wird von einem Leihen ohne Ausbildung und wir sollen ihn befragen und einen Behandlungsvorschlag unterbreiten.
Hab jetzt zwei grundsätzliche Probleme:
1. Reanimation: Richtlinie sagt aus erst Basismaßnahmen, dann Notruf! Nun gehört eine REA zweifelsfrei zu den Basismaßnahmen, aber die kann lange dauern. Wann also bei einer REA den Notruf absetzen? Während der REA dürfte das schwierig werden.
2. Triage: Einzelne Person kommt zu verschiedenen Verletzten. Code blau wurde schon ausgesondert. Welche Patienten aus Code Rot sind zuerst zu behandeln? Person im brennenden Auto, starke und lebensbedrohliche Blutung, Bewussstloser, ... (Immer im Hinterkopf: "Wo kann der Ersthelfer mit Verbandskoffer und evtl. noch Feuerlöscher überhaupt adäquat in endlicher Zeit helfen)
Hoffe ihr könnt mir helfen
Danke im Voraus.
Gruß Bambi

Gast
Topicstarter

Beitrag von Gast » 11.11.04, 14:06

Hallo Bambi!
Zu Punkt eins steht in den neuen Richtlinien des DRK für die Erste-Hilfe-Ausbildung
Notarztruf schnellstmöglich, vor Einleitung der Basismaßnahmen. Früher wurde unterrichtet, man soll zuerst ein paar Zyklen reanimieren und dann den NA bzw. RD alarmieren, heute sagt man sofort den RD / NA zu alarmieren und dann die Basics starten, sodaß schnellstmöglich medizinisches Fachpersonal eintrifft.
Zu Punkt zwei ... nun ja ehrlich gesagt eine Triage von einem Ersthelfer zu verlangen halte ich persönlich für eine sehr fragliche Aufagabe. Wenn der Ersthelfer zu einem ereignis mit mehreren Verletzten kommt wird nicht wie medizinisches Fachpersonal sortieren, sondern dort Hilfe leisten wo er es am notwendigsten hält (unabhängig von der medizinischen Notwendigkeit) - vielleicht seh ich den Punkt 2 ein bisschen zu realistisch, als daß ich da hätte helfen können.
Gruß
Thomas :P

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 13.11.04, 07:49

Nur eine kurze Anmerkung zu Punkt 1:

Vor dem Notruf stehen nur die sogenannten lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Das heißt, z.B. entfernen des Verunfallten aus dem unmittelbarem Gefahrenbereich, stabile Seitenlage. Die Reanimation gehört schon zu den erweiterten Maßnahmen und folgt damit bei ERWACHSENEN !!! dem Notruf. PHONE FIRST....
Bei Kindern legt man eher ein hypoxisches Geschehen wie Bolus zugrunde, deshalb soll erst für ein, zwei Minuten reanimiert werden. PHONE FAST...
Erik Eichhorn
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DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin

Bambi
Topicstarter

Beitrag von Bambi » 18.11.04, 08:12

Anonymous hat geschrieben:... Zu Punkt zwei ... nun ja ehrlich gesagt eine Triage von einem Ersthelfer zu verlangen halte ich persönlich für eine sehr fragliche Aufagabe. ...

Das ist schon klar. Darum soll das Programm, welches wir schreiben sollen auch dem Ersthelfer sagen, wen er jetzt als nächsten versorgen soll.
Wir hatten uns gedacht eventuell zu empfehlen nach Ausschluss der Patienten, denen nicht mehr zu helfen ist, die Patienten als nächstes zu versorgen, die eine rote Karte bekommen würden und denen am schnellsten zu helfen ist. (Mensch aus brennendem Auto ziehen und Druckverband anlegen dann gleich zum nächsten.) Dann könnte unser armer Ersthelfer möglichst vielen Verletzten helfen.
Jemand ne Meinung dazu?
Gruß Jens

G@st
Topicstarter

Beitrag von G@st » 18.11.04, 09:34

Ich bin gespannt, wie das in der Praxis funktionieren soll.

Zuzüglich zum EH Koffer noch einen Handheld PC ?

Leute mit Hausverstand machen in der Regel das richtige. Der Rest steht so und so daneben und ist zum Helfen nicht zu motivieren.

Bei einem Unfall mit mehreren Verletzten ist das wichtigste, daß einer die Initiative ergreift und andere umstehende zur Unterstützung auffordert.

Im Regelfall ist die Zeitspanne bis zum Eintreffen (Hilfsfrist) so kurz, daß nicht mehr drinnen ist als ein Beginn der Basisversorgung.

Viel Zeit für viel Triage ist da nicht.

Bambi
Topicstarter

Beitrag von Bambi » 18.11.04, 10:40

Ihr habt ja alle recht. :oops:
Des ist ja auch nur ein Studienprojekt und wird nie in der praxis zum Einsatz kommen - also alles nur theoretisch.
Obwohl mir die Idee mit dem Ersthelfer und den Handheld echt gut gefällt :shock: :lol: :shock:

Smurf
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Beitrag von Smurf » 20.11.04, 15:05

Hallo Bambi,
brauchst nicht rotzuwerden. :lol: , deine Fragen sind doch gerechtfertigt.
Gebe dem Thomas und den anderen Recht.
Schau, wenn du dich schon mit dem Thema beschäfftigst, wirst du (bzw. jeder Ersthelfer, der die Initiative ergreift) auch rein intuitiv handeln.

Ein Patentrezept gibt es nicht.
Allgemeines Vorgehen
Schauen: - Situation überblicken (wie viele Verletzte, wie schwer, ...) -> Die Laientriage wird so indirekt angewandt.
Denken: - Weitere Gefahren erkennen
Handeln: - Fachhilfe alarmieren
(ABCD-Schema für Ersthelfer anwenden)

Derjenige, der für am bedrohtesten (egal ob im brennenden Auto, bewusstlos, etc.) angesehen wird (und hier bewertet der Ersthelfer rein subjektiv) , wird versorgt.
Zwei Patienten wird kaum einer gleichzeitig "reanimieren" können :wink: .

Es kommt darauf an, DASS man etwas tut, hilfst du einem, hast du EINEM geholfen!
Also:
- Lebensrettende Sofortmaßnahmen (dazu gehört nicht der BLS), dabei holst du den Pat. z.B aus dem brennenden Auto.
- Notruf (s. Erik -> Phone first/fast)
- danach fängst du an, dem Patienten zu helfen, welcher dir als am gefährdesten erscheint (der Rettungsdienst macht nicht viel anderes, welcher Patient als "hoffnungslos" angesehen werden darf, entscheidet der NA)
So und damit hast du viel getan.

Gast
Topicstarter

Beitrag von Gast » 18.12.04, 14:26

Ich hatte das gefühl das hier eine grundlegende Sache vergessen wurde.

In der Ersten-Hilfe wie im Rettungsdienst gilt "Eigenschutz geht vor!"

deshalb unterrichte (zumindest ich) das der Ersthelfer zuerst ein Warndreieck aufstellen soll, bzw jemanden damit beauftragen sollte.
danach erst sollen weitere Massnamen ergriffen werden.

Schema wie folgt.

1. Abstellen des eigenen KFZ (in fahrtrichtung) hinter der Unfallstelle (um gegen nachfolgenden Verkehr geschützt ist)
2. Einschalten der Warnbklinkanlage (zusätzlicher Schutz)
3. Aufbau des Warndreiecks am KFZ (Schon vor dem Aufstellen aufbauen, und auf dem Weg zum Aufstellpunkt vor sich halten)
4. Erkundung der Unfallstelle

usw.

Paravatar
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Beitrag von Paravatar » 18.12.04, 14:28

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Diagnose, die - Ärztliche Kunst; besteht darin, den Gesundheitszustand der Börse eines Patienten festzustellen, um zu wissen, wie krank man ihn machen darf.
(Ambrose Bierce)

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