Erste Hilfe Set für (Eis-) Schwimmen

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Otscho
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Erste Hilfe Set für (Eis-) Schwimmen

Beitrag von Otscho »

Hallo zusammen,

ich bin Schwimmer und trainiere oft mit anderen im Freiwasser, teilweise auch mal "in der Pampa", also etwas weiter weg vom nächsten Haus. Wir machen dies das ganze Jahr und trainieren im Winter speziell für Eisschwimm-Wettkämpfe. Wassertemperaturen sind dabei bis auf 1-2 Grad runter, Schwimmdauer bis maximal 30 Minuten, wobei diese Dauer dann eher bei ~5 Grad ist.
Wir haben in der Gruppe einige sehr erfahrene Schwimmer, ich selbst war auch schon WM-Teilnehmer und würde mich dazu zählen. Daneben gibt es aber auch Leute, die neu dazukommen, einfach mal aus Gaudi mitmachen wollen, evtl. auch keine guten Schwimmer sind. Es ist klar, dass beim Schwimmen in irgendwelchen Seen oder Flüssen immer mal etwas passieren kann, bei sehr kalten Temperaturen ist die Gefahr natürlich ungleich größer, gerade für die Unerfahrenen. Einige von uns möchten sich deshalb ein Erste Hilfe Set speziell für diese Situation zusammenstellen. Wir haben keinen medizinischen Background, müssen uns also darauf beschränken, was der Laie kann und darf. Abgedeckt sein soll sowohl Schwimmen bei normalen Temperaturen als auch im speziellen natürlich die Situation des Eisschwimmens.

Gefahren die ich sehe:
- starke Unterkühlung bis hin zu geistigen Einschränkungen oder "Kälteidiotie"
- Krampf
- Wasser geschluckt / Atembeschwerden
- Kreislaufprobleme nach dem Schwimmen (kann z.B. durch zu schnelles Aufwärmen passieren)
- Aufschneiden der Füße an Glasscherben oder spitzen Steinen im Wasser (beim Eisschwimmen gefährlich, da die Füße danach taub sind, man merkt es im Grunde nicht)
- SIPE-Syndrom (das ist eine Art schwimmspezifisches Lungenödem, das sehr plötzlich auch bei trainierten Sportlern auftreten kann.)

Ich würde mir nun gerne Tipps holen, was man in ein solches Set packen kann und was man bei diesen Notfällen machen kann.
Meine Gedanken dazu:
- Rettungsdecke (ich habe eine dickere Version als die normale Folie)
- Wärmepads (speziell zum Erwärmen der Hände und für etwas Wärmeabgabe unter der Rettungsdecke. Zu schnell aufwärmen darf man nicht.)
- Ein normales Erste Hilfe Set. Dazu Wundspray zum Reinigen, weil in solchen Situationen auch immer viel Dreck rein kommt. Evtl. kleine Flasche Wasser zum Abspülen.
- Traubenzucker, Energieriegel, etc.
- Magnesium (bringt das irgendwas, wenn jemand schon Krämpfe hat? Würde vermuten, eher nein)
- Energydrink mit Koffein, um den Kreislauf hoch zu kriegen (Mir ist es selbst schon passiert, dass ich fast zusammengeklappt wäre, weil ich mich zu schnell aufgewärmt habe. Spezielle Frage: Koffein ist beim Eisschwimmen normalerweise tabu, weil es die Adern weitet und somit die Kälte schneller in den Körper kommt. Gerade nach dem Eisschwimmen wegen Schalenbildung des Körpers gefährlich. Wie ist es aber, wenn der Kreislauf total runterfährt?)
- Genug Handtücher und warme Getränke sollten sowieso immer dabei sein

Was kann man bei Atembeschwerden machen? Gibt es ein Spray das hilfreich ist und das man verwenden darf? Asthmaspray ist ja z.B. normalerweise verschreibungspflichtig.
Was kann man beim SIPE-Sydrom machen? Ich vermute als Laie erstmal garnichts.


Danke für ein paar Anregungen.

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jaeckel
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Re: Erste Hilfe Set für (Eis-) Schwimmen

Beitrag von jaeckel »

Hallo Otscho,

bei risikoreichen, abgelegnen oder größeren Wettkämpfen sollte ein Sanitätsdienst im Standby vor Ort sein. Einfach mal bei den Hilfsorganisationen nachfragen. Bei kleineren Veranstaltungen sind aufmerksame Begleitpersonen und das Handy der Lebensretter (112), da die Hilfsfristen in D relativ kurz sind.

Zum SIPE-Syndrom:
Gewöhnlich verschwinden die Symptome spontan innerhalb von 24 Stunden. Hilfreich sind betaadrenerge Agonisten (z. B. Salbutamol) und Diuretika sowie Steroide unter antibiotischer Abschirmung. [...]
Die Sportler sollten sich vor dem Beginn des Schwimmwettbewerbs langsam im Wasser akklimatisieren und sehr langsam beim Schwimmwettbewerb starten. Und last but not least sollten die Athleten bei den vorausgegangenen Wettbewerben nicht extrem viel getrunken haben. Salbutamol (max. 1.600 μg pro 24 Stunden = 8–12 Hübe) gilt heute nicht mehr als Dopingmittel, die Einnahme muss aber vor dem Wettbewerb auf dem Dopingkontrollzettel gemeldet werden.
Quelle: https://link.springer.com/article/10.10 ... 017-1119-8

Als Notarzt wurde man vor Ort Sauerstoff mit Überdruck über Maske (CPAP) geben. Das ist in jedem Rettungswagen verfügbar.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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