Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Moderator: DMF-Team

Antworten
2017Kirsten
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 25.06.17, 15:16

Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Beitrag von 2017Kirsten » 25.06.17, 18:41

Hallo,

Ich recherchiere für meinen Jugendroman, den ich von der ursprünglichen Verletzung aufgrund der Folgen des Strafgesetztes abmildern/abändern muss und hoffe auf nette Hilfe bei der Konstruktion

Folgendes:
Mein Opfer (18) wird vom Täter (17) erst mit einem Messer am Bauch angeritzt in einer Kampfszenen) und kurz darauf ins Bein gestochen. Das Messer wird wieder herausgezogen.

Wie lange könnte es dauern, bis mein "Verletzter" das Bewusstsein verliert durch Blutverlust, bevor die Rettungskräften eintreffen. Mit Wiederbelebung hat ein Passant dann angefangen.

Was wird dann alles geprüft und an Medikamenten verabreicht am Unfallort. Was macht man dann mit dem Bein?

Nach Möglichkeit sollte ein Defibrillator zum aeinsatz kommen, was erfolgreich schon beim ersten Mal sein kann.

Natürlich ist der Notarzt anwesend. Mit welchen Worten und Fachausdrücken unterhalten sich die Fachkräfte, während sie sich um den Patienten kümmern dabei. Welche Diagnosen (Fachausdrücke) könnten fallen?

Könnte er mit dem Hubschrauber abgeholt werden?

(In der Klinik müsste er 3 Tage auf der yintensivstazion bewusstlos sein oder im Koma liegen, ist das möglich? Anschließend regeneriert er sich so gut, dass er nach dem 10. KH-Tag ohne Folgeschäden entlassen werden kann.
Er sollte nach 4 Wochen Schlagzeugspielen können und Autofahren auch

Es wäre unglaublich toll, wenn mir hier jemand dabei helfen könnte, diesen Fall realistisch zu gestalten.
Ich würde mich riesig freuen
Eine weitere kürzere Konstruktion im KH wäre vielleicht dann noch von mir später kurz zu erfragen.

Ich möchte mich vorab schon einmal herzlich dafür bedanken :)

Parasympathikus
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 397
Registriert: 07.09.14, 21:15

Re: Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Beitrag von Parasympathikus » 26.06.17, 01:19

Hallo,
Wie lange könnte es dauern, bis mein "Verletzter" das Bewusstsein verliert durch Blutverlust, bevor die Rettungskräften eintreffen.
Das hängt von der individuellen Konstitution ab, wo und wie der Stich in die Beinschlagader ging, und wie schnell etwas gegen die Blutung unternommen wurde. Im ungünstigsten Fall kommt der Betroffene schnell in den hypovolämischen Schockzustand (die A. femoralis ist etwa 1 cm dick, so dass bei kompletter Gefäßeröffnung schon innerhalb von Sekunden ein lebensbedrohlicher Blutverlust eintreten kann). Im günstigsten Fall fließt weniger Blut bzw. die Wunde kann durch Helfer effektiv komprimiert werden, so dass der Betroffene überhaupt nicht bewusstlos wird.
Was wird dann alles geprüft und an Medikamenten verabreicht am Unfallort. Was macht man dann mit dem Bein?
Viel zu prüfen gibt es da nicht, die arterielle Gefäßverletzung ist anhand des hellroten, pulssynchron heraustretenden Blutes eindeutig zu erkennen. Man wird das Areal mit geeigneten Mitteln permanent komprimieren, den Kreislauf stabilisieren und dann ab in die Chirurgie. Ob schon vor Ort manchmal eine atraumatische Gefäßklemmung erfolgt, müsste man einmal die erfahrenen Rettungsdienstler fragen. An Medikamenten wird man vor allem Volumenersatz, Schmerzmittel und Mittel zur Sedierung geben.
Welche Diagnosen (Fachausdrücke) könnten fallen?
Der Notarzt wir von einer penetrierenden Gefäßverletzung der Arteria femoralis sprechen. Im Allgemeinen ist es aber eher nicht so, dass sich die Beteiligten während des Einsatzes permanent medizinische Fachausdrücke um die Ohren hauen. Der Mann hat eine Stichverletzung am Bein mit Blutverlust aus der Beinschlagader, eventuell ist er hämodynamisch instabil bzw. bereits bewusstlos, mit zentralisiertem Kreislauf, mehr gibt es da nicht zu besprechen. Das Handeln hat Vorrang.
Nach Möglichkeit sollte ein Defibrillator zum aeinsatz kommen, was erfolgreich schon beim ersten Mal sein kann
Meines Erachtens nicht sehr realistisch. Die Blutstillung und Volumenauffüllung muss es bringen. Wenn es erst so weit kommt, dass ein Herzstillstand durch zentrale Minderperfusion eintritt, ist eine Defibrillation nicht sonderlich erfolgsversprechend.
Viele Grüße,

Parasympathikus

securo
DMF-Mitglied
Beiträge: 41
Registriert: 09.02.13, 16:00

Re: Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Beitrag von securo » 26.06.17, 14:04

2017Kirsten hat geschrieben: Was wird dann alles geprüft und an Medikamenten verabreicht am Unfallort. Was macht man dann mit dem Bein?
Geprüft werden die Atemwege, die Atmung, der Kreislauf, die Neurologie und das Gesamtbild (sog. ABCDE). Sobald ein Problem erkannt wird, wird dies behandelt. In deinem Falle wird wohl ein C-Problem (Kreislauf/Circulation) vorliegen, welches bei einer Stichverletzung mittels Druckverband und ggf. blutungsstillenden Materialien (z.B. Quick-Clot) behandelt wird.
Infusionen kommen heute nur zurückhaltend zum Einsatz (sog. permissive Hypotonie), d.h. es wird ein Mindestblutdruck angestrebt. Kann eine Blutung (z.B. innere Blutung) nicht gestillt werden, sollte sofort transportiert werden (treat & run), in diesem Fall wird der Einsatz eines gerinnungsauslösenden Medikamentes erwogen.
Mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln ist man in diesen Fällen sehr zurückhaltend.
2017Kirsten hat geschrieben: Nach Möglichkeit sollte ein Defibrillator zum aeinsatz kommen, was erfolgreich schon beim ersten Mal sein kann.
Ein Defibrillator ist normalerweise bei einem Kreislauf-Stillstand (Kammerflimmern) erforderlich, der seine Ursache am Herz hat, z.B. ein Stillstand auf Grund eines Herzinfarktes oder auf Grund von Stromeinwirkung . Bei Blutverlust kommt es im Extremfall aber zum Herzstillstand (Asystolie), wo kein Defibrillator angewandt wird.
2017Kirsten hat geschrieben: Natürlich ist der Notarzt anwesend. Mit welchen Worten und Fachausdrücken unterhalten sich die Fachkräfte, während sie sich um den Patienten kümmern dabei. Welche Diagnosen (Fachausdrücke) könnten fallen?
Die Frage stellt sich, in wie weit hier auf einen Notarzt gewartet wird, dies ist regional unterschiedlich.
2017Kirsten hat geschrieben:Könnte er mit dem Hubschrauber abgeholt werden?
Kann schon, man muss sich halt die Frage stellen, ob der Hubschrauber wirklich einen Zeitvorteil bringt und dies wird häufig überschätzt.

2017Kirsten
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 25.06.17, 15:16

Re: Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Beitrag von 2017Kirsten » 26.06.17, 21:41

Hallo und danke für die Antworten, die mir schon etwas helfen.
Allerdings benötige ich noch ein bisschen Hilfe bei der Konstruktion.

Das Handeln hat Vorrang:
Muss ich mir das so vorstellen:
Ein Assistent kümmert sich um d. Kompression d. Beines während der Notarzt die Vitalfunktion überprüft? Dabei bittet er einen weiteren Assistenten bestimmte Medikamente fertig zu machen, ihm zu reichen. Währendd. Kümmert sich ein Sanitäter um die Beatmung und ein weiterer legt einen Zugang für Volumenersatz? ( wie heißt es und wie sieht es aus?)
Ist es realistisch, dass sich 4-5 Personen gleichzeitig um den Verletzten kümmern?

Es spielt in der Hamburger Grossstadt ca. 01:00 Uhr nachts.

Dass manches nicht realistisch ist oder unwahrscheinlich mag ja sein, trotzdem ist es für die Spannung d. Buches wichtig, eine Handlung zu finden, die sowohl realistisch als auch spannend sein könnte.

Wenn der Kreislauf stabil ist, dann ist er ja auch nicht mehr 3Tage bewusstlos/Koma auf d. intensivst.
Also müsste vielleicht noch etwas passieren. vielleicht. Eine medikamentenunverträglichleit, hier ist d. Fantasy keine Grenzen gesetzt.

Es darf mir gerne jeder eine tolle Idee nennen, wie die Handlung sein könnte :-)

Fakt: Bei Eintreffen des RTW/NTW ist der Patient bewusstlos, Atmung hatte gerade ausgesetzt, die Arterie muss nicht komplett durchtrennt sein, Wiederbelebung? Hubschraubertransport wäre gut.

Wäre toll, wenn ich die eine oder andere Idee bekäme

securo
DMF-Mitglied
Beiträge: 41
Registriert: 09.02.13, 16:00

Re: Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Beitrag von securo » 28.06.17, 19:58

Ich halte es für wenig realistisch, dass in Hamburg in der Nacht im Stadtgebiet ein Hubschrauber landen wird.

2017Kirsten
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 25.06.17, 15:16

Re: Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Beitrag von 2017Kirsten » 03.07.17, 18:47

Ich hätte da noch die Frage mit der Asystolie.

Könnte ich das vielleicht einbringen? Was ist es genau, wie äußert sich das und was machen die Rettungskräften dann? Geben sie Medikamente? Vielleicht würde das in meiner Geschichte ja passen.

Habt Ihr nicht noch eine Idee, was noch als Komplikation auf dem Weg oder im KH passieren könnte, was ihn noch 2 Tage außer Gefecht und nicht ansprechbar sein lässt?

Man kann sich zwar heutzutage viel im Internet anlesen, aber oft wird aus der realen Welt es doch noch anders geschildert.

Ganz real wird es zwar nicht gehen, aber ich habe schon viel hier dazu gelernt.
Übrigens komme ich aus dem Reha-Bereich, ich schicke die Leute anschl. oft zur Kur :-)

Dankeschön vorab!

securo
DMF-Mitglied
Beiträge: 41
Registriert: 09.02.13, 16:00

Re: Romanrecherche: Messerstich am Bein (Arterie Femoralis)

Beitrag von securo » 05.08.17, 13:03

Beatmung & Herzmassage und intravenöses Adrenalin sind die Massnahmen bei Asystolie. Und die Suche/Behandlung nach potentiell reversiblen Ursachen.

Antworten