Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

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Lizard
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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von Lizard » 13.01.14, 10:57

Hmm...

das weitere Vorgehen würde ich vom Zustand des Patienten abhängig machen. Eine solch hohe Frequenz bei vorgeschädigtem Herz kann ja leicht eine Ischämie provozieren.
Wenn der Patient subjektiv wenig Beschwerden angibt und stabil erscheint, würde ich ihn (natürlich i.v. Zugang) unter engmaschigem Monitoring in eine Kardiologie bringen.
Vorher nochmal den Herzrhythmus reevaluieren :D

Ist der Patient instabil sollte man über eine RSI mit anschliessender Kardioversion nachdenken.
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

fa7x110
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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von fa7x110 » 13.01.14, 14:56

Kurze Analgosedierung und cardioversion. Denke eine Vollnarkose wuerde haemodynamisch ganz schoen zu knabbern geben. Dazu noch etwas Volumen 250ml-500ml um den RR constant zu halten.
mfg Marcus

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downcase
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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von downcase » 15.01.14, 06:24

ich hoffe jemand macht vor der terminierung der tachykardie ein 12kanal-ekg. daran hängen extrem wichtige entscheidungen hinsichtlich der behandlung im weiteren verlauf. und ja, dafür ist er stabil genug, wenn man die zeit und den blutdruck hat, mit amiodaron uzu arbeiten.

grüße

downcase

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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von Dr. A. Flaccus » 15.01.14, 14:29

Also...

...natürlich schreiben wir ein 12-Kanal-EKG.
...und der pat. wirkt zunehmend erschöpft. RR jetzt noch 80/50 mmHg.
Dr. A. Flaccus
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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von pOtH » 16.01.14, 01:58

Dr. A. Flaccus hat geschrieben:Alarmmeldung: "Z.n. Krampfanfall", auf Nachfrage erklärt die Leitstelle, der Pat. komme schon wieder zu sich.
BZ: 121 mg/dl
Sichtbar wird eine Tachycardie von 260 Schlägen pro Minute (220 bis 285).
RR jetzt noch 90/60.
Laienvermutung (also nicht steinigen wenns nicht stimmt!) ; je nachdem wann das letzte mal etwas gegessen wurde -> Pseudohypoglykämie

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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von fa7x110 » 16.01.14, 14:36

Sorry dachte das 12 Kanal waere gemacht. Mein Fehler, vor Amiodarongabe wuerde ich immer ein 12 Kanal machen.
Was sagt es den? Immer noch VT oder sind wir doch eher SVT?
Bei dem Blutdruck und der Frequenz denke ich ausser Strom (Amiodaron brachte ja nix) gibt es wenig zu versuchen.
mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic

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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von downcase » 17.01.14, 06:20

hallo,

also an der tatsache, dass er elektrokardiovertiert werden muss, gibt es nicht wirklich was zu deuteln. dafür muss eine kurznarkose, analgosedierung oder wie immer man das nennen will, her. da muss man sich dann sorgen um den atemweg machen, wenn er grade erst gegessen hat. der blutdruck wird sich ja mit sehr hoher wahrscheinlichkeit stabilisieren, sobald die tachykardie terminiert ist.
wenn man nicht grade eine ileus-einleitung mit sofortiger intubation machen möchte (was aber vermutlich eine option wäre), könnte ich mir folgendes vorstellen:
klebeelektroden drauf, in (stabile) seitenlage bringen, 0,3 mg/kg eto +/- ca. 5 mg midazolam und blitz.
im sinusrhythmus würde ich noch mal ein ekg machen wegen der möglichkeit eines infarktes, obwohl monomorphe vts nicht typischerweise unter akuten infarkten auftreten kommt das schon mal vor.
der pat sollte dann in eine kardiologie, möglichst mit einer elektrophysiologischen ausrichtung/subdivision.

grüße

downcase

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Re: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"

Beitrag von Dr. A. Flaccus » 17.01.14, 13:55

So ähnlich wie downcase es vorgeschlagen hat, haben wir´s dann auch gelöst:

Zur Analgesie gab es 0,1 mg Fentanyl und dann noch 50 mg Propfol dazu.

Biphasisch 150 Joule synchronisiert -> Kammerflimmern! Darunter "krampft" der Patient erneut!
Sofort 200 Joule hinterher -> Sinusrhytmus um 100/min., sofort tastbarer Puls und das Krampfen sistiert.

Während der Transportvorbereitungen kommt der Patient wieder zu sich, RR jetzt 120/70.

Im Anschluß dann komplikationsloser Transport in Krankenhaus.

Ich hatte das Fallbeispiel gewählt, weil das Team hier schnell auf etwas "neurologisches" gebahnt wurde: Alarmmeldung, EEG-Hinweis des Partners...
Außerdem ist der Patient wach gewesen und war subjektiv aktuell wenig tangiert.

Da kann man auch schon mal auf den Gedanken kommen, ohne EKG den Transport vorzubereiten, oder? (Klar! Das pflichtbewußte Team macht so etwas niemals nie...)

Danke für die Mitarbeit :)

Gruß

A. Flaccus
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