Schädel Hirn Rettungsdienst

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michi-sivalio
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Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von michi-sivalio » 02.10.13, 16:40

Kann ein notarzt die Schädeldecke am Unfallort bzw im rtw öffnen bei speziellen Notfällen

Anästhesieschwester
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von Anästhesieschwester » 02.10.13, 17:07

Hallo michi-sivalio,

herzlich Willkommen im Forum!

Theoretisch ist das möglich, es gibt sog. Bohrloch-Sets, in denen alles zusammengepackt ist was man für solch einen lebensrettenden Eingriff benötigt. Auch spzialisierte Kliniken halten diese vor, da es oft schneller geht, das Set zum Patienten zu bringen als den Patienten in den OP.
Ob das Material aber tatsächlich im Rettungswagen vorgehalten wird, ist mir nicht bekannt.

Gruß
Die Anästhesieschwester

Muppet
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von Muppet » 02.10.13, 19:03

Hallo,
einen Neurochirurgen bei den ich im Studium Vorlesungen hatte, hat das sogar schon in die Wusste gemacht- geht also schon. Man richtet sich nach die fixierten Pupille mit Mydriasis (> 80% Treffsicherheit) und trepaniert auf diese Seite. Wenn beide Pupillen max. erweitert sind und es um ein geschlossene Verletzung ohne äußeren Zeichen handelt, wird es natürlich spannend...falsche Seite wäre ja blöd.

Soweit ich weiß,macht man das hauptsächlich bei Tentoriumherniation (da zählt jedes Minute, nach max. 90 Minuten ist der Patient tot). Wie oft das aber in Deutschland außerhalb der Klinik passiert? Soweit ich gelernt habe - sehr, sehr selten.
Alles Gute
Muppet

DaniRA
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von DaniRA » 02.10.13, 20:39

Hallo!
Dies würde ich in die Abteilung "Rettungs-Geschichten" schieben....

und im Ernst-dafür wird definitiv kein spezielles "Gerät" mitgeführt, bzw. es wird nicht gemacht.
Grüsse

Muppet
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von Muppet » 02.10.13, 21:02

Hallo,
Dies würde ich in die Abteilung "Rettungs-Geschichten" schieben....

und im Ernst-dafür wird definitiv kein spezielles "Gerät" mitgeführt, bzw. es wird nicht gemacht
da ich vom Wuste geredet habe - war in Afrika, dort gilt wohl handeln und hoffen, das es halbwegs gut endet - dort kann den nächsten Krankenhaus sehr,sehr weit weg sein.

Es wird übrigens seit 1000enden von Jahren gemacht - geschätzte 68% haben es überlebt - sieht man an die Nachwachsungen am Schädel (die die gestorben sind = nichts nachgewachsen) - ohne Betäubung/steriles Umgebung. Theoretisch möglich ist es.

Phileas Fogg
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von Phileas Fogg » 03.10.13, 11:00

Muppet hat geschrieben:Theoretisch möglich ist es.
Ich habe bisher auf keinem RTW/NEF ein Trepanationsset gesehen. Also ist es theoretisch nicht möglich.
Es wird übrigens seit 1000enden von Jahren gemacht - geschätzte 68% haben es überlebt - sieht man an die Nachwachsungen am Schädel (die die gestorben sind = nichts nachgewachsen) - ohne Betäubung/steriles Umgebung.
Ach, und weshalb genau wurden diese Menschen "operiert"? Wegen eindeutigen Hirndruckzeichen? Meines Wissens nach hat man früher psychiatrische Erkrankungen auf diese Weise heilen wollen. Da ging es also nicht nur um die, die mit akuter Einklemmung auffielen.

DaniRA
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von DaniRA » 03.10.13, 12:08

"da ich vom Wuste geredet habe" ?????

- war in Afrika, dort gilt wohl handeln und hoffen, das es halbwegs gut endet - dort kann den nächsten Krankenhaus sehr,sehr weit weg sein.


ich hab dem Thread-Eröffner einfach mal unterstellt-er redet vom deutschen Rettungsdienst

Grüsse

Phileas Fogg
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von Phileas Fogg » 04.10.13, 17:00

Im Übrigen habe ich einige Patienten in Ostafrika nach Schädel-Hirntraumata und mit Hirndruckzeichen gesehen, die mehrere Tage lang über Land in ein geeignetes Krankenhaus transportiert wurden. Und ich kann nur widersprechen, dass dort regelmäßig in der "Wüste" trepaniert wird.

Muppet
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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von Muppet » 04.10.13, 20:40

Hallo,
bei die beschriebenen Fall ging um Einklemmung, 7 jähriges Kind, vom Dach gefallen. Da hat man 90 Minuten zu handeln. Sonst nutzt nichts mehr. Patient ist dann Hirntod.
Trepanation wurde nicht nur bei psychiatrische Erkrankungen gemacht, sondern weil auch die Neanderthaler merkten: Stein-> Kopf = effektiv.
Wurde daher auch bei Kriegsverletzungen gemacht, und zwar sehr früh entdeckt. (noch als man dachte, das Leben vom Herzen abhängt).
Römer/Griecher -> auch gegen Migräne (nicht effektiv natürlich).
Bei böse Geister/Migräne -> Trepanation in engeren Sinn -> Dura meistens nicht eröffnet.
Für etwas ganz gruselig (Psychiatrie) -> Siegburger Siegel. Ähnliche Idee.

Blind unterwegs eine Schädel eröffnen, macht man natürlich in Deutschland nicht, da vermutlich nicht notwendig. Machen eigentlich auch nur Neurochirurgen. Infektionsgefahr ist sehr hoch.

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Re: Schädel Hirn Rettungsdienst

Beitrag von jaeckel » 05.10.13, 09:24

Ein seitliches Schädeltrauma kann zur Zerreißung der Arteria meningea media und damit zu einem epiduralen Hämatom führen.
Die Symptomatik ist typisch und bedarf einer schnellen Operation.
In D spielt die außerklinische Bohrlochtrepanation durch die zeitnahe klinische Versorgung von Polytraumapatienten keine Rolle.
In anderen Ländern kann man sich Konstellationen denken, in denen das als sog. ultima ratio-Behandlung notwendig werden könnte.
vgl. http://flexikon.doccheck.com/de/Epiduralh%C3%A4matom


Über Schädeltrepanationen in Afrika durch Medizinmänner habe auch ich im Studium einen Dokumentarfilm meines Professors für Medizingeschichte ansehen dürfen. Der böse Geist, der die Schmerzen machte, konnte so durch das Loch im Schädel den Menschen verlassen. Die Therapie war nicht nur etabliert sondern auch wirksam.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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