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Pflegekraft und erste Hilfe

28.11.12, 16:18

Hallo zusammen,

da mich das Thema Rettungsmedizin im Moment sehr beschäftigt, von mir eine kurze Frage:

Ist auch eine Pflegekraft im Seniorenheim verpflichtet, nachdem Sie von einem Insassen per Notruf gerufen wurde und der an starker Atemnot leidet, erste Hilfe in Form zum Beispiel einer Herzmassage zu leisten, solange bis der Notarzt da ist?

Vielen Dank für Eure Antworten.

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

28.11.12, 17:35

Jederman ist gemäß seinen Fähigkeiten verpflichtet erste Hilfe zu leisten.
http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__323c.html

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

28.11.12, 17:42

Bei einer Pflegekraft vor Ort, würde ich dieses im Zuge der Garantenstellung nicht sogar erwarten, sondern auch verlangen. Sollte dieses nicht gemacht worden sein, kann über eine Strafanzeige wegen Unterlassung und Verletzung der Garantenstellung nachgedacht werden.

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

28.11.12, 18:51

@ scholz1: Was würde Sie denn davon abhalten, zumindest lebensrettende Sofortmaßnahmen zu ergreifen?
Liegt eine Patientenverfügung vor?

Gruß
Die Anästhesieschwester

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

28.11.12, 18:58

Sorry,

ich habe Ihren anderen Thread erst eben gelesen und kannte den Kontext Ihrer Frage daher nicht.
Ich muss mich Lizard aber anschließen, es fehlen eine ganze Menge Angaben, die für die Beurteilung des Sachverhaltes definitiv nötig wären - und selbst dann ist niemand von uns vor Ort gewesen und kann eine abschließende Stellungnahme abgeben.

Gruß
Die Anästhesieschwester

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

30.11.12, 00:24

Da benötigt man keine tiefergehenden Umgebungsumstände. Hier ging die Frage rein um die Hilfeleistung bei einem Bewohner, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet und da ist die Antwort eindeutig - JA!
HDM und Beatmung sind erforderlich, da es sonst eine Verletzung der Garantenstellung werden kann. Weiterführend eine Unterlassene Hilfeleistung, etc. etc.

Jeder über 18 jährige ist zur Hilfeleistung verpflichtet. Exam. Altenpflegekräfte haben einen EH Kurs besucht. Wenn Sie der Meinung sind, das sie selbst nicht mehr fit genug in diesen Maßnahmen sind, müssen sie einen Refresher besuchen.
Somit sind sie, wie Jaeckel schon erwähnte, schon als Bundebürger dazu verpflichtet, als Pflegekraft kommt dann die Garantenstellung noch dazu.

Gruß,

S.Steingrobe

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

01.12.12, 11:39

Danke für Eure Beiträge,

insbesondere möchte ich mich für die deutliche Klarheit von Ihnen, S.Steingrohe bedanken, dessen Aussage mir sehr gutgetan hat und die ich für sehr wichtig halte.

Ich denke auch, dass eine Pflegekraft oder ein Rettungssanitäter das nicht alleine für sich entscheiden kann, es sei denn, äußere Zeichen des Todes sind bereits sichtbar. Meine Mutter war aber noch bei Bewußtsein, als die Pflegekraft den Notarzt rief.

Ich habe gelesen, das ab dem Zeitpunkt der Bewußtlosigkeit mit jeder Minute 10% der Überlebenschance des Patienten sinken. Das richtige und entschiedene Handeln der diensthabenden Pflegekraft kommt deshalb eine hohe Bedeutung bei.

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

01.12.12, 12:22

S_Steingrobe hat geschrieben:Da benötigt man keine tiefergehenden Umgebungsumstände. Hier ging die Frage rein um die Hilfeleistung bei einem Bewohner, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet und da ist die Antwort eindeutig - JA!
HDM und Beatmung sind erforderlich, da es sonst eine Verletzung der Garantenstellung werden kann. Weiterführend eine Unterlassene Hilfeleistung, etc. etc.

Aha, man braucht keine Umstände zu kennen? Also "HDM und Beatmung sind erforderlich" egal, welche Vorerkrankungen vorliegen, wie die Prognose ist und ob und was für Patientenverfügungen vorliegen? Im Extremfall also auch in so einem Fall:
- Pat ist 102 Jahre alt, bettlägrig, dement und
- Pat. leidet unter einer Krebserkrankung in Finalstadium und
- Pat. hat ausdrücklich verfügt, dass er keine Reanimation wünscht :?:
Lametta in der Signatur hin oder her. So undifferenzierte und dadurch grottenfalsche Antworten hätte ich nicht erwartet, bei einem Rettungsdienst-Ausbilder, der dafür u.a. dafür plädiert, dass man für viele bislang ärztliche Entscheidungen der Notfallmedizin zukünftig keinen Notarzt mehr bräuchte.

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

01.12.12, 17:56

scholz1 hat geschrieben:Ich habe gelesen, das ab dem Zeitpunkt der Bewußtlosigkeit mit jeder Minute 10% der Überlebenschance des Patienten sinken. Das richtige und entschiedene Handeln der diensthabenden Pflegekraft kommt deshalb eine hohe Bedeutung bei.


Hallo! Das ist nicht richtig.
Was Sie meinen ist ein Kreislaufstillstand. In diesem Fall sinkt die Überlebenschance tatsächlich ca. 10%/Minute. Häufig lässt sich ausserklinisch (manchmal auch innerklinisch) jedoch nicht feststellen wann genau ein Kreislaufstillstand eingetreten ist.


lg

Lizard

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

02.12.12, 11:32

jaeckel hat geschrieben:
S_Steingrobe hat geschrieben:Da benötigt man keine tiefergehenden Umgebungsumstände. Hier ging die Frage rein um die Hilfeleistung bei einem Bewohner, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet und da ist die Antwort eindeutig - JA!
HDM und Beatmung sind erforderlich, da es sonst eine Verletzung der Garantenstellung werden kann. Weiterführend eine Unterlassene Hilfeleistung, etc. etc.

Aha, man braucht keine Umstände zu kennen? Also "HDM und Beatmung sind erforderlich" egal, welche Vorerkrankungen vorliegen, wie die Prognose ist und ob und was für Patientenverfügungen vorliegen? Im Extremfall also auch in so einem Fall:
- Pat ist 102 Jahre alt, bettlägrig, dement und
- Pat. leidet unter einer Krebserkrankung in Finalstadium und
- Pat. hat ausdrücklich verfügt, dass er keine Reanimation wünscht :?:
Lametta in der Signatur hin oder her. So undifferenzierte und dadurch grottenfalsche Antworten hätte ich nicht erwartet, bei einem Rettungsdienst-Ausbilder, der dafür u.a. dafür plädiert, dass man für viele bislang ärztliche Entscheidungen der Notfallmedizin zukünftig keinen Notarzt mehr bräuchte.


Sehr geehrter Herr Jaeckel,

diese Komponenten sind gar nicht befragt worden. Die Frage die eingangs gestellt wurde war:
"Ist auch eine Pflegekraft im Seniorenheim verpflichtet, nachdem Sie von einem Insassen per Notruf gerufen wurde und der an starker Atemnot leidet, erste Hilfe in Form zum Beispiel einer Herzmassage zu leisten, solange bis der Notarzt da ist? "

Darauf hin waren meine Antwort auch absolut rechtskonform.
Die Variablen die Sie hier in den Raum werfen wären dann zu diskutieren, aber auch hier gilt (bis auf die Patientenverfügung), es muss reanimiert werden. Rechtlich ist die Situation dort relativ eindeutig.
Sie wollen doch die Entscheidung über die Einleitung von Wiederbelebungsmaßnahmen nicht in die Hände von nicht-Ärzten legen, oder doch?

Wir wollen hier nicht in eine berufspolitische Diskussion verfallen Herr Jaeckel, die steht den Ärzten derzeit nicht sehr gut zu Gesicht was unser jetziges und künftiges Berufsbild anbelangt.

Viele Grüße,

S.Steingrobe

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

02.12.12, 21:41

S_Steingrobe hat geschrieben:Wir wollen hier nicht in eine berufspolitische Diskussion verfallen Herr Jaeckel, die steht den Ärzten derzeit nicht sehr gut zu Gesicht was unser jetziges und künftiges Berufsbild anbelangt.

Interessant. Können Sie das ein wenig erörtern ?

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

03.12.12, 09:02

Vgl. z.B. viewtopic.php?f=52&t=108001

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

03.12.12, 14:05

Lizard hat geschrieben:
S_Steingrobe hat geschrieben:Wir wollen hier nicht in eine berufspolitische Diskussion verfallen Herr Jaeckel, die steht den Ärzten derzeit nicht sehr gut zu Gesicht was unser jetziges und künftiges Berufsbild anbelangt.

Interessant. Können Sie das ein wenig erörtern ?


Kurz umrissen. Derzeit steht das Notfallsanitätergesetz auf dem Prüfstand und wird vor dem Bundesrat und Bundestag verfeinert, um es dann verabschieden zu können. Viele wesentliche Punkte wurde schon festgelegt, die anscheinend keiner weiteren Veränderung mehr bedürfen.

Unter anderem der Fakt, das der Notfallsanitäter der erste nicht-ärztliche Beruf sein wird, der die Heilkunde außerhalb des HPG legitimiert ausüben darf.

Im Vorfeld hatten Ärzteverbände mit populistischen Reden und Statements versucht, die Inhalte zu verändern, um die Professionalisierung zu verhindern. Dahingehend gab es u.a. die "Braunwalder Erklärung" die mit über 4000 Unterschriften der RettAss an Bundesgesundheitsminister Bahr überreicht wurde und dafür geworben hat, eine Diskussion auf Augenhöhe z.B. mit den Ärzten zu führen.
Dieses war im Vorfeld leider nicht möglich, da reinweg Panikmache und falsche Interpretationen des Gesetzes die Basis für deren Statements waren.

Nun ist es auf dem besten Weg, das unserere Berufsgruppe sich weiter entwickelt, frei von jeder Fremdbestimmung und so sollte es auch bleiben.

Weiterführnde Infos:
http://www.bundesrat.de/cln_227/SharedDocs/Drucksachen/2012/0601-700/608-12,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/608-12.pdf

http://www.bundesrat.de/cln_227/SharedDocs/Drucksachen/2012/0601-700/608-1-12,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/608-1-12.pdf

http://www.bundesrat.de/cln_227/SharedDocs/Drucksachen/2012/0601-700/608-12_28B_29,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/608-12(B).pdf

http://www.skverlag.de/rettungsdienst/meldung/newsartikel/rettungsdienst-petition-an-bundesgesundheitsminister-bahr-uebergeben.html

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

04.12.12, 10:40

Übrigens, als Kuriosum am Rande: Mit Hilfe der Arbeitsstättenverordnung wird gerade in einigen Pflegeeinrichtungen versucht die Kosten der Erste Hilfeschulungen von Pflegekräften zu senken. Leider mMn. auf Kosten der Qualität.

Hintergrund: Aufgrund §40 AStV ist jeder Betrieb verpflichtet, eine gewisse Anzahl X (abhängig von der Größe des Betriebes) an benannten Ersthelfern zu stellen. Dies gilt auch für Pflegeeinrichtungen. Was ein Stück weit unsinn ist, da aufgrund der Fachkraftquote von 50% mindestens die Hälfte eh aufgrund ihrer Qualifikation fit in erster Hilfe sein muss.

Jetzt aber werden sogenannte Ersthelfer benannt und nur noch dieser Personenkreis kommt in den Genuss einer umfangreichen ersten Hilfe Schulung und sollen als "Multiplikatoren" nun die Inhalte an ihr Arbeitsteam weiter geben.
Natürlich billiger, als ggf. alle 2 Jahre die komplette Belegschaft zu schulen, der Qualität aber definitiv abträglich.

Re: Pflegekraft und erste Hilfe

06.12.12, 10:59

Eventuell erhellend:

Therapiezieländerung und Therapiebegrenzung in der Intensivmedizin
Positionspapier der Sektion Ethik der DIVI
http://www.dgiin.de/fileadmin/leitlinie ... k_2012.pdf
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