Apoplex mit Krampfanfall (fokal) ?

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oniel1307
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Apoplex mit Krampfanfall (fokal) ?

Beitrag von oniel1307 » 13.11.12, 19:22

Hallo zusammen,
ich arbeite im Rettungsdienst und hatte neulich einen Einsatz, den ich mir auch nach einiger Google-Recherche noch nicht erklären kann.
Hier nun die Schilderung:
Pat. liegend angetroffen. Vom Pflegedienst ca. 30 zuvor an diesem Tag erstmalig mit Herdblick, Hemiparese rechtsseitig, Aphasie und zuckendem linken Bein vorgefunden.
Babinski war negativ, soweit am zuckenden Bein beurteilbar. Ansonsten keine Reaktion der Patientin auf Aufforderungen (z.B. Finger-Nase etc. ) . Trotzdem konnte sie auf Aufforderung die linke Hand fest zudrücken (rechts gar nicht).
Vitalparameter:
RR 180/100
puls 77
SpO2 85
BZ 11,9 mmol/L
Temp. 35,6
Vorerkrankungen: VHF, Diab. mell. 2, art. Hypertonus, Herz- und Niereninsuffizienz, chronisches Subduralhämatom, Z.n. generalisiertem Krampfanfall mit respiratorischer Insuffizienz.
Der Aussage des Pflegedienstes nach ist die oben beschriebene Symptomatik jedoch erstmalig so aufgetreten und eine akute Verschlechterung des AZ der Pat.
Da für uns in diesem Augenblick kein Notarzt verfügbar war, haben wir nur noch O2 per Brille gegeben, was ausreichte und eine Flexüle (links) gelegt.
Im KH mit Stroke Unit angekommen, meinte der diensthabende Neurologe, dass es sich bei der Symptomatik wohl eher um einen Krampfanfall handeln würde und hat diesen mit einem Benzodiazepin unterbrochen. Herdblick, Parese und Aphasie waren danach dennoch weiterhin vorhanden.
Die Patientin ist anschließend ohne cCT auf die IMC gebracht worden, weshalb ich den weiteren Verlauf leider nicht nachvollziehen konnte.
Nun meine Frage:
Ist es möglich, dass ein Apoplex in der Akutsituation auf einen Krampfanfall hervorruft?
Oder könnte ein Krampf zu Symptomen wie beschrieben führen?
Vielen Dank für die Hilfe!
Gruß, N.

jaeckel
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Re: Apoplex mit Krampfanfall (fokal) ?

Beitrag von jaeckel » 14.11.12, 11:53

Lieber N.,

Krampfanfälle sind im Akutstatium von Hirnblutungen (z.B. bei SAB bis 25% beschrieben) nicht selten. Andererseits können Sie nach jeglichen Hirnstrukturschädigungen in der Folge auftreten. Die Abgrenzung "was ist neu?" ist daher in der Akuitsituation manchmal schwierig und daher die Bildgebung mittels CT Standard.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

fa7x110
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Re: Apoplex mit Krampfanfall (fokal) ?

Beitrag von fa7x110 » 14.11.12, 14:11

Hallo N

in deiner Liste der Vorerkrankungen nennst du 'generalisierter Krampfanfall'. War dies ein einmal Geschehen, oder war/ist die Patienting als Epileptikerin diagnostiziert?
Ohne eine solche Diagnose ist der Verzicht auf eine Bildgebung ueberraschend. Das Alter der Patientin?
mfg Marcus

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oniel1307
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Re: Apoplex mit Krampfanfall (fokal) ?

Beitrag von oniel1307 » 20.11.12, 18:38

Der Krampfanfall war als solches wohl vorher bloß 1x aufgetreten. Allerdings generalisiert und nicht wie in unserem Fall fokal.
@ jaeckel: Warum treten die Krämfe in der Akutphase auf? Was erzeugt bei einem ischämischen Insult den Krampf? Reicht die Hypoxie eines Teilgebietes aus, um einen Krampf zu bedingen?
Vielen Dank für die Antworten!

Muppet
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Re: Apoplex mit Krampfanfall (fokal) ?

Beitrag von Muppet » 20.11.12, 20:05

Hallo,
ein Fokal Anfall (d.h. nur 1 Hirnareal betroffen) kann generalisieren und so wird eine fokalen (d.h. kleinen) Anfall zu ein generalisierten tonisch-klonisch Anfall (grand mal). Allerdings gibt es ein Unterschied zwischen idiopathische generalisierte Epilepsie und fokalen Epilepsien. Und ja, auch kleinere Schäden können zum Anfall führen- besonders wenn frontal/temporal.
Elektrolytentgleisungen, Asystolien durch Schreck, o.ae. können aber auch erstmal wie Grand mal Anfälle aussehen (auch wichtig bei bekannte Diabetiker usw.- da nutzt Lorazepam dann nichts, auch kein EEG Veränderungen vorhanden).

jaeckel
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Re: Apoplex mit Krampfanfall (fokal) ?

Beitrag von jaeckel » 21.11.12, 12:18

oniel1307 hat geschrieben:@ jaeckel: Warum treten die Krämfe in der Akutphase auf? Was erzeugt bei einem ischämischen Insult den Krampf? Reicht die Hypoxie eines Teilgebietes aus, um einen Krampf zu bedingen?
Da muss man ziemlich tief in die Physiologie einsteigen und sich zunächst damit befassen, wie elektrische Membranpotentiale und Erregungen von Nerven und Muskeln in menschlichen Zellen funktionieren. Ähnlich wie es beim Herzen bei struktureller Schädigung zu kreisender Erregung und Flimmern bzw. Reentry-Tachykardien kommen kann, kann es nach struktureller Schädigung der Zellen im Gehirn zu quasi unkontrollierten Entladungen oder kreisenden Erregungen kommen. Genauso wie am Herzen, ist die strukturelle Schädigung aber keine notwendige Bedingung für so etwas. D.h. es können z.B. auch massive Stoffwechselentgleisungen, Elektrolytverschiebungen und/oder Störungen des Säure-Basen-Haushaltes als Auslöser in Frage kommen. Einem ischämischen Insult liegt immer auch ein struktureller zellulärer Schaden zugrunde. Sonst könnte man das z.B. im CT ja nicht erkennen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
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