Frage zur Schocklagerung

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Marc02
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Frage zur Schocklagerung

Beitrag von Marc02 » 05.03.12, 11:42

Hallo Forum !

Einer unserer Jahrespraktikanten erzählte mir kürzlich, dass die Schocklagerung "out" sei. Bei kardiogenen Geschichten war sie das schon immer, das ist klar. Allerdings soll sie gar nicht mehr durchgeführt werden, besser sei eine Flachlagerung.

Zur Begründung sagte er, dass eine Schocklagerung die Atmung erschwere und der Blutrückfluß Druck auf die Organe und besonders Herz und Lunge ausübe.
Wie gesagt, die klassischen Kontraindikationen sind bekannt. Vielleicht hat unser Azubi da auch nur etwas falsch verstanden.

Weiß hier jemand etwas darüber ?

S_Steingrobe
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von S_Steingrobe » 06.03.12, 08:06

Marc02 hat geschrieben:Hallo Forum !

Einer unserer Jahrespraktikanten erzählte mir kürzlich, dass die Schocklagerung "out" sei. Bei kardiogenen Geschichten war sie das schon immer, das ist klar. Allerdings soll sie gar nicht mehr durchgeführt werden, besser sei eine Flachlagerung.

Zur Begründung sagte er, dass eine Schocklagerung die Atmung erschwere und der Blutrückfluß Druck auf die Organe und besonders Herz und Lunge ausübe.
Wie gesagt, die klassischen Kontraindikationen sind bekannt. Vielleicht hat unser Azubi da auch nur etwas falsch verstanden.

Weiß hier jemand etwas darüber ?
Hallo,

in Untersuchungen wurde herausgefunden, das die Schocklagerung im Gegensatz zur Flachlagerung keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf den venösen Rückfluss hat.
Damit ergab sich, das eine Flachlagerung den gleichen Nutzen hat, wie die Schocklagerung.

Bei cardiogenen Schockpatienten mit rechtsventrikulärem AMI ist durchaus eine Flachlagerung indiziert, um den venösen Rückfluss und damit den RVED zu erhöhen, welches zu einem angepassten Auswurf über die Vorspannung des Myokards führt. (ggf. sogar 100/200 ml Ringer oder mehr zusätzlich verabreichen).
MfG Steingrobe
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Marc02
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von Marc02 » 12.03.12, 21:26

Guten Abend !

Vielen Danke für deinen Beitrag. Hast du irgendeine Quelle oder irgendeinen anhaltspunkt für mich um das untermauern oder nachforschen zu können ? :)

blackylein
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von blackylein » 13.03.12, 09:52

Die aktuellen S3-Leitlinien der DGU. Einfach danach Googeln, sind leicht zu finden.

jaeckel
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von jaeckel » 14.03.12, 09:17

Flachlagerung keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf den venösen Rückfluss ...Flachlagerung den gleichen Nutzen hat, wie die Schocklagerung
Mir sind die Untersuchungen, Leitlinien und Empfehlungen bekannt. ABER:

Die klinische Alltagserfahrung beweist dagegen den Nutzen der Beine hoch-Kopftiellage bzw. der sog. Trendelenburg-Lagerung. Anwendungen:
- Anlage von Jugularis-Kathetern (Shaldon-Kathetern/Vorhofkathetern zur Dialyse) wird in Kopftieflage mit sonographischem Nachweis der verbesserten Venenfüllung gemacht, bzw. ist ohne Kopftieflage oftmals garnicht möglich
- Schockzustände bei akutem intravasalem Volumenmangel während des Anfangsstadiums der Hämodialyse mit hoher Ultrafiltrationsrate; hier kann oft schon durch die sofortige Trendelenburglagerung der Bewußtseinsverlust des Pat. durchbrochen werden.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

Marc02
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von Marc02 » 16.03.12, 20:28

Danke, Danke :)

Mha4001908
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von Mha4001908 » 22.04.13, 23:06

Für den Notfall immer geeignet. Es sei denn man kennt die Vorgeschichte. Kardiologische Diagnosen etc.

S_Steingrobe
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von S_Steingrobe » 23.04.13, 08:28

Mha4001908 hat geschrieben:Für den Notfall immer geeignet. Es sei denn man kennt die Vorgeschichte. Kardiologische Diagnosen etc.
Das ist nicht korrekt. Sie müssen z.B. akute abdominale Komponenten gegenüberstellen. Auch die erschwerte Atmung bei Thoraxtraumen etc. etc. steht dem gegenüber. Weiterhin ist die Datenlage nicht sehr valide, bzw. steht teilweise der "Shocklage" gegenüber. Somit ist Ihre Aussage wenig differenziert.
Advanced Care Paramedic - Queensland Ambulance Service (Australia)

fa7x110
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von fa7x110 » 24.04.13, 12:07

Wenn wir hier ueber die kurzzeitige Lagerung sprechen gibt es kaum Gruende dagegen. Bis zur Gabe von Volumen oder Medikamenten ueberbruecke ich sehr gerne mit Lagerung.
mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic

S_Steingrobe
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von S_Steingrobe » 24.04.13, 12:27

fa7x110 hat geschrieben:Wenn wir hier ueber die kurzzeitige Lagerung sprechen gibt es kaum Gruende dagegen. Bis zur Gabe von Volumen oder Medikamenten ueberbruecke ich sehr gerne mit Lagerung.
Wobei die Trendlenburg Position doch eigentlich ausreichend ist und somit eine explizite "Hochlagerung" der Beine keinen besonderen Mehrwert erreicht?! So verstehe ich das Prinzip und auch die Abwägung zwischen Autotransfusion und ggf. Atemerleichterung für den Patienten. Nimmst Du immer die Beine mit hoch?
Advanced Care Paramedic - Queensland Ambulance Service (Australia)

fa7x110
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Re: Frage zur Schocklagerung

Beitrag von fa7x110 » 24.04.13, 13:04

Ich mache das nach klinischer Praesentation und klinischem Verlauf, in meiner Praxis gibt es kein immer und kein nie.
mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic

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