Karotismassage ?

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JP_Zero
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Karotismassage ?

Beitrag von JP_Zero » 14.09.10, 18:48

Hey, wir hatten letztens nen Pat mit unter anderem nem Druck von 175 mmHg sys.
...Nach kurzer Beurteilung war ich dann der Meinung, dass das nicht dabei bleiben sollte. *lach*

Mein Co. meinte nur "Na, versuchs doch mal mit ner Karotismassage!" ...Ich dachte nur wat für'n Ding? ...Also bei mir wollte das ganze irgendwie nicht so wirlkich funzen. Aber egal der NA war dann auch schon vor Ort.

Meine fragen an euch: Wie genau wirkt diese Massage auf den Kreislauf? Warum senkt sich dabei der RR? Und was ist dabei zu beachten? Hat es einer von euch schon einmal ausprobieren können?

Wäre echt klasse wenn ihr mir was dazu schreiben würdet. ...Man lernt ja nie aus ;)

Vielen Dank!
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VK-Retter
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Beitrag von VK-Retter » 14.09.10, 20:54

Wie es funktioniert sagt schon der Name. Leichte einseitige Massage da, wo man den Carotispuls fühlt.
Die Carotissinusmassage fungiert als Vagusreiz und ist zumindest theoretische in der Lage die Herzfrequenz zu senken. Dies ist in erster Linie auch die Indikation (also bei einer regelmäßigen Schmalkomplextachykardie) .
Als Nebeneffekt könnte sich natürlich auch der RR senken (HZV=HF*HSV, RR=HZV*SVR).
Es ist aber nur ein Nebeneffekt und nicht das primäre Ziel. Daher m.E. nicht wirklich geeignet um einen RR zu senken. Dafür gibt es andere und besser Mittel.

Wissen sollte man zur Carotissinusmassage, dass sich bei Arteriosklerose Plaques lösen und ins Gehirn geschwämmt werden können, wo sie Ischämien verursachen können.
Daher sollte nach Arteriosklerose als Vorerkrankung gefragt und nach Strömungsgeräuschen auskultiert werden.
Alternativ bieten sich sämtliche andere Vagusmanöver an.
Ich persönlich habe (vor allem bei Kindern) sehr gute Erfahrung mit einem Eispack, welches ins Gesicht (Mund möglichst frei lassen) gedrückt wird.
Auch eine leichte Augenmassage (bitte nicht bei Kindern) oder das Vasalvamanöver können helfen.
Quid pro quo?

Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 14.09.10, 20:57

Hallo,

Ihre flapsige Art macht mir ein wenig Angst, hoffentlich sind Sie nicht so flapsig im Umgang mit den Patienten.

Hatte der Patient denn irgendwelche Symptome?
Ein systolischer Wert alleine, der zudem nicht erschreckend hoch ist, rechtfertigt keine „Notkompetenzmaßnahme“, erst recht nicht solch eine.

Zur „hypertensiven Krise“ gehören hohe RR Werte (>200/100) plus Symptome (z.B. cardial, neurologisch). Das kann aber nicht vorgelegen haben.

Mit Karotisdruck kann ein Vagusreiz ausgelöst werden, der den Patienten bradykard werden lassen kann - oder asystol - oder bei Carotis-Plaques einen Schlaganfall verursachen kann.

Zur Hypertoniebehandlung nicht geeignet.

Grüße,

Land-Ei

JP_Zero
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Beitrag von JP_Zero » 16.09.10, 20:12

Hey, also erst mal vielen Dank für die Antworten.

Mhhh, also ich hab mir meinen Text noch des öfteren durchgelesen und kann einfach nicht feststellen an welchen Punkten sie diese "Flapsige Art" meinen feststellen zu können. Aber gut, persönliches hat hier nichts zu suchen.

Es ging hier einzig und allein darum ob es ratsam ist die Massage anzuwenden und wie genau das eigentlich geht.

Ich glaube außer einem schlechten AZ war da nicht mehr viel.

Naja, was heißt erschreckend hoch? Also wenn man das Standart nimmt mit 120/80 mmHg dann ist das schon hoch und nicht normal, und damit gesundheitsschädlich.

Zu dem hat es rein körperlich nicht zum Pat. gepasst (wobei ich sagen muss das dies natürlich nicht immer was zu sagen hat).

Soweit ich weiß zeichnet eine Hypertensive Krise nicht der hohe RR ansich aus sondern der schnelle Anstieg in kurzer Zeit.

Aber wie auch immer, ich möchte mich bei ihnen für die schnellen Antworten bedanken!
Viele Grüße
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Beitrag von VK-Retter » 16.09.10, 21:09

Eine hypertensive Krise definiert sich durch die Symptome.
Eine kurzzeitige asymptomatische Hypertonie wird hypertensive Entgleisung genannt.
Und eine Hypertonie von 175mmHg systolisch (wahrscheinlich auch noch bei einem Patienten mit bekannter Hypertonie) ist nicht erschreckend und ganz bestimmt nicht akut lebensbedrohlich. So ein Hypertonus gehört eingestellt, aber das ist nicht die Aufgabe des Rettungsdienstes, sondern eines Internisten.

Ich habe keine Ahnung welchens Ausbildungsstand Du hast, aber da Du im RD arbeitest und damit tagtäglich für deine Patienten zumindest Mitverantwortung trägst rate ich Dir dringend ein wenig tiefer in die Materie einzusteigen.
Kauf/leih Dir ein gutes Buch und viel Spaß damit :)
Quid pro quo?

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Beitrag von fa7x110 » 18.09.10, 00:59

Hallo, das meiste wurde gesagt, sys RR 175mmHg ohne Leitsymptome hat vorallem für einen RA keine Behandlungsindikation.
Zu vagalen Maneuvern nur sowenig. Alle diese Maneuver dienen nur zum Durchbrechen einer tachykardie. Sie müssen richtig angewendet werden und die genannten unerwünschten Wirkungen müssen beherschbar sein. Ich bevorzuge persönlich valsalva, 40mmHg in Rückenlage über 15 Sekunden.
Die Erfolgsquoten sind niedrig und schwanken sehr.
Ja dein Posting war flapsig, dies ist nunmal ein Fachforum und wir versuchen meist vom Wachen erzählstil etwas abzuweichen. Du gewöhnst dich sicher dran, willkommen.
mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic

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