Rettungstechnik aus PKW ?

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Indianerhelm
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Rettungstechnik aus PKW ?

Beitrag von Indianerhelm » 12.03.10, 08:38

Hallo Rettungsprofis,
Ich bin gerade dabei PHTLS Theorie zu lernen um den Lehrgang zu machen.
Darin steht, dass die Wirbelsäule nicht mehr auf "extenzug" gebracht werden soll.
Daraus schließe ich das die Dachabnahme und anschliesende Rettung mit der Schaufeltrage nicht mehr aktuell ist.
Wenn ich das KED-System lese, lese ich das die Anlage ca 4 Minuten dauert. Somit liegt es ca. in der gleichen Zeit wie die Entfernung des Dach beim PKW.

Ist meine Folgerung Richtig?
Wie wird es in den Länder um Deutschland herum gemacht?

Danke

Gruß
indianerhelm
Ps.: exam. RettAss mit 15 Jahren Berufserfahrung

fa7x110
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Beitrag von fa7x110 » 12.03.10, 10:10

Hallo indi (sorry konnte nicht widerstehen),
die Rettung aus einem verunfallten PKW ist immer eine Herausforderung, medizinisch als auch technisch. Eine universell anwendbare Methode gibt es nicht. Eine evtl. geschädigte Wirbelsäule sollte so wenig wie möglich manipuliert werden, dies beinhaltet die Längsachse. Es wird in den meisten pre course study Materialien so explizit darauf hingewiesen Zug in der Längsachse zu vermeiden weil in vielen Köpfen leider immer noch der alte Gedanke der cervical traction vorhanden ist.
Bei der von dir angesprochenen Methode (ich persönlich bevorzuge dabei das longboard) ist Zug auf die Wirbelsäule einfach vermeidbar durch ein gleichmäßiges Bewegen des ganzen Patienten und Vermeiden von Zug an Schultern und Kopf. Genug Hände solltest du durch die technische Rettung haben. Im Allgemeinen reichen zwei Personen auf jeder seite des Patienten (Hüfte und Schulter) sowie eine Person am Kopf.
In deiner 15jährigen Erfahrung solltest du festgestellt haben das die technische Rettung nicht gerade erfreut sind wenn Personal im Innenraum herumwuselt wärend das Fahrzeug destabilisiert wird. Ich persönlich schließe meine Erstversorgung ab, übergebe danach an die technische Rettung wärend ich monitore. Sehe ich die Notwendigkeit eines KEDs, lege ich es danach an und entferne den Patienten aus dem PKW. Rapid extrication versuche ich immer seitlich auf das longboard, dort also auch kein Thema.
Ich glaube du machst es dir zu kompliziert. Die richtige und notwendige Maßnahme zur richtigen Zeit. Mit genug exposition was Trauma betrifft wirst du dabei routine bekommen.
Mfg Marcus

mbela
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Beitrag von mbela » 12.03.10, 15:49

Hallo,

beim PHTLS-Course wirst du die Möglichkeiten der rapid extrication beim instabilen Patienten kennenlernen, dies wird zur Seite mittels back-/spineboard mit evtl boa geschehen. Ich denke die schonende Rettung sollten wir Deutschen können, haben es ja lang genug praktiziert, auch bei instabilen Patienten. Dabei gelten keine Regeln was das Material angeht, jede Rettung ist anders und es gilt die beste Möglichkeit herauszusuchen.

Viel Spass beim Kurs!

Grüße

Markus Bela
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Indianerhelm
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Beitrag von Indianerhelm » 12.03.10, 17:11

Hallo fa7x110
Hallo mbela,
Danke für euere schnellen Antworten.

Ich gebe euch in jeder hinsicht recht. Mir ist halt zusätzlich aufgefallen das weder bei PHTLS noch bei ITLS die Dachabnahme beschrieben steht. Wundert mich, denn sie ist eine Möglichkeit von vielen anderen.


Gruß
indi (hab kein problem damit)
oder Helmut :lol:

VK-Retter
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Beitrag von VK-Retter » 12.03.10, 17:57

Das liegt daran, dass es sich hier um ein Konzept zur schnellen Einschätzung und passenden Versorgung des Patienten handelt. Ist der Patient stabil, dann wird nur noch von der "schonenden" Rettung" gesprochen. Und das kann dann durchaus auch die Dachabnahme und Rettung mit Spineboard nach oben/hinten beinhalten.
Es werden ja nur die Techniken der "schnellen Rettung" besprochen, nicht die technische Rettung als Gesamtkonzept. Würde den Rahmen des Kurses ja auch sprengen.
Haben den Kurs auch schon hinter mir und kann daher sagen, dass diese Art der Rettung nicht ausgeschlossen oder kritisiert wird (es sei denn der Patient ist kritisch/instabil), sondern der Fokus der Kurses einfach nur ein anderer ist..
Quid pro quo?

Izzy
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Beitrag von Izzy » 23.03.10, 00:50

Mein Dozent hat es damals mit einem Satz auf den Punkt gebracht:

"Es ist sch***egal WIE Ihr den Patienten da rauskriegt, hauptsache die Wirbelsäule wird möglichst wenig bewegt."

Das Bilderbuchmäßigst angelegt KED nutzt dem Patienten nichts wenn ich durch das "rumfummeln" seine Lage verschlimmert habe, oder ich ihn mit dem Spineboard einfacher rausgekriegt hätte.

Darf ich mal ganz blöd fragen: Was ist mit "boa" gemeint? Ich bin derzeit ein wenig aus der Materie raus und scheinbar nicht mehr so auf dem laufenden...
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Beitrag von mbela » 23.03.10, 06:52

Die sog. Rettungs-Boa ist ein langer Stoffschlauch (oder auch zusammengerolltes Laken ^^) die um den Patienten zur schnellen Rettung geschlungen werden kann. Mit Hilfe der Boa wird der Patient seitlich aufs Spineboard gezogen.

Hab ich bisher nur einmal angewandt (im Kurs) und fands ned so überzeugend, werds aber bei Gelegenheit mal wieder mir anschauen.

Grüße
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Beitrag von Izzy » 24.03.10, 16:44

Danke für die Info. Ich werds bei unserem nächsten SEG Training ansprechen, da müssen wir eh mim Spineboard üben. Vielleicht passt das noch in den Lehrplan für den Tag.
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