Unterschied RNA-Virusinfektion zu mRNA Impfstoff

Medizinische Fragen zu COVID-19 (Coronavirus), Infektiologie, Hygiene und Reisemedizin

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serdar
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Unterschied RNA-Virusinfektion zu mRNA Impfstoff

Beitrag von serdar »

Hallo zusammen,

hoffe, ich bin hier im richtigen Thread/Forum.

Vorab: bin kein Mediziner, man möge mich also gerne auf Fehler hinweisen und sehr gerne die korrekte Weise darstellen!

Ich verstehe grundsätzlich nicht den Unterschied im Mechanismus einer Virusinfektion zu dem Impfstoff-Mechanismus der mRNA-Impfstoffe, und speziell warum es bei mRNA-Impfstoffen eine Autoimmunantwort geben kann, bei Virusinfektionen aber angeblich nicht.

Nach meinem Verständnis gelangt bei einer Virusinfektion das Erbmaterial in die Körperzelle und wird in der Körperzelle zu neuen Viren synthetisiert. Das Immunsystem erkennt diese befallenen Zellen (wodurch eigentlich), sodass T-Zellen diese infizierten Zellen zerstören.

Beim mRNA-Impfstoff gelangt die RNA über Nanolipide in die Körperzellen. In den Zellen wird die RNA zu Spike-Proteinen translatiert, sodas vom Immunsystem daran Antikörper gebildet werden können. Abbauprodukte, die bei dieser Proteinbiosynthese entstehen, werden vom Immunsystem erkannt, sodass diese, durch einen mRNA-Impfstoff "inifizierten" Zellen, zerstört werden. Dadurch kann eine Autoimmun-Reaktion hervorgerrufen und so eine Thrombose ausgelöst werden. Da der Impfstoff theoretisch in jede Zelle gelangen kann, kann eine Thrombose also auch in lebenswichtigen Organen erfolgen (Herzgefässe, Gehirnzellen, ...)

Was ist der Unterschied im Design/Mechanismus des mRNA Impfstoff zu einer Virusinfektion? Beide haben als Ziel das Einbringen von RNA in die Zelle, sodass die Zelle eigenständig daraus Proteine translatiert. Bei beiden kann durch das Immunsystem eine Zerstörung der Zellen erfolgen. Warum kann es also nicht auch bei beiden eine Autoimmunreaktion geben.

Mir geht es nicht um Impf-Skepsis (bin doppelt geimpft), sondern ich will grundsätzlich den Mechanismus beider Systeme (RNA-Virus-Infektion und mRNA-Impfstoff) verstehen, und warum mRNA Impfstoffe eine Autoimmunreaktion hervorrufen können und warum es hier einen Vorbehalt gegen mRNA-Impfstoffe gibt.


Vielen Dank für die Aufmerksamkeit :)
Brigitte Goretzky
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Re: Unterschied RNA-Virusinfektion zu mRNA Impfstoff

Beitrag von Brigitte Goretzky »

Hallo,

Autoimmunreaktionen kommen auch bei Infektionen vor, bei Covid-19 ist das sogar eines der Hauptprobleme. Viele Covid-Patienten erleiden Thrombosen, überschiessende Entzündungen in der Lunge und ähnliche Reaktionen.
Bei einigen Autoimmunkrankheiten wie z.B. Diabetes Typ 1 wird eine vorangegangene Infektionskrankheit als Auslöser der Immunreaktion postuliert.
Das Problem ist also weit verbreitet und nicht auf mRNA-Impfstoffe begrenzt.

Viele Grüße
B. Goretzky
And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


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serdar
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Re: Unterschied RNA-Virusinfektion zu mRNA Impfstoff

Beitrag von serdar »

Noch eine Frage zum Deisgn des mRNA-Impfstoff: dieses ist doch ähnlich der Mechanik einer Infektion durch ein RNA-Virus. Es wird RNA in die Zelle injiziert, woraufhin spezifische Proteine synthetisiert werden. Beim Impfstoff wird lediglich modRNA verwendet, damit die RNA nicht gleich als körperfremd erkannt und garnicht translatiert wird. Sehe ich das richtig?
Wenn der Impfstoff also einfach nach Vorlage eines natürlichen Vorgangs i.e. der RNA-Virus-Infektion designt wurde, warum gibt es dann teilweise so starke Vorbehalte ggü. dem Impfstoff?
cherubin
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Re: Unterschied RNA-Virusinfektion zu mRNA Impfstoff

Beitrag von cherubin »

Der Impfstoff wird nicht in die Zelle injiziert, sondern in ein Gewebe, das viele Zellen enthält. Im Vergleich zur Zellgrösse ist so eine Nadel schon ein ziemlich grosser Gegenstand. Den Weg in die Zielzellen suchen sich die im Impfstoff enthaltenen Nanopartikel dann selber, der Vorgang funktioniert nicht ganz perfekt. Es landet praktisch immer ein geringer Teil in den Blutstrom und zirkuliert dann einige zig Minuten im Blutkreislauf, gerade damit hat man sich in Zulassungsstudien recht ausführlich beschäftigt. Beispielsweise bewirkt die RNA in reifen Erythrozyten ohne Ribosomen keine Herstellung des gewünschten Antigens (Spike-Protein).

Von daher ist es schon ein kleiner Unterschied, ob ein natürliches Virus mit einigen Hundert oder Tausend Viruskopien auf der Oberfläche von Nasenschleimhaut oder der tieferen Atemwege gelangt oder zehn Milliarden nicht vermehrungsfähige Viruskopien (Vektorimpfung) oder Nanokörper (mRNA-Impfung) unter Umgehung der natürlichen Barrieren direkt in das Körperinnere.
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