COVID-19 und COPD

Medizinische Fragen zu COVID-19 (Coronavirus), Infektiologie, Hygiene und Reisemedizin

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luca28
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COVID-19 und COPD

Beitrag von luca28 »

hallo Forenmitglieder,
als COPD-erkrankter Rentner gehöre ich zu der Gruppe besonders gefährdeter Menschen für die Erkrankung an COVID-19.
Da ich außer COPD keine weiteren Grunderkrankungen habe und (noch) ein sehr gut funktionierendes Immunsystem besitze, rechne ich nicht mit einem besonders schweren Verlauf im Falle einer Ansteckung.
Meine Frage ist, wie erfolgt die Behandlung einer leichten COVID-19 - Erkrankung?
Da ich seit ca. 3 Jahren weder eine Grippe, noch eine Erkältungskrankheit hatte, bin ich unsicher, welche Medikamente (bzw. Wirkstoffe) ich im Falle der Fälle nehmen sollte. Einer akuten Verschlechterung der COPD wird üblicherweise mit eine Kortison- Stoßtherapie begegnet. Wäre das im Falle einer COVID-19 Infektion auch angebracht oder eher kontraproduktiv? Kann eine vorsorgliche Gabe von Antibiotika im Falle einer Infektion sinnvoll sein, um einer zusätzlichen bakteriellen Erkrankung vorzubeugen?
Natürlich befolge ich die grundlegenden Hygienevorschriften und die Verordnungen zur sozialen Distanz. Im Falle erster Symptome würde ich daher Abstand davon nehmen, sofort meinen Hausarzt oder Lungenfacharzt aufzusuchen, stattdessen eine telefonische Beratung anstreben. Was kann ich bis dahin selbst tun und was wäre eher kontraproduktiv bezüglich meiner Vorerkrankung?
Wer nichts weiß, muss alles glauben.
Marie von Ebner-Eschenbach

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jaeckel
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Re: COVID-19 und COPD

Beitrag von jaeckel »

Hallo luca28,
luca28 hat geschrieben:
26.03.20, 15:26
Wäre das im Falle einer COVID-19 Infektion auch angebracht oder eher kontraproduktiv?
bei einer nicht beatmungspflichtigen Erkrankung wird Zurückhaltung mit der "Kortison- Stoßtherapie" empfohlen. Aber es gibt andere Bronchospasmolytika, die auch in den Sprays/Dosieraerosolen verwendet werden.
luca28 hat geschrieben:
26.03.20, 15:26
Kann eine vorsorgliche Gabe von Antibiotika im Falle einer Infektion sinnvoll sein, um einer zusätzlichen bakteriellen Erkrankung vorzubeugen?
Die vorsorgliche Gabe von Antibiotika wird nicht empfohlen. Für alle schwer erkrankten Patienten wird dagegen eine sog. empirische Antibiotikatherapie empfohlen.
luca28 hat geschrieben:
26.03.20, 15:26
Was kann ich bis dahin selbst tun und was wäre eher kontraproduktiv bezüglich meiner Vorerkrankung?
Nikotinkonsum einstellen. :mrgreen:

Übrigens haben wir ein eigenes COVID-19 (Coronavirus) - Forum im Deutschen Medizin Forum. Ich werde den Beitrag dorthin verschieben.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

luca28
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Re: COVID-19 und COPD

Beitrag von luca28 »

Hallo und erst mal vielen Dank für Ihre Antwort und das Verschieben ins richtige Thema.
Ich bin nicht oder noch nicht vom Corona-Virus betroffen, bin aber seit 7 Jahren COPD diagnostiziert. Deshalb hatte ich mich unter Lungenerkrankungen gemeldet.

- Nikotinkonsum einstellen. - Ja, das ist mir bekannt - ich bin seit 19.04.2013 nikotinfrei.
- Bronchospasmolytika, in Sprays/Dosieraerosolen habe ich als Dauermedikation sowieso. In meiner Frage ging es mir um zusätzliche Medikamente, wie sie zum Beispiel bei einer Exacerbation eingesetzt werden. Wie wird die COVID-19 überhaupt symptomatisch behandelt?
- was versteht man unter "sog. empirische Antibiotikatherapie" ?

vielen Dank schon mal und ein schönes Wochenende allen Forenmitgliedern
Gruß luca
Wer nichts weiß, muss alles glauben.
Marie von Ebner-Eschenbach

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jaeckel
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Re: COVID-19 und COPD

Beitrag von jaeckel »

Hallo luca28,
luca28 hat geschrieben:
27.03.20, 16:08
Wie wird die COVID-19 überhaupt symptomatisch behandelt?
In unserer Linkliste COVID-19 (Coronavirus) finden Sie eine skriptartige Zusammenfassung aller Fakten zur Intensivtherapie bei COVID-19 (NERDfallmedizin). Nach eigenen Angaben der Verfasser "Eine einfache, kompakte Anleitung für Nicht-Intensivmediziner/innen".
luca28 hat geschrieben:
27.03.20, 16:08
was versteht man unter "sog. empirische Antibiotikatherapie" ?
Es gibt Leitlinen, in denen festgelegt ist welche Antibiotika bei einer ambulant erworbenen Pneumonie eingesetzt werden sollten. Je nach Patient und Klinik wird das individuell angepasst. Die Anpassung ist keineswegs trivial (Allergien, Vor-Antibiosen, Nebendiagnosen, Resistenzlage, Keimspektrum der Klinik usw. usw.). Allein für diese Anpassung werden in allen Kliniken Spezialisten (ABS : Antibiotic Stewardship) ausgebildet. Eine dieser umfangreichen Leitlinien ist Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen - Update 2018 (2. aktuallisierte Version vom 25.7.2019) der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V..
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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Sabina0
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Re: COVID-19 und COPD

Beitrag von Sabina0 »

Ich hänge meine kurze Frage mal hier an: Ist es ein Problem, Antihistaminika (Loratadin) einzunehmen? Hemmt das nicht das Immunsystem? Das wäre gegenwärtig ja nicht so schlau ... Danke!

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jaeckel
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Re: COVID-19 und COPD

Beitrag von jaeckel »

Die Wirkung von Antihistaminika (Histamin-H1-Rezeptoren-blockierende Wirkungen) ist gut erforscht. Sie ist speziell und blockiert nicht allgemein das Immunsystem gegen Keime.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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