Fragen zu Meningitis

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Bea_H
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Fragen zu Meningitis

Beitrag von Bea_H » 08.07.13, 23:55

Hallo,

bei uns im Ort wurde eine Kita geschlossen, da es dort 9 Fälle von Meningitis gab, 6 Kinder, 3 Erwachsene. Die Kinder wurden ins hiesige Krankenhaus auf die Kinderstation gebracht. Es wurde Gehirnwasser entnommen und untersucht. Unsere Enkeltochter, 9 Jahre alt, hat sich gestern das Bein gebrochen. Sie soll morgen operiert werden. Sie liegt mit einem 11jährigen Mädchen in einem Zimmer. Das Mädchen hängt am Tropf.

Heute, als ich meine Enkeltochter zusammen mit meiner Tochter besuchte, erzählte die 11Jährige, dass sie Meningitis habe, sie hatte sich bei ihrem kleinen Bruder, der in die besagte Kita geht und auch auf der Kinderstation liegt, angesteckt.
Als die Visite kam, durften wir im Zimmer bleiben. Der Oberarzt sagte zu der 11Järigen, sie wisse ja, dass sie eine Hirnhautentzündung habe. Sie solle sich möglichst ruhig verhalten, nicht lesen, sich wenig bewegen. Die Ergebnisse aus dem Labor würde er mit ihrem Vater besprechen.

Weder Ärzte noch Schwestern trugen einen grünen Kittel, sie hatten keinen Mundschutz, sie berührten das Mädchen ohne Handschuhe, der Arzt streichelte ihr die Wangen. Beim Hinausgehen desinfizierte sich eine Schwester die Hände, der Arzt und die andere Schwester taten dies nicht. Sie gingen dann in das nächste Zimmer. Keins der Zimmer hatte ein Schild, das auf Ansteckungsgefahr hinwies.

Wir haben sofort meinen Schwiegersohn angerufen. Wir alle sind in voller Panik und wollten unser Kind sofort mitnehmen. Aber der Bruch ist doch noch nicht operiert!
Der Arzt konnte unsere Reaktion überhaupt nicht verstehen. Er meinte, wahrscheinlich (!) handle es sich um die virale Meningitis, die sei nicht so schlimm, und wenn unser Kind sie bekommen sollte 'dann hat sie eben zwei, drei Tage Kopfschmerzen, die gehen auch wieder vorbei'.

Wir sind völlig verzweifelt. Sollen wir unser Kind auch unoperiert sofort in ein anderes Krankenhaus bringen? Das ist fast 100km entfernt. Außerdem hat sie sich mit Sicherheit schon angesteckt. Sie und das Mädchen benutzen dieselbe Toilette. Das Mädchen geht dort allein hin, unser Kind wird dort im Rollstuhl hingefahren.

Was sollen wir tun?
Sollte unser Kind nicht vorbeugend Antibiotika erhalten?
Was geschieht mit unserem Kind, wenn es doch die schlimme Meningitis ist? Ist sie dann noch zu retten?
Und wenn es die nicht so schlimme Meningitis ist, wie lange wird sie Kopfschmerzen haben?
Sollen wir das Gesundheitsamt einschalten?

Ich sitze hier am Computer im Krankenhaus, meine Tochter und ihr Mann beratschlagen, was zu tun ist. Bitte raten Sie uns, was sollen wir tun?
Es tut mir so leid, dass dieser Text so lang geworden ist, aber ich bin völlig mit den Nerven fertig. Wir haben so große Angst.
Viele Grüße, Bea

Anästhesieschwester
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Anästhesieschwester » 09.07.13, 07:22

Guten Morgen Bea,

das ist natürlich eine schwierige Situation, in der Ihre Familie da steckt.
Was ich persönlich mich fragen würde: inwieweit ist das Kind mit der Meningitis anbehandelt? Bzw. inwieweit besteht überhaupt noch Ansteckungsgefahr? Diese Frage kann Ihnen aber wahrscheinlich nur der behandelnde Arzt mit Einverständnis der Eltern des Mädchens geben (Schweigepflicht!). Für mich wären diese also der nächste Ansprechpartner.

Edit: Hat Ihre Enkelin einen ausreichenden Impfschutz gegen Masern und Meningokokken?


Gruß
Die Anästhesieschwester
Zuletzt geändert von Anästhesieschwester am 09.07.13, 07:23, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Nachtrag

Muppet
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Muppet » 09.07.13, 07:49

Hallo,
wie wirkt das anderen Kind? In die akutphase tritt meist hohes Fieber sowie Kopf und Nacken Schmerzen auf. Oft wird kein Licht ertragen. Ein Kind liegt dann meist nicht ruhig da.

Sie könnten auch einfach das Mädchen fragen, wie lange sie schon da ist- so hat man einen Hinweis wie lang die Behandlung schon läuft. Es gibt auch milderer Formen, die eher unkompliziert verlaufen (z.B. wie bei Brad Pitt).

Nach ein paar Tage Behandlung durfte die Ansteckungsgefahr nicht so hoch sein - es ist auch meist ein Tropcheninfekt (durch husten, Niesen, gleiche Tasse benutzen usw.) übertragen. Da die Krankenhauspersonal nicht extra Maßnahmen ergreifen, durfte es nicht hoch ansteckend sein - keine setzt sich freiwillig im Gefahr sich anzustecken, zudem viele eigene Kinder zu Hause haben.

Man kann auch ggf. gegen Meninkokken impfen.
Alles Gute
Muppet

Bea_H
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Bea_H » 09.07.13, 19:22

Hallo, anästhesieschwester und Muppet,

vielen Dank für Ihre Antworten.

Unsere Enkelin ist heute operiert worden, mit Vollnarkose, und es geht ihr gut. Sie hatte in der Nacht Schmerzen, und so haben wir doch einer OP dort im Krankenhaus zugestimmt. Wir haben aber erreichen können, dass sie nach der Operation nicht mehr in dem Zimmer mit dem anderen Mädchen liegen muss, sondern in einem Extraraum, in dem Putzzeug aufbewahrt wird. Das hat man in den Aufenthaltsraum der Schwestern gebracht. Einer von uns ist immer bei ihr, auch nachts, wir lassen sie nicht aus den Augen, denn man weiß ja nie, ob sie nicht wieder in ein Zimmer gelegt wird, wo ein Kind mit Meningitis liegt.
Der Stationsart findet unsere Angst 'lächerlich'.

Da das Krankenhaus das einzige in der Umgebung ist, liegen natürlich alle meningitiskranken Kinder auf derselben Kinderstation, aber nicht etwa isoliert, sondern mit anderen Kindern, die die Krankheit nicht haben, zusammen. Die meisten Eltern haben keine Ahnung, welches Kind Meningitis hat.

Das andere Mädchen liegt seit Freitag im Krankenhaus und wird seitdem mit Medikamenten (welche wissen wir nicht) über einen Tropf behandelt. Es hat Kopfschmerzen, aber, so sagte die 11jährige, die seien stärker geworden nach der 'Spritze in den Rücken', womit sie wohl die Rückenmarkspunktion meinte. Was dabei herausgekommen ist, wollte uns der Arzt nicht sagen. Die Mutter ist alleinerziehend und arbeitet und ist selten da. Dem kleinen Bruder geht es wohl schlechter als dem Mädchen. Die 11jährige macht einen relativ guten Eindruck, sie hat aber jetzt zu den Kopfschmerzen noch Schnupfen bekommen.

Im Zimmer mit dem kranken Mädchen liegt jetzt ein einjähriges Mädchen mit Bronchitis. Wir wissen nicht, ob wir die Mutter aufklären sollen darüber, was das andere Mädchen hat.

Halten Sie es für richtig, dass wir das Gesundheitsamt einschalten zusammen mit zwei anderen Eltern, die ebenso aufgebracht sind wie wir? Wir haben um ein Gespräch mit der Krankenhausleitung gebeten, aber erhielten zur Antwort, die sei nicht bereit, direkt mit Eltern oder Patienten zu sprechen. Wir sollten uns an den Stationsarzt wenden.

Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass einerseits eine Kita geschlossen wird und dann die kranken Kinder mit anderen Kindern ohne Isolierung einfach zusammengelegt werden. Dann hätte man die Kita ja gar nicht zu schließen brauchen.

Jetzt warten wir voller Angst die 4 - 10 Tage Inkubationszeit ab. Es ist ein riesiger Skandal, so finden wir, und wahrscheinlich werden alle Kinder auf der Station dort Meningitis bekommen. Dann wird aber die Presse eingeschaltet!!!

Viele Grüße, Bea

Anästhesieschwester
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Anästhesieschwester » 09.07.13, 21:48

Guten Abend Bea,

erkundigen Sie sich mal, ob das Krankenhaus einen sog. Patientenanwalt oder Patientenfürsprecher hat. Dieser kann zwischen Ihnen und der Klinik / dem Arzt vermitteln, da er im Gegensatz zu Ihnen weit mehr Informationen zum Zustand des anderen Mädchens bekommen kann.
Ob eine Info des Gesundheitsamtes gerechtfertigt ist, lässt aus der Ferne nicht sagen.

Bea_H
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Bea_H » 10.07.13, 13:02

Hallo, Anästhesieschwester,

vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich habe bei der Information angefragt, ob das Krankenhaus einen Patientenanwalt hat. Die Dame sagte, sehr patzig, 'Wenn Sie wegen etwas klagen wollen, müssen Sie sich einen Rechtsanwalt besorgen. Oder am besten, Sie gehen in ein anderes Krankenhaus.'

Noch geht es unserer Enkeltochter gut. De Arzt ist sehr unfreundlich. Er schaute nur für 10 Sekunden herein. Eine Krankenschwester vertraute uns heute an: 'Ich habe auch große Angst, mich anzustecken.' Unsere Enkeltochter ist nicht gegen Meninkokken geimpft. Macht es Sinn, das jetzt noch zu tun?

Normalerweise muss doch nach einer Bruchoperation geröntgt werden, ob die Knochenenden gut liegen. Auf unsere Frage danach, sagte die Schwester, das brauche man nicht. Es ist ein glatter Bruch des Schienbeins. Wie lange muss das Kind wohl im Krankenhaus bleiben? Wir möchten sie lieber heute als morgen mitnehmen, wollen aber natürlich nichts überstürzen.

Viele Grüße, Bea

Anästhesieschwester
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Anästhesieschwester » 10.07.13, 23:27

Hallo Bea,

bei jedem Bruch, der operativ versorgt wird, wird noch während der OP ein (bzw. mehrere) Röntgenbild(er) erstellt. Das sichert zum einen ein korrektes OP-Ergebnis direkt ab, zum anderen ist ein Röntgen im wachen Zustand für manche Patienten doch recht schmerzhaft (Umlagerung auf den Röntgentisch, Lagerung der Extremität,...). Somit ist dieses Vorgehen dem Arzt nicht vorzuwerfen.

Zur Meningokokken-Impfung musste ich mich jetzt selber erst mal belesen. Im Internet liest man, dass engen Kontaktpersonen von Erkrankten eine Impfung empfohlen wird. Ob das aber noch nötig ist, kann wie schon oben geschrieben, aus der Ferne nicht bestimmt werden. Das hängt von der noch bestehenden Ansteckungsgefahr ab.
Allgemein wäre natürlich mit dem niedergelassenen Kinderarzt über eine Impfung nachzudenken, da man sich ja auch außerhalb von Kliniken anstecken kann.

Bezüglich einer Klage können Sie sich beim Anwalt für Medizinrecht beraten lassen.

Gruß
Die Anästhesieschwester

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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Muppet » 11.07.13, 05:47

Hallo,
viele Krankenhauser haben eine Beschwerdenstelle (Adresse oft im Internet, wenn man den Krankenhausname und Beschwerden bzw. Patientenbeschwerden googelt).
Ich habe einmal hingeschrieben (per Email) weil mir im KHS etwas unschönes passiert ist- es wurde mit alle betroffenen Parteien gesprochen und ich habe eine Entschuldigung erhalten. Krankenhäuser nehmen Beschwerden inzwischen meist ernst.

Ein Rechtsanwalt nutzt nur etwas, wenn eine Schaden zu Gesundheit tatsächlich entsteht. Kein Schaden, keinen Fall, da es zivilrechtlich lauft und auch bei groben Fahrlässigkeit muss ein Schaden entstehen.
Gruß
Muppet

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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Bea_H » 11.07.13, 23:36

Hallo, Anästhesieschwester und Muppet,

vielen Dank für Ihre Antworten. Ich finde es toll, dass Sie sich weiterhin Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten.
Die Aussagen über das Röntgen beruhigen mich. Ich war nur stutzig geworden, weil ich selber, als ich mir den Arm gebrochen hatte, mehrfach nach der OP geröntgt wurde.

Meiner Enkeltochter geht es noch immer gut, aber die Inkubationszeit ist ja auch noch nicht um.
Das andere Ehepaar, das so wütend ist, weil ihr Sohn mit einem meningitiskranken Kind zusammenlag, hat inzwischen beim Gesundheitsamt Meldung gemacht. Wir sind natürlich bereit, wenn die Leute vom Gesundheitsamt kommen, von unseren Erfahrungen zu berichten.

Drücken Sie uns die Daumen, dass sich unsere Enkeltochter nicht angesteckt hat.

Viele Grüße, Bea

Anästhesieschwester
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Anästhesieschwester » 12.07.13, 07:25

Guten Morgen,

das klingt doch alles prima! Ich wünsche Ihrer Enkelin schon mal alles Gute!
Mögen Sie hier berichten, wie die Sache weitergegangen ist?

Gruß
Die Anästhesieschwester

Bea_H
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Bea_H » 16.07.13, 12:14

Hallo, Anästhesieschwester,

nachdem das andere Ehepaar das Gesundheitsamt eingeschaltet hatte, wurde die Kinderstation geschlossen!!!!!!!

Sie wird jetzt gründlich desinfiziert. Die Kinder, die keine Meningitis haben, wurden auf Erwachsenenstationen untergebracht, die meisten Eltern aber haben ihre Kinder mit nach Hause genommen.
Da der Heilungsverlauf gut ist und sie keine Schmerzen hat, haben wir unsere Enkelin heute nach Hause geholt. Sie lag die letzte Nacht mit zwei alten Damen zusammen, von denen eine dement war, und unsere Enkelin hatte Angst vor ihr.

Die Inkubationszeit ist fast abgelaufen, und wir hoffen, dass sie sich wirklich nicht angesteckt hat. Sie geht schon ein wenig an Krücken und ist guter Dinge. Und wir freuen uns, diesem Krankenhaus entronnen zu sein.

Schade, dass man hier keine Namen nennen darf, denn wir möchten alle andere Menschen vor diesem Krankenhaus warnen.

Vielen Dank für Ihren und Muppets Rat.

Viele Grüße, Bea.

Anästhesieschwester
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Re: Fragen zu Meningitis

Beitrag von Anästhesieschwester » 16.07.13, 14:22

Das verstehe ich sehr gut. Nach dem, was Sie schreiben, wird man vielleicht bald über die Medien etwas erfahren.
Dass es Ihrer Enkelin nach der OP so gut geht, freut mich. Ich wünsche ihr weiterhin gute Genesung, natürlich ohne Meningitis!

Gruß
Die Anästhesieschwester

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