Warum ist Blutaustausch keine Therapie gegen HIV?

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Nuntius
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Warum ist Blutaustausch keine Therapie gegen HIV?

Beitrag von Nuntius » 31.01.10, 13:50

Neulich hatte ich folgenden Gedankenblitz: Da die HI-Viren sich offenbar vornehmlich im Blut des Infizierten aufhalten, warum ist es dann eigentlich keine übliche Therapie, das Blut durch Transfusion komplett auszutauschen und somit die Viren und ihre Wirtszellen (jedenfalls weitgehend) aus dem Körper zu entfernen? Wenn so keine Heilung möglich ist, sollte das die Viruslast nicht mindestens dramatisch reduzieren?

Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zum HIV:

"Zur Vermehrung benötigt das Virus Wirtszellen, die den CD4-Rezeptor auf der Oberfläche tragen. Dies sind vor allem die CD4-tragenden T-Lymphozyten (T-Helferzellen) (…) Neben T-Lymphozyten besitzen auch Monozyten, Makrophagen und dendritische Zellen CD4-Rezeptoren."

Ich folgte den Links zu den genannten Zelltypen, und mit Ausnahme der dendritischen Zellen (Langerhans-Zellen) handelt es sich um solche, die im Blut zirkulieren; im Artikel "Dendritische Zelle" heißt es:

"Die Rolle der Langerhans-Zellen bei der HIV-Infektion erfährt durch eine neue Studie (Nature Medicine 13, 2007, S.367–371) eine andere Wertung. Während bisher angenommen wurde, dass Langerhans-Zellen das Virus von den Schleimhäuten des Genitaltraktes in die regionären Lymphknoten tragen mit einer nachfolgenden Infektion von Lymphozyten und dem Voranschreiten der Infektion, sieht man diesen Umstand inzwischen differenzierter. Über das Erkennungsmolekül Langerin identifizieren die Langerhans-Zellen das HI-Virus und binden es an sich, platzieren es aber in einem spezifischen Zellbereich, wo es „entwaffnet“ und abgebaut wird. Diese neuen Erkenntnisse des Forscherteams um T. Geijtenbeek stehen in Opposition zu der bisherigen Auffassung, wonach dendritische Zellen ein wichtiges Reservoir für das HI-Virus darstellten. Letzteres Szenarium solle nach diesen Erkenntnissen nur eintreten, wenn hohe Virusmengen auftreten oder etwa Verletzungen vorliegen, die es den Viren ermöglichen, in nicht vom Schutzmolekül Langerin durchwirkte tiefere Hautschichten einzudringen."

Also müssten doch die HI-Viren und deren Wirtszellen mit einem Blutaustausch weitgehend zu entfernen sein?

Via Google wurde ich zu der Frage nicht fündig; mit dem Suchbegriff "Bluttransfusion" fand ich nur Seiten, auf denen es um die Ansteckungsgefahr durch infizierte Blutkonserven geht.

Die Idee ist vielleicht zu naheliegend, um nicht schon in Erwägung gezogen worden zu sein und / oder es gibt einen offensichtlichen Haken, den ich als Laie nicht sofort erkenne - dann bitte ich um Nachsicht für die Belästigung.

Über eine fachkundige (gegebenenfalls kurz über den Denkfehler aufklärende) Antwort würde ich mich freuen.

Blanche1971
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Beitrag von Blanche1971 » 04.05.10, 09:12

Hallo Nuntius
Guten Tag

Ich habe mal den Suchbegriff Blutaustausch eingegeben und da steht dass beim Blutaustausch die Vermehrungsanzahl der Antikörper als Rückschlag gilt,jedoch inwiefern es für den Infizierten mit Nachfolgen aussieht, da kenne ich mich nicht aus damit und müsste noch tiefer recherchieren.

MfG. Blanche
L.G. Blanche

JuKo
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Beitrag von JuKo » 18.11.10, 19:38

Denke mal, dass der Ansatz nicht schlecht wäre aber es nicht wirklich möglich ist zu verhindern, dass sich das infizierte und neue Blut miteinander vermischen. Man kann ja nicht wie beim Ölwechsel , das komplette alte Blut rausnehmen und einfach neues einfüllen.Außerdem würdest du meiner Meinung nach deine exisitierenden Gedächtniszellen verlieren und erst recht wieder anfällig für infekte werden. Naja könnte meiner Meinung nach im schlimmsten Fall in einem Teufelskreis enden.

Obwohl, wenn man einen Weg finden würde nur die infizierten Zellen herauszufiltern bzw. einen Weg, dass sich altes und neues nicht vermischen, wäre der Ansatz gar nicht schlecht.

Dies ist jetzt meine Meinung zu dem Thema, werd aber mal einen Prof an der Uni dazu fragen.

lg.

plasticDOLL
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Re: Warum ist Blutaustausch keine Therapie gegen HIV?

Beitrag von plasticDOLL » 14.06.11, 01:53

Hi,
ich wusste nicht warum, aber ich weiss, dass es absolut UNMÖGLICH ist, eine HIV-Infektion so zu heilen.
Habe jetzt mein Biochemie-Buch rausgekramt.
Also..die HI-Viren infizieren das Blut, soweit richtig. Aber eben nicht nur. HIV wird ja auch nicht nur über Blut übertragen. Auch in anderen Körperflüssigkeiten findest du die Viren (Sperma).
Außerdem ist das HIV-Virus ein Retrovirus. Dieses Virus 'hackt' sich praktisch in das Genom seiner Wirtszelle. Und vermehrt sich dadurch. (Wie ein Parasit, dass sich reinfrisst, dort vermehrt und dann wieder rausgeht um neue 'Opfer' zu suchen).

Gab da einen Ansatz, der für Dich vllt interessant wäre: http://www.hiv-symptome.de/forum/hiv-am ... t2388.html (darf ich hier verlinken? wenn nicht, bitte entfernen..)
Da geht es darum, dass HIV-Kranken versucht wird mit Stammzellentransplantation zu helfen.
Stammzellen aus dem Knochenmark (man kennt es von Leukämie) differenzieren sich später in alle Blutkörperchen aus. Allerdings ist diese Methode auch bei weitem noch nicht erforscht genug und es gibt große Diskrepanzen beim Erfolg.

Die gängigste Methode ist Vorsorge, damit kann man die Virenzahl bei infizierten Personen extrem weit senken, bzw. bei neuinfizierten durch Sofortbehandlung einen Ausbruch der Infektion verhindern.

Hmm..alles etwas wirr. Ist etwas her, dass ich das Thema in Biotechnologie hatte.
Ich hoffe, es konnte trotzdem helfen.
Ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit ^.~
Lg

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