Akute Angstzustände. Bitte um Hilfe

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Soley
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Akute Angstzustände. Bitte um Hilfe

Beitrag von Soley »

Hallo zusammen,

Ich schreibe Euch weil ich gerne einen Ratschlag von Euch hätte, da ich persönlich nicht weiter weiß.

Ich habe jetzt schon einen Tagesklinik-Aufenthalt (8 Wochen), Ambulante Behandlung (einige Monate), und einen Reha-Aufenthalt (1 1/2 Jahre) hinter mir.

Ich hatte schon mein ganzes Leben lang "Angst" vor irgendetwas. Angst vor Klausuren, vor Mitschülern, der freien Rede, oder generell "reden", vor Bekannten, vor Spinnen usw.

Symptome sind die klassischen die jeder der sich mit dem Thema befasst schon einmal gehört hat.

Stark zittern tue ich komischerweise während ich bei einem Vortrag vor anderen irgendwo stehen muss, nicht aber im sitzen - da ist die Angst etwas geringer.


Während der medizinischen Reha habe ich Medikamente bekommen wenn meine Ängste kaum zu ertragen waren. Während der Sozialen-Reha allerdings benötigte ich diese Medikamente zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr.

Einige Monate bevor meine Soziale-Reha endete, bekam ich wieder Angstzustände, allerdings ganz "neue".

Diesmal habe ich Angst vor dem sterben, vor Naturkatastrophen usw. Die Angst tritt meistens immer Abends und wenn ich alleine bin auf.

Ich habe die Vermutung dass ich so starke Angst habe, weil meine Eltern dauernd davon redeten dass ich ja endlich mal etwas aus meinem Leben machen müsse, da meine Eltern "ja wahrscheinlich nicht mehr lange da sein werden".

Meine Angst ist so unerträglich aber ich traue mir nicht mehr, einen Arzt davon zu berichten, da ich nicht mehr ernst genommen werde, und ich weiß nicht warum?

Ich weiß jetzt auch nicht mehr was ich tun soll. Würdet Ihr mir empfehlen das alles zu verdrängen und zu Hoffen, dass es bald aufhören wird?

Ich muss demnächst wieder zu meiner Psychiaterin, die mir ersteinmal nur Mirtazapin verschrieben hat. Kennt Ihr Medikamente die akut ganz gut wirken? Ich würde meine Ärztin dann darauf ansprechen. Und was würdet Ihr mir raten, was der sinnvollste Schritt jetzt konkret wäre?

Bitte schreibt mir zurück

Soley
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Re: Akute Angstzustände. Bitte um Hilfe

Beitrag von Soley »

Ps: Ich habe auch immer das große Pech bei Psychologen usw. zu landen, mit denen ich irgendwie nicht zurecht komme, weil ich mich unwohl und unsicher dort fühle.

Mir kommt es überall so vor, als würde man mich nicht ernst nehmen.

Liegt das an mir oder an den Therapeuten dass ich meiner Meinung nach immer bei den falschen Leuten lande?

Bin ich vielleicht zu wählerisch? Habe auch das Gefühl ich kann mich nicht richtig anvertrauen, und es nicht klar genug auf den Punkt bringen.

Ich bilde mir ein andere könnten sehn dass ich nicht Krank bin, obwohl ich (wenn ich Euch jetzt z.B. hier schreibe), ganz Dringend Hilfe benötige, weil es mir gesundheitlich so schlecht geht. Woran kann das liegen?

Was meint ihr dazu?

egooon
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Beitrag von egooon »

Ich hatte schon mein ganzes Leben lang "Angst" vor irgendetwas. Angst vor Klausuren, vor Mitschülern, der freien Rede, oder generell "reden", vor Bekannten, vor Spinnen usw. (..) Stark zittern tue ich komischerweise während ich bei einem Vortrag vor anderen irgendwo stehen muss, nicht aber im sitzen...Angst vor dem sterben, vor Naturkatastrophen usw.
Es kommt sehr häufig vor, dass sich Wut und Hass, die gegenüber den beim "Er-ziehen" überfordernden Eltern verdrängt werden (um die Illusion ihrer Liebe nicht zu verlieren), auf dem Umwege (verfrühter) Todesfurcht bemerkbar machen. Ob das bei Dir auch der Fall ist, sollte Tiefenpsychologisch geklärt werden, am besten Traumanalyse.
Einige Monate bevor meine Soziale-Reha endete, bekam ich wieder Angstzustände, allerdings ganz "neue".
Ohne sagen zu wollen, dass dies bei Dir so sei: So etwas passiert regelmäßig, wenn lediglich an den Symptomen rumgedoktert wird. Sobald ein Ventil verstopft wurde, führt das ungelöste Problem im Unbwussten zu einem Überdruck, der sich ein ganz "neues" Ventil erschafft...
Liegt das an mir oder an den Therapeuten dass ich meiner Meinung nach immer bei den falschen Leuten lande?

Es wäre unseriös, diese Frage ohne ausführliche Einsichten in Deine Vorzüge und Problematik beantworten zu wollen. Fest steht von vornherein nur, dass schlechte Therapeuten/ Methoden wesentlich zahlreicher gesät sind als die guten. Ebenfalls, dass es sehr viele Menschen gibt, die von ihren Eltern zu krank gemacht wurden, als dass ihnen möglich wäre, sich konstruktiv auf eine therapeutische Beziehung einzulassen.

Patient123
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Beitrag von Patient123 »

Ich habe ganz ähnliche Probleme, wenn auch nicht annähernd so stark. Trotzdem würde ich dir raten einfach nicht aufzugeben. Ärzte sind leider häufig pschologisch nicht wirklich gut geschult. Such dir auf alle Fälle einen Psychologen, der zu dir passt. Inwiefern du selber dazu beiträgst, dass das Verhältnis zu Psychologen nicht gut ist, kann ich auch nicht sagen. Klar ist aber, dass man natürlich Hilfe auch erstmal annehmen und offen sein muss. Ich würde aber auf keinen Fall einen Psychologen wählen zu dem ich kein Vertrauen habe. Mein Rat lautet daher, nicht aufgeben für jedes Problem gibt es eine Lösung, weiter suchen und versuchen trotz allem auch das positive am Leben zu sehen. Es ist nicht alles nur schlecht und nur ausweglos. Ich muss mir das selber oft genug klar machen, obwohl ich eigentlich ohnehin weiß dass es wahr ist. Aber etwas zu wissen und etwas auch so zu empfinden sind zwei ganz unterschiedliche Dinge...:)

MarionMaus
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Beitrag von MarionMaus »

@ Soley

ich kann dir nur raten, weiter zu suchen. Ich glaube nicht, dass es an dir liegt, sondern daran, dass es leider äußerst wenig gute Therapeuten gibt. Also gib nicht auf und suche, bis es passt.

Ich würde dir den Weg über eine psychologische Beratungsstelle empfehlen und da nachfragen. Allerdings war ich selbst auch in 4 verschiedenen psychologischen Beratungstellen, bis ich dort jemand gefunden habe, wo mir zusagte und wo ich auch einen vermutlich guten Therapeuten empfohlen bekommen habe. Ich schreibe deshalb vermutlich, weil ich erst einmal da war, aber ich habe spontan ein gutes Gefühl gehabt. Und ich war schon bei verdammt vielen, die teilweise völlig indiskutabel waren. Höre da auf dein Gefühl und lass dir von niemandem einreden, es läge an dir, wenn du mit jemand nicht klar kommst.

Woher deine Ängste kommen? Das kannst letztlich nur du in einer guten Therapie ergründen. Ich gehe davon aus, dass sie aus traumatischen Erfahrungen in der Kindheit kommen, ebenso wie dieses Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Ein guter Therapeut wird dich ernst nehmen und dir hilfreich zur Seite stehen.

Alles Gute

Marion

Soley
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Antwort

Beitrag von Soley »

Es kommt sehr häufig vor, dass sich Wut und Hass, die gegenüber den beim "Er-ziehen" überfordernden Eltern verdrängt werden (um die Illusion ihrer Liebe nicht zu verlieren), auf dem Umwege (verfrühter) Todesfurcht bemerkbar machen.

Hallo Lieber egoon!

Ich habe auch schon an soetwas gedacht wie du es da formuliert hast!
Ich konnte dieses Wochenende mit meinem Freund mal darüber reden.

Wir beide denken, dass ich wahrscheinlich eher ein "Hypochonder" bin, da ich einfach viel zu viel Krankheiten habe, die ich auch zumindest teilweise diagnostiziert bekommen habe!

Zum Beispiel: Emotional-Instabile-Persönlichkeitstörung, generalisierte Angststörung, Depressionen, Soziale Phobie. Noch dazu bin ich - zumindest innerlich - meistens sehr impulsiv. Diese Impulsivität kann manchmal ausbrechen, vor allen Dingen am häufigsten gegenüber meinen Eltern! Gegenüber anderen fühle ich mich wie ein kleines hilfloses Kind, was aber anders ist, wenn ich die Menschen etwas länger kenne. Also ungefähr so wie eine "gespaltene" Persönlichkeit.

Mein Freund findet merkwürdig, dass es so viele Sachen sind. Deshalb kam er auf die Idee, ich sei wohlmöglich Hypochonder. Meine Eltern dagegen meinen, ich wäre gar nicht wirklich krank! Andere Menschen meinen auch, dass ich nicht danach aussehe, als wenn ich das alles hätte, bzw. als wenn ich wirklich krank wäre!

Meine damalige Psychaterin (eine sehr kompetente Person) meinte vor einigen Monaten mal zu mir, dass ich wohl Symptomträgerin in meiner Familie sei. Sie selbst ist der Meinung, ich habe 50 % kranke "Anteile" und 50 % gesunde "Anteile". Ich glaube Hypochonder und Symptomträger ist beides das selbe, wenn ich mich nicht irre.

Ich denke mein Unterbewusstsein hat gelernt, die Sorgen der anderen (meiner Familie) zu übernehmen!

Das Problem ist, ich habe Gefühlsmäßig überhaupt gar kein Zugriff zu meiner wirklichen Persönlichkeit. Mit "wirklicher Persönlichkeit" meine ich den Teil von mir, den andere wohl sehen. Aber auch den Teil, der ich selbst gern wäre! Nämlich ein ganz normaler Mensch halt! Dieser Zugang bleibt mir irgendwie "verschlossen" und ich weiß nicht, weshalb, und wie ich Zugriff darauf bekommen könnte? ;(

Die Persönlichkeit macht doch nicht einfach nur das Unterbewusstsein aus, oder was meinst Du dazu? Ich fühle mich jeden Tag, als wenn ich überhaupt keinen Charakter besitze! So als wenn ich irgendeine gesteuerte Maschiene wäre, die einfach nur funktionieren muss! Als wäre ich als Mensch - mit einer Seele, gar nicht wirklich da in dieser Welt! Beziehungsweise nur mein Körper wäre da, den andere sogar auch noch gerne zum rumschupsen benutzen dürfen!

Ich glaube mein Unterbewusstsein steuert diese Vorgänge, und irgendein Teil von mir, sucht sich für den "innerlichen Druck" dann zum Schluss ein Ventil - genauso wie du es beschrieben hast!

Denn wenn ich mit anderen reden muss, dann ist es ungefähr so, als wenn ich gleich sterben würde. Ich zittere, bekomme weiche Knie, fange manchmal an zu stottern. Ein Teil von mir möchte ausbrechen, und selbstbewusst auftreten, der andere Teil aber kämpft stark dagegen an! Wie Engelchen und Teufelchen die miteinander "ringen".


Es ist mir bewusst, dass wohl viele Faktoren dabei eine Rolle spielen können, wie soetwas entstehen kann. Ich möchte auch nicht meine Eltern die knallharte Schuld zuweisen.
Aber ich glaube alles in allem läuft es darauf hienaus, dass ich wohl von meinen Eltern und auch ein Teil der Familie traumatisiert worden bin.

Meine damalige Psychaterin denkt zwar nicht, dass das ein Traumata sei, aber aufgrund dessen, dass ich über ein Jahr Distanz zu meiner Familie geschafft habe, ich aber jetzt wieder zu Hause wohne, glaube ich das jetzt schon gut beurteilen zu können. Einfach anhand der Vergleiche, wie es ohne meine Eltern ,und wie mit meinen Eltern ist.

Für mich persönlich ist es wohl ein Fehler gewesen, nach Hause zurück zu ziehen. Aber ich traue mir nicht, alleine zu wohnen. Und eine Wohngemeinschaft halte ich nicht aus, wenn ich z. B. mit unordentlichen Menschen zusammen leben müsste. Ich glaube meine jetzige Psychaterin war vielleicht deshalb schlecht gelaunt! Aber ich mache das doch nicht absichtlich! Ich möchte ja zu meinem Freund ziehen! Aber seine Reha ist erst im Februar beendet!

Aber die eigentliche Frage die ich mir stelle ist jetzt, wäre ich aufgrund von dem was ich schreibe, vielleicht falsch behandelt worden? Und wie kann es jetzt weitergehen, denn meine Eltern verstehen (aktzeptieren) nicht, wieso ich jetzt nach so langer Zeit, immer noch nicht gesund bin!

Ich weiß es ist meine eigene Schuld! Ich bin so dumm...
Habe jetzt auch darüber nachgedacht wieso diese "speziellen Ängste" also vor dem sterben und so, gekommen sein könnten. Wahrscheinlich liegt dieses Problem teilweise an meine Eltern (im indirekten Sinne). Und zwar, weil ich wieder einen sehr großen Schritt geradewegs nach hinten spaziert bin, anstatt nach vorne. Einfach weil ich perspektivlos nach Hause zurück gezogen bin. Ich war blöd, und habe vorher nicht richtig darüber nachgedacht! Denn ich sehe jetzt grad überhaupt keine Zukunft mehr, und ich glaube das löst halt diese Panickattacken aus! Ich habe Fachabitur gemacht aber kurz vorm Ende musste ich aufhören. Ich hab so viele Träume noch im Leben, möchte mich nicht damit abfinden, nichts mehr erreichen zu dürfen! Andere raten mir von Abitur ab aufgrund meiner Probleme. Aber mich macht dieser Gedanke nichts mehr erreichen zu können/dürfen einfach kaputt... ;(

Ich möchte nur ein ganz normaler Mensch sein. Möchte auch nicht krank sein! Alleine schon hier zu Hause rumzuhängen und nichts zu tun zu haben, macht mich fertig! Noch dazu kommt das Mirtazapin was ich momentan einnehmen muss. Ich verschlafe den ganzen Tag und habe jetzt schon Angst, meinen Termin bei meiner Psychaterin zu verpassen!


Okay, es tut mir Leid dass es so viel geworden ist! Aber allein mich einmal ausschreiben zu können, und vielleicht ein Fünkchen Hoffnung hier zu finden, macht mir ein ganz klein wenig mehr Mut. Ich danke Euch allen hier für die Antworten. Danke an MarionMaus und Patient123! Ich werde Eure Ratschläge befolgen.

Liebe Grüße und freue mich auf Antworten!
Bye bye

MarionMaus
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Beitrag von MarionMaus »

Liebe Soley,

na, ich weiß nicht, ob das so ein großer Schaden wäre, wenn du den Termin bei der Psychiaterin verschlafen würdest;-)

Offenbar hilft dir das gar nicht weiter. Ich kann dir nur dringend raten, einen guten Therapeuten zu suchen und dich nicht weiter mit diesem Zeug vollstopfen zu lassen. Ich will dir jetzt auch nicht sagen, setz die Tabletten ab, das kann und darf ich gar nicht, vielleicht muss das auch langsam gemacht werden. Aber auf Dauer sind Tabletten keine Lösung, und sie helfen nicht wirklich.

Und wenn die Psychiaterin schlecht gelaunt ist, dann liegt das daran, dass sie vermutlich mit sich selbst nicht klar kommt, nicht an dir. Du brauchst jemand, der dir hilft und dich versteht, niemand, der schlecht gelaunt ist.

Nein, du bist nicht dumm und auch an nichts schuld, du hast nur kein Selbsbewusstsein, und das haben sie dir genommen.

Vermutlich durftest du als Kind nicht sein, wie du wolltest, musstest nur funktionieren, daher fühlst du dich so. Und die Tabletten tragen ihr Teil noch dazu bei.

Aber grübeln und analysieren mit dem Verstand hilft nicht weiter, kann einen noch mehr verrückt machen und auch auf eine falsche Fährte führen. Wenn du mit Hilfe eines guten Therapeuten, deine Probleme angehst und deine Kindheitsgeschichte aufarbeitest, wirst du es schaffen, ein zufriedenes Leben zu führen.

Ich selbst habe mit der IFS-Therapie gute Erfahrungen gemacht. Ich könnte mir das für dich auch gut vorstellen, denn da kannst du dein Engelchen und Teufelchen miteinander reden lassen und verstehst mit der Zeit warum beide da sind und kannst das Teufelchen dann nach und nach auch in ein Engelchen umwandeln. Kann das jetzt nicht im Detail so genau erklären, wie es funktioniert, kannst ja mal googeln, wenn es dich interessiert.

Und wenn du Abitur machen willst, dann versuch es. Lass dir von niemand einreden, du kannst es nicht.

Was ich dir auch ganz dringend raten möchte, von zu Hause auszuziehen, das tut dir offenbar nicht gut. Du sagst ja selbst, es war ein Fehler, dahin zurückzuziehen. Ich bin davon überzeugt, dass du es schaffst allein zu leben. Ich dachte auch, ich kann das nicht, aber es geht sehr gut.

Du musst eben überlegen, was am besten für dich ist. Du kannst ja sagen, dass du mit Unordentlichkeit ein Problem hast und in eine WG ziehen, wo es ordentlich ist. Schau dir doch einfach mal mehrere an, vielleicht gefällt es dir ja irgendwo.

egooon
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Beitrag von egooon »

Liebe Soley!
Ich denke mein Unterbewusstsein hat gelernt, die Sorgen der anderen (meiner Familie) zu übernehmen!
Das ist eine sehr gute Annahme. Tatsächlich ist es so, dass sich das Verhalten vor allem der Menschen, mit denen wir ab der Geburt täglich zu tun haben (- also meisstens die Eltern, Geschwister) in einem Teil unseres Gehirns sozusagen einnistet und beginnt, dort ein Eigenleben zu führen. Diese spezielle, für die Verinnerlichung alles Erlebten vorgesehene Gehinabteilung nannte Freud das "Über-Ich", das als Gedächtnis zwar mit dem "ICH/Bewusstsein)" zusammenarbeitet, aber doch nicht das selbe ist, sondern vorbewusst. Aus ihm heraus wirken z.B. die darin eingeprägten Sorgen Deiner Familie, Dein ICH/Bewusstsein damit belasstend...
Das Problem ist, ich habe Gefühlsmäßig überhaupt gar kein Zugriff zu meiner wirklichen Persönlichkeit. Mit "wirklicher Persönlichkeit" meine ich den Teil von mir, den andere wohl sehen. Aber auch den Teil, der ich selbst gern wäre! Nämlich ein ganz normaler Mensch halt! (
Das ist leider nicht von heute auf Morgen zu erreichen und auch über sehr lange, ausfürliche Gespräche nicht letztschlüssig zu durchleuchten. Gespräche von ICH zu ICH (so wie im Moment unsere beiden) bleiben notgedrungen oberflächlich...

Sinnlos werden sie dadürch nicht - z.B. am besten (meiner Meinug nach), wenn man das, was Du Deine "wirkliche Persönlichkeit" nennst, in Zusammenhang mit den biologisch verankerten Bedürfnissen Deines Körpers und Geistes setzen würde, auch mit Deinen wirklichen, angeborenen Talenten. Wärest Du so gesund geblieben, wie Du geboren wurdest, wäre Dir dies alles also gefühlsmäßig zugänglich: Du wärest ein glücklicher Mensch, der ohne jedes innere Hindernis seine naturgemäßen Bedürfnisse wahrnehmen könnte, sie stillend und während dessen alle Talente entfaltend. Dass Du es nicht kannst, bedeutet also mit Sicherheit, es ist etwas dazwischen gekommen, so bräuchtest Du mit Deinem ICH volle, bewusste Klarheit, um zu genesen, d.h. werden, wer Du wirklich bist...
Die Persönlichkeit macht doch nicht einfach nur das Unterbewusstsein aus, oder was meinst Du dazu? Ich fühle mich jeden Tag, als wenn ich überhaupt keinen Charakter besitze! So als wenn ich irgendeine gesteuerte Maschiene wäre, die einfach nur funktionieren muss! Als wäre ich als Mensch - mit einer Seele, gar nicht wirklich da in dieser Welt! Beziehungsweise nur mein Körper wäre da, den andere sogar auch noch gerne zum rumschupsen benutzen dürfen!
Zu allem Unglück tun sie wahrscheinlich auch oft genug, was Du ihnen warum? ohne Gegenwehr gestattest - nicht unbedingt mit böser Absicht. Es kommt daher, dass die meisten Menschen ebenfalls Probleme haben. Ein gesunder Mensch setzt sich für seine rat- und hilfloseren Artgenossen ein ohne Erwartung irgendeiner Gegenleistung - das ist das Verlangen eines der für uns am allerwichtigstens Bedürfnisse: die Sozialität, einen Teil der Seele, deren Sitz im Tiefen Unbewussten verankert ist und einen wesentlichen Aspekt der wirklichen Persönlichkeit ausmacht, sofern man sich seiner bewusst ist.
Dieser Zugang bleibt mir irgendwie "verschlossen" und ich weiß nicht, weshalb, und wie ich Zugriff darauf bekommen könnte? ;
Die allgemeine Erklärung dafür, warum einem Menschen der Zugang zu den Anlagen im Tiefen Unbewussten verschlossen wurde, ist in ihrer Einfachheit erschreckend: Das kann nur daher kommen, dass man schon als kleines Kind mit Eltern zu tun bekommt, die es mit ihren Sorgen belassten, ja mit der "Erziehung" sogar gegen seine naturgemäßen Bedürfnisse und Talente arbeiten, anstattt ihnen liebevoll entgegen zu kommen und alles unternehmen, sie zu fördern... Solche Erklärung wird Dir freilich nicht viel weiter helfen; jeder Mensch ist durch die Mischung seiner Gene einmalig, unverwechselbar, und unterscheidet sich auch hinsichtlich der Erfahrungen von allen anderen. Was Du - wie jeder in einer ähnlichen Situation - bräuchtest, wären also genaue Einblicke in Deine eigene intimste Geschichte seit Du auf die Welt kamst, und erhieltest Du sie am sichersten auf dem Wege einer fundierten Auslegung Deiner Träume. Wie fändest Du es, Dich bei Deiner Krankenkasse nach den Adressen der Therapeuten zu erkundigen, die sich auf Freuds Methode der Traumanalyse spezialisiert haben?

Abgesehen von der freudschen Traumanalyse gibt es noch zahllose weitere Angebote, vielleicht lohnt es sich, Dir einen Überblick zu verschaffen. Je mehr Du darüber weißt, desto sicherer wirst Du wählen können, welche Therapieform die für Dich geeignetste ist...
Meine damalige Psychaterin denkt zwar nicht, dass das ein Traumata sei, aber aufgrund dessen, dass ich über ein Jahr Distanz zu meiner Familie geschafft habe, ich aber jetzt wieder zu Hause wohne, glaube ich das jetzt schon gut beurteilen zu können. Einfach anhand der Vergleiche, wie es ohne meine Eltern ,und wie mit meinen Eltern ist.Für mich persönlich ist es wohl ein Fehler gewesen, nach Hause zurück zu ziehen.
Du vermutest also, Du seiest im Elternhaus traumatisiert worden? Jedemfalls, wenn Du Dich nicht wohlfühlst zuhause, dann wäre gut, Dich nicht allzuviel dort aufzuhalten, mehr Konkte nach anderswo zu suchen. Vor allem anderen nach Innen. Deine Seele wartet auf Dich, dass Du die Botschaften in ihren Träumen bemerkst, damit Du beginnen kannst, Deine Problematik zu verstehen und Deine darunter ins Tiefe Unbewusste verschüttete wirkliche Persönlichkeit wiederzuentdecken, sie ausgrabend und nach und nach verwirklichend.

Medicon
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Beitrag von Medicon »

Du sagst die Ängste tauchen besonders Nachts auf und wenn du alleine bist. Da ist vielleicht die Frage wichtig:

wie kann ich mich wohlfühle auch wenn es nachts ist und ich alleine bin?

Gibt es einige positive Erinnerungen, die du hast, die zufällig am Abend oder während der Nacht stattfanden? Z.B. Übernachtungen bei Freunden als Kind ? Ferien in einem Land, das dir besonders gut gefallen hat, wo du als Kind vielleicht nacht die Sterne beobachtet hast? oder so dich jemand geborgen in seinem Arm hielt? Führe dir diese Erinnerung vor Augen wenn du in Bett willst.
Vielelicht hilft dir auch ein telefonat mit jemandem bevor du schlafen gehst. ein Hoffnungsvolles, gutes Buch mit tipps bevor du schlafen gehst.
Wann und wie fühlst du dich besondersgut?
Gibt es Gegenstände, mit denen du positives verbindest, die du in die Nähe deines bettes stellen kannst?

Letztebnlich helfen auch mentale Trainings wie Autogenes Training, die einem helfen die innere Sicherheit zu stärken.

Wegen dem alleine sein: wo fühlst du dich nicht so allein, vielleicht bei Hugendubel, wo man sitzen und ein Buchen lesen kann? Mach Dinge, die dir zeigen wie lebendig du bist !!

das sind Dinge, die du für dich alleine tun kannst. Ein paar erste ideen vielleicht...
Ich wünsche dir alles, alles Gute

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