Sehr ratlos: nach 9 J. PA noch immer mittelschwer depressiv*

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MarionMaus
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Beitrag von MarionMaus » 23.11.09, 00:21

Hallo Kuscheltier,

wenn sich der Satz, dass systhemische Therapie auch nicht das Allheilmittel ist auf meinen Beitrag bezieht, dann kann ich dazu sagen, die IFS-Methode hat absolut gar nichts mit der herkömmlichen systhemischen Therapie zu tun. Von Familienaufstellungen halte ich nicht viel bis gar nichts. Es geht dabei um das innere Systhem in uns, die sogenannten Parts/Anteile die wir haben und die treten miteinander in Kommunikation. Klingt vielleicht komisch, ist aber sehr hilfreich und wirksam. Also z.B. redet man mit der Angst, Verzweiflung, Depression, Gerechtigkeitssinn, Unsicherheit usw. Alles was in uns ist hat einen Sinn und eine Ursache. Wenn ich die Angst frage, warum sie da ist, erzählt sie mir vielleicht einen Geschichte aus meiner Kindheit und dann verschwindet sie, weil sie jetzt nicht mehr benötigt wird. Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber auf die Schnelle kann ich das nicht besser erklären.

Was PA anbetrifft kann ich dir nur beipflichten. Auf Freud sollte man sich sowieso besser nicht berufen, nicht nur, weil es einige Zeit her ist, dass er gelebt hat, sondern weil er ursprünglich einen guten Ansatz hatte und die Zusammenhänge richtig sah mit der Traumatisierung, dann wohl auf Druck von anderen und um seine eigene Geschichte abzuwehren eine in meinen Augen völlig absurde Theorie entwickelt hat.

Viele Grüße

Marion

MarionMaus
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Beitrag von MarionMaus » 23.11.09, 00:21

Hallo Kuscheltier,

wenn sich der Satz, dass systhemische Therapie auch nicht das Allheilmittel ist auf meinen Beitrag bezieht, dann kann ich dazu sagen, die IFS-Methode hat absolut gar nichts mit der herkömmlichen systhemischen Therapie zu tun. Von Familienaufstellungen halte ich nicht viel bis gar nichts. Es geht dabei um das innere Systhem in uns, die sogenannten Parts/Anteile die wir haben und die treten miteinander in Kommunikation. Klingt vielleicht komisch, ist aber sehr hilfreich und wirksam. Also z.B. redet man mit der Angst, Verzweiflung, Depression, Gerechtigkeitssinn, Unsicherheit usw. Alles was in uns ist hat einen Sinn und eine Ursache. Wenn ich die Angst frage, warum sie da ist, erzählt sie mir vielleicht einen Geschichte aus meiner Kindheit und dann verschwindet sie, weil sie jetzt nicht mehr benötigt wird. Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber auf die Schnelle kann ich das nicht besser erklären.

Was PA anbetrifft kann ich dir nur beipflichten. Auf Freud sollte man sich sowieso besser nicht berufen, nicht nur, weil es einige Zeit her ist, dass er gelebt hat, sondern weil er ursprünglich einen guten Ansatz hatte und die Zusammenhänge richtig sah mit der Traumatisierung, dann wohl auf Druck von anderen und um seine eigene Geschichte abzuwehren eine in meinen Augen völlig absurde Theorie entwickelt hat.

Viele Grüße

Marion

wanderer
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Rückblick: Running saved my ass.

Beitrag von wanderer » 17.07.12, 01:45

Rückblick: Running has saved my ass.


Tach zusammen.
Lange ist es her, dass ich diesen Thread eröffnete.
In der tumultösen Zeit danach habe ich dann hier keine Rückmeldug mehr gegeben.
Man möge mir verzeihen.

Anbei für alle Interessierten das Wichtigste kurz zusammengefasst:

Meine damals beschriebene, auch noch heute rückblickend absolut schreckliche, insgesamt mindestens
17 Jahre währende depressive Lebensphase endete im Herbst 2009 abrupt.
Ich habe sie beendet.
Ich habe sie fertig gemacht.
Seitdem geht es mir einfach sehr gut.
Seit diesen knapp 3 Jahren absolut beschwerdefrei, nicht der geringste Einbruch in die alte Gefühlswelt;
auch schwere Zeiten bei der Rückkehr in die Arbeitswelt konnten daran nichts ändern.
Lebe nun glücklich in einer Beziehung.
Ach ja: Vom lieben Herrn PA bin ich auch gut los gekommen ...

• Die Psychoanalyse sehe ich bis heute als das absolut taugliche Mittel zur Lösung meiner damaligen Probleme an.
Eine zeitgemäße, moderne Psychoanalyse
(hier: hochfrequent, über viele Jahre, liegend) war der essentiell bedeutsame Schlüssel zur Auflösung meiner lebensgeschichtlich begründeten Verwerfungen.
Ja, es war die Familie. Ja, es war unbewusst.
Die Psychoanalyse war für mich die Via Regia.

• Die Wahl des richtigen analytischen Gegenübers/ Begleiters zum Start ist entscheidend, darum:
Drum prüfe, wer sich lange bindet - ich empfehle ein reifliches Überlegen während vieler probatorischer Sitzungen diverser Kandidaten; es ist nicht unbedingt das symphatische Gegenüber, vielleicht sogar besser Jemand, der sehr zurückgenommen ("abstinent") ist, dort kann sich gerade in einer spontanen Projektion das alte Unwohlsein einstellen. Kann gerade ein gutes Zeichen sein, dass das Gegenüber sofort ein sehr gutes Arbeitsfundament bereitstellt.
Und dann heisst es: Beharrlich dran bleiben.

• EMDR war eine gute weitere Begleitung des Prozesses.

• Zudem habe ich mich mit einer Art Klopf-Akupunktur (sonst bei Phobien eingesetzt: EFT) selbst behandelt und versucht, Altes in mir zu lösen und neue Ideen zu verankern.

• Ohne eine sorgfältige Entwicklung einer gesunden aggressiven Selbstbehauptung
kommt man nicht aus der (reaktiven) Depression.

• Für die ganz schlimme Phase sollte man unterstützend unter psychiatrischer Begleitung/ Verschreibung Psychopharmaka nicht ausschließen; ggf. kommt man sonst einfach nicht durch und endet in Alkoholismus oder Suizid.

• Meine Idee, dass man die Nuss final nur ohne Psychopharmaka in einer harten Phase knacken kann, wenn sich die alten Gefühle im eigenen psychischen Raum zeigen, ist letzlich aufgegangen.
1 Jahr hat diese absolut grenzwertige tägliche Qual angehalten.
Und plötzlich war es vorbei.
Also: Wandel ist nur im direkten, andauernden Kontakt mit dem Widerstand möglich.

• Wenn es einem wirklich schlecht geht, muß man sehr viel probieren.
Nur Versuch macht kluch. Umwege erweitern die Ortskenntnis.
Man muß in jedes verdammte Loch reinkrabbeln und selbst sehen, ob man da weiterkommt.
Das ist meine Erfahrung.

• Ich habe damals mit fast täglichen langen Ausdauerläufe begonnen.
Den Hinweis, dass Laufen gegen Depressionen helfen kann, entnahm ich dem Buch
"Die neue Medizin der Emotionen" von David Servan-Schreiber.
Ich durfte am eigenen Leib erfahren, wie sehr zutreffend dies ist.
Ausdauerläufe dürften wohl die beste Medizin für und gegen praktisch alles sein.
In der psychischen Ausbruchsphase mindestens 4-6 mal die Woche je 45 - 90 Minuten.
Es darf auch gerne ein bißchen mehr sein.

Vielleicht können diese Zeilen anderen, die gerade in einer schweren Phase sind, Mut und Anregung sein.
Ich danke allen, die an meinem Thread lesend und schreibend Anteil genommen haben.


_____ Yeeeeaaahaaaa!
F*cking Hell, this Shit is over!
Running really saved my ass.

Ich verbleibe
voller Zuversicht

Euer Wanderer

wanderer
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Erratum

Beitrag von wanderer » 18.07.12, 14:27

Korrigiere:

• Ohne eine sorgfältige Entwicklung einer gesunden aggressiven Selbstbehauptung
kommt man nicht aus der (neurotischen) Depression.

Renate02
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Re: Sehr ratlos: nach 9 J. PA noch immer mittelschwer depres

Beitrag von Renate02 » 22.07.12, 13:13

Es freut mich, dass Du es geschafft hast! Gratuliere!

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