Todessehnsucht

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kleinesetwas
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Todessehnsucht

Beitrag von kleinesetwas »

Hallo!

Ich habe mich in den letzten Jahren sehr viel mit dem Thema Tod auseinandergesetzt. Mittlerweile habe ich keine Angst mehr davor.
Ich habe immer wieder so eine Art Todessehnsucht - also das ich dann habe ich einfach das Gefühl, dass ich unbedingt sofort sterben will. Immer wenn ich z. B. am Bahnhof bin, einen Zug sehe, denke daran wie es wäre mich vor diesen Zug fallen zu lassen oder wenn ich über eine Brücke gehe, stelle ich mir vor, wie es wäre runter zu springen oder bei einem sehe hohen Gebäude das gleiche....... Alles erinnert mich an Suizid. Solche Gedanken habe ich aber schon jahrelang und sie beunruhigen mich meistens auch nicht weiter. Weil sie die meiste Zeit immer nur so im "Hintergrund" da sind.
In letzter Zeit ist es aber so, dass sie wieder mehr im Vordergrund sind und ich wieder oft das Gefühl habe, dass ich unbedingt sterben will. Nur weil ich dieses Gefühl habe, heißt es aber doch nicht, dass ich es irgendwann machen werde, oder? Ich meine, es ist ja nicht so, dass das alles plötzlich gekommen ist - eigentlich war es schon immer so, nur jetzt ist es irgendwie schlimmer, aber das war auch schon öfters so.
Das was mich daran stört ist, dass ich eigentlich nie "richtig" leben kann, weil ich immer denke, dass ich mich in naher Zukunft sowieso umbringen werde. Deshalb streng ich mich dann in meinem Leben gar nicht mehr an. Ich hab halt immer das Gefühl, dass ich die ganze Zeit in so einem Zwischenzustand bin - zwischen Leben und Tod, also das ist auch schon jahrelang so. Irgendwie schaffe ich es nicht mich für eine Seite zu entscheiden. Weil ich eigentlich immer mehr auf der Seite des Todes bin, ich mich dann aber doch nicht umbringe. Ja, so geht das jetzt schon ziemlich lange Zeit. Aber irgendwann muss ich mich ja sozusagen mal entscheiden. Weil ich so einem Zwischenzustand zu leben, das halt ich eben auch nicht mehr lange aus.

kleines Etwas

Lindel
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Beitrag von Lindel »

mach Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen.

haste dazu den Mut ?

neeee, wa !

Renate02
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Beitrag von Renate02 »

Hallo kleinesetwas,

wenn sowas nur phasenweise auftritt, halte ich es für normal. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen solche Gedanken einfach hin und wieder auf (liege ich richtig, wenn ich Dich in dieser Altersgruppe einordne?).

Aber! Bei Dir scheint es nicht nur eine Phase zu sein, sondern Du schreibst, dass das schon seit Jahren so geht.

Außerdem beeinträchtigt es Dich in Deinem Alltag.

Ich halte es für ein gutes Zeichen, dass Du bisher noch nichts in der Richtung unternommen hast. Ich hoffe, dass das auch so bleibt. Trotzdem würde ich mich langsam einem Fachmann anvertrauen - einem Psychologen und/oder Psychiater (in umgekehrter Reihenfolge). Denn irgendwo müssen diese Gedanken herkommen. Und irgend einen Grund muss es haben, dass Du sie nicht mehr los wirst. Nicht zuletzt "fürchtest" Du selbst um Dein Leben.
Und eine Therapie kann leider auch dieses wunderbare Forum nicht ersetzen.

Und wenn doch "nichts ist" (was ich mir nicht mehr vorstellen kann), dann schadet es auch nichts, mit einem Psychiater und/oder Psychotherapeuten gesprochen zu haben.

nail
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Beitrag von nail »

Lindel hat geschrieben:mach Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen.
haste dazu den Mut ?
neeee, wa !
glaub das is n gewagter vorschlag bei diesem problem, wo es kleinesetwas eh schon - ohne sicherungsseil - in den abgrund zieht.
es geht hier sicher auch nicht um den mut es zu tun.
mutig ist, dass sich kleinesetwas dazu entschlossen hat, sich hilfe zu holen.

hallo kleines etwas,
auch ich schließe mich renates vorschlag an, dass es gut wäre, wenn du dir hilfe bei einem psychiater/ psychologen holst, bevor du diesem drang nicht mehr widerstehen kannst.
LG nail

kleinesetwas
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Beitrag von kleinesetwas »

Hallo,

danke für eure Antworten.

Vielleicht hätte ich dazu schreiben sollen, dass ich schon eine Therapie mache - also zumindest eigentlich, weil ich erst mal alle Termine abgesagt habe und dann sind Weihnachtsferien, also hab ich erst wieder nächstes Jahr einen Termin.
Ich finde ehrlich gesagt, dass es mir gerade zu schlecht geht für eine Therapie. Weil ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann, als auf die Suizidgedanken. Ich mach eine (kognitive) Verhaltenstherapie. Da sollte ich ja eigentlich verschieden Sachen auch im Alltag umsetzen und so. Aber wenn ich dann die ganze Zeit irgendwie im Kopf habe, dass ich sowieso nur sterben will, dann find ich es eben immer total unsinnig irgendwas umzusetzen. Obwohl ich es dann doch versuche, aber irgendwie denke ich immer, dass meine Leben sowieso bald zu ende ist usw. und deshalb bringt die Therapie und alles ja dann auch nicht wirklich was. Weil ich eben wenn überhaupt nur so halb bei der Sache bin.
Ich tu halt in der Therapie auch immer so, als ob es mit relativ gut geht usw. Dann komm ich mir irgendwie blöd dabei vor, wenn ich da jetzt mit meinen Suizidgedanken ankomme. Außerdem weiß ich ja gar nicht, wie sie darauf reagieren wird.
Naja, ich hab den nächsten Termin ja eh erst im Januar.
Aber irgendwie hab ich Angst vor den Feiertagen ,,, eigentlich will ich auch gar nicht Silvester feiern und so.
Mit anderen Menschen kann ich erst recht nicht darüber reden.

@Renate: "liege ich richtig, wenn ich Dich in dieser Altersgruppe einordne?"
Ja, bin 19.

kleines Etwas

Lindel
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Beitrag von Lindel »

nail hat geschrieben:
Lindel hat geschrieben:mach Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen.
haste dazu den Mut ?
neeee, wa !
glaub das is n gewagter vorschlag bei diesem problem, wo es kleinesetwas eh schon - ohne sicherungsseil - in den abgrund zieht.
es geht hier sicher auch nicht um den mut es zu tun.
mutig ist, dass sich kleinesetwas dazu entschlossen hat, sich hilfe zu holen.

LG nail
diese antwort war mein voller ernst.

ich finde den vorschlag nicht wirklich gewagt, sondern als lösung. bei Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen ist sie gesichert und es kommt auch kein anderer mensch zu schaden.

ich wollte auch ausdrücken, sich in den tod zu stürzen ist feige. mutig dagegen was ähnliches zu tun, wie eben Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen. wenn sie den mut dazu hat (also Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen) ich denke dann wird sie auch keine gedanken mehr haben sich wo von der brücke zu stürzen.

ich nenne es: negative kräfte in positive umwandeln.

was mich hierzu aber ein wenig verwundert. die schreibweise von kleinesetwas. weil "selbstmörder" formulieren es anders, bzw. nehmen für bestimmte dinge andere wörte.

als ich den beitrag gestern hier las, hat es sich eher so angehört, als wenn kleinesetwas leute für gemeinsames töten/springen.... sucht.

daher meine antwort: hier ist als nächstes erst mal Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen, bzw. turmspringen (sprungbrett) in der schwimmhalle ne möglichkeit.

Renate02
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Beitrag von Renate02 »

Hallo kleinesetwas,

die Aufgaben, die Dir Dein Verhaltenstherapeut für den Alltag stellt, dienen eigentlich dazu, Deine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken.

Soweit zumindest die Theorie...

Wenn Du den Eindruck hast, das bringt Dir nichts, wäre vielleicht eine andere Therapieform sinnvoll. Sprich als erstes mit Deinem Verhaltenstherapeuten. Es nützt nichts, wenn Du ihm "heile Welt" vorspielst - dann kann er Dir nicht helfen. Auch wenn ich aus eigener Erfahrung weiß, dass das "Vorspielen" oft leichter ist, als die Probleme in Worte zu fassen (vom Aussprechen ganz zu schweigen).

Wenn Du danach immer noch das Gefühl hast, die Verhaltenstherapie bringt Dir nichts, sprich mit (D)einem Psychiater darüber und gegebenenfalls mit der Krankenkasse (falls die Verhaltenstherapie schon zu lange läuft als das Du so "ohne weiteres" wechseln kannst). Vielleicht kannst Du in eine andere Therapieform (z. B. analytische) wechseln.

Das Problem ist nur, dass die Verhaltenstherapie (wenn sie denn funktioniert) eben in der Regel schneller Wirkung zeigt als die meisten (alle?) anderen Therapieformen - nur eben leider auch nicht von heute auf morgen.

Die Tatsache, dass Du Hilfe suchst, sagt mir, dass Dein Selbsterhaltungstrieb noch vorhanden ist. Das ist gut. Halte Dich daran fest und vertraue ihm (egal, wie schwach er inzwischen sein mag). Es lohnt sich!!!!

Ich wünsche Dir viel Kraft!

nail
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Beitrag von nail »

Lindel hat geschrieben: ich finde den vorschlag nicht wirklich gewagt, sondern als lösung. bei Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen ist sie gesichert und es kommt auch kein anderer mensch zu schaden.

ich wollte auch ausdrücken, sich in den tod zu stürzen ist feige. mutig dagegen was ähnliches zu tun, wie eben Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen. wenn sie den mut dazu hat (also Bangie-Springen oder Fallschirm-Springen) ich denke dann wird sie auch keine gedanken mehr haben sich wo von der brücke zu stürzen.

was mich hierzu aber ein wenig verwundert. die schreibweise von kleinesetwas. weil "selbstmörder" formulieren es anders, bzw. nehmen für bestimmte dinge andere wörte.

als ich den beitrag gestern hier las, hat es sich eher so angehört, als wenn kleinesetwas leute für gemeinsames töten/springen.... sucht.
hi lindel,
es ist keine ankündigung eines selbstmords oder der aufruf zum massenselbstmord, es ist wohl eher ein hilferuf.
wenn es feige wäre, sich in den tod zu stürzen, dann wäre bungie-jumping, nur weil man sich durch das seil sicher glaubt, welches jederzeit seine funktion versagen könnte, auch nicht mutig, allerhöchstens über-/ wagemütig.
das, was kleinesetwas in diesen momenten empfindet, ist für uns un-beteiligte nur sehr schwer nach zu empfinden und kann weder unter mut, noch unter feigheit einsortiert werden.

mutig ist, dass kleinesetwas sich hier mitteilt, um hilfe zu finden.
LG nail

kleinesetwas
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Beitrag von kleinesetwas »

Hallo Renate,

danke für deine Antwort.
Renate02 hat geschrieben:wäre vielleicht eine andere Therapieform sinnvoll!
Nein, ich möchte auf keinen Fall eine andere Therapieform und auch keinen anderen Therapeutin oder so. Sie hat mir ja bei anderen Sachen auch schon weitergeholfen. Aber trotzdem danke für den Vorschlag.
Renate02 hat geschrieben:Es nützt nichts, wenn Du ihm "heile Welt" vorspielst - dann kann er Dir nicht helfen.
Ja, wahrscheinlich nicht, aber ich krieg's einfach nicht anders hin. Weil ich ja immer und bei jedem die "heile Welt" vorspiele. Ich kenn das ja auch irgendwie gar nicht anders. Manchmal weiß ich noch nicht mal richtig, was ich wirklich denke usw. und was ich einfach immer nur vorgeben zu denken usw. Mich verwirrt das auch irgendwie, wenn ich sagen soll, was ich wirklich denke und so, auch bei anderen Dingen. Und vielleicht ist das ja auch nicht gut, dass mich das verwirrt ... keine Ahnung.

Renate02
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Beitrag von Renate02 »

kleinesetwas hat geschrieben:
Renate02 hat geschrieben:Es nützt nichts, wenn Du ihm "heile Welt" vorspielst - dann kann er Dir nicht helfen.
Ja, wahrscheinlich nicht, aber ich krieg's einfach nicht anders hin. Weil ich ja immer und bei jedem die "heile Welt" vorspiele. Ich kenn das ja auch irgendwie gar nicht anders. [...] Und vielleicht ist das ja auch nicht gut, dass mich das verwirrt ... keine Ahnung.
Das mit dem "heile Welt" vorspielen, weil man nicht in Worte fassen kann, was in einem vorgeht kenne ich auch von mir selbst :oops: Mir fällt es ja auch schwer (bzw. gelingt mir oft auch gar nicht). Meine Therapie ist seit fast zwei Jahren beendet. Ich möchte, sobald die zwei Jahre vollends rum sind, eine neue beantragen (obwohl ich psychisch stabiler bin als je zuvor - aber ein paar offene Baustellen habe ich trotzdem noch). Dafür habe ich den festen Vorsatz, meinem Therapeuten klipp und klar zu sagen, dass es mir manchmal schwer fällt, meine Gefühle in Worte zu fassen und dass ich dann "heile Welt vorspiele" oder ablenke. Vielleicht kann er dann darauf eingehen? Und vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit für Dich? - Sage Deinem Therapeuten, dass Du ihm manchmal etwas vorspielst, weil Du keine Worte findest für das, was in Dir vorgeht (das ist ja kein "böser Wille" von Dir und auch nicht "gegen die Therapie gesperrt" sondern eher ein "nicht gekonnt").

Dass Dich das Ganze verwirrt, ist, glaube ich, weder gut noch schlecht, sondern menschlich. Meiner Meinung nach darf man auch mal über sich selbst verwirrt und erstaunt sein.

Stefan4242
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Beitrag von Stefan4242 »

Hallo,
kleinesetwas hat geschrieben:Ich finde ehrlich gesagt, dass es mir gerade zu schlecht geht für eine Therapie. Weil ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann, als auf die Suizidgedanken.
Mir sind Depris seit einem Vierteljahrhundert nur allzu gut bekannt, auch mit akut suizidalen Phasen. Und mit Therapien, stationär und ambulant. Was du schreibst, habe ich lange genau so empfunden: nicht psychotherapie_fähig_ zu sein, weil es mir zu schlecht ging.

Leider hat es lange gedauert, bis ich die Konsequenz daraus gezogen habe. Nämlich, eine Psychotherapie auf später zu vertagen und mich psychiatrisch behandeln zu lassen. Ich kann dir nur dringend empfehlen, zu einem Psychiater zu gehen. Der kann eine Diagnose stellen und dich auch psychopharmakologisch behandeln. Nein, keine Angst: Antidepresiva machen nicht körperlich abhängig, auch nicht "neblig" im Kopf.

Natürlich bin ich da aus meiner Erfahrung heraus "parteiisch". Nur habe ich (mich und meine Frau eingeschlossen) viele Menschen kennen gelernt, die auch schwere Depressionen mit Antidepressiva in den Griff bekommen haben. Aber nicht einen, der das ausschließlich mit Psychotherapie geschafft hätte.

Viele Grüße,
Stefan
Ich glaube nicht (an einen persönlichen Gott), aber ich kenne eine persönliche Kraft, deren Wirkung kein Widerstand entgegengesetzt werden kann. Ich nenne sie Gott. (C.G.Jung)

kleinesetwas
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Beitrag von kleinesetwas »

@Renate: Ja, ich könnte mir zumindest vorstellen, dass in der Thera anzusprechen, ob ich das dann wirklich auch mache, ist allerdings schon wieder was anderes. Aber es hört sich auf jeden Fall sinnvoll und logisch an.

@Stefan: Ja, über Medikamente hab ich auch schon nachgedacht. Aber irgendwie bin ich immer zu dem Entschluss gekommen, dass es mir dafür noch zu gut geht.
Ich hab immer das Gefühl, dass es mir dafür zu gut geht, weil ich mich ja noch unter Kontrolle habe. Ich denk immer wenn ich kurz davor bin, die Kontrolle zu verlieren dann würd ich Medikamente nehmen. Dann frag ich mich allerdings auch wieder, was wäre, wenn ich diesen Moment verpassen würde.
Hauptsächlich will ich die nicht nehmen wegen den Nebenwirkungen. Vor allem am Anfang soll man ja davon müde sein usw. Außerdem führt das bei manchen zu Gewichtszunahme usw. usw.
Es kann ja auch sein, dass man mehrere Medikamente ausprobieren muss, bis eines wirkt. Dann muss ich alle möglichen Mediakamente mit allen möglichen Nebenwirkungen nehmen und am Ende hilft vielleicht doch keins. Ich schließe ja nicht vollkommen aus, Medikamente zu nehmen, aber momentan find ich irgendwie, dass es mir dafür zu gut geht.
Ich hoff halt auch, dass ich mich bald mal wieder "einkriege" und ich dann nicht mehr das Gefühl habe, es würde mir für die Therapie zu schlecht gehen. Ich werd erst mal noch ein bißchen abwarten.
Ich hab auch einfach das Gefühl, dass das alles irgendwie zu mir gehört (das es mir schlecht geht etc.) und wenn ich etwas dagegen unternehme würde ich ja einen Teil von mir zerstören. Also ich meine jetzt nicht diese krassen Suizidgedanken, aber vieles von dem Rest was noch dazugehört. Ich bin ja schon als Kind nicht so super fröhlich gewesen und hab immer schon viel nachgedacht usw. Ich glaube eben, dass ich ein Stück weit auch einfach so bin und dass die Gesellschaft einen da in so ne Krankheitsschiene reindrückt.

nail
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Beitrag von nail »

hi kleinesetwas,
es ist sicher zum teil die gesellschaft, aber wenn du dich so fühlst:
Ich finde ehrlich gesagt, dass es mir gerade zu schlecht geht für eine Therapie. Weil ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann, als auf die Suizidgedanken
Das was mich daran stört ist, dass ich eigentlich nie "richtig" leben kann, weil ich immer denke, dass ich mich in naher Zukunft sowieso umbringen werde
und dir hier rat und hilfe suchst, dann ist es doch auch dein eigenes gefühl, dass etwas nicht in ordnung ist.
weisst du, so wie du hier mit allen schreibst, so wäre es gut, dass du auch mit deiner therapeutin, die dir schon helfen konnte, so offen redest, weil sie dir dann wirklich helfen kann. mit der heilen welt würdest du euch beiden nur ein vorankommen verbauen, weil sie es doch merkt, dass du nicht offen mit ihr redest.
du wirst durch die therapie keinen teil von dir zerstören, du wirst dann mit diesem teil anders umgehen, ihn aber nicht verlieren.
manchmal ist es aber schon wichtig, dass du gerade am anfang, genau in einer solchen phase, wo du dich zu schlecht für eine therapie fühlst, entsprechende medis einnimmst, um die therapie überhaupt anfangen zu können. muß ja nicht immer gleich für ewig sein.
du kannst es ja erstmal versuchen und wenn es tatsächlich keine verbesserung für dich bringt, dann kannst du mit deiner therapeutin darüber reden, um etwas anderes zu überlegen.
LG nail

Stefan4242
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Beitrag von Stefan4242 »

Hallo,
kleinesetwas hat geschrieben:Hauptsächlich will ich die nicht nehmen wegen den Nebenwirkungen. Vor allem am Anfang soll man ja davon müde sein usw. Außerdem führt das bei manchen zu Gewichtszunahme usw. usw.
Nix "usw. usw." !!!

Bei Antidepressiva (AD) kommen heute fast immer 2 Wirkstoffgruppen in Betracht: Trizyklische AD (TCA) und Serotonin(Noradrenalin)Wiederaufnahmehemmer (SSRI/SNRI). Die Nebenwirkungen, die du beschreibst (Gewichtszunahme, Müdigkeit, z.T. auch Haarausfall), treten bei TCA auf. Nicht bei SSRI/SNRI. Die wirken auch nicht sedierend (Müdigkeit), sondern anfangs eher agitierend.

Wenn du zum Psychiater gehst, sag' dem, dass du ein SSRI / SNRI verschrieben haben willst, kein TCA. Das wird der aber sowieso tun. TCA haben schon noch ihre Daseinsberechtigung. Die sind seit Jahrzehnten auf dem Markt, und manchmal ist die "beruhigende" Nebenwirkung auch erwünscht. Ausserdem sind sie sehr viel billiger als SSRI / SNRI, weshalb sie von manchen Ärzten lieber verschrieben werden. Die typischen Nebenwirkungen von SSRI / SNRI sind: zu Anfang agitierend (Nervosität, innere Unruhe - verschwindet normalerweise nach wenigen Wochen), Libidoverlust (kein Bock mehr auf Sex - gilt für TCA genauso), manchmal Mundtrockenheit und/oder Nachtschweiss. Das ist etwas unangenehm, aber nicht schlimm. Es ist auch durchaus erlaubt, zusammen mit SSRI / SNRI in Maßen Alkohol zu trinken (also nicht wie bei Tranquilizern, wo das generell verboten ist). Ausserdem wird auch die Denk- und Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Man kann damit also weiter Auto fahren, Maschinen bedienen usw. Kein Problem.

Was manche Patienten schlimm finden, ist der "Lust-Verlust" in Sachen Sex. Mir war und ist das ziemlich egal. Denn ohne Medikament, aber mit Depris habe ich auch keinen Bock darauf. Also Jacke wie Hose. Nur, dass es mir mit Medi sehr viel besser geht.
Ich hab auch einfach das Gefühl, dass das alles irgendwie zu mir gehört (das es mir schlecht geht etc.) und wenn ich etwas dagegen unternehme würde ich ja einen Teil von mir zerstören. Also ich meine jetzt nicht diese krassen Suizidgedanken, aber vieles von dem Rest was noch dazugehört. Ich bin ja schon als Kind nicht so super fröhlich gewesen und hab immer schon viel nachgedacht usw. Ich glaube eben, dass ich ein Stück weit auch einfach so bin
Dieses Zitat mal ganz groß und fett - weil es GANZ GENAU das ist, was ich in deinem Alter (und auch noch 15 Jahre später, leider) von mir geglaubt habe. Soll ich dir was verraten: das ist nicht wahr!

Natürlich glaubst du, "dass du so bist". Du kennst dich ja nicht anders. Glaubte ich von mir auch. Wenn ich Kindheitsfotos von mir anschaue: Stefan guckt immer schlecht gelaunt oder heult (bis ihm das konsequent "ausgetrieben" wurde), lächelt fast nie. Meine Eltern bezeichneten das als "bockig" oder "einen Flunsch ziehen", usw. Wenn ich solche Fotos heute sehe (ob von mir oder anderen), weiss ich: dieser Mensch gehört sofort in Behandlung. Leider wußte ich das als Kind natürlich nicht, meine Eltern auch nicht (damals, 70er Jahre, auf dem Dorf, wo ein Psychiater noch als "Irrenarzt" galt und man über "sowas" ohnehin nicht sprach, weil was würden sonst die Nachbarn denken)...

Also nicht behandelt, und damit nahm das Verhängnis seinen Lauf. In der Pubertät zum ersten mal akute Suizidalität. Nachfolgend zu den Depris Panikattacken (Kein Kino mehr, keine Kneipe, nicht Autofahren - nichts von dem was jungen Menschen Freude macht). Und immer das Gefühl: so bin ich eben, so war ich schon immer, damit muss ich mich wohl abfinden. Komisch, dass andere Menschen Freude am Leben haben. Hat mir der liebe Gott wohl so mitgegeben, dass ich als "Grübler" und "Denker" fast immer schlecht drauf bin. Auch die ganzen 20er über das gleiche Gefühl: ich schleppe mich irgendwie so durch's Leben. Mal ist es erträglich, mal würde ich mich am liebsten sofort umbringen. Nur Freude macht mir das Leben nie. Aber wiegesagt: das war ja schon immer so, also muss das wohl mit meiner Persönlichkeit zusammenhängen - daran ist nichts zu ändern, habe ich wohl Pech gehabt und bei der Verteilung der Lebensfreude irgendwie die Arschkarte gezogen?

Also keine Behandlung. Mit 15 nicht, mit 20 nicht, mit 30 immer noch nicht. Was mir passiert ist, ist exakt das, was in D das größte Problem bei der Behandlung von Depris ist: sie werden oft nicht erkannt, und dann eben nicht behandelt. Und je länger ein Mensch damit lebt, desto mehr hält er diesen Zustand für selbstverständlich und quasi "gottgegeben": so bin ich halt, das muss wohl so sein. Ich wr in meiner Jugendzeit bei x Ärzten, wegen psychosomatischer Beschwerden als Folge der Depris und Ängste: Magen, Darm, Herzprobleme, usw. - nicht ein einziger Facharzt hat Depris diagnostiziert :-( Und zum Psychiater "durfte" man ja nicht gehen, weil zum Irrenarzt geht "man" ja nicht... _Mein_ Kind ist doch nicht verrückt; nachher bin ich da als Elternteil noch schuld dran! Das ist heute zum Glück anders.
was mich daran stört ist, dass ich eigentlich nie "richtig" leben kann (...) Aber irgendwie bin ich immer zu dem Entschluss gekommen, dass es mir dafür noch zu gut geht. (...) Ich werd erst mal noch ein bißchen abwarten.
Wieder groß und fett, weil auch das haargenau mein Lebensgefühl über Jahrzehnte war :-( Nichts macht Spass, in engagiere mich für nichts (warum auch? Gibt doch eh keine Zukunft!), schleppe mich so durch. Es geht schlecht, und zwar seit langem, aber irgendwie geht's immer noch nicht schlecht genug, um professionelle Hilfe zu suchen. Also warte ich einfach noch "ein bißchen" ab.

Dieses Spielchen - dir einzureden, dass es dir ja noch "zu gut geht", um etwas zu unternehmen - kannst du spielen, bis du in Rente gehst. Und wenn du so drauf bist wie ich damals, dann wirst du immer weiter leiden. Weil alles zwar eigentlich beschissen ist, aber immer noch "zu gut", um sich wirklich vor den nächsten Zug zu werfen. Mit dieser Lebensweise (die für dich nur logisch und konsequent ist, wie für mich damals auch, weil man es ja nicht anders kennt) aber wirfst du dein Leben "Stück für Stück" weg. Und damit viele Lebensjahre, die einfach "verloren" sind.

Ich würde mit 42 heute bestimmt immer noch so leben, wenn ich nicht damals in einer Krisensituation (da kamen Beruf und Privates zusammen) zum Glück (im Nachhinein gesehen) plötzlich "von einem Tag auf den anderen" zusammengebrochen wäre. Ich wollte morgens aus dem Haus zur Arbeit, wie immer. Also in's Auto, losfahren... und nach ein paar Minuten hat mcih die Panik so gepackt, dass ich nur noch umkehren und schnellstmöglich zurück in die Wohnung konnte. Und da bin ich dann ein Vierteljahr lang geblieben, weil ich mich nicht mehr rausgetraut habe. Erst da ist mir klar geworden, dass ich so nicht mehr weiterleben kann, und dass sich dringend was ändern muss. Das war dann erstmal Psychotherapie (erfolglos), später Medikamente (erfolgreich).

Und erst mit dem SSRI-Antidepressivum ging für mich (so 5-6 Wochen nach Einnahme) zum ersten mal seit ungezählt vielen Jahren wieder "die Sonne auf". OK, ich mußter erst wieder mühsam lernen, mich aus dem Haus zu trauen. Erstmal zu Fuss, ein paar Minuten. Dann mit dem Fahrrad, etwas weiter. Alles ganz langsam, nicht überfordern, Stück für Stück. Dann sogar mal zum Bäcker! Das war halt meine ganz persönliche "Verhaltenstherapie". Aber, oh Wunder. Als das AD so nach und nach "unmerklich" an zu wirken fing... da ist mir irgendwann aufgefallen, dass ich darauf achte, ob die Sonne scheint. Und mich darüber freuen kann. Und dass ich beim Bäcker nicht mehr so völlig schlecht gelaunt, zerknirscht und mit Leichenbittermiene rumstehe, sondern dass ich tatsächlich mit der Verkäuferin 2-3 belanglose Sätze reden kann. Und das mir das gut tut. Und das so ganz banale, kurze soziale Kontakte unglaublich wichtig sind.

Und dass mir die Mitmenschen, wenn ich nicht mehr so arg depressiv drauf bin (ich wirkte dann wie "versteinert", und fast alle Leute hielten mich dann für hochnäsig und arrogant - dabei hatte ich nur einen Mords-Schiss, mit jemandem auch nur ein Wort zu wechseln, und davor, in Panik aus dem Laden zu laufen oder in aller Öffentlichkeit zu Kotzen). Kurzum, ich durfte nach langer Zeit wieder erleben, dass das Leben mit all seinen Kleinigkeiten und banalen Kurzkontakten zu anderen kein Dauerstress sein muss, sondern angenehm sein kann. Und dass es da genau so positive Verstärkungen gibt (wenn ich mit anderen Leuten freundlich umgehen kann, sind sie auch zu mir freundlich) wie vorher in der Depression negative.

Eigentlich völlig simpel: wenn ich lächeln kann, dann lächeln die Mitmenschen zurück. Wenn ich "versteinert" und böse gucke und kein Wort rauskriege... dann redet auch niemand mit mir, sondern alle sind froh, wenn ich schnell wieder weg bin. Und meine Erfahrung darüber, dass es sich "sowieso nicht lohnt", mit anderen Kontakt zu haben, haben sich zum zigtausdendsten mal wieder bestätigt. Eh' alles Scheisse, hat keinen Sinn, und mich mag sowieso keiner. War immer so und wird auch immer so bleiben.

Nein, ist nicht so, und muss schon gar nicht so bleiben. Natürlich gibt es auch mit AD Trauer, Sorge, schlechte Phasen. Aber halt auf einem anderen level. Schlecht ist dann halt auch schlecht, aber eben nicht gleich völlig verzweifelt. Und gut ist viel besser als vorher ohne AD. In die Klapsmühle bin ich trotzdem danach noch gekommen. Weil ich, als mir längere Zeit gut ging, so "schlau" war, die AD ohne Rücksprache mit meinem Psychiater abzusetzen. Vier Wochen später war ich mit akuter Suizidalität stationär in der nächsten Landesklinik :-( Passiert mir aber garantiert nicht nochmal. Und mit AD ist von Suizidalität schon lange keine Rede mehr - Gott sei Dank!

Es ist mir zwar peinlich, wenn ich hier Romane schreibe und meine Lebensgeschichte so breit trete. Ich tu's trotzdem, weil ich mich in dir sehr genau wieder erkenne - so, wie ich vor 20 Jahren war. Und weil es sinnlos und grausam ist, diese Art von Leben nochmal über ein Jahrzehnt zu führen, obwohl es Hilfe gibt. Wenn ich heute auf meine 20er Jahre zurückblicke: das waren vollkommen verlorene Jahre, mutlos, perspektivlos, extrem anstrengend. Von denen ich am liebsten nichts mehr wissen will.

Das einzige, was ich mich heute frage: wie zum Teufel konnte ich so lange so leidensfähig und so blind sein, dass ich immer und immer so weiter gemacht und auch noch geglaubt habe, dieser Krampf sei "normal" und es ginge mir ja "noch nicht schlecht genug"? Ich weiss es nicht. Das war nicht ich, das war ein anderer. Das war der Stefan, der es halt nie anders kannte. Und dem das Leben dann (spät, aber immerhin) irgendwann mal so richtig in den Arsch treten musste, bis er kapiert hat, dass er so nicht mehr weitermachen kann und will.

Klar, jeder Mensch muss seine Lebenserfahrungen selbst machen. Und auch mit AD ist das Leben nicht nur fröhlich (meines ist gerade ziemlich beschissen, weil meine Frau halt langsam aber sicher vor sich hin stirbt). Aber das Leben hat andere Perspektiven, wenn man nicht mehr - wie du gerade - im Sumpf hängt und von da aus nunmal nichts anderes als trübes Wasser sehen kann.

Von daher: mach, was du für richtig hältst. Aber mache nicht endlos lange das, was ich über Jahrzehnte falsch gemacht habe. Denn meine "Lebensbilanz" bisher ist nicht so toll. 20 "verlorene" Jahre, die ich am liebsten völlig vergessen möchte. Aber dann (bis heute) einige gute, in denen ich intensiver und besser gelebt habe als jemals zuvor.

Was vergibst du dir, wenn du AD ausprobierst? Ok, vielleicht musst du 2-3 Medis und/oder Dosierungen ausprobieren, bis dir eines hilft und es dir besser geht. Die Alternative kennst du. Nämlich...
dass ich eigentlich nie "richtig" leben kann
Und dass du das nicht bis in alle Zukunft willst, geht aus deinen postings hier doch klar hervor. Oder?

Viele Grüße,
Stefan
Ich glaube nicht (an einen persönlichen Gott), aber ich kenne eine persönliche Kraft, deren Wirkung kein Widerstand entgegengesetzt werden kann. Ich nenne sie Gott. (C.G.Jung)

kleinesetwas
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Beitrag von kleinesetwas »

Hallo nail,
du wirst durch die therapie keinen teil von dir zerstören, du wirst dann mit diesem teil anders umgehen, ihn aber nicht verlieren.
Ja, stimmt wahrscheinlich. So einfach verschwindet wohl wirklich nicht ein Teil von einem Selbst.



Hallo Stefan,

danke, dass du mir so ausführlich geschrieben hast, obwohl dir das unangenehm war (aber ich finde, dass dir der Text eigentlich überhaupt nicht peinlich sein bräuchte).

Tja ... was soll ich nach diesem Text jetzt anderes schreiben außer, dass ich ADs ja wenigstens mal ausprobieren könnte :wink:
Nee, mal im Ernst, wahrscheinlich hast du recht, dass es irgendwie unvernünftig wäre die von vornherein zu 100% abzulehnen.

Zum Thema Nebenwirkungen: Mich hat meine Thera vor einiger Zeit schon mal gesagt, dass es in meinem Fall wohl besser wäre, unterstützend zur Thera ADs zu nehmen (obwohl ich ihr da noch nicht mal was von den Suizidgedanken erzählt hab ..., sondern meinen "Zustand" in einer total abgeschwächten Version geschildert habe). Naja, die ADs wollt ich damals natürlich nicht. Da hab ich aber trotzdem mal nach ADs gegoogelt und das habe ich das mit den Nebenwirkungen gelesen auch bei SSRI/SNRI, glaube ich. Aber egal, ich kann's ja trotzdem mal ausprobieren (falls ich es hinkriegen sollte das dann auch anzusprechen oder ich warte bis sie es anspricht irgendwie... :roll: ich müsste dann zwar sowieso wahrscheinlich zu einem Psychiater, aber dahinzugehen ohne das ich das mit ihr abgesprochen hab, würd ich halt auch nicht machen ... ).

LG
kleines Etwas

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