Psychische Probleme bei Lebensgefährtin, weiß nicht weiter

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Kuscheltier
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Beitrag von Kuscheltier »

@MarionMaus:

Ja, ich lass' mich gerne belehren, wenn jemand mehr weiß als ich. Ich bin ja auch kein Profi in der Medizin, sondern in einer anderen Profession, bin da aber ziemlich gut informiert.

Mein letzter Stand war, dass Traumatisierungen als Ursachen für Psychosen diskutiert werden und die Frage unterschiedlich beantwortet wird, eine abschließende Antwort von Seiten der Forschung aber noch aussteht.

Aber wenn Du mehr weißt als ich, dann bitte: Nur her damit. Kann gut sein, dass es neue Erkenntnisse gibt, die an mir unbemerkt vorbeigegangen sind.

???

Was ich kenne, sind die sog. "Mini-Psychosen", die sich von selbst zurückbilden und meist doch auf traumatischem Inhalt beruhen. Die führen ja oft dazu, dass allgemein ausgebildete Therapeuten dann fehldiagnostizieren und Traumapatienten mit Medikamenten gegen Schizophrenie vollpumpen und sie völlig falsch behandeln.

Ob die - ich nenn's mal so - echten Psychosen auch Traumafolgestörungen sind, weiß ich nicht.

Meinst Du echte Psychosen oder die sog. "Mini-Psychosen" (Die ja keine Psychosen im eigentlichen Sinn darstellen, meine Meinung)? Derealisation und Dissoziation wirken auf nicht gut ausgebildete Ärzte ja auch oft wahnhaft, sind aber was ganz anderes; haben ja mit der Gedächtnisverarbeitung zu tun und weniger was mit Überflutung durch Außenreize, weil die Wahrnehmung im Gehirn nicht eingeschränkt ist, das Gehirn nicht zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem unterscheidet, so wie es bei normal gesunden Menschen ist.

Ich kenn' mich mit Psychosen wenig aus. Ich würde aber doch Zweifel daran haben, dass jede Psychose auf Traumatisierungen beruht. Es kann ja auch so eine krankhafte Veränderung der Gehirntätigkeit vorliegen, die dann diese Symptome hervorbringt. Ganz bekannt sind ja auch drogenkonsumbedingte Psychosen als Spätfolge. Da gibt's auf alle Fälle keinen Zusammenhang mit Traumatisierung.

Dass eine Psychose auch zum Spektrum der Traumafolgestörungen gehören kann, will ich gerne glauben, wenn man dafür Nachweise hat, aber dass jede Psychose traumabedingt ist, glaub' ich nicht, bis man mir es beweist.

Ich denke, bei einer Geschichte, wie sie hier beschrieben ist, sind zumindest wir beide uns eingig, dass die Lebensgefährtin auf alle Fälle von einem guten Traumatherapeuten untersucht werden sollte. Der Psychiater an der Ecke ist damit mit Sicherheit überfordert und die wenigsten dieser Sorte, werden es überhaupt auch nur merken?
Psychotisch ist der, der Psychosen sieht (und diagnsotiziert), wo keine sind!

MarionMaus
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Beitrag von MarionMaus »

@ Kuscheltier

Ich meine alle Psychosen, ob mini, maxi, was auch immer.

Du willst von mir einen Beweis? Machen wir es doch umgekehrt, beweis mir das Gegenteil;-)

Beweise führen können die Mathematiker ganz gut, aber mit der menschlichen Psyche ist das nicht so einfach.

Ich habe mein Wissen aus mir heraus, aus eigener Erfahrung und aus dem Verständnis, wie gute Therapien funktionieren und für mich ernst zu nehmende Therapeuten sehen diese Zusammenhänge zwischen Traumatisierung in der Kindheit und Psychosen auch.

Ganz einfach wäre es festzustellen, wenn jeder der eine Psychose hat, statt mit Medikamenten vollgepumpt einen guten Therapeuten zur Seite bekäme, seine Geschichte aufarbeitet und die Psychose verschwindet.

Solange die Psychose nur mit Neuroleptika behandelt wird bleibt sie "unheilbar"

Um es noch krasser auszudrücken, die Psychiatrie ist ein kathastrophaler Irrweg, an Unmenschlichkeit kaum zu übertreffen. Ich weiß, wovon ich rede und ich werde hier auch einiges an die Öffentlichkeit bringen, aber möchte da jetzt nicht groß drüber schreiben, wollte eben nur dir antworten wegen den Psychosen.

MarionMaus
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Beitrag von MarionMaus »

@ Kuscheltier

noch ne Frage - sofern du sie beantworten willst:

Wie kommst du auf diesen Satz?:

"Psychotisch ist der, der Psychosen sieht (und diagnsotiziert), wo keine sind!"

Kuscheltier
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Beitrag von Kuscheltier »

@ MarionMaus:

Kann ich gerne beantworten, macht mir nichts aus und ist kein Problem für mich, weil ich selber eben nicht betroffen bin von so einer Diagnose und in der Psychiatrie war ich auch nie. Zum Glück kann ich nur sagen. Wenn's nach mir ginge, würde ich die Psychiatrie noch heute komplett abschaffen. Ich finde sie genauso grausam und unmenschlich wie Du.

Ich hatte eine Freundin, die das Opfer von schwerem sexuellem Missbrauch in der Kindheit wurde (Inzest). Sie hatte eine dissoziative Störung, damals nannte man das noch multiple Persönlichkeitsstörung (heute läuft es ja - soweit ich noch weiß unter Dissoziative Identitätsstörung). Ich bin aus der Thematik schon 'ne Weile raus und hab' nicht mehr alles Wissen sofort parat.

Aber daher stammt mein Wissen. Ich hab' diese Freundin in einer spezialisierten Traumaklinik kennengelernt, in der ich selber behandelt wurde (nach einem Überfall).

Und daher weiß ich halt, wie oft Traumapatienten fälschlich als Schizophrene diagnostiziert wurden und dann halt nur mit Pillen vollgestopft wurden. Im Schnitt dauert es wohl um die 7 Jahre, bis dann mal die richtige Diagnose kommt.

Daher kommt der Spruch und er stammt von mir.

Es ist gleichzeitig eine Provokation aber auch ein Appell an die, die in der Branche tätig sind, besser aufzupassen und sich der Verantwortung für ihre Patienten bewusst zu werden.

Gruß

PS Ich glaub' Dir gerne, dass in Deinem Fall - sofern ich Dich da richtig verstanden habe (?) - eine Psychose als Traumafolge entstanden ist. Aber ich glaube, Du kannst nicht von Dir auf alle anderen Menschen schließen. Medizin ist kompliziert, der menschliche Körper auch. Es gibt angeborene Defekt und tausend Möglichkeiten, was eine Psychose theoretisch verursachen kann. Es gab schon Forschungen, die eine Viruskrankheit des Gerhins als Ursache für eine Psychose feststellten. Dann gibt's die Drogen-Psychose, da werden Menschen psychotisch, die wirklich nie traumatisiert wurden.

Daher denke ich, ja, Psychose kann eine Traumafolge sein, aber nicht alle Psychosen sind traumabedingt. Wie gesagt, wenn es dafür wissenschaftliche Belege geben sollte, dann glaub' ich das auch bezüglich aller Psychosen. Aber bis dahin behalte ich mir Restzweifel vor.

Beruflich hab' ich mit psychotischen Menschen sehr viel zu tun und ich muss ehrlich sagen, mir machen sie genauso viel Angst, wie den anderen nicht davon betroffenen Menschen sonst im Durchschnitt auch. Es ist schon beides schwierig, jemand zu sein, der psychotisch ist, aber auch für das Umfeld.

Und ich hab' mit systemisch nicht Familienaufstellungen gemeint, das ist ja wieder was anderes.

Ich kenne systemische Therapie und kenne noch viel bessere Dinge als das. Kann aber sein, dass es für andere Menschen genau umgekehrt ist.

Ich denke halt, man sollte sich umschauen, die Psy-Szene ist groß, und sich dann das aussuchen, womit man am besten klar und weiter kommt.

Was definitiv nicht geht, sind PA, die Jahre und Jahrzehnte dauern und dann noch nicht mal Erfolge im Alltag oder sonst wo bieten können. Die Krankenkassen sind schön blöd, wenn sie das weiter finanzieren!!!!!!!!!!!!!!!

Wäre ich die Krankenkasse, würde ich eigene Therapeuten ausbilden und mich von den Vertragstherapeuten, die nicht die nötigen Erfolge vorweisen können, trennen. Ich würde nur noch Erfolgshonorare zahlen, würde Patientengespräche mit den Gutachtern verpflichtend einführen, zur Leistungskontrolle der Therapeuten und ich würde Aufnahme - und Annahmepflicht für die Therapeuten einführen. Bei mir würde damit keiner mehr durchkommen, unliebsame und aufwendige, anstrengende Patienten auflaufen zu lassen. Die wollen sich zum Großteil nur für wenig Stress und Mühe eine goldene Nase verdienen. Denen würde ich in die Suppe spucken und wie!!

Bei den Rechtsanwälten wird auch einfach der Pflichtverteidiger vom Gericht bestellt und der, den es trifft, ist dran und muss es machen. Punkt. Wo kämen wir hin, wenn jeder nur unliebsame Kundschaft abschieben würde?

Die Therapeuten machen es sich verdammt leicht, die Lobby arbeitet auf Hochtouren und in der Öffentlichkeit wird das Bild vom lieben und immer hilfsbereiten, aufopferungsbereiten Therapeuten kultiviert. Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus!!

Zum Glück gibt's auch seriöse und anständige, gut motivierte und kompetente Therapeuten, aber das ist schon fast soviel wie ein Sechser im Therapeuten-Lotto, wenn man an so jemanden gerät.

Psychiatrie ist Scheiße, da geb' ich Dir vollkommen recht. Verschlingt viel Geld und bringt im Grunde nicht viel. Schade um's Geld und eins der traurigsten Beispiele dafür, wie wenig Menschen in dieser Welt was zählen.
Psychotisch ist der, der Psychosen sieht (und diagnsotiziert), wo keine sind!

Daya
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Beitrag von Daya »

Mir hat Psychiatrie das Leben gerettet.
Gruß Daya

Kuscheltier
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Beitrag von Kuscheltier »

Das ist schön für Dich, Daya! Freut mich ehrlich.

Aber ich denke, das wäre auch erreichbar gewesen in einer Einrichtung, die noch besser arbeitet und aufgebaut ist, als es die Psychiatrie ist.

Viele Menschen werden in der Psychiatrie enorm geschädigt und verheizt; viele werden dort traumatisiert und retraumatisiert, fehlbehandelt und fehldiagnostiziert.

Sogar heute gibt's vereinzelt noch Fälle, wo Leute in der Psychiatrie landen, ohne dass die rechtlichen Voraussetzungen dafür vorliegen. Immer wieder gibt's Auswüchse und Machtmissbrauch. In Supervisionen berichten dann Jungärzte von der Situation vor Ort, die oft nicht dem entspricht, was man unter rechtlichen und medizinischen Aspekten verlangen darf.

Aber selbst, wenn alles nach Recht und Gesetz abläuft und dem aktuellen medizinischen Standard entspricht, ist die Psychiatrie, wie sie heute existiert, mit meinem Menschenbild nicht vereinbar. Man könnte hier vieles besser machen. Das würde dann von den Menschen, die da arbeiten, was anderes verlangen, und es würde die Gesellschaft mehr Geld kosten.

Aber wir leisten uns in unserer Gesellschaft soviel Mist, da wäre dieses Geld dort viel besser investiert.

Wenn man sich mal informiert, dann sieht man schnell, wie geschädigt manche Patienten die Psychiatrie verlassen. Da wird einem schlecht. Und das macht ein Einzelfall wie Deiner für mich nicht wett.
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muckl_Pu
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hi

Beitrag von muckl_Pu »

Ich würde gern was dazu sagen auch wenn es bereits zu spät sein wird

nach meiner erfahrung kann ein unbekannter helfen

er stellt sich auf ihre seit und baut vertrauen auf

dann bietet er hilfe an die sie annehmen wird

er sgat was von hypnose und so

das wird auch gehn wenn er sowas nicht kann

er muss nur so tun

sie wird ihm sagen was man für informationen braucht um eine behandlung zu ermöglichen

Nebelung
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Beitrag von Nebelung »

Puh, ihr scheint wirklich üble Kliniken kennengelernt zu haben. Das macht mich traurig. Denn so muss es nicht sein. Wie gut oder schlecht eine Klinik ist liegt an den Menschen dort. Und welches berufs- und Menschenbild sie haben.
Sowohl aus eigener hautnaher "Patientenerfahrung" als auch aus der Sicht von der anderen Seite der Stationszimmertür kann ich sagen: Die Psychiatrie ist nicht per definition schlecht oder unmenschlich. Man muss nur auch wissen wen man gerade vor sich hat. der Psychiater ist nunmal dafür zuständig körperliche Ursachen zu finden oder auszuschließen und Medikamente zu verschreiben. Und es ist eben gängige Praxis, dass man den Menschen zunächst Medikamente gibt um sie zu stabilisieren um sie "therapiefähig" zu machen. Ob das jetzt der beste Weg ist, mag ich nicht zu beurteilen. Ich finde ihn allerdings vom Argumentationsweg durchaus sinnvoll.
Die Psychiatrischen Kliniken wegen ein zwei schlechten Erfahrungen über einen Kamm zu scheren halte ich grundsätzlich für falsch. Und manchmal war die Klinik nicht schlecht...sondern nur schlecht gewählt. Denn jede hat einen eigenen behandlungsansatz und nicht jedesmal ist es das Richtige für den patienten.
Das Fehler gemacht werden ist leider die traurige Wahrheit, allerdings gehört dass nunmal dazu, wenn etwas unbekannt ist. tatsächlich ist die Erforschung der Psyche und ihren erkrankungen noch sehr jung, und vieles ist unklar, ungenau, oder am nächsten Tag überhohlt.
Das liegt nicht an den Behandelnden Personen, nicht am "System" oder an den Medikamenten, die auf den Markt sind, sondern einfach in der Natur einer Sache, die noch so wenig erforscht ist. Und so schwer greifbar ist mit unseren Messmethoden und Analysewerkzeugen.

Und auch mir hat die Psychiatrie das Leben gerettet, und ich habe sowohl Menschen gesehen, bei denen es genauso war, bei denen die Hilfe nicht ankam, weil sie etwas anderes brauchten, als auch Menschen bei denen Fehler gemacht wurden, die man dann wieder ausbügeln musste, immer in der hoffnung, dass man dies noch kann.


Und mal ne Frage: Was genau versteht ihr unter Psychiatrie? Bei euch klingt dass so als wäre die "geschützte Station" das einzige was es gibt.

Kuscheltier
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Beitrag von Kuscheltier »

"Geschützte Station"?! .......

Na ja, schöner Begriff, ich frag' mich nur, wer einen vor der "geschützten Station" schützt?!
Wenigstens war der Gesetzgeber so schlau, die Prüfung durch den Richter per Gesetz vorzusehen, damit wenigstens ein Restschutz der Menschen garantiert ist.

Unter Psychiatrie verstehe ich den gesamten psychiatrischen Bereich, also alle Stationen, nicht nur die geschützte (geschlossene) Station, und auch die ambulant niedergelassenen Psychiater, die auch tatsächlich als Psychiater arbeiten (hängt ja von der Art der Praxis ab, vom Angebot, von der Abrechnung, von den Ziffern).

Ich seh' eben die grundsätzliche Einstellung der psychiatrisch Tätigen als das Hauptproblem an, eben auf die körperliche Seite einer psychischen Erkrankung zu fokusieren, sich oft mehr für Symptome zu interessieren als für die Hintergründe, Ursachen und Entstehungsgeschichte.

Es ist das ganze Vokabular, die Art und Weise, wie Patienten von den Behandlern gesehen werden, beurteilt, eingschätzt werden. Statt von jemandem zu sprechen, dem es schlecht geht, der leidet, wird von gestört gesprochen. Wo jemand aufgrund schlimmer Erfahrungen depressiv reagiert, erzählt man ihm was von Botenstoffen, die im Gehirn zu wenig wären. Ja, mag sein, aber warum sie zu wenig sind, das erklärt der Psychiater nicht, der Traumatherapeut aber schon.

So ist es mit vielem: Die Psychiatrie hat eine zu eingeschränkte Sicht und daher mangelndes Verständnis für ihre Patienten. So demontiert sie deren Selbstwertgefühl, verhindert den Aufbau von tragfähigen Beziehungen zwischen Therapeut und Patient und verhindert so letztlich echte Heilung.

Dazu kommt, wie die Psychiatrie aufgebaut ist. Ich finde es z.B. nicht vertretbar, in der Psychiatrie die verschiedensten Patientengruppen zusammenzufassen, denn selbst, wenn die noch auf verschiedenen Stationen versorgt werden, werden sie von Menschen außerhalb dieses Systems doch meistens alle gleich gesetzt. Das bedeutet letztlich Stigmatisierung für alle Patienten und damit gravierende soziale Folgeprobleme (Die man nicht runterspielen sollte.). Was die Nachbarn denken, ist sicher egal, wenn man aber überall sozial ausgegrenzt wird, dann ist das nicht mehr lustig, sondern ein ganz großes persönliches Problem, dass die gesundheitliche Problematik vielfach verschärft.

Man nimmt die Menschen nicht genug ernst, gibt Pillen, wo Antworten gefragt sind.

Auch die Vermischung der Patienten, die wirklich nicht klar im Kopf sind (sag' ich mal extra provoaktiv, was ich meine, ist, wo der Verstand nicht korrekt arbeitet) mit Patienten, die eben wirklich nur psychisch krank sind, ist eine einzige Katastrophe. Diese Gleichmacherei und alles in einen Topf werfen, schadet den Patienten, die wirklich nur an der Seele krank sind, dermaßen, dass das nicht mehr zu verantworten ist.

Das sind alles solche Sachen, nur mal als Beispiele, woran man sieht, dass für viele Betroffene die Psychiatrie einfach nur ein Horrortrip wird, der nicht hilft, sondern alles nur noch schlimmer macht.

Viele Patienten lehnen das dann für sich instinktiv ab, stoßen damit aber gerade in der Psychiatrie auf Ablehnung, werden dafür verurteilt und von den Psychiatern als nicht therapiemotiviert abqualifiziert.

Wie oft man mir gesagt hat, dass ich für Therapie nichts tauge, generell nichts tauge, nicht therapierbar wäre, kann ich nicht mehr zählen. Ich hatte das große Glück nach langer Suche bei Leuten zu landen, die eben die nötige Ausbildung hatten und mich verstanden haben. Das waren ebenfalls Psychiater, aber die waren in der Psychosomatik tätig, hatten Traumatherapie als Zusatzausbildung.

Und siehe da, nachdem ich bei den richtigen Leuten war, lief auf einmal alles super. Diese Therapeuten, die mich dann sozusagen aus dem Sumpf gezogen haben, kennen das leider aus der täglichen Erfahrung.

Sehr viele Patienten werden von der Psychiatrie einfach nur ruiniert. Wäre ich da jemals gelandet, möchte ich nicht wissen, wohin ich mich entwickelt hätte, aber es wäre nichts Gutes gewesen.

Bestes Beispiel Borderline-Patienten: In vielen Psychiatrien sind sie mit Vorurteilen und Schubladendenken belegt, verhasst und höchstens noch geduldet, weil sie angeblich nur Ärger machen, manipulativ sind, nur Aufmerksamkeit wollen und oft werden sie schnellstmöglichst wieder entlassen, damit sich das Personal von ihnen erholen kann, kommen genau diese Patienten dann aber spezialisierten Traumatherapeuten werden sie in vielen Fällen innerhalb von kürzester Zeit zu handzahmen hochmotivierten Patienten. Grund: Dort sind Therapeuten tätig, die diese Patienten wirklich verstehen, ehrlich an ihrer Gesundung interessiert sind und das nötige fachliche Know-How mitbringen.

Die Psychiatrie versagt vielfach, weil sie aufgrund ihres großen Spektrums an Aufgaben zu wenig qualifizierte Kräfte in den Spezialdisziplinen hat.

Ich würde die Psychiatrie auflösen und störungsspezifische Kliniken mit angegliederten ambulanten Behandlungseinrichtungen einrichten, damit der Wechsel von Station in den ambulanten Bereich keine Probleme mehr machen würde.

Zudem würde ich die psychotherapeutische Betreuung als Standard-Therapie im Bereich von "echten psychischen" Erkrankungen, und nur bei Bedarf zusätzlich medikamentöse Therapie anbieten. Bisher läuft das umgekehrt und das ist meiner Meinung der zentrale Fehler in der Psychiatrie.

Ich kenne keinen Menschen, der im Falle dessen, dass es ihm emotional schlecht geht oder gehen würde, mit Pillen vollgepumpt und ruhig gestellt werden möchte. Alle suchen nach Halt, nach echter Hilfe, nach Zuwendung, nach Entlastung, nach Lösungen, nach Antworten auf Sinnfragen etca..

Wenn die Psychiatrie dem Rechnung tragen würde, wäre vieles gewonnen. Und wenn man verstehen würde, dass psychisch krank nicht bedeutet, dass der Verstand krank ist, sondern dass es den Menschen gefühlsmäßig schlecht geht, sie verzweifelt und hoffnungslos sind.

Es geht einfach nicht, dass man depressive hochintelligente Menschen mit Minderbegabten in eine Behandlungsgruppe zusammen packt, und glaubt, dass da noch ein therapeutischer Nutzen dabei rum kommen kann. Solche Dinge kenne ich von unserer regionalen Psychiatrie, da wird kreuz und quer behandelt, in der geschlossenen werden die Leuten ein - zwei Wochen gelagert, mit Pillen vollgestopft und entlassen. Das war's!

Der ganze Landstrich lacht über Menschen, die dort Patient waren. Wenn jemand dort behandelt wurde, schämt sich die ganze Familie, wenn es bekannt wird. Es ist halt eine ländliche Gegend und die Psychiatrie dort ist ein einziger Horrorschuppen.

Sowas kann man ja wohl nicht im Ernst als gesundheitsfördernd für z.B. schwer traumatisierte Patienten ansehen.

Am meisten stört an Psychiatern die häufigen Fehldiagnosen und Herabwürdigung ihrer Patienten als nicht krankheitseinsichtig, nicht therapiemotiviert etca.. Oft liegt das aber am Psychiater, der mit den Patienten nicht richtig umgeht, diese überfordert, weil er selber mit dem Patienten überfordert ist.

Vor allem würde ich ganz klar zwischen psychischen und mentalen Störungen unterscheiden. Und diese Patienten getrennt behandeln und versorgen. Die Sozialpsychiatrie mit ihrer Gleichmacherei ist ein nobler Gedanke, richtet aber in der Realität nur Schaden an. Und wer es nicht glaubt, der soll sich mal eine Woche lang mit einem Minderbegabten in ein Doppelzimmer begeben und sich den ganzen Tag mit hirnrissigem Gequatsche berieseln lassen.

Dass man sowas dann noch psychisch schwerkranken Menschen zumutet, ist für mich nicht mehr zu begreifen. Aber es gibt Psychiatrien, wo genau sowas, der Normalfall ist.

Alles in allem: Psychiatrie? Nein, danke!!
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Nebelung
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Beitrag von Nebelung »

ich muss dir sowohl wiedersprechen als auch zustimmen.
Einen Patienten als nicht therapierbar, schwierig oder sonstwas einzustufen ist ein Zeichen dafür, dass der behandelnde Mensch überfordert ist. Ich finde es grundsetzlich schwierig wenn solche Bewertungen abgegeben werden, und wenn mir sowas bei der Arbeit begegnet hinterfrage ich es grundsätzlich.

Ob mehr Therapie weniger Medikamente oder umgekehrt ist eine Grundsatzfrage. Nach dem was ich bisher gesehen habe (was sicher nicht der Weisheits letzter Schluss ist, schlieslich bin ich erst seid einem Jahr fertig examiniert) ist es doch so, dass viele erst durch eine Basisdosis an Medikamenten erst gesprächen zugänglich wurden. Und damit stark genug für eine Therapie. Ich empfinde dies auch in keinsterweise als ruhigstellung oder sonst irgendwas...bei einem gebrochenen Knochen würde man auch erstmal operieren und gipsen und danach die Krankengymnastik anschliesen. Aber das ist nur meine Sicht, und wie gesagt handelt es sich hierbei um eine seid Jahren geführte Grundsatzdiskussion.

Therapiezentren mit spezialisierung zu schaffen, das klingt ja nett, aber hast du dir mal über die Folgen gedanken gemacht? es würde bedeuten, dass es unzählige Kliniken geben müsste in jedem Einzugsgebiet. Bei der Trennung der Patienten wird es noch schlimmer. Denn die Schubladen macht nicht die klinik sondern die gesellschaft. Wenn wir anfangen würden. Die "Irren" von den "weniger Irren" zu trennen, damit sich die einen nicht so schlecht fühlen wenn sie jemand auf dem Weg zur Klinik sieht. Dann machen wir Jahre an Aufklärungsarbeit zu nichte. Nicht die Trennung darf hier die Lösung sein. Sondern Auklärung, die in den menschen das Bewusstsein dafür fördert, dass auch psychische Erkrankungen, Erkrankungen sind wie jede andere auch. Und die Menschen deshalb nicht dumm, gefährlich oder minderwertig sind.

Auch finde ich die Argumentetation, dass ja die Seele leidet und man deshalb wohl kaum den Körper behandeln kann, um Medikamente abzulehnen wenig durchdacht. Man kann Körper und Psyche nicht trennen. Es wurde lange versucht aber es geht nicht. Ich persönlich betrachte Psychopharmaka wie Schmerzmittel, sie lösen nur selten das Problem, aber sie machen es erträglich.

Zu letzt ist da noch die Frage im Raum "Was erwarte ich von meinem Psychiater!" Ein Psychiater ist in erster Linie ein Arzt. Ein Arzt behandelt den Körper und verschreibt Medikamente. Das ist sein Job. Wenn er auch mehr kann, dann ist das super, aber ich finde nicht, dass es ein Muss zu sein hat. Denn der Psychiater ist nicht alleine, neben ihm stehen Psycho-, Physio- und Ergotherapeuten und last but not least die Pflegekräfte, die durchaus mehr können als täglich Blutdruckmessen und Tabletten verteilen. Wenn man also vom Psychiater erwartet, dass er die Arbeit der anderen mit übernimmt wird man zwangsläufig enttäuscht, denn das kann er nicht leisten.
Genauso sollte man sich ab und zu Fragen, wofür man in einer Klinik ist /wofür die jeweilige Klinik ist. Denn meistens geht es in den Kliniken darum, die Leute einigermaßen zu stabilisieren, damit sie dann nach hause können unhd in ihrem Umfeld in aller Ruhe die sehr langwierige Psychotherapie beginnen können. Dieses ziel erreicht man jedoch nur in den seltesten Fällen, indem man im Dreck herum wühlt. Wem ist geholfen, wenn man mit dem Menschen tief in die Ursachen seiner Erkrankung eintaucht, um ihn dann weg zu schicken weil die aufenthaltszeit rum ist und er jetzt ambulant weiter machen soll? Denn die traurige Wahrheit ist, dass lange Aufenthalte 1. nicht immer gut für den menschen sind, es gibt jetzt schon zu viele, die außerhalb einer klinik kaum leben können. und 2. es dermaßen teuer wäre, jeden stationär fertig zu therapieren, dass könnte niemand bezahlen.
Wenn eine Therapie von zuhause aus, nichts bringt gibt es Langzeittherapieplätze für so ziemlich alles was man haben kann.

und wegen dem spöttischen Beiklang bei "geschützter Station". Ja es ein Schutz. Der Mensch wird in diesen Stationen vor sich selbst, aber auch vor der Umwelt draußen geschützt.

ich will nicht anzweifeln dass es schwarze Schafe auch in der Psychiatrie gibt, genauso wie bei allen Krankenhäusern. Aber es hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Und vieles was vor 5-10 Jahren noch absolut gängig war, ist heute veraltet oder gilt sogar als barbarisch.

Ich weiß, ohne die Wochen in der Psychiatrie, die mich so weit aufgebaut hatten, dass ich wieder leben wollte, und die Medikamente, die mir den Antrieb zurrück gaben, dass ich es auch wieder konnte, wäre ich heute nicht mehr hier. Ich hätte nie die Kraft gehabt eine Therapie zu beginnen und durchzuziehen.

Kuscheltier
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Beitrag von Kuscheltier »

Das ist durchaus vernünftig, was Du schreibst und für mich in den meisten Punkten nachvollziehbar.

ABER:

Ich hab' die barbarischen Zeit von vor 5-10 Jahren noch live erlebt. Ich glaube ehrlich gesagt nicht daran, dass sich in so kurzer Zeit soviel in der Psychiatrie geändert haben soll. Es fällt wirklich schwer zu glauben und solange ich es nicht gesehen habe, glaube ich es wohl auch wirklich nicht. Aber ich will's gerne so stehen lassen, weil Du jetzt näher dran bist und damit zumindest für Dein Haus die bessere Quelle.

Mir persönlich liegt sehr viel daran, die richtig Irren von den weniger Irren zu trennen, weil die richtig Irren für die weniger Irren einfach zuviel Belastung sind. Und geh' mal raus in die Gesellschaft und schlag' Dich nach einem Überfall, nach einer Vergewaltigung etca. mit den ganzen Vorurteilen gegen psychisch Kranke rum, weil in jeder Zeitung, in der ein Bericht drüber drin ist, dass irgendwo ein Geisteskranker ausgetickt ist, steht, der wäre psychisch krank.

Ich krieg' den Scheiß jeden Tag ab, es behindert meine sozialen Kontakte und meine Karriere etca.. Ich hab' nicht Lust, für die Krankheiten und Ausfälle/Ausraster von anderen den Kopf hinzuhalten! Und das mit Recht!

Ich hab' nicht geschrieben, dass ich die körperliche Seite der Erkrankung unbeachtet oder unbehandelt lassen würde, aber ich seh' das nicht als das einzige Wahre und Mittel erster Wahl.

Was Ruhigstellen etca. betrifft: Das ist unterschiedlich. Manche verlieren durch Medikamente noch mehr den Kontakt zu sich selber und die Therapiemotivation schwindet. Anderen helfen sie.

Was ich aber oft erlebt habe, ist, dass durch die Rezudierung des Psychiaters auf diese Rolle (körperliche Seite behandeln) sich die Leute vor den Kopf gestoßen fühlen und dann alles ablehnen.

Für Euch Profis ist das alles ganz klar. Für den Patienten nicht. Wer mich nicht fragt, was man mir angetan hat, wer mich nicht als Opfer sieht und wahrnimmt, mit dem brech' ich den therapeutischen Kontakt sofort ab. Punkt. So empfinden viele und genau da schneiden sich Psychiater den Weg zur Behandlung (und damit dem Patienten) den Weg ab.

Das ist "Medizin machen" aus einer überheblichen Position heraus. Aber genau das haben die Psychiater noch nicht verstanden. Zumindest Traumapatienten haben ein ganz ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und reagieren absolut sensibel auf solche Dinge. Und diese Feinheiten beachtet die Psychiatrie bis heute nicht und deshalb arbeitet sie so schlecht. Am Menschen vorbei halt leider.

Ihr könnt als Profis soviel Arbeitsteilung machen, wie ihr wollt, aber die Patienten werden in vielen Fällen da nicht mitgehen. Und dann..... Sind sie es nicht wert, dass man ihnen hilft? Sie brauchen halt Hilfsangebote, die für sie auch gangbar sind. Die Psychiatrie nimmt darauf bis heute keine Rücksicht. Wer "schwierig" (nach ihrer Ansicht) ist, wird entlassen. Basta!

Ja, Psychiater enttäuschen und wie. Und genau das ist das Problem. Ganz genau das ist das Problem an der Psychiatrie. Und Patienten, die fix und fertig sind, sollen damit dann umgehen können, durchhalten, wieder wo andocken versuchen?!

Das ist ein Witz und kaum ein suizidaler Mensch hält das durch oder wird es tun. Bei mir im Landkreis sterben pro Werktag im Schnitt 1-2 Menschen durch Suizid. An den Wochenenden sind's im Schnitt 3 und mehr pro Tag.

Wenn unsere Hilfen und Hilfesystem anders aussehen würden, dann denke ich, wären es weniger.

Wie schlecht der von der Psychiatrie beschrittene Weg ist (weil einseitig nur auf den Körper fixiert), zeigt, dass sich die Psychosomatik als seperater Zweig entwickelt hat. Es iist seit Jahrzehnten der Trend da, dass Menschen andere Formen der Hilfe suchen, als die, die es in der Psychiatrie gibt.
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Nebelung
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Beitrag von Nebelung »

Ich verstehe deine Beweggründe gut. Einige davon haben mich selbst schon das ein oder andere Mal schier zur verzweiflung getrieben. Wenn meine Therapeutin nicht wäre hätte ich den Kontakt zu meinem Nervenarzt längst abgebrochen...ein guter Arzt, aber etwas hilflos im Umgang mit Verzweifelten.
Optimalerweise würde jeder Psychiater einen Patienten vorher über seine Möglichkeiten aufklären und ihm z.B. sagen: "Es tut mir leid, bei der Vergangenheitsbewältigung kann ich ihnen nicht helfen, ich kann nur die Therapie, die sie brauchen, verschreiben und ihnen etwas geben damit sie sich besser fühlen, um die Therapie gut zu überstehen." Das ist dann wieder das Problem mit uns "Fachidioten" wir vergessen zu schnell wie es ist, diese Dinge nicht zu wissen. Egal wie sehr man sich bemüht, das passiert immer wieder.

Oh und wegen den "Richtig Irren" Straftäter werden nicht in derselben Klinik untergebracht wie andere. Dafür gibt es spezielle Kliniken, die sogn. forensische Psychiatrie. Es ist traurig, dass dies den leuten in deinem Umfeld nicht klar ist. Und du mit sovielen Vorurteilen zu kämpfen hast. Das tut mir von Herzen leid.

Das es bei Medikamenten auch unerwünschte Nebenwirkungen gibt weiß ich, ich habe auch schon Menschen erlebt, denen nichts geholfen hat und die (im Fall Depressionen) als letzten Strohhalm nach der Elektrokrampftherapie gegriffen haben. Und ich habe selbst einige der weniger schönen Wirkungen erlebt. Schlimm ist es wenn es nicht erkannt wird. Oder wenn es von den Patienten hingenommen wird, weil sie denken das gehört so. Und traurig ist, dass wir manchmal (noch) nichts besseres haben. Aber die Forschung läuft. und auch wenns Makaber klingt...die Konzerne haben erkannt was da für ein Markt liegt und entwickeln fleißig weiter.
Und selbstverständlich kann nur selten ein Medikament eine Therapie ersetzen...bzw. es gibt Fälle, die wirklich einfach ein körperliches leiden haben. die brauchen ne Pille und mehr nicht. aber alle anderen brauchen natürlich eine begleitende Psychotherapie. Leider ist die Therapeutenwahl etwas so unheimlich individuelles...da kann einem kaum einer bei helfen. Außer dass man sagt welche Richtung zu empfehlen ist und der Leitsatz "vertraue deinem instinkt!"

Ich wünsche dir von ganzen Herzen, dass du nie wieder die Hilfe einer Klinik in Anspruch nehmen musst. Aber wenn doch wünsche ich dir heilsame Erfahrungen.

Kuscheltier
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Beitrag von Kuscheltier »

Danke für die guten Wünsche, das ist sehr lieb von Dir! :P

Bei mir liegt das alles schon recht lange zurück. Und ich hatte das Glück, dass da immer Therapeuten waren, die mir geholfen haben, die mich da irgendwie über Wasser gehalten haben und mich auch vor der Psychiatrie immer beschützt haben. Die wussten genau, was passieren würde, wenn ich da landen würde.

Viele Psychiater und Therapeuten kapieren eben nicht, dass Patienten was völlig anderes empfinden und erleben und auch erwarten, wenn sie in diese Kontakte reingehen oder zwangsweise kommen.

Auch ein Psychiater vorher genau drüber aufklären würde, wie er seine Aufgabe da sieht, es würde nichts nutzen. Wenn Menschen völlig verzweifelt dahingehen und der reagiert, indem er den Rezeptblock zückt, dann ist GAME OVER! Und oft für alle Zeit.

Das ist es ja: Psychiatrie macht ein Schema, dass sie abarbeitet und da fehlt genau die Individualität. Der Umgang mit Verzweiflung, mit Hoffnungslosigkeit mit allem, was es da gibt, ist für sie tatsächlich fremd und nicht machbar. Und da fällt dann das Kind auch in den Brunnen.

Menschen, die restlos verzweifelt und ausgebrannt sind, sind die letzten, die dann damit klar kommen, wie die Profis reagieren. Oft sind es die Profis selber, die die nächsten Krisen und Zusammenbrüche verursachen.

Die meisten Psychiater und Therapeuten auch haben keine Ahnung, dass sie super helfen könnten und vielfach Medikamente gut verzichtbar wären, auch und gerade in der Stabilisierung. Aber es fehlt an der Ausbildung und so schickt man alle zum Psychiater.

Was Du sagst, stimmt übrigens nicht ganz. Bei Eigen-und Fremdgefährdung ist zunächst mal die geschlossene Abteilung zuständig. Forensische Psychiatrie ist für abgeurteilte Straftäter mit Einschränkungen in der Schuldfähigkeit. Dh auf normalen geschlossenen Staionen sind unter Umständen hochgradig gefährliche Patienten auch untergebracht.

Wenn ich mich da irre, kannste mich gerne verbessern, aber ich glaub', ich liege da schon richtig.

Was die Aufklärung angeht: Die wird in Bezug auf manche Erkrankungen nie funktionieren. Die Menschen haben selber einen Kopf zum Denken und lassen sich das nicht vorschreiben, wie sie was beurteilen. Wer einmal mit einem Angehörigen einer "explosiven" Patientengruppe reale Erfahrungen gemacht hat, wird immer auf Abstand gehen.

Wie gesagt, ich hab' dauernd mit solchen Leuten im Job zu tun. Wenn Menschen innerhalb von einer halben Stunde x Straftatbestände verwirklichen, Leute angreifen, anspucken, schlagen, bedrohen, Sachen zerstören usw und so fort, dann hat dafür noch mach einer Verständnis, wenn er hört, derjenige ist krank. Aber privat lässt sich darauf keiner ein. Und Arbeitgeber auch nicht.

Deshalb hilft es nicht, wenn man diese Patienten damit aufwerten will, dass man sie nicht von den anderen gesünderen abtrennt. Es kommen durch das Zusammenbehandeln nur alle in Verruf. Dass die, die normal leben können, auch noch stigmatisiert werden, ist einfach nur ein völlig überflüssiges Bauernopfer. Es ist gut gemeint, aber in der Realität schadet es nur.

Man kann sich die Welt nicht schnitzen, wie man sie haben will, und gerecht ist sie auch nicht. Man sollte für jeden seiner Patienten kucken, wie man ihm individuell am besten hilft. Große Pläne, wie man alle glücklich macht, schaden meistens nur. Man kann nicht nach allen Fliegen schlagen.

Ebenfalls alles Gute!

Kuscheltier

PS Wegen der Kosten: Wir zahlen es auf die eine oder andere Weise auf lange Sicht gesehen sowieso. Ob nun jemand in der Psychiatrie länger ist oder später in der Psychosomatik, kommt letztlich auf's Gleiche raus. Wenn er nicht behandelt wird, kommt vielleicht der Suizid und man muss dann die Angehörigen behandeln. Bringt er sich nicht um, endet es vielleicht im Alkoholismus, dann zahlt man die für die dadurch verursachten Schäden bei ihm (z.B. organische Schäden und Behandlung) oder für die Therapien, die später seine Angehörigen brauchen.

Der Bumerrang-Effekt bleibt: Wenn sich keiner gescheit um diese Leute kümmert, dann kommt das Problem anderswo wieder und dann wird's noch teurer!
Psychotisch ist der, der Psychosen sieht (und diagnsotiziert), wo keine sind!

Nebelung
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Beitrag von Nebelung »

Ja du hast recht, es ist traurig, dass die therapierenden gruppen nicht immer den Erwartungen der Patienten geracht werden. Trptz aller Ausbildung sind es auch nur Menschen. Und manchmal sind sie überfordert.

wegen der Sache mit der geschützten: Menschen bei denen Gefahr besteht die kommen in die geschützte Station. Leute die bereits straffällig wurden sind in der forensik.

Wo willst du die Grenzen ziehen? Darf man jemanden völlig isolieren...ihn extra behandeln, nur weil er in einer Phase seiner Krankheit um sich geschlagen hat? Das wäre nicht fair.

Und ich sehe die Ausgrenzung auch nicht so sehr wie du. Ich wurde noch nie angegangen weil ich in der Psychiatrie war. Sicher es kommen Fragen, die Leute wollen wissen wie das so ist, und warum man da war. Aber es kam noch nie vor, dass jemand mich mit Straftätern über einen Kamm geschehrt hat. Allerdings läuft hier in meiner Heimatstadt auch eine sehr gute Aufklärung, die Psychiatrische Klinik ist mitten in der Stadt und macht sehr viel öffentlichkeits Arbeit. Hier trifft man seltenst jemanden, der bei "psychisch krank" an "Irre und gefährlich" denkt. Und aus dieser Erfahrung heraus sage ich, dass Aufklärung wichtig ist. Für beide Seiten. Aber wie ich schon sagte: das ist ein Prozess des Umdenkens der gerade erst begonnen hat.

Kuscheltier
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Beitrag von Kuscheltier »

Das mit der Ausgrenzung ist ganz verschieden.

Es liegt privat an denen, die um Dich rum sind. Wenn die damit alle keine Erfahrungen haben oder miese, dann ist man draußen.

Am Arbeitsplatz ist es ähnlich. Du wirst das vielleicht nicht so mitkriegen, weil Du selber in einem sozialen Beruf, direkt an der Quelle, wenn man so will, arbeitest, aber in vielen Branchen wird man dafür geächtet, wenn ein Psychiatrieaufenthalt bekannt wird.

Z.B. bei der Polizei ist es so, dass die Beamten immer dann mit psychisch Kranken in Kontakt kommen, wenn die Situation eskaliert. Die Einstellung bei vielen dort gegenüber psychisch Kranken ist maximal von Vorurteilen geprägt. Was ja logisch ist: Sie machen ja die realen Erfahrungen damit und die sind nicht gut!! Dann versuche da mal zu arbeiten und denen klar zu machen, dass nicht jeder, der psychische Probleme hat, völlig gaga im Hirn ist. Besser man sagt da nie was und outet sich nicht.

Die, die in der psychiatrischen Ecke arbeiten, unterschätzen diese Probleme immer.
Psychotisch ist der, der Psychosen sieht (und diagnsotiziert), wo keine sind!

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