unterschied zw. borderline und PTBS?

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Snief
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unterschied zw. borderline und PTBS?

Beitrag von Snief » 08.06.10, 17:08

hallo liebes forum,

kann mir bitte vielleicht jemand erklären, wo die unterschiede zwischen einer borderline störung und der posttraumatischen belastungsstörung liegen?

wie werden diese erkrankungen behandelt?

sind die ursachen ähnlich?

danke.

Marana
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Beitrag von Marana » 09.06.10, 01:23

Hi,
da sind die Grenzen fließend. PTBS sagt aus das jemand ein Trauma hat das nicht verarbeitet wurde und wieder an die Oberfläche kommt, es kann zu Situationen kommen in denen der Betroffene das Trauma wieder und wieder erlebt als würde es gerade passieren. Aus einem PTBS können alle möglichen weiteren Symptome resultieren, Angst, Depressionen sowieso, Magersucht ect. Auch borderline, das kann auch beginnen wenn der Betroffene noch gar nicht wirklich weiß das er traumatisiert ist, aus einer PTBS heraus können eine große Palette an psychischen Problemen entstehen. Man muss aber keine PTBS haben um an borderline zu erkranken, auch da gibt es viele Möglichkeiten, z.B. das man seinen Körper nicht mag,hasst man verschafft sich Erleichterung durch das Selbst verletzende Verhalten, man hat ein verzerrtes Selbstbild.

Ich würde sagen es sind zwei verschiedene Dinge die aber gerade wenn das Trauma mit Missbrauch in Verbindung steht nebeneinander auftreten können bzw. borderline (eine gestörte Persönlichkeit) sich aus dem Trauma heraus entwickelt und irgendwie sind ja alle die PTBS haben gestörte Persönlichkeiten. Ich würde PTBS als Resultat eines äußeren Einflusses sehen den man nicht aufgearbeitet hat, aber noch aufarbeiten kann indem man sich mit dem Geschehenen auseinandersetzt also mit Begebenheiten die außerhalb meines Ich´s geschehen sind und damit wird auch die eigene Persönlichkeit stabilisiert. Borderline an sich würde ich eher der Persönlichkeit und dem Eigenbild zurechnen, also müsste man an der Sicht auf sich selber arbeiten um damit besser zurecht zu kommen, wenn jetzt beides zusammentrifft muss man wahrscheinlich schauen ob da sozusagen eine Co oder eine zweite eigenständige Krankheit vorliegt. Naja, ich denke man kann schlecht beurteilen wo die Grenzen sind. Eine PTBS resultiert meist aus einem Erlebnis heraus das von Außen auf einen einwirkt und gegen das man nichts tun kann. Behandelt wird das in speziellen Therapien, oft auch medikamentös. Ein borderline entwickelt sich aus der eigenen Sichtweise (die einem auch suggeriert werden kann) die eigene Persönlichkeit, aus dem eigenen Körper/Geist heraus, auch dafür gibt es spezielle Therapien. Meistens (soweit ich weiß) haben beide Krankheiten ihre Ursache in der Vergangenheit und da werden die Psychotherapien wohl bei beiden in das Tiefen psychologische gehen. Wenn du es genau wissen möchtest solltest du einen Fachmann fragen. Das was ich so darüber weis ist nur auf ein paar Patienten und Eigenerfahrungen beschränkt, bei der riesen Palette von Möglichkeiten wahrscheinlich ein ziemlich einseitiger Blickwinkel.

Mandalakind
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Beitrag von Mandalakind » 16.07.10, 13:39

Huhu,

9 diagnostische Kriterien für die Borderline-Persönlichkeitsstörung

(1) Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.

(2) Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.

(3) Identitätsstörung, d. h. ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.

(4) Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten (z.B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmißbrauch, rücksichtsloses Fahren, Essanfälle).

(5) Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.

(6) Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung.

(7) Chronisches Gefühle von Leere.

(8) Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren.

(9) Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.


Menschen, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, haben in mehreren Bereichen ihres Lebens erhebliche Probleme. Diese lassen sich so einteilen:

Störungen in 5 Bereichen

1. Störungen der Emotionsregulation:

* Stimmungsschwankungen
* Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern


2. Störungen des Denkens:

* Dissoziationen (Verzerrung von Zeit-, Raum- und Körperwahrnehmung)
* Flashbacks (Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen)
* Pseudohalluzinationen (Illusionen, die als Täuschung erkannt werden)
* Paranoides Denken (Gefühl, verfolgt zu werden)
* Negative Grundannahmen (schlechte Meinung von sich selbst haben)


3. Störungen der Identität:

* Gefühle von Unsicherheit, Fremdheit und Ekel im Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper
* Das Gefühl, „anders“ zu sein, als alle anderen
* Unsicherheit bezüglich Zukunftszielen, der eigenen Meinung, wichtiger Entscheidungen und Alltagsentscheidungen.


4. Störungen im zwischenmenschlichen Bereich:

* Intensive und instabile Beziehungen
* Ein Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung
* Schwierigkeiten, allein zu sein
* Angst davor, verlassen zu werden und Angst vor Nähe


5. Störungen auf der Verhaltensebene:

* Impulsive und potentiell selbstschädigende Verhaltensweisen
* Hochrisikoverhalten


Bitte beachten

* Ebenso für die 5 Störungsbereiche gilt: Auch bei anderen Störungen können einzelne oder auch mehrere der genannten einzelnen Symptome vorkommen, wie beispielsweise:

- Posttraumatische Belastungsstörung (=> z.B. Flashbacks)
- Dissoziative Identitätsstörung (=> z.B. Störungen der Identität, Dissoziationen)
- Schizotypische Persönlichkeitsstörung (=> z.B. das Gefühl 'anders' zu sein)
- weitere Persönlichkeitsstörungen


* Persönlichkeitsstörungen zeichnen sich an sich durch eine extreme Ausprägung normalen Verhaltens aus.


* Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sowie auch anderer psychischer Störungen stellen eine Handlungshypothese dar, bei der es darum geht, was dem Menschen, der unter ihr leidet helfen kann. Das beeinflußt die Auswahl der aktuell geeigneten Psychotherapie, von unterstützenden Medikamenten sowie ggf. weiteren notwendigen Hilfen.


* Die Diagnose eine Persönlichkeitsstörung oder jeder anderen psychischen Störung kann dem oder der Betroffenen helfen, die eigenen Probleme im Leben besser verstehen zu können und damit auch sich selbst. Daher ist die Diagnose und die Aufklärung, was diese genau bedeutet, ein wesentlicher und notwendiger Teil der Therapie. Das nennt man auch Psychoedukation, auf der 'Skills-CD (siehe unten) findest du daher auch u.a. die Infoblätter 'Hintergründe und Fakten'.


* Kein Mensch, der unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, ist seine Störung, sondern weit mehr als das. Daher gilt auch: Den Borderliner oder die Borderlinerin gibt es nicht! Jeder Mensch ist auf seine ganz persönliche Weise individuell und besonders, egal ob mit oder ohne Persönlichkeitsstörung.


* Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung oder sonstigen psychische Störung sollte, zumindest abschließend Fachärzten oder Therapeuten überlassen bleiben. Natürlich gibt es beispielsweise Borderline-Betroffene, die sich in Büchern oder in anderen Beschreibungen (online z.B.) der Borderline-Persönlichkeitsstörung wiedererkennen. Dann ist es hilfreich dies z.B. in einem therapeutischen Gespräch abzuklären. Psychiatrische Diagnosen werden eben nicht eben mal gestellt und sollten es auch nicht. Dafür gibt es verschiedene zuverlässige Tests und spezifische diagnostische Kriterien.

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