Lorazepam-Entzug

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Daya
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Lorazepam-Entzug

Beitrag von Daya » 14.02.14, 10:34

Guten Morgen
@ Muppet

aus gegebenem Anlass soll ich fragen wie lange so ein Entzug dauern kann.

Die Person hat in Unwissenheit (aber von der HÄ verordnet) über 7 Wochen täglich 1 - 1.5 mg Lorazepam genommen, damit sie "schlafen kann". Nach dem Googlen hat sie es SOFORT abgesetzt, also kalter Entzug, und landete in der Notaufnahme wegen Derealisierung, Panik, Angst, Wahn, körperliche Symptome, die ganze Pallette einer psychischen Erkrankung. Nun ist sie 9 Tage ohne Tavor und leidet immer noch. Kann das so lange dauern?

Inzwischen wurde ihr von der Psychiatrie Valproinsäure verordnet und es geht ihr besser, allerdings spürt sie die Symptome leicht, wenn die Wirkung nachlässt.
Muss sie nun für immer Valproinsäure nehmen? Das wäre fatal, denn sie war/ist Bulimiker, Mischform mit Anorexie und zunehmen ist überhaupt keine Option.

Danke und Gruß
Daya

Manuela N.
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Manuela N. » 17.02.14, 05:08

hi...ich habe von täglich 30 stück zolpidem-tatrat ...entzogen und gleichzeitig von trittico und einigen anderen medis....die klinik hat mir alles kalt entzogen...es dauert in meinem Fall bis zu 2 Jahre bis der Entzug komplett aus ist ! Ich war schon klinisch tot ....aber ich habe durchgehalten....je langsamer man entzieht, desto besser....ich stieg dann um auf diaz...und habe alle 2 wochen 1 tropfen weggelassen und dann mal wieder 1 rauf....es zieht sich unglaublich lange hin und ich habe mir alle quellen meines tatrat...gesperrt und mir suggeriert, dass das zeug nicht mehr hergestellt wird....entzug ist hart und eine einschneidende lebenserfahrung aber vor allem langwierig...sehr sogar..ich nahm das zeug mind. 7 JAHRE !!! und die Valproeinsäure....wird sie ca. noch 1-2 Jahre nehmen müssen...wenn sie keinen anfall hat...wird sie es wahrscheinlich langsam reduzieren können und dann weglassen...wenn sie auch psychisch stabil ist. Das De....nahm ich übrigens auch....jetzt nehme ich es nicht mehr...
...viel geduld wünsche ich

Muppet
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Muppet » 18.02.14, 08:26

Hallo Daya,
leider ist eine kalten Entzug potentiell sehr gefährlich und kann bei empfindlichen Menschen einiges triggern.
Es wird Zeit dauern, bis das Rezeptorsystem sich wieder normalisiert zum Ausgangszustand, 6-12 Wochen.
Bei Valproat: nein, das gibt man nicht lebenslang. Man wartet bis die Symptomen nachlassen und es alles stabilisiert hat, dann versucht man die Dosen stufenweise zu reduzieren und es dann, wenn alles gut ist, nach und nach auszuschleichen (hier definitiv keinen Kaltenentzug! Kann sehr gefährlich sein).

Valproat führt nicht unbedingt zum Gewichtszunahme. Es ist sehr individuell, welche Nebenwirkungen man hat. Es hängt auch in gewisserweise von der Dosis ab.

Alles Gute
Muppet

Daya
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Daya » 18.02.14, 09:28

Hallo Muppet,
inwiefern ist ein Kaltentzug "sehr gefährlich"? Kann irgendwas chronisch werden? Sie liest jetzt in den Foren (was man wahrscheinlich nicht tun sollte), daß es sogar Monate dauern kann. Ok, Du schreibst ja auch "bis zu 12 Wochen", das deckt sich ja dann. Wenn sie das Tavor aber "nur" 7 Wochen genommen hat, kann es doch SO schlimm nicht sein, oder?
Jetzt kommt die Angst vor dem ganzen hinzu und sie sagt, sie hat ein "Tavor-Trauma".
Allgemein ist es jetzt so, daß die Person nun eine schwere Depression hat. Allerdings nimmt sie das Valproat jetzt ja erst seit einigen Tagen, da kann es vielleicht noch nicht wirken?

Sie ist jetzt stationär und sie haben ihr das schon erklärt mit dem Valproat; sie wollen hochdosieren und dann ausschleichen nach 4 Wochen. Leider findet auf Station keine Psychotherapie statt, man ist da eher nur untergebracht. Es gibt dort auch noch eine andere Station für Alk und Depressionen, da wäre mehr Therapie. Doch ist sie so am Boden, daß das wahrscheinlich eh nicht möglich wäre.
Allgemein ist sie dort in guten Händen und ihr zuständiger Arzt setzt sich auch mit ihr auseinander. Nur mir tut sie sehr leid, weil sie so hoffnungslos ist und sehr viel Kraft braucht, um den Tag zu überstehen.

Warum dürfen dann Hausärzte so einfach Tavor verschreiben und das auch OHNE WARNUNG? Ich kenne noch 2 Leute, die das regelmäßig nehmen, vom HA verschrieben!!! Die kenne ich allerdings nicht näher.

Danke Muppet für Deine Erläuterungen.

Gruß Daya

Daya
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Daya » 18.02.14, 09:30

Hallo Manuela,
wie ging es Dir dann bei dem Kaltentzug? Warst Du auch kraft- und hoffnungslos und depressiv? Wie geht es Dir jetzt ohne alles?
Gruß Daya

Muppet
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Muppet » 18.02.14, 13:39

Hallo,
leider werden Mitteln wie Lorazepam stark unterschätzt.
Man verschreibt es eher als Notfallmedikament, die man ab und zu nimmt (schwere Angsttorungen mit Panik, bei Epilepsie). Es ist eine starken Medikament (1mg Lor. = 10mg Diazepam).
Für Einnahme über 6 Wochen ist es eher nicht geeignet.

Als Schlafmittel - tückisch. Es kommt nach Absetzen oft zu REM-Rebound. Albträume.
Sowie auch Angst, Depression, Unruhe usw.

Es gibt auch - dank einige Hausärzte, eine Gruppe von Menschen, die diese Mitteln (Benzos) über sehr längeren Zeitraume verschrieben kriegen und ein deutlichen Suchtproblem entwickeln. Das sind keine ehemaligen Drogensüchtige oder junge Leute, sondern..... Rentner.

Kalte Entzug kann gefährlich sein, weil es zu schweren epileptischen Anfälle kommen kann (Entzugsanfall, gilt nicht als Epilepsie), da diese Mitteln die Erregbarkeit des Gehirns stark herabsetzen. Lasst die Wirkung ganz plötzlich nach, kann es innerhalb die ersten paar Tagen zu einen Anfall kommen.

Im Fall deiner Tochter sind keine (organische) Dauerfolgen zu erwarten.

Persönlich, würde ich mit den Hausarzt reden. Man muss doch Patienten über die Risiken aufklären. Auch die die beim plötzlichen absetzen auftreten können.

Nimmt sie auch andere Medikamente (z.B. Antidepressiva)?

Alles Gute für deiner Tochter,
Muppet

Daya
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Daya » 18.02.14, 15:11

Danke, Muppet, für Deine Aufklärung. Sie nimmt keine Antidepressiva. Sie kommt erst jetzt mit der Psychiatrie in Kontakt, obwohl ich ihr das schon sehr lange empfohlen hatte. Sie möchte auch keine nehmen, weil sie eben dick machen. Ihre größte Sorge im Moment ist, ob sie Dauerschäden haben wird. Ich werde ihr das deshalb gleich sagen. Ihre nächste "Panik" ist, daß der Entzug wieder losgeht, wenn das Valproat reduziert wird. So steht es anscheinend in den Foren und sie saugt die Erlebnisberichte (am besten die schlechten) förmlich auf. Vielleicht kannst Du dazu noch etwas sagen. Was kann sein, nachdem auch das Valproat abgesetzt ist? Theoretisch. Sie wird ihre Depression noch haben, ja. Sie wird aber nachstationär ambulant übernommen, das ist so ein System bei unserer Klinik. Sie nehmen akute Patienten ambulant in ein Programm, weil man bei den niedergelassenen Psychiatern so lange Wartezeit hat. Sie hat z. B. im August (!!!) einen Termin bekommen.
Heute ist ihre Stimmung allgemein besser. Um 15.00h hat sie Gespräch mit dem Arzt.

Manuela N.
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Manuela N. » 18.02.14, 18:22

hi daya
mir gehts jetzt gut.
ich habe vor allem eines machen Müssen...seeehr gesund ernähren...sämtliche giftstoffe weglassen im essen und vor allem superviel trinken.
ich hatte am anfang des seehr schweren entzuges tage wo ich 8 LITER !!!
brauchte...ich konnte keinen meter ohne meine wasser oder teeflasche machen.
ich war mehr als schwach und musste sogar gefüttert werden.
da diese klinik keine pflege anbot...musste ich den entzug daheim alleine schaffen...man hatte mich aufgegeben und akut in eine andere klinik ging nicht....gibt enorme wartezeiten.
blutdruck, zuckerkontrolle, blutkontrollen....etc. habe ich zuhause vorgenommen....hab ne krankenschwesterausbildung...
ich kann jetzt ohne benzos wesentlich besser schlafen als mit ....
und beim entzug ist wichtig ...schaut auf den körper...der braucht echt viel hilfe....ein entzug ist extrem kräfteraubend....
alleine zuhause, ohne hilfe und ohne zum. ambulantem arzt ist so ein entzug nicht möglich...wie ich ihn gemacht habe....kalt war nötig...weil ich mich mit den benzos schon vergiftet habe...
viel kraft und das wird schon manuela
(pfleg deinen körper..hör auf ihn...und versuche zu unterscheiden..was sind entzugssymptome und was sind echte symptome...z.b. atemnot, ..panikattacken, ......etc)

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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von sophica » 18.02.14, 21:00

Ich will meine Überraschung mitteilen, dass Lorazepam so schnell süchtig machen soll.
Mir wurde Lorazepam auf der Intensivstation nach einer Aneurysma-OP gegeben: gegen Nacht hin 1 mg (glaube doch mg). Ich wusste damals garnicht, was das war. Mir war aber die Wirkung zu stark, weil ich mich echt high, wie unter Drogen damit fühlte. Es waren zwar nicht unbedingt schlechte Gefühle und Bilder, aber ich fühlte mich trotz der Krankheit und Schäche auf der anderen Seite euphorisch.

Ich habe mir von den Pflegekräften deshalb ein anderes Mittel zur Nacht erbeten. Doch hat der Arzt dies am nächsten Tag beanstandet. Ich müsste mich sehr irren, wenn es nicht stimmt, doch meine ich,er sagte: schließlich haben wir einen Vertrag mit der Firma.

Da ich nur noch zwei Tage auf der IT bleiben sollte, habe ich es so stehen lassen. Danach hatte ich ohne dieses Medikament allerdings keinerlei Entzugserscheinungen; doch habe ich es maximal nur knapp 3 Wochen genommen.

Ich war allerdings 10 Tage im künstlichen Koma und welche Medikamente ich da alles erhalten habe, weiß ich nicht. Danach habe ich dann etwa 10 Tage Lorazepam erhalten. Ich fand die Wirkung aber nicht gut vom Gefühl her.

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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Muppet » 19.02.14, 07:00

Hallo,
es macht nicht unbedingt süchtig - aber Potentiell ist da.
Es eher darum: altere Leute werden teilweise von Hausärzte über sehr längeren Zeitraum (Jahren) mit Benzos oder auch teilweise stärkeren Schmerzmittel versorgt.
Klingt verrückt aber, Rentner auf Entzug ist nicht so selten wie man vermuten wird (auch was Alkohol angeht). Tendenz steigernd.
Gruß
Muppet

error6
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von error6 » 19.02.14, 09:00

Nein, Muppet, Rentner sind nicht auf Entzug.
Rentner bekommen "ihre" Medikamente bis zum Nimmerleinstag.
:) error6

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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Daya » 19.02.14, 09:36

Das ist wohl so. Ich kenne im Altenheim eine 96jährige, die Lorazepam vom HA verschrieben bekommen hat. Sie hat es auf dem Nachtkästle liegen "für alle Fälle" und nimmt es auch entsprechend. Allerdings hat sie selbst gesagt, daß ihr das gar nicht gefällt, denn die Schwestern hätten ihr gesagt, daß es süchtig macht ;)

Daya
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Daya » 20.02.14, 08:45

@Manuela: Da hast Du eine üble Geschichte hinter Dir. Alle Achtung, daß Du Dich da so gut rausgeholt hast.

@Muppet: Ihre "Trauer" wird immer schlimmer. Sie sagt, das sei nichts im Vergleich zu den depressiven Episoden, die sonst erlebt hat. Aus denen konnte sie sich immer wieder selbst "heraus motivieren". Jetzt geht gar nichts mehr und sie ist fix und fertig. Man muss dazu sagen, daß sie nebenher arbeiten geht und sich da nur so hinquält. Das geht natürlich auch an die Substanz. Allerdings ist das ein Halbtagjob.

Gruß Daya

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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Muppet » 20.02.14, 12:11

Hallo,
Depression ist normal nach Entzug, Valproat kann auch verschlimmern -> Arzt konsultieren.
Sie scheint sich aber ziemlich reinzusteigen, hilft auch nicht unbedingt.
Gruß
Muppet

Daya
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Re: Lorazepam-Entzug

Beitrag von Daya » 20.02.14, 18:30

Hallo Muppet,
ja ich fürchte auch, daß sie sich da reinsteigert und sie saugt auch die ganzen Erfahrungsberichte - am besten die schlechtesten - in sich auf. :roll:
Hier noch 2 Fragen:
Kann es auch nach nur 7-wöchiger Einnahme bis zu 12 Wochen dauern?
Sie wurde heute entlassen und es wurde reduziert. In 2 Wochen soll nochmal reduziert werden und der letzte Schritt ist von 300 auf 0. Nun hat sie Angst, daß das gefährlich ist, weil Du schreibst einfach absetzen sei gefährlich

Kannst Du dazu bitte noch was sagen.

Danke und Gruß
Daya

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