Situation in Deutschlands Kinder- und Jugendpsychiatrien

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Keetenheuve
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Situation in Deutschlands Kinder- und Jugendpsychiatrien

Beitrag von Keetenheuve » 18.06.19, 11:54

Liebe ÄrztInnen,

ich arbeite als Journalist und Autor für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine bekannte Person, die auf der KJP eines Uniklinikums arbeitet, erzählte mir jüngst von den katastrophalen Arbeitsbedingungen der KJP-ÄrztInnen, die aufgrund personeller Unterbesetzung völlig überarbeitet seien und bereits einige KollegInnen überlegten, aufzuhören. Deshalb die Frage an ÄrztInnen des Forums, die auf KJP's arbeiten, wie die Situation bei euch vor Ort aussieht, ob ebenfalls eine große Überlastung herrscht, ob die Zahl der Akutfälle steigt und wie die Betreuung von Kinder und Jugendlichen durch andere Instanzen (Jugendämter) aussieht und ob dort eventuell Strukturen in den vergangenen Jahren weggebrochen sind. Gerne alles anonym.

Eines noch: Ich weiß, dass viele Stationen in Kliniken unterbesetzt sind. Mich interessiert aber hier speziell die Situation auf den KJP's.

Viele Grüße
Keetenheuve

Muppet
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Re: Situation in Deutschlands Kinder- und Jugendpsychiatrien

Beitrag von Muppet » 19.06.19, 06:54

Hallo
Es betrifft nicht nur die Ärzte sondern auch die Psychologen und PiAs (Psychotherapeuten in Ausbildung). Die PiAs werden oft nicht mal bezahlt.
Die Versorgung beim Jugendamt war eigentlich gut - da war ich tätig. Es gab mehr Einzelfallhelfer als Kinder dort.
Gruß
Muppet

Keetenheuve
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Re: Situation in Deutschlands Kinder- und Jugendpsychiatrien

Beitrag von Keetenheuve » 19.06.19, 07:42

Ich versuche mir, erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Das gerne auch in einem telefonischen Hintergrundgespräch. Erst dann kann ich entscheiden, ob daraus ein Beitrag wird. Sie können mich gerne unter meiner Mail o.matthes@newsdoc3.de anschreiben.

Keetenheuve
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Re: Situation in Deutschlands Kinder- und Jugendpsychiatrien

Beitrag von Keetenheuve » 21.06.19, 13:25

Noch einmal mehr zum Hintergrund meiner Anfrage und meiner Fragestellung.

Eine mir sehr nahestehende Person hat jüngst auf einer KJP angefangen zu arbeiten und hat mir über die Zustände dort berichtet. Für einen Beitrag hatte ich jüngst zum Thema Depression bei jungen Erwachsenen recherchiert, was bei mir den Eindruck hinterließ, dass es hier unter Umständen eine besorgniserregende Tendenz gibt mit steigenden Zahlen von Betroffenen, was sich natürlich auch auf die KJPs an Kliniken auswirkt und zusammen mit dem Erlebnisbericht der nahestenden Person dafür sorgte, den Post hier und in einem anderen Forum einzustellen. Meine leitende Fragestellung ist, ob die KJPs strukturell gut genug aufgestellt sind, ob das offenbar wachsende Patientengut adäquat versorgen zu können. Mein Ziel ist kein Bashing von Ärzten oder Pflegepersonal. Das Ziel dieses Posts ist es, ein Feedback von Ärzten zu erhalten, die die Situationen auf KJPs in ihrem Umkreis kennen und mir schildern können.

Nun kurz zu mir: Mein Name ist Oliver Matthes. Ich bin freier Journalist und arbeite ausschließlich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu einer Bandbreite von Themen. Darunter auch oft zu medizinischen Themen. Zuletzt hatte ich einen Film für ZDF Zoom zum Thema Homöopathie produziert: https://www.zdf.de/dokumentation/zdf...laube-100.html, der viele gewichtige Player im Gesundheitssystem (Krankenkassen, Ärztekammern, Apothekerverband, Politik) durchaus kritisch beleuchtet hat.

Und was passiert mit der Info? Je nachdem, was zutage tritt, könnte dies die Ausgangsbasis für einen Beitrag für ein Frontal 21 sein, für die ich ebenfalls tätig bin. Mir ist klar, dass es an vielen Stellen in unserem Gesundheitssystem krankt. Ich überlege auch, ob ich hierzu einen längeren Film mache. Jetzt gerade möchte ich aber dieses spezielle Thema bearbeiten, auch weil ich sehe, wie jene bekannte Person sich gerade totarbeitet und mich das wütend und betroffen macht.

Muppet
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Re: Situation in Deutschlands Kinder- und Jugendpsychiatrien

Beitrag von Muppet » 22.06.19, 09:52

Ich denke, wenn du Instituten wie z.B. die deutsche Ärztekammer oder der Psychotherapeutenkammer anschreibst, kriegst du viel Auskunft. Sie setzen sich dafür stark ein die Umstände in der Psychiatrie zu ändern. Ich war in der erwachsene Seite tätig.
Gruß
Muppet

Humungus
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Re: Situation in Deutschlands Kinder- und Jugendpsychiatrien

Beitrag von Humungus » 23.06.19, 06:47

Ihr Bericht über Homöopathie scheint ja hohe Wellen geschlagen zu haben. Wenn sich sogar die Stiftung der Frau eines ehemaligen Bundespräsidenten kritisch damit befasst, haben Sie ins Schwarze getroffen. Herzlichen Glückwunsch und weiter so, damit die Quacksalber endlich aus dem Bereich seriöser Medizin verschwinden.

Ihr Link funktioniert nicht, die Sendung ist aber in der ZDF-Mediathek zu finden, Titel "Globuli und guter Glaube - Homöopathie auf dem Prüfstand".

Eine Anmerkung: ob die Zahl der Betroffenen wirklich steigt ist nicht klar. Warum nicht? Weil es durchaus möglich ist, dass es auch früher schon genauso viele Betroffene gab - diese aber nicht diagnostiziert wurden. Die steigende Sensibilität für das Erkennen psychischer Erkrankungen führt dazu, dass anders mit dem Thema umgegangen wird und Betroffene nicht "in der Scheune verschwinden". Der frühere Zappelphilipp hat heute ein AD(H)S und wird statt mit Ohrfeigen mit Medikamenten therapiert.

Wenn Sie recherchieren wollen werden Sie auf verschiedenen Ebenen suchen können. Die offiziellen Stellen werden wohl weniger sagen als Angestellte. Eine gute Anlaufstelle sind die Ausbildungsinstitute für KJP, hier finden Sie die jungen Psychologen (und andere Fachrichtungen), die KJP werden wollen und ihre Bahnen als Auszubildende in den Psychiatrien ziehen.

Übrigens: eine Bekannte von mir hat die Ausbildung im Erwachsenenbereich gemacht. "Natürlich" hat sie im Rahmen der Ausbildung umsonst gearbeitet. Sie musste auch ur-ärztliche Aufgaben übernehmen wie einen Arztbrief zu schreiben, der Ärztemangel machts möglich, und PIAs sind billig und vorhanden.
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