Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Vancomycin oral bei urogynäkologischer Infektion?
Aktuelle Zeit: 17.10.18, 08:25

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 14.07.18, 07:27 
Offline
noch neu hier

Registriert: 14.07.18, 06:48
Beiträge: 4
Es ist mein erster Beitrag hier, und ich habe auch gleich eine Frage.

Kann man Vancomycin oral einnehmen, um eine urogynökologische Infektion mit einem vielfach resistenten Keim zu behandeln.


Frau mit 62. Z.n. Labarokopische Cystozelen OP mit Einlage eines Y-Netzes, und OP nach Burch, vor 2 Monaten.
Nach Entlassung Stress-Inkontinenz und Brennen in der Urethra, Vagina, äußere Genitale mit zeitweise Linderung des Symptome. (Inkontinenz teilweise bis zur vollständigen Blasenentleerung, wen diese voll ist).
Labor: Pilze negativ; Staphylococcus hämolyticus im Harnröhrenabstrich nachgewiesen. Auf alle ausgetesteten Antibiotika bis auf Vancomycin resistent.
Andere Ursachen als eine Infektion wurde durch die Konsultation von Fachärzten weitgehend ausgeschlossen

Der Operateur verordnete darauf Vancomycin p.o. für 10 Tage zur Behandlung der urogenitalen Infektion.
Der Hausarzt war etwas verwundert, und meinte nur: Vancomycin gibt man eigentlich oral nur bei einer Chlostridien-Infektion des Darms.
Eine Rücksprache mit einen Facharzt für medizinische Mikrobiologie bestätigte diese Aussage. "Vancomycin wird aus dem Darm praktisch nicht resorbiert." Publikationen z.B. im J. of Microbiology, oder Arzneimittelfachinformationen bestätigen diese Aussage. Die einzige Indikation für die orale Gabe von Vancomycin ist eine Chlostridien-Behandlung.
Ansonsten wird Vancomycin intravenös (1 g in mindestens 100 ml alle 12 Stunden) gegeben, was ambulant nicht durchgeführt werden kann.

Das Ärzteteam der Inneren, inkl. Chefarzt am Krankenhaus meinte aber, dass man Vacomycin durchaus oral geben könne. Nach einer Initialtherapie mit 3 x 500 mg Vancomycin, die eine deutliche symptomatische Verbesserung brachte, sollte die Therapie dann über 10 Tage per oraler Vancomycin-Gabe weitergeführt werden.

Weitere niedergelassene Ärzte, die ich wegen dieser weiterführenden Therapie konsultierte, waren ebenfalls der Meinung, dass man die Therapie mit Vancomycin oral, so wie vom Krankenhaus empfohlen, fortführen könne.

Was ist nun richtig?
- Vancomycin oral nur bei Chlostridium difficile
oder
- Vancomycin kann auch oral gegeben werden, zu einer systemischen Therapie?

Können so viele Ärzte falsch liegen, die Vancomycin oral geben wollen, oder sind die Angaben der Fachinformation und des Facharztes für Mikrobiologie richtig?


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 14.07.18, 08:55 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 16:01
Beiträge: 11910
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Guten Morgen,
Ihre Anfrage gehört eigentlich in das Forum Pharmakologie, ich teile daher das Thema in zwei Foren.
dem Beipackzettel und auch einem aktuellen Lehrbuch der Pharmakologie nach ist dieses Reserveantibiotikum eigentlich nur i.v. anzuwenden-ausser bei bestimmten Darminfektionen ( nicht nur Clostridieninfektionen). Insofern stimmt die Aussage des Mikrobiologen.
Es werfen sich aber für mich drei Fragen auf:
:arrow: das Mittel hat anscheinend trotz oraler Gabe eine positive Wirkung gezeigt
:arrow: Staph. haem. ist per se kein pathogener Erreger und liegt sehr häufig beim Menschen als Hautkeim vor. Pathogene Bedeutung erwirbt er aber im Rahmen einer nosokomialen Infektion, also einer im Krankenhaus erworbenen Infektion, was auch die Multiresistenz erklären würde.
:arrow: auch wenn die orale Gabe explizit nicht bei einer urogenitalen Erkrankung angezeigt ist, so hat diese Applikation dennoch Erfolg gezeigt und es stellt sich mir die Frage, warum es von so großem Belang zu sein scheint, diverse Stellen zu hinterfragen, ob die orale Therapie die richtige gewesen ist.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 14.07.18, 10:29 
Offline
noch neu hier

Registriert: 14.07.18, 06:48
Beiträge: 4
Sehr geehrter Herr Dr. Fischer

Das Vancomycin habe ich NICHT oral eingenommen, weil vor der oralen Verwendung zum Zweck der systhemischen Therapie gewarnt wird.
Es wird laut Literatur nur in nennenswerten Mengen resorbiert, wenn die Darmmukosa massiv geschädigt sein sollte.
Ich weiß, dass der Staph. hämolyticus ein ubiquitär auf der Haut vorkommender Keim ist, und üblicherweise nur eine geringe Pathogenität aufweist. Ich vermute eine opportunistische Besiedelung mit einem Krankenhauskeim auf Mikroläsionen durch den Katheder und die vaginale Bergung des Uterus. Wie Sie schreiben, sind Multiresistenzen bei Staph. hämolyticus und Staph. epidermitidis ein Hinweis auf eine nosokomiale Infektion mit einem Krankenhauskeim. Koagulase-negative Staphs gelten üblicherweise als unproblematisch.

Ich frage an, weil ich wissen will, ob es eine wissenschaftlich begründete Option für eine orale Vancomycin-Therapie bei einer urogenitalen Infektionen gibt.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass das Wissen zur leitliniengerechten Antibiotikatherapie so wenig verbreitet sein könnte.

Einen Hinweis auf die Motivation des oralen Einsatzes von Vancomycin bei mir, gab mir die Bemerkung verschiedener Ärzte, dass die i.v. Gabe "sauteuer" ist.

Ich bin mittlerweile so verzweifelt wegen der anhaltenden brennend-schneidenden Schmerzen, dass ich als Kassenpatient auch eine Privatbehandlung zahlen würde, wenn diese lege artis durchgeführt wird.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 14.07.18, 11:56 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 16:01
Beiträge: 11910
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Guten Tag,
jetzt verstehe ich diese Aussage " Initialtherapie mit 3 x 500 mg Vancomycin"- das bezieht sich auf die anfängliche i.v. Gabe.
"wissenschaftlich begründete Option für eine orale Vancomycin-Therapie bei einer urogenitalen Infektionen gibt. "-das dürfte schwer zu recherchieren sein. Hilfestellung könnte evtl. nur eine Herstellerfirma dieses Wirkstoffes sein.
Ein Grund für die orale Anwendung darf nie der Preis sein, das wäre absolut unethisch. Zudem ist es nicht " sauteuer", die Kosten können Sie sich selbst leicht ausrechnen. 1 Packung a 500 mg kosten 23 Euro. Zytostatika und dutzende anderer Medikamente kosten wirklich viel Geld und damit meine ich 4-5 stellige Preise, z.T.pro Anwendung. Problem und mit meinem ärztlichen Verständnis nicht nachvollziehbar- ist, dass es schlicht und einfach das Medikamentenbudget des Verordners überschreitet. Aber monetäre Gründe bremsen leider seit vielen Jahren eine adäquate Therapie in vielen Bereichen. Selbst Krankenhäuser werden heute streng unter kaufmännischen Gesichtspunkten betrieben, eine wirklich patientengerechte Behandlung- ein Wunschtraum! Lesen Sie hierzu die vielen Beiträge im Forum Gesundheitspolitik. Da stehen Ihnen dann die Haare zu Berge.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 15.07.18, 20:35 
Offline
noch neu hier

Registriert: 14.07.18, 06:48
Beiträge: 4
Was mich verwirrt ist die Tatsache, dass so viele Ärzte offenbar felsenfest davon überzeugt sind, dass Vancomycin p.o. erfolgreich gegen systemische Infektionen mit multiresistenten Keimen eingesetzt eingesetzt werden kann. Ein Arzt erzählte mir von einem first pass Effekt, der bewirken würde, dass oral appliziertes Vancomycin entgegen der Fachinformation und den Publikationen, mit denen eine nahezu Nicht-Resporption im Darm aufgezeigt wurde, doch systemisch wirken würde.

Können so viele Ärzte ganz einfach ignorant sein?


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y

Datenschutzrichtlinie
© Deutsches Medizin Forum 1995-2018. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!