Bin ich zu verwöhnt?

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Arte
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Bin ich zu verwöhnt?

Beitrag von Arte » 02.03.11, 08:36

Hallo zusammen

Vor zwei Jahren wurde „unsere“ Hausarztpraxis von einem anderen Arzt übernommen.

Unser „alter“ Hausarzt ist in den verdienten Ruhestand gegangen. Ich bin seit nun 27 Jahren Ptient in dieser Praxis.

Meine Kinder (jetzt erwachsen) sind auch dort in Behandlung.

Wir waren immer super zufrieden mit dem Vorgänger dieses neuen Arztes. Er war gründlich und sehr menschlich. Man wurde erst aus der Behandlung entlassen, wenn man wieder gesund war. Bis zu diesem Zeitpunkt bestellte er einen immer wieder ein.

Bei dem neuen Arzt läuft alles ganz anders. Erstens ist er nicht sonderlich freundlich (hatte aber gedacht, das liegt an mir, evtl. war ich vom Vorgänger zu verwöhnt).

Der Behandlungsablauf sieht dann oft so aus.

Beispiele: Tochter geht endlich wegen Husten und Fieber zum Hausarzt. (Sie geht ungerne zum Arzt, das sie keine Zeit hat und auch auf der Arbeit nicht fehlen will/kann).
Hausarzt horcht Lunge ab. Verschreibt Antibiotika und schreibt sie 2Tage krank. Ende.
Ich besuche meine Tochter bei ihr zu Hause. Ich erkenne sie kaum wieder. Sie kann kaum alleine ins Bad kommen. Meiner Meinung nach hat sie einen ordentlichen grippalen Infekt.

Nach dem WE schleppt sie sich wieder zur Arbeit. Nach zwei Tagen schickt ihr Chef wieder zum Arzt. Dieser fragt, was er denn noch machen solle. Ob sie wieder eine AU haben möchte. Sie verneint dies und erklärt, dass es ihr nicht besser ginge. Immer noch gelben Schleim spucke, immer noch Fieber hätte. Außerdem wäre sie nur noch müde.

Der Arzt schrieb ihr nach nochmaliger Befragung ob sie krank geschrieben werden wollte eine AU aus. Er horchte sie nicht nochmals ab oder bestellte sie zur Nachsorge nochmals ein. Ist das normal? Wir kennen das so nicht vom früheren Hausarzt.

Noch ein Beispiel: Ich leide von Zeit zu Zeit unter Harnwegsinfekten. Öfters auch mit Beteiligung des Nierenbeckens.
Im letzten Fall hat mein Mann Urin von mir bei den Arzthelferinnen abgegeben mit der Bitte es zu untersuchen. (So haben wir es immer gehandhabt).
Die Arzthelferin rief mich mittags an und erzählte, der Urin zeigte eindeutige Harnwegsinfektzeichen auf. Ob ich schon mal Antibiotka xx probiert hätte. Ich bejahrte. Sie sagte, ich solle mir dann mal das Rezept aus der Praxis holen, sie mache es fertig. Kein Kontakt zum Arzt, keine Bitte um Nachkontrolle. Bin ich zu verwöhnt?

Nun habe ich in meinem Bekanntenkreis von vielen gehört, dass sie nicht mehr zufrieden sind mit der Praxis. Also bestärkt mich das, das ich gefühlsmäßig nicht alleine da stehe.

Nach so vielen Jahren in einer Praxis will man auch ungerne wechseln, zumal hier auf dem Lande die Auswahl an Medizinmännern/Frauen recht klein ist. Außerdem ist das Team rund um den Arzt wirklich super nett.

Obwohl ich nicht gerade super selbstbewußt bin, habe ich mir überlegt mal mit dem Arzt über meine Unzufriedenheit zu reden. Obwohl mir der Gedanke Angst macht.
Oder ist das alles normal? Reden Ärzte nicht mehr mit Patienten? Wollen sie die Patienten möglichst nur zum Kassenkarte einlesen in der Praxis haben?

Ich verstehe es ja auch, dass sie sich weniger Zeit für die Leute nehmen, wenn sie pro Quatal nur 30? € (oder so) bekommen.
Mir ist es dadurch ja schon peinlich einen Arzt um Hilfe zu bitten. Deshalb schiebe ich auch jeden Arzttermin so weit von mir wie irgend möglich.

Ich bin Rentnerin (habe viele Jahre als Krankenschwester gearbeitet) und brauch wegen eines fiebrigen Infektes oder Bandscheibenproblemen keinen Arzt. Ich kann mich auskurieren. Aber ein Arbeitnehmer braucht halt mal ne AU in solch einen Fall. Diese fühlen sich dann als Bittsteller.

Was meinen Sie, soll ich meine Bedenken ansprechen? Vielleicht hilft es ihm ja auch. Oder mache ich mich lächerlich? Ich möchte mich auf keinen Fall streiten.

Liebe Grüße
Arte

Beje
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Re: Bin ich zu verwöhnt?

Beitrag von Beje » 02.03.11, 09:53

Hallo liebe Arte,

das finde ich einen richtigen Weg, dem Arzt in einem ruhigen, sachlichen und fairen Gespräch Ihren Unmut Raum zu geben.

Man muss sich als Patient (und auch vielen anderen bereichen im Leben) nicht alles gefallen lassen. Und wenn etwas im Bauch oder im Herzen sich nicht in Ordnung/gerecht anfühlt, darf man das auch ruhig ausprechen.
Ich könnte mir vorstellen, wenn Sie das Ganze selbstsicher dem Arzt erklären, dass er sogar dankbar für solche Hinweise ist.
Wichtig ist, nicht persönlich zu werden...aber respektvoll formulierte Kritik an der Handlung eines Arztes ist immer in Ordnung!


Ich drücke fest die Daumen!!!!

Liebe Grüße
Beje

Marc-EN
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Re: Bin ich zu verwöhnt?

Beitrag von Marc-EN » 02.03.11, 13:26

Hallo Arte,

also ich habe mich während meiner Berufszeit immer gefreute, wenn konstrukive Kritik mich zum Ändern meiner Handlungsweise brachte. Habe z. T. auch Schwestern/Studenten gebeten, einem Patientengespräch (nach Einwilligung!) beizuwohnen, um mir anschließend die Dinge mitzuteilen, die sie nicht gut fanden.

Zugegeben: es soll andere Kollegen geben, die daran nicht sonderlich interessiert sind: pobieren Sie es doch einfach aus. Verlieren kann nur der Doc - nicht Sie.

Viel Erfolg
Gruß aus NRW

---Marc-EN---

Arte
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Re: Bin ich zu verwöhnt?

Beitrag von Arte » 02.03.11, 22:30

Ich danke Ihnen beide für die Rückmeldungen. Ja, ich werde versuchen es anzusprechen. Wenn dies völlig in die Hose geht, suche ich mir doch einen anderen Arzt.
Ich fühle mich auch etwas verpflichtet. Alleine wegen meiner Kinder und Enkelkinder.



Thx Arte

Cossa
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Re: Bin ich zu verwöhnt?

Beitrag von Cossa » 03.03.11, 22:06

So etwas kenne ich auch. Ich gehe nun seit ca. 1 1/2 Jahren bei diversen Ärzten ein und aus, so habe ich einige Erfahrungen mit verschiedenen Ärzten gesammelt. Aus diesen Erfahrungen kann ich hier nun berichten:
Mein Hausarzt hört mir zu und versucht mich an den richtigen Facharzt weiter zu vermitteln.
Der Orthopäde hört zwar zu, aber ich kann nicht behaupten, dass er mir Zeit lässt Fragen zu stellen.
Der Zahnarzt (ZA) hört zu, lässt mich fragen stellen, aber er muss von neuen Dingen (z.B.:Behandlungsmethoden) erst überzeugt werden.
Der Kieferorthopäde ist ein Mix aus ZA und Orthopäde, er hört zu lässt mich fragen ist dann aber doch recht schnell weg.

Als Gegenpol kann ich dann noch meinen Physiotherapeuten, der immer zuhört und dann auch WEIß was es ist.

Ich muss noch sagen, dass viele Ärzte mir nicht glauben, dass ich meinen Körper sehr gut kenne und viele Vorgänge genau beschreiben kann. Deshalb hatte ich schon einigen Ärger und Schmerzen, die nicht hätten sein müssen :evil:

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